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Interview mit Peter Wespi

Artikel in 'Interviews', hinzugefügt von matThiaS, 13.Februar.2008. Current view count: 5226.

Der Schweizer Saxophonist Peter Wespi ist den Lesern von saxophonforum.de schon lange bekannt. Er beantwortet nicht nur Fragen im Forum kompetent, sondern er stellt den Mitgliedern auch viele Materialien wie Grifftabellen, kostenlose Playalongs sowie Übungs-und Improvisationsanleitungen zur Verfügung. Von daher lag es nah, Peter mal ein wenig aus dem 'Saxophonköfferchen' plaudern zu lassen. Das folgende Interview spiegelt sowohl Peters großes Wissen um das Thema Saxophon als auch seine pädagogischen Ambitionen.
Das Interview führte matthiAS per Email im Januar 2006.

saxophonforum.de: Hallo Peter, in umserem Forum wird die Frage nach 'dem Setup' wird in vielen Diskussionen kontrovers diskutiert. Deshalb zielt unsere erste Frage auf diesen Komplex ab. Wie lange brauchtest du, bis du das richtige Setup gefunden hattest?

Peter Wespi: Die Suche nach dem heiligen Saxophon-Gral! Diese wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bei jedem Saxophonisten irgendwann auftauchen und hoffentlich innert nützlicher Zeit vorüber sein...

Ich spiele seit meinem 15. Lebensjahr Saxophon und wurde von einem Ex-Klarinettisten, der selber erst knapp ein Jahr Saxophon spielte, "angelernt". In dieser Zeit gab es sehr wenige Lehrpersonen, welche explizit Saxophon unterrichteten, meistens wurde dies unter der Obhut der Blasmusikvereine von Klarinettisten noch so nebenbei getan. Da ist es auch kein Wunder, dass deren Wissen über Setup und dergleichen bei ihrem Zweitinstrument gleich null war. Dies hatte zur Folge, dass ich die ersten 4 Jahre bis Sommer 1985 mit einem Selmer Mark VII und dem beigelegtem C* und diversen Reeds spielte. Während dieser Zeit bekam ich vom Schweizer Militär dann ein Selmer Super Action (oops - ich weiss nicht mal, ob es ein Serie I oder II war...) in die Hände gedrückt.
Dann aber ging's ziemlich deftig los: Ich spielte auf dem Tenor (nach wie vor das Mark VII) betreffend Mundstück mehr oder weniger alles, was mir in die Hände fiel und experimentierte mit verschiedenen Reeds. Ich spielte Otto Link, Lawton, Peter Ponzol, Beechler usw. Dies war zwar eine relativ teure, aber auch lehrreiche Zeit. Da ich die gebrauchten Mundstücke immer gut weiterverkaufen konnte, hielten sich die Kosten jedoch in akzeptablen Grenzen.
Seit 1987 besuchte ich die allgemeine Abteilung der Jazz Schule Luzern und dabei wurde mit 3 verschiedenen Lehrern weiterer wichtiger Austausch über die Suche nach meinem Setup betrieben. Interessant dabei ist die Tatsache, dass mein Ansatz sich im Laufe dieser Zeit auch weiterentwickelt hatte. Dies zeigte sich vor allem auch darin, dass ich bei einer ersten Auswahl von Mundstücken (als ich mich dann für das Otto Link entschied) aus dem Lawton keinen einzigen normalen Ton hervorbrachte. In einer zweiten Aktion, als ich das Link schon mal ein paar Monate gespielt hatte, kristallisierte sich das Lawton als Favoriten und mein nächstes Mundstück heraus. In dieser Zeit quietschte es auf dem Guardala Brecker 1 was das Zeugs hielt und ich konnte mir dazumal kaum vorstellen, dass dieses zu einem späteren Zeitpunkt das Mundstück werden würde, welches ich drei Jahre später anschaffen und sehr lange spielen würde.
1989 fand ich bei Art Shell Music im New York Saxophon Center mein jetziges Selmer Mark VI. Von ca. 20 alten Hörnern, die ich anspielen konnte, machte es bei diesem Teil mit der Serie-Nummer 135 392 einfach *klick* und ich war überzeugt, dass dieses Horn für mich bestimmt war. Nach einer Revision in der Schweiz war es dann wirklich das Horn meiner Träume und ich war sehr froh, diesen wichtigen Teil des Setups abhaken zu können.
Bei einem Trip zu Musik Bertram in Freiburg 1991 wurden das Guardala Brecker 1 und ich Freunde und diese Freundschaft dauert bis jetzt ununterbrochen an. Seit August 2004 spiele ich Légère Studio Cut 3 und es gibt keinen Grund, dieses Setup zu ändern.

Nachtrag vom 31. Januar 2006
Hoppla, manchmal kommt es anders, als man denkt! Mein Baritone Sax musste nach 10 Jahren mal überholt werden. Darum war vergangene Woche ein Trip zu Thomy Inderbinen angesagt. Selbstverständlich ist bei diesen Besuchen immer das Tenor-Mundstück dabei, denn Thomy hat immer wieder etwas Neues zum Ausprobieren auf Lager. Eine neuartige Legierung in Form von mattem Metall für S-Bogen ist seine neuste Innovation und er gab mir gleich ein Yamaha YTS 62 mit dem Originalbogen und seinem Prototypen in die Folterkammer. Auf dem Weg dorthin kamen wir auch an seinem ausgestellten Inderbinen-Tenor vorbei und ich bat, auch darauf etwas spielen zu dürfen.