1. Diese Seite verwendet Cookies. Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies. Weitere Informationen

Just Joe’s Gel Gurt bzw. Kölbl’s Just Joe’s Gelgurt

Artikel in 'Tipps, Tricks & Tests', hinzugefügt von saxhornet, 6.Februar.2015. Current view count: 1203.

Vor ein paar Jahren hörte ich zum ersten Mal Lobeshymnen bei SOTW (Sax on the web, einem internationalem Saxophonforum) auf einen neuen Gurt aus Amerika, den ein Saxophonist in seinem kleinen Laden dort in Eigenarbeit herstellte. Joe Rohrbacher, selber ein wirklich guter Saxophonist, der in Oregon seit vielen Jahren einen Instrumentenladen betreibt und vor Ort auch die Jazzszene durch die Organisation von Jazzkonzerten unterstützt, hatte diesen entwickelt, angetrieben durch eigene Hals- und Wirbelsäulenprobleme.


Ich bin bei so einem Hype immer eher skeptisch, war aber auf der Suche nach einem besseren Gurt, als den, den ich damals benutzte und entschied mich, da es den Gurt in Deutschland noch nicht gab, ihn direkt in Amerika zu bestellen. Ich hatte jetzt einige Jahre Zeit den Gurt zu testen und hier folgt jetzt mein Resümee:

Auf den ersten Blick unterscheidet sich der Gurt erstmal nicht so stark von anderen qualitativ hochwertigen Gurten in V-Form, erst der zweite Blick, ein kurzes Abtasten und die Benutzung zeigt, was hier anders ist und lässt schnell erahnen, warum der Gurt so viele Nutzer zu Lobeshymnen bei SOTW veranlasst hat.

Verarbeitung, Material und Polsterung: Die Materialien wirken hochwertig. Das Leder für die Auflage am Hals ist angenehm (nicht zu weich, nicht zu dünn aber auch nicht zu hart). Ein Abfärben auf Hemden habe ich nicht feststellen können. Der eigentliche Clou sind aber auf der Innenseite die Polster. Die Polsterung des Gurtes erfolgt nicht über Schaumstoff oder Neopren, Stoffe, die meist nach einiger Zeit komprimieren und ihre Form mehr oder weniger stark verlieren, sondern über zwei medizinische Geleinlagen. Diese sind sehr belastbar und verformen sich auch nach längerer Benutzung nicht. Die Verarbeitung erscheint mir sehr sauber und ordentlich. Die Kordeln verdrehen sich nicht wie wild oder ribbeln sich auf, Probleme, die ich bei manch anderem Gurt schon öfters hatte, manchmal auch schon nach einem doch eher kurzen Benutzungszeitrahmen. Solche Probleme mit den Kordeln können dazu führen, dass die Höhenverstellung dann schlechter geht oder sie sogar anfängt nachzugeben, man also alle paar Minuten nachregeln muss. Nach über 2 Jahren intensiver Benutzung habe ich damit, wie überhaupt mit dem Gurt, beim Gelstrap keinerlei Probleme.

Der Gurt lässt sich mittlerweile nicht nur in Amerika direkt bei Joe Rohrbacher, sondern auch hier im ausgewählten Musikalienhandel erwerben. Wobei nur beim Bestellen in Amerika einem noch die Wahl zwischen unterschiedlichen Karabinerhaken und Kordellängen zur Verfügung steht. Den Karabinerhaken gibt es in 3 Ausführungen: aus Metall, aus glasfaserverstärktem Kunststoff oder als offenen Metallhaken. Ich persönlich bevorzuge bei Gurten immer einen echten Karabiner aus glasfaserverstärktem Kunststoff, nachdem mir ein Metallhaken eines anderen Gurtes mal die Öse am Sax durchgescheuert hat. Es gibt aber Spieler, die schwören auf Metallhaken und sind davon überzeugt, dass es ihr Spiel und ihren Klang beeinflusst.

Die europäische Variante hat den glasfaserverstärkten Karabinerhaken und es gibt nur eine Gurtlänge. Der Gurt wird hier von Kölbl, einem erfahrenen Gurthersteller produziert, die Qualität der Produkte wurde aber von Joe Rohbacher angeblich mehrfach geprüft und abgesegnet.

Ich habe sowohl von den in Amerika als auch den von Kölbl produzierten Gurten mehrere und finde beide in Qualität und Verarbeitung sehr gut.

Tragekomfort: Die Gelpolster, zusammen mit der V-Form, haben einen sehr starken Einfluss auf den guten Tragekomfort, so mein Eindruck. Ich hatte noch keinen Gurt, den ich als ähnlich angenehm empfand, auch beim Tragen über einen längeren Zeitraum. Schaut man sich die Positionierung der Polster an, scheint auch hier, ähnlich wie bei anderen Gurten, die Idee vertreten zu sein, die Halswirbelsäule durch eine Einsparung zwischen zwei Polstern zu entlasten. Während es Gurte gibt, die dies als reines Hauptziel haben, scheint es, wenn man das Tragegefühl vergleicht, aber nicht die primäre Idee hinter dem Just Joe Gelgurt zu sein. Zwar wird die Wirbelsäule auch hier etwas weniger belastet, es scheint aber eher der Tragekomfort als Gesamtkonzept im Vordergrund zu stehen. In meinen Augen eine gute Entscheidung, denn bei manchen Gurten sind die Polster ungemein hart oder groß und drücken dann auf Hals- und Schultermuskeln, was sich auf Dauer sehr unangenehm anfühlen kann (hängt aber auch von der Anatomie des Spielers ab). An meinem Hals fühlte sich der Gelstrap angenehm an, nichts zwickt oder drückt. Die Polsterung erschien mir von der Größe her ideal, groß genug um eine angenehme Dämpfung zu geben und den Tragekomfort zu verbessern aber nicht so groß, dass sie unangenehm ist und auf Muskeln und Nerven im Schulter- und Halsbereich drückt. Die Gelpolster passen sich der Anatomie sehr gut an, erreichen sehr schnell die Hauttemperatur und sind eigentlich recht unauffällig, bis man mal den Gurt wechselt und plötzlich feststellt dass es eben doch noch so bequem war und plötzlich nicht mehr. Die Stärke des Gurtes ist, dass man ihn nur sehr wenig wahrnimmt und er das Gewicht des Horns gut verteilt.

Manche Gurte schneiden gerne mal irgendwo am Hals ein, ob nun an den Seiten oder hinten, speziell wenn diese zu weit oben auf dem Hals sitzen. Um das zu verhinder nutzen einige Gurte sogenannte Spreizer, die verhindern sollen, das die Kordeln in den Hals drücken. Obwohl ich einen kräftigen Hals habe ist beim Gelstrap ein Spreizer nicht erforderlich, er sitzt auch so angenehm. Die Gurte mit V- Form sitzen generell häufig etwas tiefer auf dem Hals und entlasten so leicht die oberen Halswirbelsäule, so auch hier.

Optik, Auftritte, länger Proben: Für Auftritte erfüllt der Gelstrap in meinen Augen seinen Zweck ideal, er fällt vom Aussehen nicht stark auf mit seiner schwarzen Färbung. Er liefert einen sehr guten Tragekomfort, auch bei längerem Spiel mit dem Tenor, und lässt sich perfekt unter dem Hemdkragen platzieren, was von der Optik her bei manchen Auftritten notwendig sein kann. Ich persönlich möchte ihn für Auftritte nicht mehr missen.

Generell ist der optimale Gurt immer von der Anatomie des Spielers und dem zu dieser Anatomie passenden Gurt abhängig. Zu meiner Anatomie passt er sehr gut, auch bei längeren Übungssessions und Proben fühlt sich der Tragekomfort gut an.

Ich benutze den Gurt für Sopran, Alto und Tenor, ich weiß aber auch von Spielern, die ihn auf dem Bariton nutzen und dort lieben. Beim Bariton ist mir die Belastung der Halswirbelsäule aber bei allen Halsgurten zu hoch und unangenehm. Da bevorzuge ich andere Systeme, die den Hals gar nicht erst belasten, ich kann also zur Benutzung beim Bariton nicht wirklich etwas sagen.

Fazit: Ist es ein Gurt für Jedermann? Wahrscheinlich nicht. Das ist aber auch kein Gurt, denn jeder Spieler ist von der Anatomie so individuell, dass nicht jeder Gurt für jeden Spieler funktionieren kann. Manchmal würde man sich Maßanfertigungen wie bei Schuhen oder Kleidung wünschen. Deswegen sollte man auf alle Fälle auch einen Gurt, wenn möglich, immer vor dem Kauf auch ausprobieren, am besten gleich mit einem Saxophon zusammen, damit man auch einen richtigen Eindruck vom Tragekomfort bekommt.

Für mich und meine Anatomie ist es der bis jetzt beste Gurt, dem ich begegnet bin. Nicht ohne Grund besitze ich bereits 5 davon, in jedem Koffer mindestens einen immer drin liegen habend, damit ich nie aus Versehen bei einem Auftritt ohne einen dieser Gurte spielen muss, nur weil ich eventuell in der Hektik mal vergessen habe den richtigen Gurt mitzunehmen.

Was ebenfalls für manchen Spieler ein Problem sein könnte, ist der Preis. Mit 59,- Euro gehört er mit Sicherheit nicht zu den billigsten seiner Art, wenn ich aber den Komfort dazu in Relation setze und die Haltbarkeit, erscheint er mir persönlich gar nicht so teuer und halte ihn für seinen Preis wert. Von anderen Gurten durfte ich mir schon oft nach einem Jahr einen neuen kaufen, weil die Polster entweder zu stark komprimierten oder die Kordeln sich so stark verdreht oder abgenutzt hatten, dass die Höhenverstellung mitunter Probleme bereitet hat.

Was den Gurt aber so besonders macht und laut Hersteller den Preis verursacht, sind die medizinischen Geleinlagen, die der Hersteller in den USA bezieht, wohl patentgeschützt sind und sich auf den Preis auswirken.

In Deutschland ist Kölbl für den Vertrieb des Gurtes zuständig, verkauft ihn aber nicht selbst, sondern liefert ihn lediglich an Händler aus. Man kann ihn aber auch direkt in Amerika bestellen, wodurch aber dann noch Kosten für den Zoll entstehen können. Vincent Herring, Jaleel Shaw und Craig Handy sind bekannte Musiker, die mittlerweile wohl ebenfalls den Gurt nutzen, was aber nichts heißt, selber ausprobieren ist die Devise. Ich für meinen Teil kann jetzt die Lobeshymnen nachvollziehen und bin froh den Gurt ausprobiert zu haben. Klar kann auch dieser Gurt das Gewicht des Saxophons nicht aufheben, aber das kann kein Halsgurt. Er kann aber dafür sorgen, dass das Gewicht vernünftig verteilt wird und man auch längere Übesessions und Auftritte mit einem guten Tragekomfort schafft ohne zu zusätzlichen Verspannungen zu führen (das hatte ich bei anderen Gurten öfters).


Bezugsquellen:
www.thomann.de
www.saxophon-service.de
http://justjoessaxgelstrap.com/