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Interview mit Peter Wespi

Artikel in 'Interviews', hinzugefügt von matThiaS, 13.Februar.2008. Current view count: 5213.

saxophonforum.de: Um die Rubrik Hardware abzuschließen und ein wenig ins Metaphysische überzuleiten lautet die nächste Frage: Praktizierst du Varianten von Saxvoodoo wie beispielsweise das Imprägnieren von Blättern in Buttermilch?

Peter Wespi: Hier kann ich keine grossen Tipps geben, weil ich damit mehr oder weniger gar nichts am Hut habe. Ich kenne jedoch Leute, die dies erfolgreich praktizieren und hab auch nichts dagegen einzuwenden, wenn der Ansatz des Voodoo-Praktikers stabil ist und so eine Basis oder ein Bezugspunkt bilden kann.
Ich selber wollte lieber spielen und habe daher die Schreiner-Arbeiten an Reeds auf ein Minimum reduziert: War ein Reed betreffend Sound OK, jedoch auch nach 1 bis 2 Stunden immer noch etwas zu hart zu spielen, kreiste ich es ein paar Mal mit der Unterseite auf einem Schleifpapier. So behielt es den Charakter und verlor nur etwas von der Härte. Heute spiele ich ausschliesslich Kunststoff-Blätter und da mach ich nichts daran, nur spielen.
Sicher gibt es Bücher worin erklärt wird, dass wenn man in einem Bereich des Reeds etwas schleift, sich dies in einer entsprechenden Lage auf irgendeine Art und Weise auswirkt. Das hat aber nie wirklich mein Interesse geweckt, weil ich lieber spielte und mir einen guten Ansatz erarbeiten wollte. Schliesslich bin ich selber das erste und wichtigste Glied in dieser Kette.
Mein Schüsselerlebnis, Saxvoodoo auf ein Minimum zu reduzieren war vor über 10 Jahren an einem Konzert: Ein Saxophonist entfernte während eines Piano-Solos von einer Reed-Schachtel das Zellphan-Papier, nahm wahllos ein nagelneues Reed, feuchtete es an, spannte es auf das Mundstück und drückte ohne vorher auch nur einen einzigen Ton geblasen zu haben, ein gigantisches Solo ab - der Sound war unverkennbar er selbst. Zufälligerweise war es die Sorte Reeds, mit denen auch ich mich herumplagte und meinte, von einer 10er Schachtel gerade mal 2 Stück verwenden zu können.
Nach dem Gig sprach ich ihn darauf an und die Antwort war niederschmetternd und aufbauend zugleich: Dass ein Reed schlecht tönt, sei reine Einbildung. Beinahe jedes Reed ist spielbar, manche sind nur ein wenig bockig. Das eigentliche Problem befindet sich hinter dem Saxophon und die Lösung dafür ist: Spielen, üben, spielen, üben...
Von da an habe ich Saxvoodoo auf ein absolutes Minimum reduziert und versucht, den Sound auch dann zu holen, wenn er z.B. vom Reed nicht auf dem Tablett geliefert wird. Das war wirklich nicht der Weg des geringsten Widerstandes. Aber umso erstaunlicher und auch beruhigend ist es festzustellen, dass die Behauptung, der Sound beginne im eigenen Kopf, schwer etwas an sich hat.
Meine Formel seither ist 99% üben und spielen, 1% Saxvoodoo und für mich stimmt sie. Die wichtigste Voraussetzung dabei ist ein optimales Setup mit langjähriger Spielerfahrung.


Ähnlich wie beim Setup vertrete ich die Meinung, dass Tuning und Voodoo in Ordnung sind und hilfreich sein können. Man muss sich dabei aber immer vor Augen halten, dass dies niemals das Üben und Spielen ersetzen wird. Aber es ist halt schon verlockend, persönliches Spielmanko und fehlende Routine mit einem nicht optimalen Setup und einem nicht optimalen Tuning zu entschuldigen. Dies ist aber etwa so, wie wenn man einen Bumerang fortwerfen will. Hier können die Punkte 1. und 2. bei meiner Antwort zu Frage 1 als Ergänzung angefügt werden.



saxophonforum.de: Wie vollzog sich dein Weg vom ersten Instrument bis zum Profi?

Peter Wespi: Damit diese Frage nicht in eine Auto-Biographie ausartet, gebe ich nur die wichtigsten Stationen:

1972 Blockflöte!!!
1974 Klassische Klavier-Ausbildung
1980 Drei Jahre Klarinette waren dazumal die Bedingung, um Saxophon spielen zu dürfen, was ich einen totalen
Schwachsinn fand und auch heute immer noch finde. Durch die Erfahrungen am Piano wurden die drei Jahre
auf eines reduziert.
1981 JUBEL!!! Ich bekam mein erstes Tenor Saxophon und übte wie ein Irrer! Der Saxophon-Lehrer-Notstand
zwang mich dazu, das Saxophonspiel autodidaktisch zu erlernen.
1984 Meine ersten 10 Saxophon-Stunden bei einem Profi-Saxophonisten zur Vorbereitung für die Aufnahme-
prüfung für das Militär-Spiel der Schweizer Armee
Bestandene Aufnahmeprüfung für das Militär-Spiel der Schweizer Armee
1985 Rekrutenschule im Militär-Spiel der Schweizer Armee
1986 Direkter Einstieg ins 3. Semester der Allgemeinen Abteilung an der Jazz Schule Luzern
1988 Abschluss des 6. und letzten Semesters der Allgemeinen Abteilung an der Jazz Schule Luzern
1991 Bestandene Aufnahmeprüfung für die Berufsausbildung an der Jazz Schule Luzern
Start der Berufsschule und Aufgabe des "normalen" Berufes im Aussendienst
1994 Abschluss der Jazz Schule
1995 Gründung der Einzelfirma big bang studio, mehr Info unter www.wespi.com