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Richtig Saxophone kaufen

Artikel in 'Guides', hinzugefügt von Schorsch, 15.Februar.2008. Current view count: 8691.

Die Frage, welches Instrument man kaufen soll, hat sicherlich jeden schon beschäftigt. Das ist ein sehr subjektives und daher schwer zu lösendes Problem, das einem niemand abnehmen kann. Jeder Mensch hat seine eigenen Vorlieben, und nur weil Michael Brecker auf einem Selmer Mark VI spielt heißt das noch lange nicht, dass man auf einem Mark VI klingt wie Michael Brecker. Der größte Fehler, den man machen kann, ist der, nur wegen eines Namens blind ein Instrument zu kaufen. Selbst innerhalb derselben Modellreihe desselben Herstellers gibt es zum Teil große Unterschiede.

Der einzige Weg ein Instrument zu finden, das wirklich zu einem passt, ist der, jedes auszuprobieren, das einem über den Weg läuft. Dieser Guide soll eine kleine Hilfestellung für diesen langen und schwierigen Weg sein.


Die wichtigsten Regeln schon mal vorneweg:

  • nie ein Instrument kaufen, das man nicht angespielt hat
  • kommt einem die Situation sehr seltsam vor (Verkäufer drängt auf Kauf, Instrument wird zu 10% des normalen Preises angeboten), lieber nicht kaufen
  • die Preise verschiedener Händler vergleichen
  • wenn es geht immer eine zweite Person mitnehmen. Sie kann helfen, den Sound und die Intonation objektiv zu beurteilen. Beim ersten Instrument kann das ruhig der Lehrer sein
    Information ist alles. Je mehr man über die Instrumente weiß, desto weniger kann einem ein Verkäufer vormachen

Eine durchaus sinnvolle Lösung ist es, mit dem Mietkauf eines Mittelklasseinstruments wie z.B. dem Yamaha 475 oder dem Keilwerth EX90 IV zu beginnen. So hat man zu einem relativ guten Preis ein ganz gutes Instrument. Merkt man nach einiger Zeit, dass das Saxophon einem doch nicht zusagt, hat man keine Unsummen ausgegeben und kann das Instrument wieder zurückgeben. Sollte einem das Saxophonspielen gefallen, kann man sich ja in der Mietzeit nach anderen Instrumenten umschauen.

Neuerdings gibt es aber eine preislich und qualitativ ernstzunehmende Alternative zu den Einstiegsreihen der Big4: Expression-Saxophone stammen aus Taiwan und werden von der TK GmbH vertrieben. Von der Qualität her liegen sie auf einem Niveau mit Instrumenten der großen Hersteller, die nahezu das Doppelte kosten. Es handelt sich hier nicht um "Containerware", deren Ursprung nicht nachvollziehbar ist, so wie es bei vielen asiatischen "No Name"-Instrumenten der Fall ist. Viele Händler haben sie bereits im Sortiment und bieten sie zum Mietkauf an.

Ob man den Einstieg mit Sopran, Alt oder Tenor wagen soll, kommt auf die persönlichen Vorlieben an. Viele beginnen auf Alt, weil sie im Alter von 10 bis 12 anfangen, und körperlich das Tenor einfach nicht bewältigen können. Vielfach geäußerten Thesen wie "mit Tenor kannst du dann aber nur Rock spielen..." sollte man keine Beachtung schenken - man kann mit jedem Saxophon jeder Musik spielen. Wichtig ist wie gesagt, dass man von den Proportionen her mit dem Instrument klar kommt und den Klang mag. Alles andere spielt keine Rolle.


Neu, gebraucht oder Vintage?

Entscheidet man sich für ein Instrument aus heutigen Produktionslinien, hat man die Wahl zwischen neuen und gebrauchten. Kauft man ein neues Saxophon, hat man die Gewissheit, der erste Mensch zu sein, der es spielt. Es wurde mit den neuesten Methoden gebaut, mit den modernsten Features ausgestattet, sieht wirklich blendend aus und ganz wichtig: es hat Garantie.

Ein gebrauchtes Instrument sieht unter Umständen noch genau so gut aus wie ein neues, stammt eventuell sogar aus derselben Modellreihe (oder kann zumindest mit vergleichbaren Features aufwarten) und ist – da gebraucht – meist um einiges günstiger. Allerdings geht man das Risiko ein, als (noch) nicht fachkundiger Käufer den Zustand des Instruments falsch zu beurteilen und zu viel zu bezahlen. Außerdem sieht es mit Garantie auf das Instrument zumindest beim Kauf von privat recht schlecht aus.

Der Begriff „Vintage“ dürfte dem einen oder anderen Weinliebhaber ein Begriff sein. Er bezeichnet in der Saxophonwelt "erlesene" Instrumente, die unter Kennern zum Teil richtigen Kultstatus erreicht haben. Diese Instrumente werden heute nicht mehr gebaut, haben sich aber als sehr brauchbar erwiesen. Vintages sind ebenfalls manchmal günstiger als neue Instrumente, doch sie bergen auch einige Gefahren.

  • Die Ersatzteile sind eventuell nicht verfügbar, da das Instrument schon lange nicht mehr hergestellt wird. Einem Anfänger passieren aber leichter Dinge, die eine Reparatur nötig machen.
  • Bis in die 70er des 20. Jahrhunderts war ein erheblicher Teil der Herstellung eines Instruments Handarbeit und die Qualität oft nicht sehr strengen Kontrollen unterworfen. Daher intonieren manche dieser Instrumente äußerst schlecht. Auf ihnen spielen lernen zu wollen ist sehr frustrierend und kann einem schnell den Spaß verderben.
  • Viele alte Instrumente sind Stencils, wurden also mit billigeren Materialien und noch nachlässigeren Kontrollen hergestellt, wodurch die Mechanik oftmals wirklich grauenhaft ist.
  • Es besteht die Gefahr, ein „High Pitch“-Instrument zu erwerben (A = 457 Hz).
  • Trotz des Gefühls, ein gutes Geschäft zu machen, besteht die Gefahr, über den Tisch gezogen zu werden.

Für einen Einsteiger erscheint es innvoller, ein neues Instrument zu kaufen, da sich hier der technische Fortschritt von über 150 Jahren Saxophonbau bemerkbar macht und die Garantie ein nicht zu unterschätzender Faktor ist. Vintages bzw. deren Auswahl sollte doch eher erfahreneren Spielern vorbehalten bleiben.