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"Das Üben muss ohne Emotionen erfolgen..."

Dieses Thema im Forum "Sammelthreads für Philosophen, Esoteriker etc" wurde erstellt von TobiS, 11.April.2017.

  1. TobiS

    TobiS Kann einfach nicht wegbleiben

    "... und muss zwingend regelmäßig erfolgen"

    Kennt jemand das korrekte Zitat und dessen Urheber?
     
  2. Claus

    Claus Moderator

    Nein, aber inhaltlich scheint mir das auch wenig überlieferungswürdig.
     
    Marko74, onkeltom und Rick gefällt das.
  3. Gerrit

    Gerrit Experte

    Na ja, wenn man beim Üben in eine analytische Phase eintritt, was gelegentlich nicht schadet, ist es schon nicht unvorteilhaft, die Emotionen einmal eine Weile hinten an zu stellen...
     
  4. visir

    visir Ist fast schon zuhause hier

    möglicherweise vom selben wie "nichts gesagt ist genug gelobt"?
     
  5. Claus

    Claus Moderator

    Das mag ja sein, aber die Formulierung lautete "Das Üben", also nicht nur bestimmte Phasen. Und diese Aussage halte ich für falsch. In vielen Zusammenhängen dürfte ein emotionales Element dazu beitragen, dass bestimmte Dinge sich besser einprägen. Außerdem will ich auch beim Üben Spaß haben.
     
  6. TobiS

    TobiS Kann einfach nicht wegbleiben

    ich sehe in der Aussage eher eine Ansage an den inneren Schweinehund!
    "Egal ob Du willst oder nicht, ich übe jetzt!"

    Unter dem Aspekte gibt es jetzt sicher wieder Leute, die beklagen, dass das Üben doch ein Hobby sei, welches gefälligst Spaß machen soll.

    Um sich kontinuierlich zu verbessern, halte ich eine emotionslose Herangehensweise aber für überaus sinnvoll.

    Aus der eigenen Erfahrung kann ich berichten, dass ich oft sehr erfolgreiche Übe-Abende hatte, zu denen ich mich zunächst lustlos hingeschleppt hatte.
     
  7. Gerrit

    Gerrit Experte

    Ja, sicher. Es gibt verschiedene Methoden u. gewiß wirkt, abgesehen vom Spaßfaktor, Emotionalität auch unterstützend, das stimmt, sie kann allerdings auch gelegentlich, in gewissen Situationen ein Hindernis oder Hemmnis sein. Darauf zielte mein Hinweis ab.
     
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  8. visir

    visir Ist fast schon zuhause hier

    klares Jein.
    Ja zum Überwinden des inneren Schweinehunds, aber auch dann kann man Üben so gestalten, dass es Spaß macht. Und Spaß ist ja nicht die einzige Emotion. Begeisterung für das Instrument, für die Musik... ist auch eine, und nämlich nachweislich eine hilfreiche! Wer begeistert ist, lernt besser!
     
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  9. Rick

    Rick Experte

    Eigentlich war ja nur nach dem korrekten Zitat und dessen Urheber gefragt. ;)

    Aber zur Aussage selbst: Nein, ich stimme ebenfalls weder dem Aufruf zum emotionslosen Üben noch dem zur unbedingten Regelmäßigkeit zu. Für mich ist ein Künstler grundsätzlich ein emotionaler Mensch (als Rationalist würde er wohl kaum diesen chaotischen Beruf wählen!) und jede Übeeinheit hat mit Kreativität, Überwindung, aber auch mit Spaß und "Flow" zu tun.

    Ich schätze mal, die Aussage stammt aus dem 19. Jahrhundert und bezieht sich wohl vorwiegend auf die Ausbildung zum "Notenknecht" im Orchester, wo man ja seine eigenen Gefühle der Schöpfung des Komponisten und der Interpretation des Dirigenten unterzuordnen hat.
     
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  10. TobiS

    TobiS Kann einfach nicht wegbleiben

    Danke @Rick ,
    So ist es, eigentlich ging es mir nur um das Zitat!

    Aber auch interessant ist Deine Aussage zum Orchester im 19. Jahrhundert.
    Wie schrecklich das heutzutage ist, dass da jeder Mitmusiker seinen Senf zum besten geben, und dem Dirigenten das Leben schwer machen muss...
    Wo soll das noch hinführen???
    Nieder mit der Demokratie in Orchestern!
    (Nein, keine Ironie!)

    :duck:
     
  11. Rick

    Rick Experte

    Och, die Ensembles, die ich von innen kenne, sind aber bei den Proben immer sehr diszipliniert, nennenswerte Diskussionen mit den musikalischen Leitern - außer, wenn diese selbst dazu auffordern - habe ich selten bis nie erlebt.

    Die Grundidee des klassischen Orchesters kommt meiner Ansicht nach vom Militär, bzw. vom absolutistischen Staat: Ein Komponist, möglichst ein "Genie", macht Vorgaben wie ein König, der Dirigent ist der General, der diese mit seiner "Truppe" umsetzt, die dafür äußerst diszipliniert sein muss und ihren Willen dem der "hohen Herren" unterordnet.
    Allerdings gibt es in der Musik den Unsicherheitsfaktor der "Stars", meistens Sänger oder namhafte Instrumental-Solisten, und die können sowohl dem General als auch der Truppe mächtig zusetzen.

    In dem Zusammenhang finde ich die Anekdote von dem berühmten italienischen Dirigenten Arturo Toscanini sehr nett, der einmal nach einem Konzert, bei dem der Tenor-Sänger durchgehend einen Viertelton zu tief gelegen hatte, diesen ironisch um Verzeihung bat: "Es tut mir Leid, dass Sie heute Abend mit einem Orchester auftreten mussten, das notorisch einen Viertelton zu hoch gespielt hat!" :lol:
     
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  12. visir

    visir Ist fast schon zuhause hier

    da fällt mir eine Anekdote von den Wiener Philharmonikern ein, wo ein Dirigent bei der Probe immer wieder abgewunken hat, bis der erste Geiger aufgestanden ist und zum Dirigenten gesagt hat, wenn er jetzt noch einmal abwinke, dann würden sie wirklich spielen, wie er das dirigiert, und dann würde er schon sehen, was dabei rauskommt...
     
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  13. Gerrit

    Gerrit Experte

    Nicht, daß ich grundsätzlich etwas gegen Emotionalität beim oder durch das Musizieren einzuwenden hätte (im Gegenteil!), aber ich möchte doch noch einen Gedanken in die Runde werfen: ein Schauspieler etwa stellt Emotionen dar. Dabei bedient er sich unterschiedlicher Methoden. Er muss sich die Emotion, die er auf der Bühne ausbreitet nicht zwangsläufig zu eigen machen. Es zeichnet einen hervorragenden Schauspieler nicht unbedingt aus, wenn er die Emotionalität, die er ausbreitet, nicht von der eigenen Person zu trennen vermag. Ebenso ist es möglich, daß ein Musiker Emotionen durch die Musik darstellt, Emotionen weckt, ohne diese selbst unmittelbar zu teilen: Johnny Hodges etwa, der äußerst expressiv sein Horn blies, wirkte dabei selbt völlig teilnahmslos. Dennoch ist seine Musik von hoher emotionaler Wirkung.
    Wie gesagt, es geht mir in keiner Weise darum emotionale gegen analytische Herangehensweise gegeneinander auszuspielen oder zu gewichten, wahrscheinlich ergänzen sich beide Parameter optimaler Weise einander und sie sind selbstverständlich abhängig von den persönlichen Präferrenzen. Ich weise darauf nur hin, weil ich immer mal wieder beobachte, daß Emotionalität beim Üben oder beim Vortrag in bestimmten Situationen auch blockierend oder sogar im künstlerischen Sinne nachteilig wirken kann. In einem solchen Fall kann es durchaus vorteilhaft sein, sich auf die analytischeren Methoden zu besinnen oder sich daran zu erinnern, daß man als Musiker im Vortrag ähnlich einem darstellenden Künstler, etwas darstellt. Ein renomuerter Kunsthistoriker sagte einmal vor Jahren zu mir: "Der Künstler ist unwichtig, wichtig ist die Kunst, wichtig sind der Auftraggeber, der Betrachter." Die Hinweise, die Rick gab, möchte ich etwas ergänzen: der Künstler und somit seine Person, sein Genius, seine Emotionalität und Psychologie wurden erst mit Anbruch der Renaissance, als etwa die ersten Künstlerbiografien niedergeschrieben wurden, entdeckt. Vorher war der Künstler vornehmlich Handwerker und in Zünften u.ä. organisiert. Die Romantik, nachfolgend Impressionismus und vor allem Expressionismus beförderten das Interesse an der Person und Psychologie des Künstlers. Diese "moderne" Auffassung vom Künstler ist, auch wenn man sich mal ihre historische und soziologische Entwicklung klar macht, jedoch keine endgültige oder gar allgemeingültige. Ich persönlich schätze Musik von hohem emotionalen Wert, gleichwohl finde ich es lohnenswert, gelegentlich darüber nachzudenken, ob man als Musiker oder Künstler, Interpret, nicht mitunter der (eigenen) Musik mehr dient, wenn man die eigene Person zurücknimmt... Dieser Gedanke jedoch nur als Anregung, als ein methodischer Ansatz unter mehreren anderen!
     
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  14. TobiS

    TobiS Kann einfach nicht wegbleiben

    Danke für Deine Gedanken, @Gerrit !
    Mein Lehrer sieht das ganz ähnlich.
    Er sagte beispielsweise einmal, dass ich mich beim Auftritt auf ganz profane Dinge konzentrieren könne.
    Als Beispiel beschrieb er dann folgende Situation:
    "Während die Leute sich über Deinen tollen Sound freuen, bist Du selbst total begeistert, weil Du bei jedem Ton immer alle Perlmuttknöpfe spürst, auch die Knöpfe der Klappen, die Du gerade nicht gedrückt hast!"

    Das stammt natürlich aus der Stunde, in der er den Abstand meiner Finger zu den Klappen kritisiert, und die damit untrennbar verbundenen Defizite in Tempo und Agilität aufgezeigt hat.

    Mag für den ein oder anderen vielleicht zu perfektionistisch oder sogar unkonzentriert wirken.
    Mir persönlich gefallen derartige Denkansätze total gut, DENN: Leider stimmt es!

    Ich freu mich seitdem sogar beim Üben wie Bolle über den steten Kontakt zu den Perlmuttknöpfen.
     
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