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Boehm oder Deutsche Klarinette?

Dieses Thema im Forum "Sonstige Instrumente" wurde erstellt von Wenke, 19.Juli.2017.

  1. Gerrit

    Gerrit Experte


    Genau, und außerdem: Es ist seit einigen Jahren eine gewisse akustische Annährung der beiden Systeme zu beobachten.

    Schließlich gibt es Reformböhm, das akustisch sehr (!) nah am deutschen System liegt schon seit Jahrzehnten.

    Modelle wie z.B. Selmer Recital oder Yamaha CSG sind klanglich bei entsprechender Spielweise von Deutschen Klarinetten kaum oder gar nicht zu unterscheiden.

    Ich selbst blase eine Buffet Crampon RC Prestige mit Paulus-Schuler Birne, Vandoren M30 Mundstück und Vandoren V12 Blättern (3,5). Der Klang wurde schon öfters mit dem Deutschen Systems verwechselt oder verglichen.

    Davon abgesehen: es gibt unzählige hervorragende und anerkannte Aufnahmen klassischer Literatur, die auf Böhm eingespielt wurden...
     
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  2. Ton Scott

    Ton Scott Freak

  3. Amopehe

    Amopehe Ist fast schon zuhause hier

    Nahezu ALLE INTERNATIONALEN Klarinettisten spielen Böhm - egal, ob Klassik, Jazz oder Klezmer, Volksmusik oder sonst etwas.

    Aber kennst Du einen deutschen / österreichischen Klarinettisten, der auf Böhm als klassischer Solist unterwegs ist?

    Die meisten bekannten "klassischen" Klarinettisten hier bei uns spielen eben (noch?) deutsch und in einem deutschen oder österreichischem Orchester spielt der Satz auch deutsch (oder Wiener Klarinette).

    Aus dem Grund würde ich einem "klassisch Orientierten" zur deutschen Klarinette raten, wenn er denn danach fragt. Damit befindet er sich hier in der Regel unter Gleichgesinnten (bei den Klassikern).
    Das heißt ja nicht "besser" oder "schlechter" und auch nicht, dass man keine Klassik auf der Böhm spielen darf / kann / sollte ...

    Was ich aber in erster Linie meinte, dass es eben nicht nur Griffunterschiede gibt - und viele schauen zunächst nur darauf.
     
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  4. xcielo

    xcielo Gehört zum Inventar

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  5. Ton Scott

    Ton Scott Freak

    Aber Wiener Bohrung ist schon geil, oder? Da darf ein wenig posen schon sein.

     
  6. Gerrit

    Gerrit Experte

    Vielleicht, Deine Gedanken aufgreifend, sollte man dabei berücksichtigen, in welchem Umfeld der Betreffende unterwegs ist: wenn jemand beabsichtigt, sich irgendwann bei den Berliner Philharmonikern zu bewerben, o.k., aber wenn absehbar bleibt, daß er lediglich im Sinfonieorchester der Kreismusikschule Eimsbüttel zum Einsatz kommt...?
     
  7. saxology

    saxology Ist fast schon zuhause hier

    Mich wundert nur, dass die Berliner Philharmoniker ihn seine österreichische Klarinette im Orchester spielen lassen.
    Das wäre noch zu Karajans Zeiten Hochverrat gewesen.
     
  8. ppue

    ppue Experte

    Je mehr du einstellen kannst, desto mehr Schrauben hast du am Instrument. Es wird schwerer, hat eine Menge Mikroschlitze mehr und die Gefahr, dass sich da etwas verstellt obendrein. Allerdings spräche nichts dagegen, zwei verschiedene Tische zu bauen und anzubieten.
     
  9. Gerrit

    Gerrit Experte

    Sehr (!) schön! Vielen Dank!
     
  10. Amopehe

    Amopehe Ist fast schon zuhause hier

    Ich kenne nicht die Mitspieler der KMS Eimsbüttel, aber in den Sinfonieorchestern der Musikschulen, die ich kenne (und das ist nicht nur unsere), spielen die Klarinettisten eher deutsch ...

    Da würde natürlich kein Böhmspieler ausgeschlossen, das ergibt sich je nach Lehrer eher so. Wenn an der Musikschule ein Böhmlehrer ist (haben wir auch, allerdings ist er Jazzer), gibt es auch Böhmspieler, die landen nur nicht immer im Symphonieorchester.

    Allerdings hat @Wenke ja schon im Eingangspost geschrieben, dass er jazzig spielen will und da würde ich aus Ansprachegründen schon nicht unbedingt zur deutschen raten, wenn man neu anfängt.
     
  11. Wenke

    Wenke Ist fast schon zuhause hier

    Ich bin zwar weiblich, aber die Aussage hilft mir trotzdem, danke :)
     
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  12. Amopehe

    Amopehe Ist fast schon zuhause hier

    SORRY!!!!! :whistling:
     
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  13. Gerrit

    Gerrit Experte

    Hängt tatsächlich auch von den örtlichen Begebenheiten (und Traditionen) ab: ich kenne Schulen da unterrichten die Lehrer beide Systeme und Leute mit Böhm landen im Sinfonieorchester und welche mit Deutschem System in der Jazzband. Ich denke, das ist allgemein im Umbruch begriffen und der Beitrag, den TonScott einstellte, den ich überflog, scheint auf diese Entwicklung auch hinzudeuten. Wir gelangen wohl mehr und mehr in die Lage, daß wir ganz individuell ggf. zugunsten des einen oder anderen System Empfehlungen aussprechen können, und das ist doch eigentlich erfreulich. Meine Kollegen und ich gehen hier vor Ort überwiegend so vor: wir empfehlen individuell. Ich persönlich unterrichte beide Systeme, bevorzuge privat Böhm, aber freue mich über jeden Schüler der auf Böhm Klassik bläst oder in der Big Band Jazz auf dem Deutschen System, mit der Instrumentenwahl zurecht und voran kommt. In dem Beitrag den TonScott dankenswerter Weise einstellte, wird u.a. Karl Leistet zitiert, der einiges Kluges dazu sagt, u.a. das es auf die Klangästhetik des Instrumentalisten ankomme...
     
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  14. JES

    JES Ist fast schon zuhause hier

    Also
    ich habe früher mal eine Standard-Bb-Klarintte gespielt mit deutschem System. Ich empfand diese als angenehm, ergonomisch nicht sonderlich anspruchsvoll. Die klang auch halbwegs.
    Nach Jahren habe ich dann eine andere Klarinette mit Böhm-System bekommen. Mit dieser komme ich gar nicht zurecht. Ich habe den Eindruck, dass ich viel mehr Griffkombinationen lernen MUSS für ein und den selben Ton, weil abhängig vom Ton danach in einem Stück, oder ob die Sequenz auf-oder absteigend ist, ich diesen oder jenen Griff wählen muss. Auch sind irgendwie viel mehr Hebel nötig als beim deutschen System. Das habe ich ganz schnell seingelassen. Mag sein, dass es mit Erfahrung anders geht, aber dies war mein erster Eindruck und der war eher abschreckend.
    JEs
     
  15. rbur

    rbur Mod Moderator

    Ich spiele B-deutsch und Bass-boehm, weil ich mir eine deutsche Bass nicht leisten kann.
    Die Unterschiede der Griffweisen sind egal, wenn man auf jedem Instrument nur oft genug übt. Ebenso irgendwelche Klappenzählereien, welches der beiden Systeme nun dem Saxophon ähnlicher ist.

    Ich bin eher traditionsverbunden und möchte deshalb, dass die deutschen Klarinetten nicht aussterben.

    Ob bei einem Anfänger die Klangästhetik wirklich ein Kriterium sein sollte, glaube ich nicht, der kann das noch gar nicht nutzen. Außerdem lässt sich auch mit Mundstück oder Blatt hier auch viel erreichen, da braucht man nicht das Instrument zu wechseln.

    Ergonomieprobleme sind Probleme des individüllen Instruments und nicht des Systems.

    Wenn man genug Geld ausgeben kann, sollte man sich bei Boehm eine Es-Klappe links gönnen, dann hat man die von JES angesprochenen Griffprobleme nicht so stark. Außerdem gibt es auch bei deutsch oft mehrere unterschiedliche Griffe pro Ton, wo man sich den zu Folgeton passenen raussuchen sollte.
    Bei Boehm ohne Es-Klappe links muss man öfters mal vier Töne im voraus planen, das geht aber auch mit der Zeit.

    Für 3000 Euro kriegt man auf jeden Fall ein ordentliches Instrument, günstiger geht aber auch. Und viel teurer auch ...
    Ich hab mir eine Oscar Adler 323B gegönnt, falls dir das weiterhilft.

    Fazit: System ist egal, also deutsch, weil das ist Deutschland hier. :)
     
  16. saxology

    saxology Ist fast schon zuhause hier

    Ein Aspekt, den man beachten sollte: Während die Klappenausstattung bei deutschen Klarinetten stark variiert (vom 17-klappigen Anfängermodell bis zum 24-klappigen Profiteil mit Tief-E/F-Verbesserung), ist die grundlegende Böhmmechank identisch bis in den Profibereich hinein.
    Fast einziges Zusatzgimmick ist der erwähnte linke Es-Heber, den aber längst nicht alle hochpreisigen Böhmklaris haben.
    Nur die Weiterentwicklung "Vollböhm" beinhaltet daneben noch weitere Modifikationen (Tief-Es, Gabel-es/b, artikuliertes Gis plus eigene Trillerklappe), die meistens en bloc vorkommen, jedoch hat sich das Ganze nicht durchgesetzt.

    Gruß
    Joachim
     
  17. Ton Scott

    Ton Scott Freak

    Der z.B. ist für mich kein Gimmick, sondern ein Gottesgeschenk, vor allem beim Blattlesen.
     
  18. saxology

    saxology Ist fast schon zuhause hier

    Ich fädele auch grundsätzlich in alle denkbaren Pinky-Sackgassen ein, aber für Leute wie Sharon Kam oder die Altmeister Artie Shaw und Benny Goodman ist bzw. war der Es-Heber kein Thema.
    Buddy de Franco sagte angesichts Paquito d'Riveras mit allen Schikanen ausgestatteter Klari: "Too many keys".

    Besonders interessant an diesem Instrument ist die gedoppelte Tief-F-Klappe, wahrscheinlich zur direkteren Kraftübertragung links.
     
    Zuletzt bearbeitet: 19.Juli.2017
  19. last

    last Ist fast schon zuhause hier

    Irgendwie bin ich froh, dass ich nur Saxophon spielen möchte...
    Bei der Klarinette bin ich hier schon beim Mitlesen überfordert...

    ;)last
     
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  20. Gerrit

    Gerrit Experte

    Diese Erfahrung kann ich durchaus bestätigen: Yamaha und Buffet bieten Kunststoffklarinetten an, die wirklich nicht schlecht klingen und bezahlbar sind. Wer knapp bei Kasse ist, kann auf den betreffenden Modellen einsteigen und sie z.B. durch Birnen (z.B. aus Holz oder Paulus Schuler) und Mundstücke klanglich aufwerten ohne gleich ein Vermögen ausgeben zu müssen. Ich bin immer wieder erstaunt, wie gut die klingen können!
     
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