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Interview mit Thorsten Skringer

Artikel in 'Interviews', hinzugefügt von Claus, 26.Juni.2010. Current view count: 1140.

saxophonforum.de: Hallo Thorsten, wir würden gerne etwas über Deinen musikalischen Werdegang erfahren: wann und wie bist Du zur Musik und zum Saxophon gekommen?

Thorsten Skringer: Ich bin erblich vorbelastet, und stieg als 6 jähriger in die Fußstapfen meines Großvaters und habe mit Klarinette begonnen.
Anfangs war ich jedoch nicht der fleißigste und war hin und her gerissen, zwischen der Probe im Musikverein, und dem Training in der Fußballmannschaft. Als sich dann im Alter von 14 das Saxophon hinzugesellte ging es jedoch schnell vorwärts. Der musikalische Brückenschlag war gegeben. Ich konnte die Musik spielen, die ich hörte. Mit 18 habe ich sofort nach der 10. Klasse das Gymnasium verlassen, und ging nach München an die „Neue Jazz Schule“ und habe dort in 2 Jahren mein Diplom gemacht. Währenddessen ging es auch super vorwärts mit Schülern und Bands, so dass der Einstieg ins Berufsleben kein Problem darstellte. Bands wie Soulkitchen, Sub-Player bei den Weather Girls, eine Tour mit Al Martino und diversen anderen Projekten ließen mich früh eine Vielzahl von musikalischen Stilen erfahren. Und lernen. Das hört ja bekanntlich niemals auf.

saxophonforum.de: Irgendwo stand zu lesen, dass Du Dir stilmäßig eine gewisse Offenheit bewahrst und nie versucht hast, wie Saxophonist X oder Y zu klingen. Ist das so richtig wiedergegeben?

Thorsten Skringer: Das sollte ja wohl jeder Musiker so handhaben. Vor allem in der popularen Musik geht es um nichts anderes, als um Authentizität.
Wenn man es so betrachtet, könnte man sagen, dass ich gerne ein Saxophonist wäre, der den Groove eines Maceo Parker hat, die Technik eines Michael Breckers, die Tonauswahl eines Bob Mintzers, den Soul eines David Sanborns, den Sound eines Joshua Redmans, ne band hätte wie Tower of Power und Incognito und Songs schreiben kann wie John Major, Michael McDonald. Und das Wichtigste ist, dass daraus resultierend einfach nur „Skringer“ übrig bleibt. Das ist schwierig genug

saxophonforum.de: Gibt es trotzdem Musiker, von denen Du sagen würdest, dass sie für Deine Entwicklung prägend waren?

Thorsten Skringer: Alle oben genannten und noch viele, viele mehr!!

saxophonforum.de: Du bist Mitglied einer ganzen Reihe von Bands, aber einem breiten Publikum bist Du sicherlich auch bekannt durch Deine Mitwirkung bei den „HEAVYTONES“ in Stefan Raabs „TV-Total“. Es gibt wohl kaum eine Band im Deutschen Fernsehen, die häufiger zu bewundern ist. Waren Deine Fernsehauftritte der ausschlaggebende Grund für den Umzug von München nach Köln?

Thorsten Skringer: Ich habe schon länger überlegt, auf meine „alten Tage“ doch noch mal weg zu gehen aus München, um was Neues zu erfahren und zu erleben. Als dann die Anfrage kam, für die Heavytones eine Audition zu machen, war mir sofort klar, dass ich nach Köln komme, wenn ich den Platz bekomme. Und so kam es dann auch. Zum Glück! Ich fühle mich sehr wohl hier in Köln.

saxophonforum.de: Deine stilistische Wandlungsfähigkeit kommt Dir sicherlich bei den HEAVYTONES zugute, oder? Von Funk, Rock über Soul bis zum Bigband Jazz wird ja ein ganz schön breites Repertoire abgedeckt.

Thorsten Skringer: Ich hoffe es. Wobei ich der Meinung bin, dass jeder Musiker, und als solcher bezeichne ich mich eher als „Saxophonist“, diese Wandlungsfähigkeit haben sollte. Ich werde jetzt auch die Sommerpause nutzen, um auf der Flöte und dem Sopran noch zu zu legen.

saxophonforum.de: Viele gute Musiker sind ja wirtschaftlich trotz ihrer Kunst nicht gerade auf Rosen gebettet. Kann man von einem Stefan Raab eigentlich etwas lernen, wenn es um Vermarktung von Ideen und um eine auch wirtschaftlich erfolgreiche Selbstdarstellung geht?

Thorsten Skringer: Ich weiß nicht, ob man das vergleichen kann, aber sicherlich ist es interessant, wie gewisse Sachen funktionieren. Wenn man es so betrachtet, muss ich auch noch sehr viel lernen und Glück haben, denn nur von meinen Cds, Büchern und Konzerten mit meiner eigenen Musik hätte ich im Moment auch keine Chance zu überleben. Aber das ist, und sollte immer das Ziel eines Künstlers sein. Ob es dann mal sattelfest klappt, oder nicht ist gar nicht so wichtig. Viel wichtiger ist, dass man immer „brennt“ besser zu werden und dazu zu lernen.

saxophonforum.de: Zurück zu Deinen anderen Projekten: Unterrichtest Du eigentlich auch oder fehlt Dir dazu schlicht die Zeit? Wie sieht denn überhaupt ein „normaler“ Arbeitstag bei Dir aus?

Thorsten Skringer: Zu einem regelmäßigen Unterricht würde mir die Zeit fehlen, aber gelegentlich gebe ich schon Coachings auf Nachfrage. Auch zu Saxophonworkshops finde ich immer wieder die Zeit. Auch viel in Zusammenarbeit mit Yamaha. Die helfen mir viel, bei der europaweiten Organisation von Workshops, Seminaren und Shows bei Musik Messen. Wie zum Beispiel Frankfurt.
Ein „normaler“ Arbeitstag bei den Heavytones ist immer klar strukturiert. Erst proben wir im Proberaum die Songs, dann gibt’s die Generalprobe und dann die Sendungsaufzeichnung. Je nachdem wann unsere Probe beginnt, versuche ich ein bis zwei Stunden vorher da zu sein, um noch zu üben.
Abseits der Heavytones habe ich natürlich viele Projekte um die ich mich auch noch kümmere. Meine Bücher und Cds und Bands wie Soulkitchen und dem Ensemble „Der 5te Mann“ Es gibt also immer was zu tun.

saxophonforum.de: Die Entwicklung eines vernünftigen Rhythmusgefühls und eines sicheren Timings scheint ja bei vielen Bläsern ein eher wunder Punkt zu sein. Du hast mit den „Sax Clinics“ ein sehr erfolgreiches Werk veröffentlicht, das hier ansetzt. Abgesehen vom Kauf Deines Buches: welche Empfehlungen hast Du für die „Rhythmuslegasteniker“ unter uns parat?

Thorsten Skringer: Tanzen... (er lacht....) Aber im Ernst: Ich habe immer viel „Groove“ Musik gehört, und versucht zu hinterfragen, was passieren muss dass es groovt, und was kann der Grund sein, dass es nicht groovt, obwohl alles richtig ist. In der Jazz Schule München hatte ich einen super Rhythmik Unterricht bei Jan Zelinka, und der hat mir sehr geholfen, die „Mikro-Time“ zu verstehen, und vor allem zu verinnerlichen. Aber mein kurzer Ratschlag für alle:
Halbes Tempo Metronom, und ohne Fehler üben.
Dann hat man schon mal viel erreicht, wenn man sich in dieser Richtung diszipliniert.

saxophonforum.de: Erzähle uns etwas zu Deinem zweiten Werk, den „Funky Sax Solos“.

Thorsten Skringer: Das kam eigentlich durch den Antrieb vieler Kollegen. Ich bekam nach Veröffentlichung meiner letzten CD „Over the Line“ viele e-mails, ob es davon Noten gibt. Sowohl von Bands, als auch von Saxophonisten und Bläsern. Dann hat ein toller Kollege von mir (Thomas Riether, Friedrichshafen) gesagt, er habe angefangen meine Soli von „Jackie Treehorn Blues“ und „Obviously you are not a Golfer“ zu transkripieren. Somit war der Startschuss gefallen, ein pädagogisches Transkriptionsbuch zu machen.
Ich hoffe, dass viele Spieler damit Spaß haben, und tolle Sachen für sich „raus ziehen“ können.

saxophonforum.de: Zum Schluss noch die unvermeidliche Frage nach dem Material. Du bist Endorser für Yamaha. Was gefällt Dir an diesen Instrumenten besonders? Welches Mundstück spielst Du?

Thorsten Skringer: Die offizielle Bezeichnung lautet: Yamaha Artist. Das trifft es auch besser, wie ich finde. Ich bin ein Artist, der mittlerweile komplett Yamaha Instrumente spielt. Außer Klarinette. Da spiele ich noch immer die alte „Todt“ von meinem Großvater. Aber auch hier werde ich mir bald ein Yamaha Instrument kaufen, weil Sie viel besser intonieren und ansprechen. In der Tat: Kaufen! Geschenkt gibt es nichts. Und das ist auch gut so, denn nur so bleibt der „Artist“ glaubwürdig.
Ich habe schon immer bei den „Doubling“ Instrumenten auf die Qualitäten von Yamaha gesetzt. Vor allem wegen der Top Verarbeitung, Ansprache und Intonation. Spiel zum Beispiel seit 15 Jahren ein 32er Bariton! (Früher hieß das 475er noch 32!)
Sopran spiele ich auch (nur) ein 475. Komm absolut super darauf zurecht.
Tenor und Alt sind bei mir 82 Z. Das Tenor in versilbert, das Alt unlackiert.

Auf dem Tenor spiele ich ein altes Otto Link Early Babbit Ebonit (die gibt es jetzt wieder!!!) und auf dem Alt ein Meyer USA. Also nix Außergewöhnliches.

saxophonforum.de:Vielen Dank für dieses Interview!



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www.skringer.de/
Rezension von Thorstens Funky Sax Solos im saxophonforum