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Interview mit Peter Wespi

Artikel in 'Interviews', hinzugefügt von matThiaS, 13.Februar.2008. Current view count: 5208.

Dann spielte ich zuerst das Yamaha mit dem Originalbogen. Diese Hörner sind wirklich gut, aber nach dem Wechsel auf den modifizierten Bogen war der Sound im unteren Bereich gigantisch angewachsen! Ich war verblüfft, denn eine derart mächtige Zunahme der unteren Frequenzen hätte ich niemals erwartet. Nach einiger Zeit widmete ich mich dem Inderbinen-Tenor, den ich auch schon einige Male gespielt hatte. Sein Sound war ohne modifizierten Bogen mindestens gleich mächtig wie das Yamaha mit dem modifizierten Bogen! Ich spielte das Teil in verschiedenen Lagen, Long Tones, Top Tones, in der kompletten Dynamik von ppp bis fff, schnelle Läufe usw. Dieses Teil ist einfach der absolute Hammer - gehorcht in jeder Lage und entschädigt jeglichen spielerischen Aufwand mit seinem unglaublichen Sound.
Dann betrat Thomy die Folterkammer und wir fachsimpelten ausgiebig über seinen neuen Bogen. Irgendwann kam auch sein Inderbinen-Tenor zur Sprache. Mit etwas Ironie meinte ich, dass wenn er für den Inderbinen-Tenor auch einen Bogen mit der neuen Legierung hätte, ich sofort eines bestellen würde. Diese Aussage blieb dann mit einem gegenseitigen Schmunzeln im Raum stehen.
Auf dem Heimweg liess ich diesen Besuch nochmals revue passieren und der Gedanke, dass ich mir ein Inderbinen-Tenor bestellen würde, nahm langsam aber sicher konkrete Formen an - wer hätte das gedacht! Nach einigen Überlegungen betreffend Verkauf meiner beiden Mark VI Tenor- und Sopran-Saxes und Finanzierung fand sich auch ein (mehr oder weniger...) triftigen Grund dazu: Am 22.02.2006 werde ich 40 Jahre alt und spiele dann seit 25 Jahren Saxophon. Bis zu meiner Pensionierung dauert es exakt nochmals 25 Jahre, womit ich genau auf halber Strecke bin. So quasi zum Jubiläum und als Motivationsspritze für die nächste Halbzeit habe ich mir gestern bei Thomy einen Inderbinen-Tenor bestellt. Ich werde das Horn gegen Ende Jahr in Empfang nehmen dürfen und freue mich jetzt schon wie ein kleines Kind darauf!
Hätte man mir vor einer Woche gesagt, dass ich mein Mark VI verkaufen würde, hätte ich dies niemals geglaubt. Aber irgendwie passt dies auch zu meiner Person: Spontan, offen für Neues und manchmal einfach etwas verrückt...

Sopran
Seit 1986 spiele ich Sopran. Zu Beginn war es ein Yanagisawa gebogen, welches fast ausschliesslich an der Fasnacht zum Einsatz kam. Das Motto dabei war "je lauter desto besser" und so ergab sich ein Power-Setup: Dukoff 10 und Rico Plastocover 3.5 oder 4! Parallel zu diesem Karnevals-Horn spielte ich dann ein Selmer Super Action II, welches 1990 durch ein Selmer Mark VI mit Serie-Nummer 133'893 ersetzt wurde. Bei einer nächsten Mundstück-Aktion 1992 wurde das Guarala Brecker 1 mein Favorit und blieb dies bis heute. Ich spiele dieses mit Fibracell medium hard Reeds und es gibt keinen Grund, da etwas zu ändern.
1998 fanden weitere Test-Aktionen statt. Die Kontrahenten waren mein altes Selmer Mark VI und ein neues Yanagisawa 901 gebogen. Der Entscheid fiel klar auf das Yanagisawa. Betreffend Sound hätte ich mich eher für das Selmer entschieden. Aber die Tatsache, dass erstens das gebogene Sopran vom Spieler selber viel besser gehört wird und zweitens besser mikrofiniert werden kann, unterstützen die Wahl für das gebogene Sopran. Und das Sound-Manko gegenüber dem Mark VII liess sich mit üben ausgleichen...
Ich weiss, dass man diese Schnuckel-Teile oftmals mit Zirkus-Clowns und Spielwaren-Abteilung in Verbindung bringt, was mir jedoch ziemlich am A.... vorbei geht. Für mich muss das Material primär gut tönen und der individuellen Klangvorstellung entgegen kommen. Der ganze Rest mit der Kosmetik ist mir egal.

Baritone
1995 durfte ich endlich mein Baritone Sax entgegen nehmen! Es ist ein Selmer Super Action II, welches ich seit Beginn mit Lawton 8 Special und einem Fibracell medium hard spiele. Ich hatte mich betreffend Sound bereits vorher beschäftigt und wusste, wie ich als Baritone-Saxophonist tönen wollte. Weiter konnte ich durch die mittlerweile etablierte Stabilität des Tenor-Setups mit einer guten Basis ausprobieren und entscheiden und so war dieser Schuss ins Blaue mit anschliessendem Volltreffer kein wirkliches Wunder.

Alto
Ich war nie ein begeisterter Altist - irgendwie fühlte ich mich auf diesem Instrument nie so richtig wohl. Mittlerweile hab ich auch kein eigenes Horn mehr, habe aber jederzeit Zugriff auf ein Yanagisawa 901 und ein Yamaha YAS 32. Dadurch ist mir der Sound auch nicht soooo wichtig, er soll mich in erster Linie einfach nicht stören. In der Schublade liegen ein Lakey Jazz 6x3 Mundstück und ein Fibracell Reed, die dann und wann meistens in Studios zum Einsatz kommen.

Ich finde das Experimentieren mit verschiedenen Setups wichtig für die Spielerfahrung und das Spielgefühl. Es sollte aber nicht in einen Sport ausarten, denn es gibt immer irgendetwas, das interessant und im ersten Moment "besser" tönt. Dies ist wohl eine Art "Hans-im-Schneckenloch-Syndrom". Folgende Punkte haben mir bei der finalen Wahl des Setups sehr geholfen: