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altes Sax lackieren?
#1
Schaut nur mal vorbei
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Hallo Leute, Ich besitze seit längerem ein vermutlich um die 70 Jahre altes Sax und will es endlich restaurieren.(siehe P.S.) Man sieht ihm an, daß daran heftig herumgekratzt wurde, an einigen Stellen scheinen kleine Lackreste erhalten zu sein. Aber im großen und ganzen ist es ohne Lack und besonders da, wo die Hände Kontakt haben, (also an Becher, Daumenhaken und -auflage, Drücker der Oktavmechanik, Seitenhebel) zeigen sich starke Abnutzung und Oxydationsspuren. Mein Fragen: - Wurden Saxophone auch unlackiert gebaut? - Welche Lacke kamen in den dreißiger Jahren zum Einsatz - Würdet Ihr ein so altes Sax von seiner Patina befreien und polieren oder lackieren? Ich weiß, daß die Fragen speziell sind und bin auch für Hinweise dankbar. Vielleicht hat der eine oder andere auch einen Literaturtip zur Restauration von alten Instrumenten. Herzliche Grüße Dirk P.S. Als ich vor über 15 jahren mein erstes Saxophon kaufte, nahm ich schlechten Rat an und gab viel Geld für ein Alt-Sax in beinahe schrottreifem Zustand aus. Es stammt vermutlich aus den 30iger Jahren. Die undichten Polster und die dilettantisch 'reparierte' Mechanik ließen mich damals beinahe verzweifeln. Auf der Bechergravur kann man noch erkennen: Breveté S.G.D.G. J.Gras Fournisseur de l'armee [?]2. Chaussée d'Antik C [?] (die Gravur bedeutet: Patentinhaber/Lizenznehmer ohne Garantie der Regierung (sans garantie du gouvernement) J. Gras Ausstatter der Armee ... Auf dem Korpus ist über dem Tonloch des Ds die Seriennummer 1625 eingeschlagen. Dabei kann es sich natürlich auch um eine Inventarnummer handeln Der Tonumfang reicht von Tief B bis Hoch-F. Es hat einen Oktavhebel mit Automat. Die Hebel für die kleinen Finger sind mit Röllchen aus Leder(?) versehen. Es gibt noch originale Perlmuttknöpfe, einige wurden mit rotem Zelluloid ersetzt (super empfindlich, brennt wie der Teufel, wenn man ihm nur zu nahe kommt), welche jetzt wohl rausfliegen und mit selbst gefertigten Perlmuttknöpfen ersetzt werden wird. Sollte jemand mehr über J.Gras wissen, würde ich mich darüber sehr freuen. Bilder kann ich auf Anfrage bringen, aber im Moment nur im zerlegten Zustand.

Geschrieben: 30.09.2007
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Re: altes Sax lackieren?
#2
Ist fast schon zuhause hier
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Hallo, ich habe auch ein Gras Sax. Die Firma war in Lille ansässig. Meins ist allerdings neuer und ziemlich baugleich mit einem SML. Ja, es wurden auch unlackierte Instrumente hergestellt. Oft wurde das Messing aber auch mit einem Zelluloselack überzogen (zaponiert). Bei den frühen Goldlacken habe ich schon die dollsten Sachen erlebt, z.B., daß sich der Lack beim Abreiben mit Spiritus auflöste. Schöne Grüße kingconn

Geschrieben: 30.09.2007
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Re: altes Sax lackieren?
#3
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Hallo Kingconn, interessant, bisher hatte ich noch niemanden getroffen, der ein 'Gras' hat. Von wann stammt Deines etwa? Was bedeutet SML ? Lille hab ich schon mal gehört. Bei einer Recherche im Internet tauchte ein Prospekt der Firma auf. Meinst Du mit 'Zelluloselack' Nitrozellulose (Nitrolack?).

Geschrieben: 30.09.2007
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Re: altes Sax lackieren?
#4
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Ja, ich meine Nitrozelluloselack (Silberzapon). Ich habe einige Saxe und Metallklarinetten restauriert, die diesen Überzug hatten. Der ließ sich nur mit einer speziellen Verdünnung entfernen, nicht mit normaler Nitroverdünnung oder mit halbstündigen Kochen in 3prozentiger Ätznatronlösung. Nach dem Kochen konnte man den Überzug wie eine Wurstpelle abziehen. Von wann mein Gras stammt, weiß ich nicht genau. Ich schätze aus den 50er Jahren. SML heißt Strasser Marigaux Lemaire Paris. Die Firma gibt es noch. Die bauen heute noch erstklassige Oboen. Schöne Grüße kingconn

Geschrieben: 30.09.2007
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Re: altes Sax lackieren?
#5
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Zitat:
Ich habe einige Saxe und Metallklarinetten restauriert, die diesen Überzug hatten.
Womit hast Du sie anschließend lackiert, auch wieder Silberzapon? Ist das Material wärmeresistent, übersteht also das Erhitzen beim Polsterwechsel? Zitat:
ließ sich nur mit einer speziellen Verdünnung entfernen
Hm, Wikipedia kennt 'Zaponlack' (nicht Silberzapon) und nennt Amylacetat, Ethanol, Ethylenglykol und Ethylacetat als Lösungsmittel. Kann natürlich sein, daß die nur als Verdünner für den Auftrag wirken und nach dem Aushärten nix merh ausrichten. 'Wie eine Wurstpelle' klingt gut, allerdings frag ich mich, was Du für Töpfe zur Verfügung hast. Oder reden wir von Soprillos ;) read you Dirk

Geschrieben: 30.09.2007
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Re: altes Sax lackieren?
#6
Moderator
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hi,
ich würde es nicht polieren oder lackieren.
Aber wenn Stellen da sind, die wirklich auf echte Korrosien hindeuten, da würde ich mich schon drum kümmern.

Geschrieben: 30.09.2007
_________________
Vollzeitzyniker --- GoTo Raschèr Saxophon Akademie --- Real Men use Lilypond
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Re: altes Sax lackieren?
#7
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Zitat:
Aber wenn Stellen da sind, die wirklich auf echte Korrosien hindeuten, da würde ich mich schon drum kümmern.
wie?

Geschrieben: 30.09.2007
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Re: altes Sax lackieren?
#8
Ist fast schon zuhause hier
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Hallo Dirk, hier sind zwei Datenblätter: hier und hier. Das Lösungsmittel ist CLOU 790. Ich habe die Instrumente teilweise neu zaponiert, teilweise nicht lackiert. Obwohl im Datenblatt 60 Grad als Temperaturobergrenze angegeben ist, habe ich bei vorsichtigem Erwärmen der Klappen keine Probleme gehabt. Der Kochtopf war ein riesiger Einkochtopf (Sax nach 30 Minuten einmal umgedreht), für Metallklaris drei aufeinander gelötete Konservendosen als Topf. Schöne Grüße kingconn

Geschrieben: 30.09.2007
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Re: altes Sax lackieren?
#9
Moderator
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Zitat:
wie?
kommt darauf an ob es durchgerostet ist, oder nur Flugrost hat ich hab meins an den verdächtigen Stellen mit Polierpaste behandelt, anschließend hat es dann wieder eine "kontrollierte" Patina angesetzt

Geschrieben: 30.09.2007
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Re: altes Sax lackieren?
#10
Schaut nur mal vorbei
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vielen Dank kingconn! gut zu wissen, daß es den Lack von Clou aus der Dose gibt. Kremer-Pigmente bietet wasserfesten Zaponlack flüssig in verschiedenen Gebinden an. Allerdings braucht man halt was zum Sprühen. Freundliche Grüße Dirk

Geschrieben: 30.09.2007
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