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„Saxofone – Ein Kompendium“ von Uwe Ladwig - 4. Auflage

Artikel in 'Buchbesprechungen', hinzugefügt von matThiaS, 6.April.2016. Current view count: 929.

Diese Rezension wurde verfasst von: Gaivota

An dieser Stelle möchte ich das Buch „Saxofone – Ein Kompendium“ von Uwe Ladwig rezensieren. Da ich bereits die 2. Auflage besitze, werde ich auch auf Unterschiede der Auflagen eingehen .

Es handelt sich um die 4. Auflage von 2016. Das Buch umfasst 292 Seiten mit über 460 Abbildungen (Bilder, Tabellen und Skizzen). Mit dabei ist eine CD mit Klangbeispielen aller Saxophonbauformen (außer Subkontrabass) und artverwandter Instrumente.

Es kostet 74 Euro inkl. Versand (D), die CD mit Beschreibung ist auch einzeln als Upgrade zu älteren Auflagen für 9 € zzgl. Porto zu bekommen. Buch und CD können über www.oldtime-saxofone.de geordert werden.


Allgemeiner Inhalt des Buches

Uwe Ladwig gibt mit seinem überarbeiteten und erweiterten Buch einen sehr umfassenden Einblick in die Welt der Saxophongeschichte und noch einiges mehr. Im zentralen und umfassendsten Teil werden sämtliche Firmen porträtiert und viele historische Saxophonmodelle gezeigt und besprochen. Viele Quellen wie Katalogseiten, historische Bilder oder Aussagen involvierter Personen bilden dabei das Fundament für die teils sehr detaillierten Besprechungen.

Im Anhang werden zudem spezielle Bauformen und artverwandte Instrumente vorgestellt, Informationen zu Generalüberholungen gegeben und bestimmte Klangphänomene und bauliche Aspekte der Saxophonkomponenten beleuchtet.

Das Buch richtet sich vor allem an Sammler historischer Instrumente, Instrumentenbauer und geschichtlich interessierte Spieler. Es ist keine Saxophonschule oder Handreichung zum Marktwert bestimmter alter Instrumente.

Der erste Eindruck

Beim Auspacken fiel mir sofort die beiliegende CD auf, die in der älteren Auflage nicht vorhanden war. Es handelt sich hierbei um Klangbeispiele sämtlicher Saxophontypen und verwandter Instrumente (z.B. Octavin, Tarogato, Conn-O-Sax, Heckelphon-Klarinette, CMelodies, Tubax, Slide Saxophon uvm.) und dreier Sax-Ensemble-Aufnahmen. Die Instrumente spielen in Variationen das gleiche Thema, dabei werden im Buch die Rahmenbedingungen (Setup, verwendetes Mikrofon) angegeben, so dass eine vergleichende Hörprobe möglich ist. Diese Neuerung hat mir besonders gut gefallen, da die Neugier auf den Klang bestimmter Instrumente befriedigt wird und die Brücke von der schriftlichen Abhandlung zum lebendigen Klang gebaut wird.

Im Vergleich zur alten Auflage fällt das hochwertigere, gebleichte Papier ins Auge, überhaupt wurde an vielen Stellen am Layout und an der optischen Präsentation gefeilt. Das Buch wirkt dadurch professioneller und qualitativer. Der Umfang hat um 30 Seiten und 100 Abbildungen zugenommen.

Inhalt

Wie bereits angedeutet, werden sämtliche Saxophonhersteller in Ladwigs Buch besprochen. Die Gewichtung des jeweiligen Umfangs der Kapitel richtet sich dabei vor allem nach der historischen Bedeutung der Marken, aber auch nach der Quellenlage. Die übergeordnete Gliederung erfolgt nach Kontinenten, Herstellungsländern und schließlich den ansässigen Firmen. Bedeutenden Herstellern wie Conn, Selmer, oder Buescher wird dabei naturgemäß mehr Platz eingeräumt, da viele Quellen und spezifische Instrumente herausgestellt werden. Dennoch findet sich für sämtliche auch unbekanntere Namen ein Mindestmaß an Information, so dass sich die allermeisten Saxophone baugeschichtlich verorten lassen.

Ladwig schlägt dabei zumeist den Bogen von den Firmengründern und ihrer Geschichte hin zu bestimmten Saxophonmodellen, die anhand von Bildern und Grafiken besprochen werden. Auch Details zur Fertigung und bestimmte Innovationen des Saxophonbaus werden beleuchtet.

So wird beispielsweise bei Selmer nachgezeichnet, wie der Name in die USA gelangte und auf welchem Weg die Firma die Nachfolge von Adolphe Sax antreten konnte. Dabei bleibt nicht unerwähnt, dass Selmer sogar Gitarren baute und man erfährt, dass es schon nach 1930 Plastikblätter für Klarinetten gegeben hat. Die Entwicklung des Balanced Action als Meilenstein des Saxophonbaus wird angesprochen und die Weiterentwicklung bis hin zum Mark VII und seinen Nachfolgern aufgezeigt. Bereichert durch viele Quellen und Detailbilder lassen sich so die Entwicklungen und Verflechtungen der Saxophongeschichte nachvollziehen.

Auch der deutsche Saxophonbau wird umfassend präsentiert, so dass sich die vielen Hersteller des Musikwinkels konkreter ein- und zuordnen lassen. Eine geschichtliche Einordnung in die Zeiten des Kriegs und danach machen die ein oder andere Verbindung von Saxophonbauern und -Firmen aus heutiger Sicht leichter nachvollziehbar.

Mir ist aufgefallen, dass im Vergleich zur älteren Auflage in einigen Kapiteln neue Informationen hinzugekommen sind, was auf eine anhaltende Recherche des Autors schließen lässt. Nicht belegbare oder wage Aussagen in der alten Auflage wurden dafür gestrichen.

Der immerhin 50 Seiten starke Anhang des Buches gibt weiterführende Informationen, die im zentralen Teil keinen Platz finden konnten. Unter anderem erfährt man Wissenswertes über Saxophone aus Kunststoff (Grafton, Vibratosax), das Tarogato, Bass-Saxophone und solche mit stufenloser Tonhöhe.

Hervorzuheben ist auch die Tabelle über Stencils (Saxophone bestimmter Hersteller, die mit anderem Namen versehen wurden), so dass die Herkunft bestimmter Instrumente leichter bestimmt werden kann.

Darüber hinaus gibt Ladwig Informationen zu Restaurierungen von historischen Instrumenten und auch Koffern und bespricht bestimmte Phänomene des Saxophonbaus (z.B. „mattes D“, Tonlöcher, Resonatoren etc.).

Kritik

Der Aufbau des Buches ist gut nachvollziehbar und schlüssig. Es macht Spaß, ziellos darin „herumzuschmökern“, gleichwohl lassen sich Informationen bei Bedarf dank Index und logischem Aufbau schnell finden.

Die Stärke des Buches liegt vor allem in der Betrachtung der alten Zeit. Neuere firmengeschichtliche Entwicklungen der letzten Jahre werden in der Regel kurz erwähnt aber nicht überstrapaziert.

Es gibt sowohl farbige als auch monochrome Abbildungen. Bei den Instrumentenbildern sind die farbigen in aller Regel aussagekräftiger, da mehr Details sichtbar werden. Wie der Autor mir mitteilte, hätte eine höhere Anzahl an Farbseiten einen weitaus höheren Buchpreis zur Folge, so dass hier ein guter Kompromiss gefunden wurde. Im Vergleich zu alten Auflage lässt sich eine generelle Verbesserung feststellen, da die Bilder kontrastreicher erscheinen.

Gelegentlich findet man verpixelte oder stark komprimierte Grafiken. Laut Uwe Ladwig gibt es in diesen Fällen leider kein besseres Quellenmaterial. Im Gesamtbild fällt dies aber auch kaum negativ auf.

Das zweispaltige Layout kommt einer guten Lesbarkeit entgegen, zudem wurde die Anordnung von Texten und Bildern gegenüber der früheren Auflage stimmiger gestaltet. Manche Kapitel lassen kaum Wünsche bezüglich des Informationsgehaltes offen, während andere etwas zu kurz geraten sind. Gern hätte ich z.B. noch mehr über Martin Instrumente erfahren, die trotz der großen Modellpalette eher kurz abgehandelt werden. Manchmal wird die Neugier auf mehr Details zur konkreten baulichen Umsetzung bestimmter Merkmale geweckt. So gibt es beispielsweise eine Katalogquelle, die von einer dritten Oktavklappe bei York Saxophonen kündet. Da dem Autor bisher aber keines dieser Instrumente zugänglich war, darf man hier auf mehr Informationen in zukünftigen Auflagen gespannt sein.

Der Anhang ist eine gute Ergänzung zum Hauptteil des Buches. Das sehr umfangreiche Kapitel über die Kofferrestaurierung hätte aber auch kürzer abgehandelt werden können. Die Informationen zu Generalüberholungen/ Revisionen sind vor allem als Überblickwissen über Arbeitsumfang und bestimmte Reparaturmethoden zu verstehen. Es ist nicht als detaillierte Anleitung für den Laien gedacht, zumal jeder Reparateur eigene (auch abweichende) Methoden und Tricks verwendet.

Insgesamt wirkt das Buch sehr sorgfältig recherchiert und zeugt von umfassender und fundierter Kenntnis des Autors auf dem Gebiet des Saxophonbaus. Vorbildlich sind die Informationen zu Einspielung der beiliegenden CD, sogar die Noten für das Spielstück sind abgedruckt.

Fazit

Das Buch ist ein rundum gelungenes Werk für alle, die sich mit der Geschichte der Saxophone auseinandersetzen möchten. Uwe Ladwig hat ein unterhaltsames und informatives Kompendium vorgelegt, welches ohne Einschränkungen zum Kauf empfohlen werden kann.