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Saxophoneffekte

Artikel in 'Diverses', hinzugefügt von matThiaS, 21.November.2011. Current view count: 5964.

Spezielle Effekte

Es gibt wohl kaum ein anderes Instrument, das eine derart hohe Variabilität des Klanges aufweist wie das Saxophon.
Unter anderem das breite Spektrum an Sounds machte das Saxophon zum führenden Instrument des Jazz, zum beliebten Soloinstument im R&B, Rock'n Roll, in Rock- und Popmusik. Auch in der 'Neuen Musik' wird das Klangspektrum in vielen Kompositionen neu ausgelotet.

Um einen unverwechselbaren Klang zu finden, ein Solo peppig zu gestalten, gibt es verschiedene Techniken, die hier kurz erklärt und in einigen Soundbeispielen demonstriert werden. Verweise auf 'berühmte' Anwendungbeispiele werden gegeben.

Die Effekte müssen oft über einen längeren Zeitraum erarbeitet werden. Manche sind leichter umsetzbar als andere. Die Anatomie des Spielers und des Gespür für den Vorgang der jeweiligen Tonerzeugung spielen dabei eine wesentliche Rolle.

Einmal erlernt stehen die Effekte dann als erweitertes 'Klangrepertoire' zur Verfügung. Nun erst beginnt die Kunst, nämlich die Effekte gekonnt in des Spiel zu integrieren, den 'eigenen Stil' zu kreiren.

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Obertöne

Die Erzeugung von Obertönen selber ist eine elementare Grundübung, die zum Übealltag eines jeden ambitionierten Saxophonisten gehören sollte. Diese Übung schult den Ansatz, die Führung des Luftstroms, das innere Ohr und erhöht die Wahrnehmung der an der Tonbildung beteiligten Organe.
Wer den Tonumfang des Saxophons nach oben erweitern möchte findet in den Übungen mit den Obertönen die notwendigen Grundlagen.
Nun erstmal ein wenig Theorie: wenn wir einen Ton auf dem Saxophon spielen (einen singen oder mit einem anderen Instrument erzeugen) klingt nicht ein einziger isolierter Ton (den kann man lediglich elektronisch als Sinuston erzeugen), sondern mit dem Grundton klingt ein Spektrum von höheren Tönen mit. Der 1. Oberton, der über dem Grundton klingt, ist die Oktave. Darauf folgt die Duodezime, dann die Doppeloktave. Auf dieser baut sich ein Dominantseptimakkord auf, die Septime klingt aber tiefer als die uns vertraute temperierte Semptime (man höre mal ein Alphorn!). Auf der 3. Oktave baut eine Skala auf, die ihr aus der folgenden Abbildung entnehmen könnt.
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Nun zur Übertragung auf das Saxophon. Die Übung besteht darin, einen tiefen Ton zu greifen und nur durch Veränderung der Mundhöhle die verschiedenen Obertöne (auch Partialtöne genannt) herauszufiltern.Wie gesagt, die Finger verändern sich dabei nicht!

Hört euch dazu das


Beispiel Obertöne

an, das nur mit dem gegriffenen tiefen Bb auf dem Tenorsaxophon eingespielt wurde.

Für den Anfang beschränkt man sich auf die unteren Töne, die Oktave und Duodezime. Wenn sie anspricht nimmt man noch die Doppeloktave dazu. Mit diesen Tönen kann man sich verschiedene Übungen zusammenstellen.

Obertonübung 1 (dort wo 2 Noten übereinander stehen bezeichnet die untere den gegriffenen Ton, die obere den klingenden).
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Die Obertonübungen macht man mit den Tönen Bb, B (oder H), C, C# und auf D, wobei es beim D schon nicht mehr so gut geht. Wenn man die Obertöne nicht ansprechen wollen kann es hilfreich sein, zuerst den Ton mit dem normalen Griff zu spielen und dann schnell umzugreifen, wobei der Ton stehen bleiben soll.

Obertonübung 2 (dort wo 2 Noten übereinander stehen bezeichnet die untere den gegriffenen Ton, die obere den klingenden).
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Wer sich mehr mit den Obertonübungen befassen möchte, dem sei das Buch 'Top Tones For Saxophone' von Sigurd Rascher empfohlen. Rascher war der Pionier auf diesem Gebiet. Er war der 1. der den Tonumfang des Saxophons systematisch erweiterte. Etliche Werke (Concertino da Camera von Ibert, Glazunovs Concerto) sind Rascher gewidmet und verwenden Top Tones in großem Umfang.
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Top Tones, Flageolett, Altissimo Register

Hiermit werden die Töne oberhalb des 'normalen' Tonumfangs des Saxophones bezeichnet. Top Tones werden oft im Jazz und vielen anderen Stilrichtungen eingesetzt wenn der Solist den Höhepunkt seines Solos erreicht (Hörtipp: Joshua Redman - Herbs and Roots; David Sanborn, Michael Brecker, J. Coltrane, Pharoah Sanders).
Um die Top Tones zu erzielen verwendet man spezielle Griffe. Ansatz und die Tonbildung müssen schon gut beherrscht werden, ansonsten werden die Ergebnisse eher mager ausfallen. Die Top Tones sind auf tiefen Saxophonen leichter zu erreichen als auf den höheren.


Beispiel Top Tones


Wer sich in die höheren Region wagt, kann dafür die folgenden Griffe verwenden.
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Eine umfassende Grifftabelle stellt Peter Wespi auf seiner Homepage zur Verfügung. Vielen Dank Peter.

Eine gute Art die hohen Töne zu üben ist, diese mit der Oktave darunter abzuwechseln.

Übungsbeispiel 1


Dann versucht man, die Top Tones in die sonstigen täglichen Übungen (Skalen, Arpeggios) einzubauen.

Übungsbeispiel 2


Literaturtipps:
'Top Tones For Saxophone' von Sigurd Rascher
'Das Höhenregister Des Saxophons' von Eugene Rousseau
'Saxophone Altissimo' von Robert A. Luckey

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Klappeneffekte, False Fingerings

Die Klappeneffekte werden erzielt indem man den normal gegriffenen Ton mit dem durch den Oberton erzielten Ton abwechselt oder einen anderen Griff verwendet, der in etwa die gleiche Tonhöhe erzeugt (z.B. A greift und dann die Klappen der rechten Hand schließt).
Dadurch entsteht ein Klangfarbenwechsel mit dem man rhythmische Figuren gestalten kann. Verwendet wird diese Technik exzessiv in R&b, Rock'n Roll und Funk. Aber auch im Jazz kommt sie oft zur Anwendung u.a. bei Michael Brecker z. B. in den Stücken El Nino und dem Delta City Blues.


Beispiel Klappeneffekte


Übung Klappeneffekte (dort wo 2 Noten übereinander stehen bezeichnet die untere den gegriffenen Ton, die obere den klingenden).
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Growling

Beim Growling singt man in das Saxophon, während man sonst ganz normal weiterspielt. Dadurch klingt der Ton verzerrt. Es kommt nicht darauf an, den selben Ton zu treffen den man spielt. Im folgenden Tonbeispiel habe ich versucht zu demonstrieren, wie man einen fürs Growlen brauchbaren Ton singt. Durch Herumspielen mit den Tonhöhen versucht man das beste Ergebnis zu erzielen.


Beispiel Growling Trockenübung

hier in einer Etüde von Snidero mit Playback


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Flatterzunge

bei der Flatterzunge legt man die Zunge mal über das Mundstück. Dann produziert man etwas ähnliches wie ein rollendes R. Hört es euch am besten einmal an. Mit dem Saxophon im Mund klingt es dann so:


Beispiel Flatterzunge


Aufpassen muss man, dass die Intonation nicht verloren geht. Flatterzunge wird im Vergleich zum Growling eher selten eingesetzt, da die Zungenhaltung für das Saxophonspielen sehr umständlich ist. Pharoah Sanders setzte diesen Effekt häufiger ein, ebenfalls Junior Walker, bei Maceo Parker hab ich ihn auch mal gehört.


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Mehrklänge


Mehrklänge kommen hauptsächlich in der E-Musik vor. Im Jazzbereich bei Evan Parker, Courtney Pine, Joe Henderson, James Carter und Rashaan Roland Kirk. Erzielt werden Mehrklänge auf zwei Arten.
Variante 1: durch 'falsche' Griffe, z.B. das tiefe Eb greifen und die G-Klappe öffnen. Den Ansatz muss man teilweise etwas anpassen.



Beispiel Mehrklänge mit 'falschen' Fingersatz


Variante 2: durch den Einsatz der Obertöne mit normalen Fingersatz. Das gleichzeitige Growlen kann das Ansprechen des Mehrklanges erleichtern.


Beispiel Mehrklänge mit Obertönen

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Slaptongue

Beim Slap wird die Zunge unter das Blatt gelegt und ähnlich wie beim Zungeschnalzen vom Blatt weggezogen. Dadurch wird ein sehr perkussiver Effekt erzielt. Beim Open Slap wird dabei zusätzlich der Kiefer schnell heruntergezogen. Die Slaps funktionieren am besten auf tiefen Tönen und der Effekt kommt bei tiefen Saxophonen besser rüber als bei höheren.


Beispiel Open Slap

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Subtone

Subtone ist ein besondere Art der Tonerzeugung, die besonders effektvoll bei den tiefen Tönen zur Geltung kommt. Der Ton wird sehr luftig, mit vielen Rauschanteilen gespielt. Am besten hört man sich Balladen von Ben Webster an, um eine Vorstellung dieses Sounds zu bekommen. Auch Johnny Hodges, Paul Desmond, Stan Getz und viele andere erreichen mit dem Subtone ihren spezifischen Klang.
Erreichen tut man den Subtone indem der Ansatz etwas lockerer gelassen wird, eventuell nimmt man auch geringfügig weniger Munstück in den Mund.
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Glissando, Bending


Das Glissando ist ein konstantes Gleiten von einer Tonhöhe zur zur nächsten. Auf dem Saxophon gibt es zwei Arten ein Glissando zur erreichen.
Methode 1: Glissando durch Ändern der Kieferstellung (diese Methode wird auch Bending genannt)
Ü berlicherweise lässt man beim Bending den Ton von der regulären Tonhöhe absinken, oder man zieht ihn von unten auf die richtige Tonhöhe herauf. Den Ton höher zu pressen geht auch, strengt allerdings die Unterlippe extrem an. Um die Tonhöhe abzusenken öffnet man den Kiefer langsam, sodass der Spalt zwischen Blatt und Munstück größer wird. Gleichzeitig wird ändert sich auch die Position der Zunge. Der Ton muss aber gut gestützt werden, da er sonst wegbricht. Das Glissando bedarf wie fast alle Effekte längerer Übung. Günstige Töne für Glissando sind A' bis C''. Bei diesen Tönen ist der Ziehbereich sehr groß. Man kann sich zum zum Üben gut Intervalle als Ziel stecken. Zuerst den obereren Ton anspielen, dann eine kleine Sekunde tiefer mit reglärem Griff. Dann spielt man den oberen Ton an und kommt mit dem Glissando langsam bis zur kleinen Sekunde. Wenn man eine kleine Terz gut erreicht ist man auf der Weg zur Meisterschaft.



Beispiel Glissando (Bending)


Methode 2: Die zweite Möglichkeit ein Glissando zu erzielen ist das schnelle Spielen eines chromatischen Laufs entweder nach oben oder nach unten. Beim Spielen des Laufes verringert man sukzessive den Luftstrom. Dadurch entsteht der Eindruck des Verschleifens.