1. Diese Seite verwendet Cookies. Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies. Weitere Informationen

Bundestagswahl 2017

Dieses Thema im Forum "Sammelthreads für Philosophen, Esoteriker etc" wurde erstellt von Dreas, 24.September.2017.

  1. Bernd

    Bernd Gehört zum Inventar

    Mal weg von der AfD...
    was glaubt ihr, welche wesentlichen Gründe zum katastrophalen Absturz der SPD führten?

    Ich fang mal an. Nach meiner Meinung trugen folgende Gründe mit dazu bei:

    1. Die SPD ist innerhalb der GroKo zu einer beliebigen Partei ohne eigenständiges Profil geworden. Sie hat es nicht geschafft, sinnvolle Projekte, die sie auf den Weg gebracht hat, auch dem Wähler gegenüber als sozialdemokratische Leistung zu vermitteln. Da hat sich die SPD von Mutti vereinnahmen lassen.
    2. Schulz die falsche Personalie. Nach meinem Empfinden hat der niemals etwas "staatsmännisches" ausgestrahlt. Für mich hat er das Charisma eines Provinziellen.
    3. Schulz hat immer nur von sozialer Gerechtigkeit gesprochen. Aber nie überzeugende Konzepte vorgestellt, wie er diese herstellen will. Vor allem blieb er Erklärungen schuldig, wieso die SPD in 15 von 19 Jahren, in denen sie in Regierungen beteiligt war, diese soziale Gerechtigkeit nicht hergestellt hat.
    4. Der blinde Aktionismus kurz vor den Wahlen. Da wurde noch schnell Andrea Nahles ( Für mich ein Paradebeispiel für Karrieregeilheit, Wendehälsigkeit und gewisse schlaumeierische Dümmlichkeit) Betriebsrentengesetz durchgepeitscht. Ein Gesetz, das die Verbraucherzentrale Bayern mal genauer unter die Lupe genommen hat.

    Merten Larisch, Verbraucherzentrale Bayern
    "Wenn der Arbeitnehmer zu mir kommt muss ich sagen, schauen Sie die Zahlen an, es lohnt sich definitiv nicht. Hände weg von dieser Vorsorgeform."

    Denn die Entgeltumwandlung bedeutet im Rentenalter oft ein böses Erwachen. Warum, rechnet er uns vor:

    Wenn ein Normalverdiener mit 3000 Euro brutto monatlich 110 Euro spart, hätte er nach etwa 30 Jahren eine Betriebsrente von ca. 230 Euro brutto.

    Aber netto gerechnet bleiben ihm nur ca. 108 Euro. Denn wenn die Rente ausgezahlt wird, muss er davon Sozialabgaben zahlen, und zwar doppelt: Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil. Zudem muss er die neue Betriebsrente versteuern. Und es kommt noch schlimmer: Er schmälert dadurch seine gesetzliche Rente - und zwar in diesem Fall um 35,00 Euro im Monat.

    Was kaum einer weiß: diese Art der Betriebsrente schadet der gesetzlichen Rente. Und damit allen Arbeitnehmern. Egal, ob sie bei der Entgeltumwandlung mitmachen oder nicht. Es werden schlicht all die Jahre weniger Beiträge in die Rentenkasse eingezahlt. Monat für Monat. Und das von Arbeitnehmern und Arbeitgebern.

    Das ist der Grund, warum Professor Peter Bofinger, Wirtschafts-Sachverständiger der Bundesregierung, das Modell grundsätzlich ablehnt.

    Was meint ihr?

    LG Bernd
     
    Dreas gefällt das.
  2. Conndomat

    Conndomat Ist fast schon zuhause hier

    Bernd stimme im vielen mit dir ein aber, den Hauptgrund für diese ganzen miserablen Ergebnisse sehe ich immer noch wegen der "Agendapolitik" des Bierkanzlers, dass hat die SPD geschrottet, eine Partei die sich so massiv gegen ihre eigenen Wähler stellt muss sich da nicht wundern, dass wirkt bis heute nach.

    Andreas
     
  3. bluefrog

    bluefrog Ist fast schon zuhause hier

    Da ist sicher teilweise was dran. Aber warum gehen diese Wähler dann nicht zur Linken? Die AfD hat doch sozialpolitisch nur noch mehr von demselben zu bieten.

    Man kann jetzt den Spruch von den dümmsten Kälbern aufsagen, aber ist es Dummheit? Mir ist die Erklärung zu einfach.

    LG Helmut
     
    sachsin gefällt das.
  4. Dööpdöpp

    Dööpdöpp Kann einfach nicht wegbleiben

    Ich fand am Wahlkampf besonders nervig, dass es, zumindest gefühlt, nur um Flüchtlinge ging. Alle anderen Themen fanden stark untergeordnet statt. Rente, Gesundheit, Bildung, Steuern, Banken, EU - so richtig ist mir da von keiner Partei was Konkretes im Kopf geblieben. Ich hoffe, dass die nächsten Jahre nicht auch so massiv von den Nazis thematisch dominiert werden.
     
    Gerrit und Conndomat gefällt das.
  5. sachsin

    sachsin Ist fast schon zuhause hier

    .... dieser offene Brief verteilt sich gerade in ganz Deutschland - damit er zu einem Symbol des Widerstandes für ein vielfältiges Deutschland wird.

    https://secure.avaaz.org/campaign/de/afd_widerstand/?cwMJXcb

    Sobald 250 000 Unterschriften erreicht sind, wird er deutschlandweit abgedruckt verbreitet.

    :)
     
    Zuletzt bearbeitet: 25.September.2017
    Dreas und Conndomat gefällt das.
  6. Bernd

    Bernd Gehört zum Inventar

    Erledigt1
     
    sachsin gefällt das.
  7. Conndomat

    Conndomat Ist fast schon zuhause hier

    auch unterschrieben....:-D

    Helmut, ich habe heute Abend einen Bericht über die Basis der SPD gesehen die vor Ort Wahlkampf gemacht haben und die größten Beschwerden der "Wähler" gingen immer wieder auf das Thema Hartz IV Reformen.
    Ich glaube das hat der SPD am meisten geschadet, dass es natürlich noch andere Aspekte gab ist selbstredend.

    Wie ich schon oben geschrieben habe, es gibt einen erheblichen Bodensatz an Fremdenfeindlichkeit in der BRD, dass kommt der AfD natürlich weit besser zupass als den Linken die auch noch für Flüchtlinge war, sich somit auf Merkels Seite gestellt hat und somit zum "Mainstream" gehört, diesen ganzen Parteien wollte man mal so richtig einen auswischen.
    Außerdem hat es die AfD bei vielen Leuten geschafft die Flüchtlinge für alles verantwortlich zu machen, sozusagen das wandelnde Bild des Unterganges, dass "Grauen" braucht ein Bild, die ganze Kohle die in die Bankenrettung gesteckt wurde läuft ja nicht durch Dresden.

    Andreas
     
    Zuletzt bearbeitet: 26.September.2017
    Bernd, sachsin und bluefrog gefällt das.
  8. Gerrit

    Gerrit Experte

    Erinnern wir uns auch an den Abgang Oscar Lafontaines: er wies damals auf die Notwendigkeit hin, die Finanzmärkte zu regulieren. Das wollte keiner hören. Statt dessen kam es im gewissen Umfang unter Gerhard Schröder zu einer Deregulierung.

    Wenig später kam der Crash... die Folgen trug der Steuerzahler.

    Insgesamt jammern wir auf höchstem Niveau hierzulande. Andererseits gibt es Entwicklungen, die gewiss einiger Korrekturen bedürfen: das Vermögensgefälle etwa ist in dieser Weise kaum noch vertretbar. Wer dagegen hierzulande etwas vorträgt, dem werden rasch solche Begriffe wie „Neiddebatte“ um die Ohren geklatscht. Es findet aber keine essentielle Debatte über dieses Thema statt.

    Keine der Parteien stellt Strategien gegen die Verwerfungen vor, die im Zuge fortschreitender Rationalisierung eintreten. Die sog. Digitalisierung der Arbeitswelt ist m.E. nur eine fortgeschrittene Entwicklungsstufe der Rationalisierung, also im Grunde kein unbekanntes, überraschend auftretendes Phänomen: es wurde bereits vor Jahrzehnten thematisiert. In bestimmten Branchen und Industrien tritt eine Verknappung der Arbeit auf, auf jeden Fall eine Umstrukturierung. Sie wird sozial-ökonomische Konsequenzen nach sich ziehen und die o.g. Spreizung der Vermögens- und Einkommensverhältnisse nach sich ziehen. Diese Entwicklungen sind seit Jahren bekannt, aber bereitet man Land und Gesellschaft darauf angemessen vor?

    Helmut Schmidt sagte ja einmal wer Visionen habe solle den Arzt aufsuchen. Diese Äußerung ist gewiss nur im Zusammenhang mit den politischen Radikalisierungen zu sehen, denen er selbst im Laufe seines privaten und politischen Lebens begegnete. Visionen, die auf rationalem, empirischen Fundament begründet sind und den sozialen, ökonomischen, ökologischen und politischen Prozessen Rechnung tragen, sind aber wohlmöglich das, was fehlt: wie soll unser Land in zwanzig Jahren aussehen, welche Entwicklung soll unsere Gesellschaft nehmen? Ich vermute, daß sehr viele heute der AfD folgen aus Mangel an rationalen, humanen Visionen, und die AfD bedient genau diese Perspektivlosigkeit, kanalisiert die z.T. verständlichen Frustrationen in ihre völkisch-rassistische Ideologie.

    Nicht nur weil die Provokation ein mediales Konzept der AfD ist, sollte man sich in der Weise, wie es seit geraumer Zeit geschieht nicht mehr mit ihr auseinandersetzen: man muss Lösungswege aufzeigen, diese ggf. erklären, Perspektiven entwickeln und diese kommunizieren.

    Seit Jahrzehnten liegen wichtige Baustellen brach oder werden lediglich teilweise bearbeitet: man verwaltet sozusagen die Schlaglöcher in den Straßen, statt neue, gangbare Wege zu beschreiten. Denken wir in diesem Zusammenhang an Altersvorsorge, an die o.g. Umbrüche in der Arbeitswelt, die Vermögensverteilung oder -Bildung, das Bildungswesen. Die Migrationsbewegungen, die wir heute erleben wurden schon in den Siebziger Jahren prognostiziert.

    Im Grunde müsste Frau Merkel tatsächlich so etwas wie eine Minderheitsregierung bilden: darin läge die Chance, daß um wichtige Fragen künftig inhaltlich gerungen, der Parlamentarismus gestärkt würde. Es könnte ein breiter politischer Diskurs geführt werden, man müsste für viele Fragen ebenso breite parlamentarische Mehrheiten finden, wohlmöglich jenseits des Fraktionszwanges. Aber das ist wahrscheinlich nur eine nette Utopie...
     
  9. Long John Silver

    Long John Silver Ist fast schon zuhause hier

    Hierzu mit spitzer Zunge nachzutragen: Nationalkonservativ bis an den Abgrund - aber die ganz Rechten sind ihr jetzt dann doch zu rechts ... oder geht es etwa nur um gekränkte Eitelkeiten und die, wenn auch verschwommene, Aussicht auf ein Pöstchen in vier Jahren? Man will ja koalitionsfähig werden ... die bösen Chaoten spalten wir ab, die rechtsnationale Polemik wird als kleineres Übel im Vergleich zur "Fundamentalopposition" inszeniert. Das wird man doch wohl noch mal sagen dürfen, oder?

    Ach ja: "obergärig" ist ein Begriff aus dem Bauereihandwerk und bezeichnet - vereinfacht gesagt - ob die Brauhefe oben oder unten im Sud schwimmt...

    Ein Schelm, wer Böses bei so etwas denkt.

    LJS
     
    Zuletzt bearbeitet: 26.September.2017
  10. Long John Silver

    Long John Silver Ist fast schon zuhause hier

    Ich glaube, der Befund ist hinlänglich bei den meisten politischen Akteuren bekannt, verklemmt sich aber im Gestrüpp der Gesichtswahrung.

    Keine der politisch gestaltenden Strömungen - von links bis rechts, von "bedingungsloses Grundeinkommen" bis "Leistungsgesellschaft der Bildungsweltmeister" und von "offene Gesellschaft" bis "Grenzen zu" hat es geschafft, ihre holzschnittartigen Formeln mit ausreichend inhaltlicher Substanz zu füllen oder sich sogar einem konstruktiven Diskurs zu stellen, in dem man Bausteine verschiedener "Lehren" miteinander verweben könnte. Alleine das wäre eine große Chance einer Jamaika-Konstellation.
    Aber im Gegenteil: der taumelnde bayrische Löwe hat nichts Besseres zu tun, als noch weiter nach rechts zu irrlichtern als ohnehin schon...

    LJS
     
    Bernd und Gerrit gefällt das.
  11. Gerrit

    Gerrit Experte

    ... genau: eine offene und sachliche Auseinandersetzung, der es darum geht, Lösungen zu finden, die breit mit getragen werden können, das ist jetzt angebracht. In einer solchen Auseinandersetzung würde dann sichtbar, wohin der Weg führt, und wer wirklich die Wählerstimme verdient...
     
  12. visir

    visir Ist fast schon zuhause hier

    Die Grünen sind längst keine Protestpartei, und VdB kein rein Grüner. Und wenn die einzige Alternative der Aldi, äh, der Hofer ist... weil die "mittleren" Parteien nur Nicht-Kandidaten zusammenbringen...

    Ich kenne momentan keinen aktiven Politiker, den ich ernsthaft glaubwürdig finde, außer vielleicht unseren Präsidenten, der es nicht mehr not hat...
     
  13. Iwivera*

    Iwivera* Kann einfach nicht wegbleiben

    sachsin und Dreas gefällt das.
  14. Dreas

    Dreas Gehört zum Inventar

    Ich habe Dir doch gar nicht wiedersprochen...wollte nur ergänzen....

    CzG

    Dreas
     
  15. Dreas

    Dreas Gehört zum Inventar

    So habe auch grad unterschrieben....

    Wow, klasse sachliche Diskussion hier....da hatte ich andere Befürchtungen!

    Wir sind doch ein Forum mit sehr demokratischen Grundwerten...das freut mich....

    Beschämend finde ich, dass der Thread zu den "Philosophen" verschoben wurde... weil wir ein "Saxforum" sind und solche wichtigen Diskussionen daher nicht gewünscht sind? Weil Foristen meckern?

    Grade heut ist es doch geboten Stellung zu beziehen und es würde uns gut tun dazu auch zu stehen und solche Diskussion auf der ersten Seite zuzulassen und nicht zu verstecken!

    "Philosophen" heißt, dass ich nichtmal mehr einen Hinweis über Wortmeldungen bekommen habe...über Google wird's dann wohl auch nicht mehr gefunden....ich mußte aktiv nachschauen.

    Mir geht es nicht um eine Politisierung des Forums. Normalerweise wäre eine Bundestagswahl auch kein Thema für mich, dass hier zu Diskutieren.

    Aber es ist eben nicht "normal"! Wir werden handfeste NAZIS im PARLAMENT haben! Da sollten wir uns m.E. nicht wegducken, weil es kein Musikthema ist.

    DAS macht mich traurig.

    Meine Meinung....kann man auch anders sehen....

    CzG
     
    Iwivera* und sachsin gefällt das.
  16. 47tmb

    47tmb Ist fast schon zuhause hier

    Dann mach Deine Stellungnahmen doch "öffentlich".
    Avatare oder Signaturen wandern nicht zu den "Philosophen" :)
     
    Dreas gefällt das.
  17. 47tmb

    47tmb Ist fast schon zuhause hier

    Nunja,
    als "Mutti" ihren Aufstieg begann war sie ja auch noch weit von "Mutti" entfernt und eher "Kohls Mädel", oder?
     
  18. Dreas

    Dreas Gehört zum Inventar

    Wollte schon Deinen Avartar nutzen....aber das könnte zu Verwechslungen führen.

    CzG

    Dreas
     
    47tmb gefällt das.
  19. Dreas

    Dreas Gehört zum Inventar

    Zu nah an Deinem?

    CzG

    Dreas
     
  20. 47tmb

    47tmb Ist fast schon zuhause hier

    Das wäre schon ein sichtbares "öffentliches" Statement wenn viele mit diesem (oder einem ähnlichen) Avatar in Erscheinung treten würden.
     
    Dreas gefällt das.