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Gedudel oder nicht? Wie bewertet man Musik?

Dieses Thema im Forum "Saxophon spielen" wurde erstellt von Ton Scott, 31.Oktober.2017.

  1. 47tmb

    47tmb Ist fast schon zuhause hier

    Okay......führen wir den Brecker-und-andere-Befindlichkeiten-thread weiter. Ist ja kein Selmer-thread.

    Ich find's total genial, was der da treibt!
     
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  2. Dreas

    Dreas Gehört zum Inventar

    @henblower

    "Gedudel" ist für mich überhaupt nicht respektlos, sondern eher ironisch humorvoll.

    Ich nenne mein eigenes Spiel zuweilen auch als "Gefudel".

    Und im übrigen mag ich diese verklärte Überhöhung von Menschen, sein es Musiker, Schauspieler oder Politiker, nicht.

    Da ist eine gesunde Distanz, manchmal auch etwas ehrliche Respektlosigkeit durchaus angebracht, auch im Sinner der "Götter".

    CzG

    Dreas
     
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  3. Long John Silver

    Long John Silver Ist fast schon zuhause hier

    Hmmmm ... doch ... irgendwie schon ... spielte doch der vergötterte Dudler ein solches (bzw. mehrere) :duck:
     
  4. xcielo

    xcielo Gehört zum Inventar

    Moin,

    ich finde auch, dass man gewisse Arten von Musik durchaus als "Gedudel" bezeichnen darf. Aber ich finde nicht, dass die Musik von Michael Brecker dazu gehört. Man muss sie nicht mögen, aber jeder, der sich mit dem Saxophon im Jazz umtut (und nebenbei hat er auch fantastische Beiträge im Rahmen von Popularmusike erbracht), sollte ein ganz klein wenig verstehen, welche unglaubliche Freiheit dieser Mann besessen hat, innerhalb der Strukturen eines Stückes zu improvisieren, und welche grandiosen technischen Fähigkeiten sein Spiel ausmachte, ja, und auch was für eine bewundernswerte Musikalität all das verband.

    Ich gäbe wer weiß was dafür, wenn ich nur über ein kleines Fitzelchen davon verfügen würde.

    Gruß,
    Otfried
     
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  5. Long John Silver

    Long John Silver Ist fast schon zuhause hier

    Ich befürchte, genau da liegt der Hase im Pfeffer. Um Brecker zu verstehen (mir gelingt es, wenn überhaupt, nur ganz rudimentär) muss man sich tief in die Materie einarbeiten. MB "by himself" ist nur selten "gefällig" anzuhören, fordert seine Zuhörer und - meiner ganz bescheidenen Meinung nach - bedient auch gelegentlich die Erwartungshaltung eines gewissen Hörer-Klientels, die grandiosen technischen Fähigkeiten vor die strukturelle Freiheit und bewundernswerte Musikalität zu stellen.

    Mit anderen Worten: So großartig z.B. "Some Skunk Funk" mit Bruder Randy oder auch "Don't try this at Home" auch sind, man muss sich darauf einlassen (können). Es gibt Tage, da sind beide Alben für mich genau richtig und ein (von mir) noch unvollständig erforschter Kosmos an Musik, an anderen Tagen einfach nur unerträgliches Gedudel in meinen Ohren - weil ich, wegen Tagesform, Ablenkung ... der Brecker-Explosion einfach nicht folgen kann.

    Gerne darf jetzt von wachsamen Mitforenten empört über mich und meine Wiederholung der sprachlichen Entgleisung summoniert werden. Das halte ich aus.

    LJS


    PS: Werde mal sehen, ob mich Some Skunk Funk heute durch den Feierabendstau begleitet oder wegen Gedudel dann doch was anderes läuft...
     
  6. Roland

    Roland Ist fast schon zuhause hier

    Gedudel oder nicht?

    Gruppe 1:
    Das hat Strukur, ergo kein Gedudel. Der spielt ja nicht einfach drauf los.

    Gruppe 2:
    Ich kann das nicht von Gedudel unterscheiden.

    Gruppe A:
    Mir gefällt, was er da spielt.

    Gruppe B:
    Mir gefällt nicht, was er da spielt.

    Ich gehöre zu Gruppen 1/A.
    Ich kann mir vorstellen, wer von meinem Bekanntenkreis 1/B oder 2/B ist, aber auf Anhieb keinen, der 2/A ist.

    Grüße
    Roland
     
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  7. annette2412

    annette2412 Moderatorin

    Das glaube ich auch....er wirkte so bescheiden und sympathisch!

    http://bobreynoldsmusic.com/michael-brecker-29-things/

    Wir müssen hier niemanden anbeten, davon war auch überhaupt nicht die Rede.
    Aber sollten wir die Regelung im Forum einführen, lasse ich es dich natürlich als Ersten wissen!;)

    Thelonius Monk wurde auch gerade vor kurzem zu seinem 100. Geburtstag als "Gott des Jazz" bezeichnet, James Brown ist (war) der "Funk-Gott"....So what!!!
    Apropos "So What"...dazu fällt mir der Ausspruch "Miles is God" ein (ist nicht von mir, hab ich in einem Buch gelesen...)

    Liebe Grüße
    Annette
     
  8. bluefrog

    bluefrog Ist fast schon zuhause hier

    Was heißt "Verstehen" in dem Zusammenhang? Ich verstehe vieles in der Musik nicht, wenn ich genau angeben sollte, welche kompositorische oder harmonische Mittel jemand da gerade verwendet. Andererseits verstehe ich fast jede Musik, wenn das heißen soll, dass ich sie schätze, interessant finde,sie mich anrührt usw.. Ich habe bei Reisen n die Türkei z.B. die unterschiedlichsten Muezzine gehört. Wenn sie gut singen, schätze ich das, auch wenn ich überhaupt nicht verstehe, wie das türkische/arabische Tonsystem funktioniert.

    LG Helmut
     
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  9. Dreas

    Dreas Gehört zum Inventar

    @Roland

    Ich bin 1/B...

    CzG

    Dreas
     
  10. Paco_de_Lucia

    Paco_de_Lucia Ist fast schon zuhause hier

    @Ton Scott - danke für die Links in der Grauen Novemberzeit
    Ganz Großes Kino!
    Und ehrlich Leute, wenn ich das hier so lese - und noch dazu von Insidern - so bezeichne ich mal das Forum -
    denn mind. jeder hat ein Saxophone sein eigen zu Haus und weiß auch um dessen Benutzung und Befindlichkeiten -
    um so mehr bin ich von einigen Aussagen enttäuscht - es gibt wohl kaum einen Saxophonisten/Musiker,
    der interessanter, virtuoser und einfach genial seine Musik=Sein Wesen auf Seinem Instrument=Saxophon/Komposition&Arr.
    darstellt, wie Michael Brecker.
    Ich komme mir da bisi so vor, als wenn ich den Schmierfinken der Presse, welche sich Musik-Kritiker nennen, bei Premieren in der Oper über die Schulter schaue, wenn sie mit ihren kleinen Reklam-Partituren dahocken und dann die Achtel in der Parsifal-Overtüre oder bei Strawinksy mitzählen und dann
    Zwecks Ermanglung allumfassenden Verstehens der Selbigen [Partitur, Musik sowieso] schreiben in der Kritik:
    Im Takt xxx war aber das Forte etwas zu laut vom Blech und die Achtel waren etwas zu triolisch....und der Dirigent gab den Einsatz zu schnell -
    → und das gilt auch hier: Nichtmusiker verstehen es sowieso nicht - Michael Brecker - und die anderen können nur lächeln ob des Verstehens,
    was dieser Mann geleistet hat für den Jazz, das Saxophone und die Musik überhaupt.
    Von Virtuosität über Spieleleganz und Technik-Sax-Ansatz-Sounding etc. bis hin zu Stilprägend neuer Musik.
    Einfach: enjoy the music of Michel Brecker!
    Paco
     
  11. Long John Silver

    Long John Silver Ist fast schon zuhause hier

    Verstehen heisst, Strukturen erkennen.

    Ich meinte damit nicht notwendigerweise, kompositorische oder harmonische Mittel zu analysieren. Wer aber ohne jeden Kontext z.B. vor "modernen" Skulpturen oder Gemälden, sogar Photographien steht, wird keine Struktur erkennen, es nicht verstehen und - ich bitte um Entschuldigung - denken, der Künstler hätte einfach auf die Leinwand gekotzt.

    LJS
     
  12. flipbauer

    flipbauer Nicht zu schüchtern zum Reden

    Für mich ist "Gedudel", wenn jemand nicht dabei ist beim Spiel.Dh: wenn er die Finger laufen lässt und gleichzeitig darüber nachdenkt, wieviel Bier noch im Kühlschrank ist, oder ob er wohl eine Chance bei der Dame in der dritten Reihe hat.Nicht-Gedudel ist dann, wenn er das was er spielt "ausfüllt"- mit sich.
    Also kann derselbe Lauf Gedudel oder auch Nicht-Gedudel sein. Dh.: nicht das Was sondern das Wie macht den Unterschied.
    Just meine zwei Pfennige.
     
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  13. Atkins

    Atkins Ist fast schon zuhause hier

    Naja...gerade mal etwas länger reingehört. Es wundert mich nicht so sehr, dass ich den Brecker gar nicht so auf dem Schirm hatte...von mir aus verstehe ich ihn auch nicht:)
    Wenn ich in dem Video 10 mal etwas weiter klicke, höre ich oft exakt das gleiche Geduddel und ich bin nicht unbedingt begeistert.
    Und...vielleicht ist im Norden der Begriff Geduddel etwas liebevoller gemeint als woanders...keine Ahnung. Ich nenne mein eigenes Spiel mit Gitarre und Sax sowieso auch gerne Geduddel
    und das macht gar nix.
    Der Brecker spielt technisch natürlich absolut auf höchstem Niveau und den Rest verstehe ich in meiner Einfältigkeit wahrscheinlich nicht.
    Ich muss echt lachen...ich kenne das von vor 40 Jahren....." den Jazz verstehen" war ein absolut wichtiges Thema!
    Naja....ich übe dann mal fein weiter mit meinem Geduddel:)
     
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  14. RomBl

    RomBl Ist fast schon zuhause hier

    1/A
    Ich find Michael Brecker geil.
     
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  15. jazzwoman

    jazzwoman Ist fast schon zuhause hier

    Genau. Für mich ist Gedudel, wenn jemand ohne Timing und Artikulation sinnlose Sätze bildet. Klingt dann so wie lallen. Prost Mahlzeit!
    Brecker for ever!
     
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  16. 47tmb

    47tmb Ist fast schon zuhause hier

    Irgendeiner der Heroen (um "Götter" zu vermeiden) hat doch mal geäussert: "Wer behauptet, Jazz zu verstehen, hat ihn nicht verstanden."
     
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  17. Dreas

    Dreas Gehört zum Inventar

    Das ist Deine Meinung, die auch zu respektieren ist....aber Du bist "enttäuscht", weil das hier einige anders sehen?

    Deren Meinung kann man doch auch respektieren.

    Niemand hat Brecke seine Genialität oder seinen Einfluß auf die Entwicklung des Jazz abgesprochen.

    Einige mögen seine Musik nicht, andere verstehen ih nicht, wollen ihn gar nicht verstehen.

    Diese Brecker "Verherrlichung" finde ich genaus so fehl am Platz wie die Selmer "Glorifizierung".

    CzG

    Dreas
     
  18. Ton Scott

    Ton Scott Freak

    Ich würde ja gerne noch was schreiben, aber ich kniee schon seit Stunden die Formel "Mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa" murmelnd auf einem Holzscheit.

    Ah ja, und für die Nachwelt:
    Ich distanziere mich vom Titel des Threads, den ich nicht erstellt habe.
    Die Frage würde ich so nicht stellen. Vielmehr mir zuerst die Frage: Verstehst Du, was da passiert?
     
    Zuletzt bearbeitet: 1.November.2017
    b_nic, KUS, p-p-p und 4 anderen gefällt das.
  19. RomBl

    RomBl Ist fast schon zuhause hier

    Ich denke, in diesem Zusammenhang müssten wir mal wieder dringend über Chris Potter sprechen ... :D:D:D
     
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  20. guemat

    guemat Ist fast schon zuhause hier

    Ich weiß nicht ob man das Holzscheitlknien nördlich des Weißwurstäquators kennt. :D:D;)