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Blätter

Artikel in 'Guides', hinzugefügt von Schorsch, 15.Februar.2008. Current view count: 2048.

Veröffentlicht von Schorsch am 15.02.2008​

Guide: Reeds

Bei den Blättern sollte man immer darauf achten, dass sie symmetrisch gearbeitet sind. Das bedeutet

Der Ausstich sollte auch beiden Seiten gleich, also die Ausläufer des nicht abgeschliffenen Teils des Blattes auf beiden Seiten gleich breit und gleich lang sein.

Das Herz des Blattes (der dunkle Teil in der Blattmitte) sollte seine dickste Stelle in der Mitte haben, durchgehend dunkel sein und auf beiden Seiten gleich weit an die Blattspitze heranreichen. Das kann man am besten feststellen, indem man das Blatt gegen das Licht hält. Das Blatt sollte gleichmäßig und symmetrisch seiner Längsachse von außen nach innen dunkler werden.
Blätter mit Beschädigungen wie herausgebrochenen Stücken oder tiefen Rillen sollte man aussortieren. Über die Farbe gibt es unterschiedliche Ansichten. Manche meinen, die grünlichen wären besser, andere sagen, je gelber, desto besser. Auf jeden Fall sollte man darauf achten, dass sie symmetrisch sind.


Vorbereitung:

Erstmal werden die Blätter tüchtig gewässert. Dafür. Am besten, man legt sie 3-4 Minuten komplett in lauwarmes Wasser. Dann werden sie kurz im piano angespielt und wieder weggelegt. Am nächsten Tag wieder einweichen und ein wenig spielen (egal wie es klingt), aber immer noch schön leise. Das dann am nächsten Tag wieder, erst dann geht es weiter zur


Bearbeitung:

Als erstes wird der Tisch (die Blattunterseite) plangeschliffen, da das nicht bei allen Blättern von vornherein gegeben ist. Dazu zieht man es über einen mit 400er Sandpapier bespannten Schleifbock. Die Oberseite wird ebenfalls leicht mit 400er Sandpapier abgerieben.

Dann kommt das erste Probespiel des bearbeiteten Blattes. Im mittleren Register geht es meistens immer ganz gut, die erste Problemzone sind die tiefen Töne, die oft recht schwer ansprechen. Das kommt daher, dass die Blätter ungleichmäßig gearbeitet, also auf einer Seite dicker als auf der anderen sind. Zum Testen der Einseitigkeit dreht man den Kopf so, dass eine Seite des Blattes an das Mundstück gedrückt wird, damit nur noch eine Seite schwingen kann. Dann kann man auf beiden Seiten testen, und die, die schwerer anspricht, ist dicker und wird nun sanft abgeschliffen.

Die tiefen Töne sind eher am hinteren Bereich des Ausstiches lokalisiert. Ist die Tiefe auf der rechten Seite schwerer als auf der linken, dann wird rechts hinten mit 400er Schleifpapier ein wenig Material weggenommen. Ist es auf beiden Seiten gleich schwer, sollte man natürlich auf beiden Seiten Material wegschleifen, aber gleich viel, denn sonst wird das Blatt ja wieder einseitig.

Klappt auch die Tiefe gut, kommt die zweite Problemzone dran, der Bereich ab c'''. Dort ist es zwar schwerer, mit dieser Methode die Einseitigkeit zu überprüfen, aber es funktioniert auch mehr oder weniger. Die hohen Töne sind auf dem Blatt nahe der Spitze lokalisiert, also wird, wenn das Blatt links schlechter Anspricht als rechts, links vorne ganz vorsichtig Material weggenommen, aber wirklich nur sehr wenig, da sich hier Veränderungen durch die ohnehin schon geringe Blattdicke sehr stark bemerkbar machen.

Am nächsten Tag werden sie wieder angespielt und wieder auf Einseitigkeit geprüft. Sprechen sie nach einigen Bearbeitungsvorgängen gut an, werden sie die nächsten paar Tage richtig eingespielt. Das bedeutet, dass sie pro Tag höchstens 20 Minuten gespielt werden. Nach höchstens einer Woche sind sie dann voll einsatzbereit.

Bei allen Arbeiten an der Blattspitze muss sehr vorsichtig vorgegangen werden. Es ist unbedingt darauf zu achten, dass die Frontlinie der Blattspitze gerade bleibt und keine Stücke herausgebrochen werden. Der rote ausge"x"te Bereich ist allerhöchstens mit 600er Schmirgelpapier zu glätten, sonst aber nicht zu bearbeiten.

Problem Lösung Gebiet
Blatt ist zu weich mit einem Blattschneider minimal an der Spitze kürzen Blattspitze
Blatt spricht generell schwer an mit 400er Sandpapier schleifen 4, 3, 2, 1
Blatt spricht in der Höhe schwer an mit 600er Sandpapier schleifen 2, 1
Blatt spricht in der Mitte schwer an mit 400er Sandpapier schleifen 2, 4
Blatt spricht in der Tiefe schwer an mit 400er Sandpapier schleifen 6, 5
Blatt pfeift mit 600er Sandpapier ausbalancieren 2
Muffeliger Klang mit 400er Sandpapier schleifen 3, 2, 1



Pflege

Zur Aufbewahrung der Blätter sollte ein sogenannter "Reedgard" angeschafft werden. Dies sind kleine aus Holz oder Plastik gefertigte Kästchen, in denen die Blätter gelagert und transportiert werden. In ihnen sind sie (besonders die empfindliche Blattspitze) vor jeglichen mechanischen Belastungen geschützt. Es gibt zahlreiche verschiedene Modelle, aus Plastik, aus Holz, aus Leder, für 2, 4, 6 oder 8 Blätter, rot, gelb, schwarz... - letztendlich ist das dem Blatt aber egal. Hier darf der Geschmack des Musikers entscheiden.

Nach dem Spielen ist es ratsam, die Blätter trocknen zu lassen, bevor sie in den Reedguard verpackt werden. Sonst entwickeln sich innerhalb weniger Tage dunkle Verfärbungen und ein übler Geruch. Dies geschieht am einfachsten, indem sie auf die Rückseite gedreht und liegengelassen werde. Sollten die Blätter sich beim nächsten Anfeuchten vor dem Spielen leicht wellen, kommt das daher, dass das Blatt die Feuchtigkeit unterschiedlich stark aufnimmt und dadurch auch nicht gleichmäßig quillt. Nach ein paar Minuten sind sie aber wieder vollkommen hergestellt.

Es sollten sich mindestens 4 Blätter im ständigen Gebrauch befinden. So wird vermieden, dass der Ansatz sich an ein immer schwächer werdendes Blatt gewöhnt und gemeinsam mit dem Blatt langsam abbaut. Außerdem sind so noch genügend Blätter in Reserve, falls eines beschädigt werden sollte.

Sollten die Blätter durch Speise- und Getränkerückstände bzw. abgeplatztes Lippenepithel verschmutzt sein, können sie einfach mit warmem Wasser gereinigt werden. In härteren Fällen kann auch Gebissreiniger genommen werden.