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Boehm oder Deutsche Klarinette?

Dieses Thema im Forum "Sonstige Instrumente" wurde erstellt von Wenke, 19.Juli.2017.

  1. Wenke

    Wenke Ist fast schon zuhause hier

    Hallo :)

    ich spiele ja eigentlich Alt & Bari, komme aber wahrscheinlich wie fast jeder anderer Saxophonist auf die Idee, andere Holzblasinstrumente lernen zu wollen :-D Daher hab ich mir vor einigen Jahren auch mal eine Boehm Klarinette und eine Querflöte zugelegt, aber sie liegen eher nur im Regal... Da in meiner einen Band aber ein Klarinettist ist, der wirklich zauberhaft spielt, würde ich das jetzt gerne vertiefen. Meine Klarinette, auch nur aus ABS, ist glaub ich aber wirklich nicht zu gebrauchen und ich müsste mir eine neue anschaffen.

    Da ich aber mit der Griffweise eh nie so richtig warm geworden bin, überlege ich nun aber, ob ich nicht auf das deutsche System umsteigen sollte, die Klappen mit Rollen der kleinen Finger kennt ja jeder Saxophonist nun zu genüge ;)

    Hier gibt es ja sicherlich haufenweise Saxophonisten, die ebenfalls nach dem Sax zur Klarinette gegriffen haben. Was sind eure Erfahrungen bzgl. des "einfacheren" Systems? Die Preisunterschiede sind natürlich schon beträchtlich, gerade wenn man irgendwann zur Bassklarinette wechseln sollte und mein Hang zu tiefen Tönen ist sehr ausgeprägt :lol:

    Und welche Marken sind denn gute? Ist für mich ja ein völlig fremder Markt. Falls das irgendwie relevant sein sollte: Ich werde eher keine Klassik damit spielen wollen, sondern es sollte schon in der Jazz Richtung bleiben... Keine Ahnung, ob das für die Auswahl des System wichtig ist :-?

    LG
    Wenke
     
  2. Aerophon

    Aerophon Ist fast schon zuhause hier

    Zum Unterschied kann ich nichts sagen, da ich mit Böhmklarinette angefangen habe und dann auf Saxophon gewechselt habe. Klarinetten mit ABS Korpus können schon ok sein. Ich habe hier eine Yamaha 255, die vom Klang wirklich ok ist. Das Gegenstück von Buffet ist kann man auch gut hören. Beide klingen jedoch nicht so voll wie ein Grenadillkorpus. Wenn du eine No-name China hast würde ich allerdings schon über eine Neuanschaffung nachdenken.

    Aerophon
     
  3. Ton Scott

    Ton Scott Freak

    Böhm, der Wechsel ist im Allgemeinen leichter.
    Eher auf Spielgefühl als auf Griffweise bezogen.(Spiele Böhm und Deutsch istfastgleich Österreichisch).
    Und Du kriegst bei Böhm viel mehr Instrument für das gleiche Geld.

    Cheers
     
    Gerrit und bluefrog gefällt das.
  4. Ottokarotto

    Ottokarotto Ist fast schon zuhause hier

    ist als Argument nicht zu unterschätzen.
    Spieltechnisch sehe ich deutsches System eher am Saxophon. Die Möglichkeiten die "langen" Töne (fis-e bzw. cis"-h") entweder mit dem linken oder dem rechten kleinen Finger zu spielen, gibt es auf dem Sax nicht. Dazu kommt das Überblasen in die Duodezime, was aber auf beiden System natürlich identisch ist, aber so manch einem Saxophonisten graue Haare wachsen läßt, weil eben "unten" und "oben" nicht identisch ist ;).
    Markentechnisch bin ich nicht so bewandert, Einstiegsinstrumente mit deutschem System gibt es von allen großen ANbietern (SChreiber, Yamaha, Uebel etc.pp.), da entscheidet der Geldbeutel - oder halt gebraucht, dann hängts vom Angebot ab.
    Grüße
     
  5. xcielo

    xcielo Gehört zum Inventar

    Moin,

    beide Systeme haben Vor- und Nachteile, an die man sich aber grundsätzlich gewöhnen kann. Ideal ist weder das Eine noch das Andere, Reformböhm wäre da schon ein Fortschritt, aber gibt es selten. Für mich entscheidend wäre die Ergonomie, und da geht deutsch für mich absolut gar nicht.

    Gruß,
    Otfried
     
  6. Ottokarotto

    Ottokarotto Ist fast schon zuhause hier

    vielleicht muss ich einfach mal so eine Böhm in die Hand nehmen. Wenn man 35 Jahre deutsches System spielt, kommt man gar nicht auf die Idee, dass es abseits davon was anderes (besseres?) geben kann ;)
     
  7. Ton Scott

    Ton Scott Freak

    Die Definition von Ergonomie hätte ich gerne hinterfragt.
    Ist das ein persönliches Gefühl, oder allgemein gültig?

    Für mich sollte das etwas allgemein Gültiges sein. Insofern ist die Aussage ein leichter Widerspruch.

    Cheers
     
  8. xcielo

    xcielo Gehört zum Inventar

    @Ton Scott
    Ergonomie hat allgemeingültige wie auch individuelle Anteile. Eine völlig allgemeingültige Betrachtung kann es m.E. nicht geben, denn die Anatomie des Menschen ist nun mal individuell und die Vorlieben sind noch individueller.

    Ich schrieb "für mich entscheidend", wohlwissend, dass Andere durchaus mit der deutschen Auslegung sehr gut klar kommen
     
  9. Ton Scott

    Ton Scott Freak

    Stimmt,

    insoferne halte ich die inflationäre Verwendung (jetzt nicht auf Dich bezogen) für verfehlt.
    Irgendwo habe ich mal den Begriff "Bewegungsintelligenz" fördern gelesen, in Bezug auf Pianisten mit großen und nicht so großen Händen.
    Ich hatte z.B. mit eine Mark VII Tenor keine Probleme, obwohl ich sehr kleine Hände und kurze Finger habe. Man muss dem System nur Zeit geben, sich darauf einzustellen.

    Ergonomie meint oft das Unterstützen einer oberflächlichen Bequemlichkeit, die im Endeffekt auf das körperliche Wohlbefinden negativen Einfluss nimmt. (Siehe "ergonomische" Computertastaturen, "ergonomische" Schuhe, Sessel etc.) Deswegen bin ich da etwas empfindlich.

    Um das Ganze ein wenig aufzulockern, offtopic:


    Cheers, Guenne
     
  10. Amopehe

    Amopehe Ist fast schon zuhause hier

    Ich spiele seit ein paar Monaten Altklarinette und da kam aus nur eine Böhm infrage, weil es die als deutsches System fast nicht gibt.

    Mein Mann ist studierter Klarinettist und daher haben wir uns vorher sehr intensiv damit beschäftigt - auch mit den beiden Systemen.

    Viele achten dabei aber nur auf die verschiedenen Griffe ... Was gerne unter den Tisch fällt, ist die unterschiedliche Ansprache und der wahrnehmbare andere Klang - auch wenn allmählich die Unterschiede verwässern (z. B. spielen inzwischen nicht wenige Klarinettisten Böhm-Mundstücke auf ihren deutschen Klarinetten).

    Wer "deutsche klassische/romantische" Literatur in einem Symphonieorchester oder klassische Kammermusik spielen möchte, sollte gar nicht erst mit Böhm anfangen, das hört man raus. Schon im symphonischen Blasorchester spielen eigentlich alle deutsches System.

    Wer eher jazzig unterwegs ist, kommt mit der leichteren Ansprache und dem entsprechenden Klang auf Böhm wahrscheinlich etwas schneller zurecht. Bei Alt oder Bass ist es nicht ganz so wild, da ist Böhm schon ziemlich verbreitet außer im absoluten Profibereich.

    Bei den Griffen gibt es an beiden Systemen Vergleichbares und Unterschiede. Manche Dinge sind bei Böhm als Saxophonist angenehmer, andere bei der deutschen Klarinette - es ist auf jeden Fall viel (!!!!!!) Übung notwendig, wenn man den Weg vom Sax kommend geht. Ich weiß wovon ich spreche - aber es macht Spaß und zur Zeit übe ich dann eben nur Klarinette.

    Vor allem der Wechsel zwischen den Oktavlagen (a-h) ist mit viel Arbeit verbunden - mehr als man es vom Sax her kennt. Wenn Du eh auf Bass stehst, könnte es schon zu Anfang eine enorme Hilfe sein, Dir irgendwo eine Bassklarinette zu besorgen. Die hat gedeckte Tonlöcher (also Klappen), das ist für Saxophonisten definitiv viel einfacher, als normale Löcher einer Bb-Klarinette. Meine Alt hat ebenfalls gedeckte Klappen und das hat den Einstieg sehr viel einfacher gemacht. Wenn ich zwischendurch auf eine andere wechsle, ist das viel anstrengender und die Quietscher kommen sehr viel leichter ...

    Viel Spaß, wenn Du es angehst!!!
     
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  11. Wenke

    Wenke Ist fast schon zuhause hier

    Lieben Dank für deinen ausführlichen Bericht & natürlich auch an alle anderen :) Dem Oktavsprung "verdanke" ich auch, dass ich die Klarinette selten angerührt habe... Wieso machen die das so kompliziert? :-D Aber dann werde ich mich mal damit auseinander setzen müssen. Ich will lieber eine Bb-Klarinette statt Bass lernen. Ich hab ja mein Bari schon und brauche erst mal nicht beide tiefen :) Die Böhmklarinetten gibt es sicherlich nicht mit Klappen oder? Und Alt ist in welcher Stimmung?

    Hmm dann werde ich wohl doch bei Böhm bleiben und mir einfach nur eine andere Klarinette zulegen... Da würde ich die Frage nach den Marken gerne noch mal aufgreifen... Ich hätte dieses mal gerne eine aus Holz, was gibt es da für anständige Einsteigerinstrumente?
     
  12. xcielo

    xcielo Gehört zum Inventar

    @Ton Scott
    Ergonomie, bspw. am Arbeitsplatz ist eine sehr komplizierte Angelegenheit, die man nicht mal eben so endgültig klären kann.
    Wenn aber bestimmte Anordnungen von Tastatur und Bildschirm bei einem größeren Anteil von arbeitenden Menschen langfristig zu körperlichen Schäden, von Rückenschmerzen bis zu Sehnenscheidenentzündung führt, dann ist da vermutlich auch grundsätzlich etwas verkehrt, auch wenn mit etwas "Bewegunsintelligenz" das Problem vermutlich abzumildern ist.

    Bei Instrumenten geht es um Gewöhnung und Vorlieben, dazu aber auch um die Anordnung von Klappen und Griffen. Natürlich geht es auch um "Bewegunsintelligenz".
    Ich wundere mich aber schon seit langem, dass es zwar alle möglichen Finishes gibt, aber noch kein Hersteller mal auf den Gedanken gekommen ist, Auslegungen und Daumenhalter für große und kleine Hände, lange und kurze Finger, und Halteösen für große und kleine Menschen anzubieten. Einzig Keilwerth hat da ja mal mit seinen einstellbaren Palmkeys einen kleinen Schritt in die richtige Richtung gemacht.

    Wenn ich ein gutes Fahrrad kaufe, gehe ich in ein Fachgeschäft und dort wird meine Anatomie vermessen und dementsprechend gibt es dann ein angepasstes Fahrrad.

    Nun gibt es aber, wie schon gesagt auch Vorlieben und Gewohnheiten. Ich bin saxophonistisch mit einer modernen Mechanik, noch dazu mit einer ganz speziellen groß geworden. Mir fällt es sehr schwer, mich an eine andere Mechanik zu gewöhnen, bzw, ich habe auch keine Lust darauf, mir entsprechende Mühe zu machen. Ich kann auch genau sagen woran es liegt, es ist aber natürlich meine persönliche individuelle Sichtweise, oder auch Begrenzung, denn es schränkt die Auswahl deutlich ein.

    Gruß,
    Otfried
     
  13. xcielo

    xcielo Gehört zum Inventar

    Es gab zumindest früher mal eine sogenannte Jazz Klarinette von Keilwerth, die war vollverklappt. Da gab es sogar ein spezielles Mundstück für, welches dem Altmundstück deutlich näher war als es ein Klarinettenmundstück üblicherweise ist.
    Ob es sowas heute noch neu gibt weiss ich nicht.

    Gruß,
    Otfried
     
  14. saxology

    saxology Ist fast schon zuhause hier

    So what?
    Vielleicht gefällt den Hörern das, was sie heraushören?
     
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  15. Ton Scott

    Ton Scott Freak

    Ja, oft vergisst der Mensch, wie eine Bewegung funktioniert, wo die beweglichen und wo die unbeweglichen Teile sind. Das ist ein Softwareproblem.
    Beispiel: Das Video (hier nur ein kleiner Auszug) ist sehr empfehlenswert.



    Natürlich kaufe ich mir ein Rad, das auf meine Größe abgestimmt ist, aber das ist eine gänzliche andere Baustelle.

    Beispiel: Ich habe Schüler, die - obwohl sie längere Finger als ich haben - das tiefe Bb nicht kriegen. Das ist dann kein Ergonomie - sondern ein bewegungstechnisches Problem.

    Cheers
     
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  16. Gerrit

    Gerrit Experte

    Sehr schön ist die Buffet Crampon E13; sie liegt schon über dem "Einstiegs-Level". Das Modell wurde in den vergangenen Jahren noch einmal überarbeitet und klingt richtig gut. Empfehlenswert auch die Yamaha 650.
     
  17. bluefrog

    bluefrog Ist fast schon zuhause hier

    Ja. Ich bin immer wieder von der großartigen Sharon Kam begeistert. Man muss das Mozart-Konzert ja nicht unbedingt wie Benny Goodman spielen.;-)

    LG Helmut
     
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  18. Roland

    Roland Ist fast schon zuhause hier

    Auf dem Konzertprogramm stand Brahms und Debussy. Lustig anzusehen, wie zwischen den beiden Werken alle Klarinettisten wechseln, mit grimmigem Blick sich beäugend, damit man nicht ein Werk auf einer falschen Klarinette spielt. Stelle ich mir gerade so vor. Und vor dem Mozart-Konzert wird der halbe Klappenapparat still gelegt. :)

    Früher Beethoven auf einem modernen Steinway, das geht ja gar nicht, da geht ja soooo viel verloren!

    Im Ernst:
    Sharon Kam hat auch Weber-Konzerte gespielt. Auf Böhm. Und bekam dafür einen Echo. Geht doch.

    Liebe Grüße
    Roland
     
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  19. Aerophon

    Aerophon Ist fast schon zuhause hier

    Dann macht Sharon Kam scheinbar etwas anders. Wie das so ist mit Verallgemeinerungen. Ich glaube nicht, dass man ihr vorwerfen kann, dass ihr "Böhmton" nicht zu ihrer beindruckenden Diskographie und den weltbekannten Orchestern passt mit denen sie gespielt hat. Den ARD Klassikpreis hat sie dann auch noch gewonnen.

    Aerophon
     
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  20. bluefrog

    bluefrog Ist fast schon zuhause hier

    Nochmal zur Ergonomie: Ich habe beide Systeme gespielt und kam mit der deutschen nicht zurecht, weil da die Löcher für Ring- und Mittelfinger links sehr weit auseinander liegen. Das kann ein spezielles anatomisches Problem von mir sein, ich kenn diese Finger nur sehr schwer spreizen. Trotzdem würde ich empfehlen, auch auf diesen Punkt zu achten.

    LG Helmut