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"A Capella" spielen und in Time bleiben...wie üben?

Dieses Thema im Forum "Saxophon spielen" wurde erstellt von Dreas, 23.November.2017.

  1. Dreas

    Dreas Gehört zum Inventar

    Ich möchte auch mal Stücke frei, ohne Begleitung, vorstellen.

    Die Schwierigkeit ist ja dabei "in Time" zu bleiben. Man muß die Time halt spüren und "wissen" wann z. B. zwölf Takte zu Ende sind. Das sagt sich einfacher als es ist.

    Spiele ich ohne Begleitung, ohne Metronom, neige ich dazu zu schnell zu sein, also Pausen nicht auszuhalten, lange Töne zu kurz zu spielen, so dass ich zu früh fertig bin.

    Noch schwieriger wird's beim Solo....

    Gut, das Metronum z. B. nur auf der 1 klicken lassen, Taktzahl vorgeben und Metronom stumm schalten, dann sehe ich, wenn 12 Takte um sind.

    Macht das Sinn? Gibt's noch andere Tips?

    CzG

    Dreas
     
  2. Paco_de_Lucia

    Paco_de_Lucia Ist fast schon zuhause hier

    Lieber @Dreas . Wunder gibts leider keine.
    Üben - so doof das klingt - Rhythmus üben! Simple Rhythmusübungen machen - ohne Sax, ohne Firlefanz,
    mit [sehr] guten 'menschlichen' Schlagwerkern zusammenspielen,
    → blöde Meldung: den Puls fühlen - ja, das ist wie ein Gedächnis.
    Ich brauch heute kein Metronom mehr, um die standard-times einzuzählen.
    weil es beruht auf meinem eigenen Puls, ich bin bisi langsam im Puls, was bedeutet. 120 ist bei mir eher nur so 108
    macht aber nix, wenn ichs weiß, kann ichs korrigieren, oder ich lass es.
    Aber an dem Kapitel üben Basser und Drummer ihr Leben lang.
    Zielführend wären leichte Stücke, bsp. alles in Vierteln ein paar Takte - 4, dann 8, dann 16...quasi immer Verdopplungen/gerade Teiler
    später wieder die Viertel in Achtel zerlegen.
    Einfacher wird es im UpTempo bereich, wenn Du schnelle Achtel/Sechszehntel-Ketten spielst, weil die gerade laufen.
    Extrem schwer ist es, Balladen die Solo die Time zu halten.
    Der Timing-Meister schlechthin: Dexter Gordon.
    Der konnte über 10 Chorusse die time so lait back spielen, dass alle dachten, Dex haben wir verloren...
    ne ne, da isser wieder...ein Genie...das ist aber feeling, nicht wirklich leistungstechnisch trainierbar.

    Aber pass bisi auf dich auf - wenn Du spazieren gehst - nicht so rumlatschen - ich geh immer im 'Groove'
    auch wenn ich keine Musik höre,
    das Ziel sollte sein - sich Rhythmus = Metrum immer bewusst zu machen, bewusst zu erleben/wahrnehmen.

    Das ist auch das große Dilemma unserer abendländischen Musikkultur: wir haben zwar das Kunstlied zum höchsten Epos erkoren,
    aber die Rhythmik blieb total auf der Strecke.

    good groove
    Paco
     
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  3. bebob99

    bebob99 Ist fast schon zuhause hier

    Ich kann kein Problem erkennen. Wenn Du "Solo ohne Begleitung" spielst, dann ist's fertig, wenn Du fertig bist. Da gibt's dann kaum ein "zu schnell", weil es ist so schnell wie Du spielst. An was würdest Du das messen, wenn außer Dir keiner spielt? Den Rhythmus musst Du nur innerhalb des Taktes bzw. innerhalb des gefühlten Metrums "in time" haben.

    Ich bin ein chronischer Fuß Wipper, da geb ich mir selber den Takt vor. Das geht super wenn alleine und weniger super, mit anderen gemeinsam - wenn der Fuß was anderes macht als der Rest der Truppe.
     
  4. Roland

    Roland Ist fast schon zuhause hier

    Aber ich.

    Wenn einer solo ein Thema vorstellt, was eindeutig 4/4-Takt hat und bei langen Tönen oder Pausen ein statt dessen ein 7/8 oder 4/4-Takt kommt, dann hört und spürt man as Zuhörer den Bruch. (Oder zumindest ich spüre das.) Dann ist der Puls gestört, der fließt nicht mehr gleichmäßig.

    Grüße
    Roland
     
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  5. hiroaki

    hiroaki Ist fast schon zuhause hier

    Das Vibrationsmetronom Soundbrenner Pulse.
    Ist zwar teuer, stört den Hörer aber nicht.
    Man kann die Schläge unterschiedlich stark vibrieren lassen (z.B. die 1 betonen).
    Ist aber auch etwas gewöhnungsbedürftig. ;)
     
  6. Atkins

    Atkins Ist fast schon zuhause hier


    Moin Dreas...in genau der Zwickmühle befinde ich mich auch gerade und fange an, ein bisschen Theorie zu pauken.
    Heisst für mich erstmal in der Praxis, dass ich nach leedsheets, notiert oder auch nicht ( ich muss die Akkorde halt wissen) anfange,
    einfache Akkordzerlegungen zu üben und zu spielen.
    Das fängt total simpel an mit z.B. mit üben der Akkorde, also Arpeggios auf einfachem Niveau.
    G7 C7 G7 C7 A7 D7 und wieder von vorne. Mal so als einfaches Beispiel. Spiele erst die Töne vom Grundton....achte auch das timing und auf die 1,
    mach dir vielleicht ganz einfache Ideen, die du wiederholst und rythmisch veränderst....aber immer im Takt bleiben und wissen wo man ist ( mein grosses Problem)
    Wenn das ein bisschen sitzt, kannst du mit Umkehrungen, Bluestonleiter, Pausen!! und Annäherungen von oben oder unten die Sache ein bisschen würzen.
    Klingt einfacher als es ist, aber genau daran übe ich gerade ein bisschen und beständig. Komme da mega langsam weiter, aber immerhin.
    Ich muss und will höllisch aufpassen, dass ich es nicht verlerne, einfach frei nach Kopf zu spielen....das finde ich nämlich eigentlich viel besser, aber wahrscheinlich
    muss ich da einen Kompromiss machen.
    Ich habe zwei m.E. ganz gute Lehrbücher, die mir dabei helfen und Spass machen und ich nehme etwas Unterricht, wo u.A. auch genau das ein Thema ist.
    Die beiden Bücher....Jazz Alphabet von Ro Gebhardt ( ist nicht nur auf das Sax bezogen)
    und Jazz Club ...."Jazz spielend lernen" sind da nicht verkehrt, aber da gibts auch zig andere.
    Fange mit simplen Sachen an, mache sie richtig, bis sie im timing sitzen ( jedenfalls ab und zu mal :) ) und baue das dann aus.
    Das dauert bestimmt ein bisschen.....ich denke da eher in Quartalen oder Jahren.
     
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  7. Gerrit

    Gerrit Experte

    Ich bin mir etwas unsicher, ob Du es tatsächlich so meinst wie Du schreibst? Es geht ihm darum, das Tempo zu halten und auch metrisch exakt in der Form zu bleiben. Das ist ein sinnvoller Anspruch und den halte ich für erstrebenswerter als „fertig zu sein wenn man fertig ist!
     
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  8. Gerrit

    Gerrit Experte

    Wenn es lediglich „nur“ um ein Thema geht: Metronom!

    Generell: Konsequenter Einsatz des Metronoms. Halbe zählen. Ggf. erst kürzere Einheiten üben, z.B. bei AABA-Form zunächst einen A-Teil oder so strukturiert ein zwei- oder viertaktiges Motiv; sobald diese kleine Einheit sitzt - mit Aufnahme kontrollieren - die nächste Einheit angehen. Nach und nach die Teile zusammenfügen. Immer im Wechsel mit und ohne Metronom üben. Es gibt Metronome, die lassen sich taktweise stumm schalten, z.B. die App Pro Metronom von EUMLab: Du stellst es z.B. so ein, daß das Metronom einen oder zwei Takte erklingt, einen oder zwei Takte stumm weiter läuft, anschließend wieder „in time“ erklingt... damit machte ich recht gute Erfahrungen.

    Bei Improvisation: grundsätzlich siehe oben! Übe mit der beschrieben Metronom-Technik rhythmisch klar definierte Motive von zwei-, vier-, oder mehrtaktiger Form... Aufnahmen zu Kontrolle!

    Soviel erst mal auf die Kürze!
     
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  9. Gerrit

    Gerrit Experte

    ... vergaß ich noch: Metronom auf Halbe einstellen!
     
  10. Dreas

    Dreas Gehört zum Inventar

    Ich sehe es genauso wie @Roland und @Gerrit....klar kann man ohne Begleitung einfach spielen wie man will....

    Nur, man selbst merkt und auch das Publikum spürt, dass es "eiert"....ist nicht wirklich gut!

    Ich mach's mal konkret fest an "Coming Home Baby" was ich souverän spiele, auch darüber soliere...(s. Anlage) image.jpeg

    Wie ihr seht, sind viele Pausen, Auftakte etc. drin....

    Kein schwieriges Stück, simples Bluesschema....die Changes habe ich verinnerlicht (wenn ich mit Begleitung spiele)

    Wenn ich frei spiele laufen die Changes im Kopf mit, grade im Takt und 9 und 10 setzt man, grad auch in der Impro, Zeichen, um deutlich zu machen wo man ist, auch für's Publikum.

    Und ich merke eben beim freien Spiel, dass ich die Takte verkacke, fühlt sich falsch an.

    Mit Metronum Taktvorgabe wurde es besser, aber es hat mir gezeigt, wie weit ich davon entfernt bin das Metrum wirklich zu
    spüren.

    Und wenn ich ohne Begleitung spiele, möchte ich das schlüssig vortragen...das Sax pur soll ein "Wow!" beim Publikum auslösen.

    CzG

    Dreas
     
  11. Roland

    Roland Ist fast schon zuhause hier

    Ich bekome das schon mal mit, wenn der Kindergottesdienst im Nebenraum ist.

    Lied 272, "Ich lobe meinen Gott der aus der Tiefe mich holt damit ich lebe", 4/4. 3 Takte Melodei mit gehaltenem Ton im 3. Takt, vierter Takt auf eins kommt der optionale Einwurf 'Halleluja!'
    Das ist die Theorie.
    In der Praxis kommt das Halleluja immer eine Viertel zu früh und man hat einen 4/4, 4/4, 3/4, 4/4-Takt.

    Und das trotz Begleitigung. Und sie merken es anscheinend nicht.

    So ist es dann wohl:
    Mich stört es, andere wohl nicht.

    Grüße
    Roland
     
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  12. Bernd

    Bernd Gehört zum Inventar

    @Roland : mich störte auch lange Zeit der 3/4-Takt bei "All you need is Love" von den Beatles. :)

    Vielleicht muss das ja so sein
     
  13. Dreas

    Dreas Gehört zum Inventar

    Nein, dass ist nicht die Lösung....ich weiß aber was Du meinst....

    CzG

    Dreas
     
  14. gaga

    gaga Ist fast schon zuhause hier

    Ich würde das Improvisieren erstmal lassen. Spiel nur sauber das Thema und bleib unbedingt in time. Dann könntest du ein simples Riff in die Lücken einfügen - dann könntest du einen Walking Bass spielen, dann diesen rhythmisch variieren.

    Wichtig finde ich, dass du nicht gleich alles willst, sondern so behutsam wie nötig aufbaust.
     
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  15. gaga

    gaga Ist fast schon zuhause hier

    Gleich nochmal: Alleroberstes Ziel ist nicht, wie geil das klingt, und wieviele Töne du spielst, sondern absolut sicher in time und in der Form zu bleiben. Wenn du alles andere dem unterordnest, kommst du da hin wo du hinwillst, und was m.E. auch ein wichtiges Ziel für jeden Jazzer ist. Im Grunde ist nämlich auch in jedem Zusammenspiel jeder einzelne für Form und Timing verantwortlich - jeder müsste in der Lage sein, souverän weiterzuspielen, wenn alle Kollegen plötzlich ein 8taktiges Break für dich auflegen ;-)
     
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  16. ppue

    ppue Experte

    Ich propagiere das Metronom nicht. Auch keine Stützräder am Kinderfahrrad.

    Der Blues ist in einem schönen Geh-Tempo. Sing die Phrasen beim Spazierengehen. Tanze die Phrasen.
     
  17. jazzwoman

    jazzwoman Ist fast schon zuhause hier

    Ich begleite meine Schüler am Schlagzeug und lasse sie über die Form einen Blues spielen. Herrlich! Anfangs fliegen sie schon nach den ersten 4 Takten raus. Das wird dann aber rasch immer besser. Hast du Band in the Box? Dann mach dir mal nur das Schlagzeug an und lass es alle 4 Takte einen kleinen Fill spielen. Das begünstigt ungemein das Fühlen von 4 Takten.
     
    Zuletzt bearbeitet: 23.November.2017
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  18. Atkins

    Atkins Ist fast schon zuhause hier

    :) Habe mich gerade mal mit nem simplen Blues an das timing gehalten.
    Es fällt mir schwer, da nicht auszubrechen....aber das timing ist doch ganz okay.
    @ Dreas sowas in der Art ( oder auch eben anders) meinte ich, um erstmal mit den Takten klarzukommen und die Eins immer zu haben.
     
  19. bluefrog

    bluefrog Ist fast schon zuhause hier

    Ich lerne nebenbei Schlagzeug und kenne das aus der Drummer-Perspektive sehr gut. Ein 4-taktiges Schlagzeugsolo ist mir am Anfang nie gelungen, es war entweder zu kurz oder zu lang. Jetzt geht es ganz gut. Dabei gibt es eigentlich zwei Probleme: Erstens muss man in time sein, und zweitens die vier Takte erfassen. Das sind wirklich unterschiedliche Baustellen!
    Beim Improvisieren mit dem Melodieinstrument kommen dann noch mindestens die Changes dazu. Das ist dann schon ziemlich komplex. Ich würde also, wie @gaga geschrieben hat, erst mal vereinfachen. Nur die Melodie spelen, dann fallen die Punkte Changes und Anzahl der Takte weg, also erstes Ziel: in time spielen.

    LG Helmut
     
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  20. jazzwoman

    jazzwoman Ist fast schon zuhause hier

    Anders sagte ich es nicht. Nur eben begleite ich meine Spieler am Schlagzeug, aber Metronom oder Band in the Box oder ähnliches sollte auch gehen. Aufgaben sollten allgemein immer so einfach wie machbar sein.