1. Diese Seite verwendet Cookies. Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies. Weitere Informationen

Boehm oder Deutsche Klarinette?

Dieses Thema im Forum "Sonstige Instrumente" wurde erstellt von Wenke, 19.Juli.2017.

  1. xcielo

    xcielo Gehört zum Inventar

    Moin,

    jetzt habe ich kurzerhand auch mal beschlossen, mich neben der Bassklari mal mit ner "normalen" Klarinette zu beschäftigen.
    Nun wollte ich für den Versuch nicht all zu viel Geld ausgeben, aber auch was haben, an das ich mich vielleicht gewöhnen kann, und da habe ich das nachfolgende Teilchen erstanden.

    Eine Vollböhm bis tief Eb aus östlicher Fertigung, die Mechanik etwas klapprig, aber weitgehend ok, das Holz ohne Risse.

    Erste Versuche des Spielens sind recht vielversprechend, mal schauen, wo wir landen :)

    s-l1600.jpg s-l1604.jpg s-l1605.jpg s-l1606.jpg

    Gruß,
    Otfried
     
  2. Longtone

    Longtone Kann einfach nicht wegbleiben

    Ich habe mir die auch gekauft, ein Schmuckstück - ich muß nur arbeiten, wenn ich mit der Duodezimklappe überblase. (mit dem mitgelieferten 10,- Euro-Mundstück) Aber sie kling gut und sieht toll aus. Mit dem was Thomann liefert kann man sofort beginnen. Das einzige, was mich an der Klarinette stört ist die Zusammensteckerei - und -schieberei.
     
  3. Paco_de_Lucia

    Paco_de_Lucia Ist fast schon zuhause hier

    @xcielo → Servus Otfried,
    so schlecht schaut das doch mal ne aus auf dem Bild...
    was bedeutet denn - östliche Herstellung?
    Nah-Ost - sprich Markneukirchen, mehr Ost → sprich Polen, Ungarn etc.
    oder FernOst?
    Und entscheident ist: ordentlich gefertigt? passt, wenn die Mechanik wackelt, muss ma halt öfters einstellen ;-)
    und wenn sie auch noch halbwegs schön klingt, passt scho...
    wenn Du wüßtest, was so heute alles als Grenadille verwurstet wird....
    und die Sache mit dem MP - ich spiele auch seit Jahren ein Yamaha 4c, bisi adaptiert, na und? Geht super.
    cheers und es lebe die Duodezime
    Paco
     
  4. xcielo

    xcielo Gehört zum Inventar

    @Paco_de_Lucia

    östliche Fertigung: Tschechien oder Slowakei (Amati wohl)
    klapprige Mechanik: muss mal richtig eingestellt werden und mit Korkscheiben bedämpft werden, aber die Polster sind ok
    Grenadill: ist richtiges Grenadill, die Klari hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel
    Mundstück: ein Amati, das wird am ehesten ausgewechselt, für den Anfang reichts aber

    Den Klang, den ich ihr entlocken konnte, fand ich überraschend schön, hat mir gefallen.

    Gruß,
    Otfried
     
    Paco_de_Lucia gefällt das.
  5. Gerrit

    Gerrit Experte

    Die gedoppelte F-Klappe ist nicht das Besondere an dieser Klarinette von Rossi, sondern das Konzept, sie aus einem Stück zu fertigen: nur Birne und Becher sind abnehmbar, Ober- und Unterstück sind aus einem Holz gemacht... Rossi meint, diese Bauweise ermögliche ihm eine freiere Konzeption des Tonlochnetzes und somit andere akkustische Qualitäten...
    davon abgesehen: bei solchen Spielern wie etwa Rivera, DeFranco oder Eddie Daniels ist es egal, wieviel Klappen und Mechanik die Klarinette aufweist, die haben eine Virtuosität entwickelt, die einfach bemerkenswert ist. Wenn Buddy DeFranco über Riveras Klarinette sagt "zuviele Klappen", dann kann ich eine solche Aussage bei dem Niveau, das er und seinesgleichen erreicht haben, nur von Ironie ausgehen... ;-)
     
  6. Paco_de_Lucia

    Paco_de_Lucia Ist fast schon zuhause hier

    @Gerrit → das ist ja ein netter Beitrag mit dem Video, das hatte ich nicht gesehen.
    tolle Instrumente hat er da...
    Frage: was ist bitte eine doppelte F-Klappe?
    bei Klarinetten gibts sicher viele Spielereien, die ich noch nicht kenne.
    und Deiner Aussage kann ich mich nur anschliessen...

    das ist auch immer lustig bei den Flöten - wenn Sir James nachgesagt wird, jaaa mit seiner Platinflöte ist das keine Kunst und so...
    haha, der spielt auch auf einer alten 211er Yam so gut, dass ich mir den Wolf am Ansatz üben kann, und erreich das nicht.
    A funny game,

    cooler Beitrag
    cheers
    Paco
     
  7. saxology

    saxology Ist fast schon zuhause hier

    Im Video bei 2:50 dreht Paquito d'Rivera seine Klari und man kann gut erkennen, dass die zweite Klappe von unten zweimal existiert.
    Ich nehme an, dass sich dadurch das linke E/H dadurch leichter greifen lässt, vielleicht soll aber auch ein Gabelgriff verhindert werden (Grundzustand offen statt geschlossen).
    Im Gegensatz zu Gerrit habe ich den Eindruck, dass dies sehr selten ist. Ich habe erst eine einzige andere Klarinette mit so einer Mechanik gesehen, während die Ein-Mittelstück-Lösung gerade bei Es-Klarinetten doch öfter mal vorkommt.
    Tja, und Paquito meint, das Besondere wäre, dass sie aus kubanischem Holz ist ...
    Wenn ich richtig verstanden habe, nannte Al Gallodoro das Instrument Mad Man Clarinet, so hat jeder seine persönliche Sicht der Dinge.

    Gruß
    Joachim
     
    Zuletzt bearbeitet: 29.August.2017
  8. Gerrit

    Gerrit Experte

    Hallo, Joachim! Geh' mal auf www.luisrossi.com, dort kannst Du Dir die Klarinette(n) einmal genauer anschauen und erfährst einiges über deren Konzeption.

    Das, was Du als "doppelte F-Klappe" bezeichnest nennt Rossi offenbar das "automatic F-System". Es handelt sich um eine Korrekturklappe, die sich automatisch beim tiefen F öffnet um die Intonation dieses Tones zu verbessern... außergewöhnlich sind solche Systeme jedoch nicht, Buffet Crampon hat Ähnliches in der Tosca verbaut, Yamaha bietet es für die CSG III an, auch andere Hersteller ermöglichen über solche Korrekturklappen eine Tief-E oder Tief-F-Korrektur: bei hochwertigen und vollausgestatteten Deutschen Klarinetten ist diese Korrekturmechanik nahezu Standard.

    Ungewöhnlich ist bei Rossi die Bauweise aus einem Stück (Ober- und Unterstück); es gab von anderen Herstellern in der Vergsngenheit gelegentlich Versuche in diese Richtung; man nahm u.a. aber wohl Abstand davon, so erklärte mir ein Klarinettenbauer einmal, da das lange Holz sich leicht verzieht...

    Rossi baut so, da er die Tonlöcher frei positionieren kann und somit die von ihm gewünschten akkustischen Eigenschaften erzielt.

    Das rötliche Holzist an sich ebenfalls keine Besonderheit: es wird oft als Rosenholz, Honduras Rosewood u.ä., bezeichnet. Es gibt einige andere Hersteller, die es ebenfalls verwenden, etwa Bakun oder Patricola; das besagte Holz weist eine andere Dichte auf als Grenadill, ist etwas leichter und weicher und trägt zu einem etwas weicheren und luftigeren Klangbild bei. Sogar Amati fertigt auf Wunsch aus diesem oder ähnlichem Material...
     
  9. gefiko

    gefiko Ist fast schon zuhause hier

    nur der Vollständigkeit halber: der leider verstorbene Eduard Brunner spielte Böhm, Buffet... klar, eine Ausnahme in Deutschland
     
  10. gefiko

    gefiko Ist fast schon zuhause hier

    Nah-Ost: in Kraslice (Graslitz), also weniger als 20 km von Markneukirchen entfernt
     
  11. gefiko

    gefiko Ist fast schon zuhause hier

    Ich persönlich finde es Schade, dass die doppelte Klappe für das b' - wie bei den meisten Bassklarinetten - sich bei der Sopranklarinette nicht durchgesetzt hat....
     
  12. Gerrit

    Gerrit Experte

    Es gäbe sicherlich noch das eine oder andere an den (Böhm-) Klarinetten zu optimieren. Allerdings sind die heutigen Instrumente akkustisch und mechanisch schon sehr ausgereift und jede weitere Optimierung schlägt sich dann wieder im Preis nieder. Die Kosten für hochwertige Instrumente sind allerding in den letzten Jahren ohnhin gestiegen.

    Die besagte F-Korrektur bei der Böhmklarinette ergibt aus meiner Erfahrung i.d.R. wenig Sinn: ich arbeitete einige Jahre mit einer Buffet Crampon Tosca, die diese Korrekturklappe aufwies; das tiefe F lies sich aber auch ihne diese Applikation mühelos auf den Punkt intonieren und dies ohne jegliche Klangeinbußen. Man muss schon genau hinschauen, welche Ausstattung tatsächlich nitwendig ist und Sinn ergibt und welche Features eher dem Marketing nutzen.

    Die doppelte Eb-Klappe hingegen ist ein absolut sinnvolles Feature, weil sie bestimmte Tonkombinationen grifftechnisch vereinfacht; auch wenn einige namhafte Interpreten dieses Feature ablehnen, besagt dies letztlich wenig, denn alles, was tatsächlich die Grifftechnik vereinfacht ist vielleicht nicht unabdingbar nötig, aber dennoch sinnvoll: warum kompliziert, wenn es einfach geht?

    Ein schönes Detail an einigen Reformböhm-Klarinetten: Rollen an Tief-F/Eb und gelegentlich E/F#. Das würde in meinen Augen z.B. einer Tosca oder Divine eher zustehen als die verbaute Korrektur für Tief-F. Leider verbaut das niemand in Großserien. Walter Grimm, Schweiz, bot eine Weile Buffet Crampon E13 im Umbau mit diesem Feature an...
     
  13. Paco_de_Lucia

    Paco_de_Lucia Ist fast schon zuhause hier

    @Gerrit & @saxology & @gefiko → VIELEN DANK
    für den lehrreichen Diskurs.
    Man[n] lernt halt nie aus.
    Echte EXPERTEN!

    Ich hatte halt noch nie was von der Doppel-F Klappe gehört.

    Rollen an den Tief-Eb wären angenehm, aber es geht auch ohne.
    Und zu Reform-Böhm hab ich ein etwas gespaltenes Verhältnis.
    Es macht ja gerade den Unetschied aus, eine 14.6er oder 15.2er Bohrung zu spielen.
    Ich selbst hätte auch gern eine Diva oder Tosca...
    muss mich aber eher nach einer Deutschen Umschauen.
    Sogar Sabine Meyer kritisierte das mal, das heute kaum noch ein Unterschied zwischen Böhm und Öhler erkennbar wäre.
    anyway: entscheidend ist, das die Musik schön klingt, die vorn rauskommt.
    letzten Endes klingt Paquito auch auf der Metal-Möhre super.

    Klarinette Frei!
    Cheers
    Paco
     
  14. gefiko

    gefiko Ist fast schon zuhause hier

    m.E. wäre doppel-b' ein wirklicher Beitrag - akustisch gesehen. Das Loch ist ja sowieso da.... :)
     
  15. xcielo

    xcielo Gehört zum Inventar

    Moin,

    meine Bassklarinette hat auch eine Doppel-F(C)-Klappe, und das macht auch Sinn. Denn dadurch wird der darüber liegende Ton, nämlich G, bzw. D akustisch sauberer (Böhmsches Prinzip).

    Zudem hat es mich auf die Idee gebracht, dass die (geschlossene) Anordnung von F(C) und F#(C#) bei der Böhmklarinette eigentlich eine seltsame Krücke ist. Viel sinniger wäre m.E., wenn der F#(C#)-Hebel nicht bei geschlossenem F(C) ein Tonloch öffnen, sondern vom G(D) ausgehend ein Tonloch schliessen würde. Der Hebel für F(C) würde dann diesen mitnehmen, also beide Tonlöcher schliessen. Auf diese Weise wäre ein weicherer Übergang bei H-C#-D im Mittelregister möglich, bzw. bei E-F#-G im unteren Register, die bekannte Crux der Böhmklarinette. Zumindest auf einer Seite, vielleicht für den rechten kleinen Finger könnte man das als Alternative realisieren.

    Und ja, ein anständiges kurzes Bb wäre schon Klasse bei der Sopranklarinette, Leblanc hat sowas verschiedentlich gebaut, soweit ich weiß

    Gruß,
    Otfried
     
  16. saxology

    saxology Ist fast schon zuhause hier

    Die Seite von Luis Rossi ist wirklich sehr interessant. So ziemlich alles, was wir hier diskutiert haben, bietet er als Zusatz-Features für seine Klarinetten an.
    Ich frage mich, ob sich hinter "articulated F#/C#" (leider ohne Foto) nicht genau das verbirgt, was xielo hier dargelegt hat.
    http://www.luisrossi.com/further-options.html
     
  17. Paco_de_Lucia

    Paco_de_Lucia Ist fast schon zuhause hier

    na, da würde ich empfehlen, die mal auszuchecken - in Karlsruhe sollts gehen

    Oboe-Werkstatt by Francisco Naranjo
    sind aber auch ned gerade a Schnäpple, aber im Vergleich zu einer guten Wurlitzer...schweigt der Genießer.
    Cheers
    Paco