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Interview mit Peter Wespi

Artikel in 'Interviews', hinzugefügt von matThiaS, 13.Februar.2008. Current view count: 5215.

1. Die Tatsache, dass jeder Saxophonist seinen Sound bereits in sich trägt - das Setup ist lediglich eine Hilfe, einfacher daran zu gelangen. Ich habe früh damit angefangen, mich aufzunehmen. Sei es an Gigs, Proben oder einfach beim Üben von Soli, Impros usw. Ich spielte während dieser Setup-Odyssee wirklich komplett verschiedene Kombinationen, aber oftmals ist es anhand meines Sounds auf den Aufnahmen nicht mehr nachvollziehbar, welches Setup gerade spiele. Ein neues Mundstück tönt meistens nur ganz am Anfang "anders". Sehr bald jedoch modifiziert sich der Ansatz unbewusst in die Richtung des persönlichen Sounds und nach einiger Zeit klingst du wieder so, wie du es verdient hast.

2. Der Tipp eines alten Big Band Trompeters, welcher seit über 40 Jahren in den Sphären der viergestrichenen Oktave herumknödelt: "Wenn du dich mal für was entschieden hast, dann spiele das Zeugs erst mal 10 Jahre. Erst dann weisst du wirklich, was alles darin enthalten und damit möglich ist." Recht hatte er, dieser weise Mann.

saxophonforum.de: Nun ist es Zeit für eine Demonstration.

Hier gibt es den Trailer von Peters Studio zu hören.

Den Masterscore könnt ihr hier downloaden!


saxophonforum.de: Sind im Verlauf der bisherigen Karriere Veränderungen im Sound entstanden? Wenn ja, warum? Welche Auswirkungen auf das Setup hatte das?

Peter Wespi: Veränderungen gab es in erster Linie durch die Experimentiererei mit Mundstücken, daher war das Setup die Ursache der Veränderung. Aufnahmen von Proben und Auftritten legten es offen, dass unabhängig von irgendwelchen Setups sich der Sound wieder in die Richtung der vorigen Setups entwickelte. Jeder trägt den Sound bereits in sich, er muss nur geholt werden. An diesem Punkt ist die immer Geschichte des Bildhauers sehr treffend:
Ein Bildhauer, der einen grossen Stein bearbeitete, wurde gefragt, ob es nicht schwer sei, aus einem viereckigen Klotz ein Pferd heraus zu hauen. Er antwortete: "Das ist wirklich nicht schwer, denn das Pferd ist ja schon da. Ich muss nur noch den überflüssigen Rest wegmachen.

saxophonforum.de: Tuning ist ja nicht nur beim Autosport sehr beliebt. Wie siehst du es, wenn man sein eh schon teures Horn mit Vollsiber-S-Bögen, Resonanzkörpern etc. nochmals aufrüstet?

Peter Wespi: Saxtuning bildet meines Erachtens ein Teil des Setups. Ich spiele beim Tenor und Baritone einen Inderbinen Donnerbogen. Thomy und Susi Inderbinen kenne ich seit über 15 Jahren persönlich und war auch dabei, als Thomy mit einem umgebauten Zapfenzieher die ersten Versuche machte, Kamine aus einem Tenor-Korpus heraus zu ziehen! Haben lustig ausgesehen, diese Kamine... :
Thomy ist ein guter Freund, den ich - wie einige andere gute Freunde - leider zu wenig siehe. Wir schaffen es aber so in etwa alle 2 Jahre uns für ein gediegenes Essen zu treffen. Dabei ist Fachsimpeln kombiniert mit Philosophie angesagt. Diese nächtelangen Diskussionen haben mir von seiner technisch sehr fundierten Seite viel wichtige Information gebracht. Als Entwickler und Hersteller einer eigenen Instrumente-Serie ist er für mich bei Saxophon-Fragen der Ansprechpartner schlechthin. Es ist sehr beruhigend, auf Wissen und seine Erfahrung zurückgreifen zu dürfen.
Ich bin der Meinung, dass Setup und Tuning sich gegenseitig unterstützen sollten. Jedes Teil hat seinen eigenen Charakter und die gewählten Teile sollten sich gegenseitig möglichst unterstützen. Hier ein Negativ-Beispiel dazu: Ich kenne jemanden, der sich wegen dem dunklen Sound ein Selmer Serie III Tenor gekauft hat. Und weil er bei einigen Rhythm and Blues-Nummern in der Band Soli hat, kaufte hat er sich das Guardala Super King Rhythm and Blues. Dieses ist ihm für die anderen Songs aber zu scharf und spielt nun darauf ein La Voz Reed. Das heisst: Dunkles Horn, scharfes Mundstück, dunkles Blatt. Ich hab dieses Setup auch schon gespielt und fühle da irgendwie eine latente Spannung: Weder Horn noch Mundstück ergänzen sich, sondern verhalten sich total konträr zueinander. Es ist meistens schwer, Spielgefühl in Worte zu fassen, aber ich hatte mit diesem Setup eine Art "Identitätskriese" und fühlte mich überhaupt nicht wohl.