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Interessanter Artikel zum Thema Jazz

Dieses Thema im Forum "Musiker / Bands" wurde erstellt von RomBl, 27.November.2017.

  1. 47tmb

    47tmb Ist fast schon zuhause hier

    So von wegen 40 Jahre immer dasselbe:

    ---> Rolling Stones.............


    Wir waren die Tage auf einem Konzert von Klaus Lage (ja, den gibt es noch - etwas fülliger und der Stimme merkt man die nahen 70 auch schon an :) )

    Er hatte alte und neue Titel im Gepäck...

    Aber da, wo alle ( und dabei erstaunlich viel junge Leute (und damit meine ich Twens) ) mitgesungen haben, waren die Titel aus der LP "Schweissperlen".....
     
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  2. Paco_de_Lucia

    Paco_de_Lucia Ist fast schon zuhause hier

    @Roland yip!
    wie wahr....wieder Autumn leaves, in C#moll und dann Ipanema, nicht mal 7/8tel, die Bossa stampft wie die Polonaise...
    vor 10 Jahren hab ich noch über 'Fleisch ist! mein Gemüse' gelacht - heute denk ich oft: 'Fleisch sei! auch mein Gemüse'---
    kannst noch bitte die goldene Klarinette mitnehmen - jaaa, ups - issn das? Iss ja gebogen, nee nich das Altsax...was? Ein Sopran mit Kurve? ...usw. usw.

    &

    Genau! weil keiner nen Dau [dümmster anzunehmender user] hat - ich habe gern mit Jeff Boudreaux gespielt und geschwatzt, wenn er mal da war,
    war der Lehrer meines persönlichen Lieblingsschlagzeugers - der stammt aus New Orleans...der Jeff, der hat sich totgelacht, wenn er unseren Dixi hier hörte...der hat mir mal so ne gefühlte 5er CD Packung live-Mitschnitte aus seiner Heimat geben, danach kapierte ich, was Dixi im New Orleans Style bedeutet.....und wie ganz anders dem sein groove war/ist - dafür könne er keinen Mozart spielen...gab er freimütig zu...
    und: seine Sambas und Bossas, ja, da fängst automatisch an zu tanzen, kannst gar nicht anders...

    und zu den unzähligen Bier-Dixi-Festivals hier gibts dann die stampfenden Rhythmen, die von denen der Helen F u.a.nicht mehr zu unterscheiden sind.
    [und wennst dann im Club schaust - dann können die Leute trotzt der hämmernden 4/4tel immer noch nicht genau auf den Puls tanzen]

    wie wahr, wie wahr ....

    und was resümieren wir daraus: es bedarf einer grundlegenden Allgemeinbildung ! - in allen Künsten...wie soll das in 20 Jahren sein bei dem Lehrermangel, wo es schon an Grundlegendem fehlt....Lesen, Schreiben, Rechnen???
    Übrigens, glaubt ihr, im Malerforum ist es anders als hier? die haben noch viel mehr Elfenbeintürme...
    und bei denen ist es wie im Jazz - man könnte fragen: wer hat von wem kopiert - die Musiker von den Malern oder umgekehrt - nenne wir es
    gegenseitige Inspiration...aber was kam nach Im- oder ExPressionisten...ein paar Moderne, yip, aber viele konservieren auch nur den Zeitgeist und auf ne Menge Zeugs kann ich auch gern verzichten...
    andererseits: in der Klassik: was kam nach Schönberg, Hindemith, Berg, davor hatten wir noch Wagner und Strauß [ned den Walzerer]...
    etwas Stockhausen und Zimmerman, in Leipzig Schenker...naja, aber wenn ich mir die Entwicklung → bis Strauss und Wagner anschaue,
    wirds schon bisi dünn hinterher...ein paar lyrische Russen gabs noch, wurden gerade wiederentdeckt...aber so richtig fulminantes blieb aus.
    Viel. auch das ein Zeitgeist...die neuen Götzen sitzen halt in Cupertino oder Redmond...mit einer eher bescheidenen Halbwertszeit...

    so, aus, genug ketzerische Gedanken...
    Paco
     
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  3. Roland

    Roland Ist fast schon zuhause hier

    Kagel, Stockhausen, Pärt, Salonen, Cage, Schaeffer, Varese, Penderecki ... die fielen mir auf Anhieb ein. Zappa hat auch klassisch komponiert.

    Ich habe, als ich mit meinem Schlaganfall damals im Krankenhaus las, das gelesen:
    "The Rest is Noise" von Alex Ross.

    Zum Buch hier was zum Hören:
    http://www.therestisnoise.com/listentothis/

    Und ein paasr Links:
    http://www.therestisnoise.com/2006/05/new_music_links.html

    Es kam viel, kennt aber kaum einer ....

    Grüße
    Roland
     
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  4. Paco_de_Lucia

    Paco_de_Lucia Ist fast schon zuhause hier

    jaa, klar, wobei ist selbst Pärt und Varese nicht kenne,
    und ja, viele viele, klar, aber:
    so wahr! und die Popularität von Wagner und Strauss haben sie nicht erreicht.
    Wobei man die mit dem heutigen andauernden Euphemismus: 'superstar' sicher tituliert hätte.
    anyway, jazz muss Revolution machen ;-)
    in diesem Sinne.
    schönen Abend
    Paco
     
  5. KUS

    KUS Ist fast schon zuhause hier

    Sorry, aber das hört sich für mich über weite Strecken leider so an, als wüstest Du genau, was für die Allgemeinheit gut ist. Was für ein Jahrgang bist? Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie mein Vater meine Lieblingsmusik als 16 Jährigen wie z.B. Manfred Manns Earth Band, Renaissance ... als N...-Musik bezeichnete und Sonntags nachmittags bei uns La Montanara und das Trompetenecho mit Slavko Avsenik und seinen Original Oberkrainern erschallte. Heute ist mein Sohn 16 und hört irgendwelche Rapper-Musik. Aber ich höre gelegentlich einfach mal zu. Wenn man über die grammatikalischen Defizite hinwegsieht (bin kein Deutschlehrer und kann das) und sich den einen oder anderen Begriff erklären lässt, sind das z.T. witzige Texte, durchaus in gewisser Weise gesellschaftskritisch. In Gänze sage ich meinem Sohn natürlich, das seine Musik schwachsinnig ist. Schließlich soll sich der Junge ja gesund und normal entwickeln können ;-). Aber was ist nun gut und was ist schlecht? In einer pluralistischen Gesellschaft möge dies jeder für sich entscheiden und jedem, der einen anderen Geschmack hat, dies zubilligen.

    Ich bin wahrlich nicht gegen Bildung. Ganz im Gegenteil. Der Musikunterricht meines Sohns war um Längen anspruchsvoller als der meinige vor 40Jahren (bei gleichem Bildungsweg). Was er hört, schrieb ich bereits. Und noch eine kleine Anmerkung zum Thema "wenn Grundlegendes wie Lesen, Schreiben, Rechnen fehlt": Hier wird leider ganz dünnes Eis betreten. Vorsichtig! Da muss man über Dinge sprechen, die in unserer medialen Öffentlichkeit ungern thematisiert werden. Im Ergebnis hast Du recht, leider zumindest für eine viel zu große Anzahl von Kindern. Aber es gilt nicht pauschal. Da, wo es erhebliche Probleme gibt, ist an Schulen, wo mittlerweile der Anteil nicht deutschstämmiger Kinder nicht mehr 50% beträgt sondern aufgrund der Flüchtlingssituation mehr als 70%. Da keine oder nur sehr schlechte Deutschkenntnisse vorhanden sind, führt das automatisch dazu, dass diese Kinder sich nicht wie gewünscht entwickeln. Bei gleichem Lehrkörper wird es immer schwieriger den Bildungsauftrag zu erfüllen. Auch deutschstämmige Kinder, aus den sogenannten bildungsfernen Familien, leiden darunter, weil sie nicht mehr wie notwendig gefördert werden können. Das Ende vom Lied. Die Karre rutscht in den Dreck. Wir legen schon heute den Grundstein für die nächste missglückte Integrationära von Ausländern. Aber das, was ich hier beschreibe, ist ja für die Politik viel zu operational. Aus deren Sicht muss man ja nur guten Willen haben, dann geht das schon. Um Missinterpretationen vorzubeugen: ich habe absolut nichts gegen Ausländer, aber gegen Politiker, die einen schlechten Job machen. Wenn unsere Zuwanderungspolitik funktionieren soll, dann bedarf es erheblich mehr finanzieller Mittel. Und das bedeutet, das jeder von uns bereit sein muss, deutlich mehr dafür finanziell aufzubringen. Aber diese Bereitschaft sehe ich nicht. Und dann wird ein Schuh daraus. Sorry für diesen Diskurs "die Jugend kann heute schlechter lesen, schreiben, rechnen"

    LG Kai
     
  6. Paco_de_Lucia

    Paco_de_Lucia Ist fast schon zuhause hier

    Nein - das weiß ich nicht - und ich bezog mich auf meine eigenen Erlebnisse als Musiker - der ich vor! dem Publikum stehe - und als Bläser bin ich halt nur Legionär und muss spielen, was die Band will - das sind dann die Resultate. Da gibts halt das gefühlt millionste Mal Autumn' leaves etc.
    Meist noch immer im Balladen-Tempo.
    Dort, wo ich mal im Bläsersatz spielen kann oder das ganze etwas Bobbiger angehen darf, sind eh nur [Jazz]Insider...

    alt genug, um das schreiben zu können!

    das ist doch richtig coole Mucke ;-)
    Unerreichte Absatzzahlen, da reichen bei mir 3 Musikerleben nicht für ...
    Das schaffe ich nicht, ich kann dem Zeugs nichts abgewinnen, aber bekanntlich ist ja: gustibus non erat disputandum!
    Dafür steh ich mittlerweile auf Shakira und Prince, und selbst als altersgerechter Schreiber höre ich mittlerweile viel Michael Jackson...
    das war mal ein NoGo für mich...da ich mit 'richtiger' Musik - schwerste Klassik - aufgewachsen bin. Da gabs Beethoven zum Frühstück
    und mit Wagner wurde der Tag beendet.
    So sei es, das würde ich mir auch nie anmaßen, irgend wem irgend etwas vorzuschreiben.
    Der Diskurs bezog sich auf den Zeitungsartikel - und da ja Meinungsfreiheit herrscht - bin ich der Meinung, dass der Mensch auch eine kulturelle Bildung erwerben sollte und sich nicht nur von Schlager und GangstaRap und Drum&Beats berieseln lassen sollte.
    Um Wagner zu hören - den ich mittlerweile sehr schätze - brauchts halt scho a bisi Hirnschmalz!

    Da bin ich ganz bei Dir - wenn auch recht neidig auf Deinen Sohn...so ist aber nun mal die Welt.

    Zum Rest Deiner Anmerkungen - ich stell mich dem Dünnen Eis - ich bin jeden Tag damit konfrontiert - und NEIN!
    ich wollte überhaupt nicht auf die Problematik der 'nicht deutsch sprechenden Kinder' hinweisen. Ganz im Gegenteil.
    Ich sehe alle meine lustigen Nachbarskinder - die an ein wundervolles Gymnasium neuster Bauart gehen dürfen - war mal früher meine Schule - auch da bekomm ich voll den Neid, was für tolle Lern&LebensRäume die alle haben,
    Was ich nicht sehe: sind lachende Kinder - alle schauen Ernst drein, als müssten sie die Last des Lebens schon jetzt spüren,
    keiner spricht oder spielt mit dem anderen, alle sind hyper-beschäftigt, auch über die Schule hinaus...
    und wenn ich mit denen rede - zwischen 12→20, da kommt nix rüber, ich verwende gern Begriffe wie: farblos, angepasst, ...etc.
    wo sind die [Jazzer], die Revolution machen - die Kids müssen das, die müssen uns das Fell über die Ohren ziehen - ich will Argumente hören,
    warum Jazz out ist und intellektuell - und warum Rap cool ist und in...nee, mein Lieber @KUS sorry, aber da kommt nur ein schüchternes Lächeln.
    Oder ängstlich flackernde Augen, das meinte ich, mit 12 hab ich meinen ersten Wettbewerb gewonnen, Klassisches Klavier,
    mit 6 trat ich schon das erste mal live auf...das war furchtbar, aber auch klasse. Das fehlt mir.
    Thelonius, Coltrane, Davis, wo bleiben die Visionen?
    Meine gehen mir langsam aus...
    so, die Flöte ruft.
    Kannst mir gern PNnen, wennst mehr wissen magst.
    Cheers
    Paco
     
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  7. Roland

    Roland Ist fast schon zuhause hier

    Ach ja Ligeti. Den kennen viele ja nur "2001". :)

    Nichts hat mich in der Schule mehr beeindruckt, mehr Gänsehaut produziert, als
    Penderechki 'Threnody for the Victims of Hiroshima'
    und
    Schönberg 'Ein Überlebender aus Warschau berichtet'.

    Und ein paar hatten tatsächlich den Sprechgesang aus Bergs "Wozzek" mit der Zeile 'Da rollt nachts ein Kopf' als running gag.


    Die Mehrheit kann oder will nix anfangen. Aber will man das der Musik anlasten? Ich wollte sie (die Musik) nicht missen.
    Moderne Musik knallen sich alle möglichen Institutionen ins Foyer, bei 'Moderner Musik' gehen die Schotten dicht.
    Verstehe, wer will.

    Grüße
    Roland
     
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  8. Claus

    Claus Moderator

    Nur, um nicht mißverstanden zu werden: ich wollte Dixi nicht abqualifizieren. Aber wenn das Vereinsziel ist, den Menschen „Jazz“ näherzubringen, dürfte die Vielfalt des Angebots schon etwas größer sein.
     
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  9. Roland

    Roland Ist fast schon zuhause hier

    In Anlehnung an "Blues Brothers":
    We play both kinds of music: Dixi and Chicago.

    Grüße
    Roland
     
  10. Iwivera*

    Iwivera* Ist fast schon zuhause hier

    Ja. Die gibt es leider auch die Jazz-Polizei, die dann entscheidet, was noch Jazz ist und was nicht mehr Jazz ist.
     
  11. prinzipal

    prinzipal Ist fast schon zuhause hier

    was elfenbeinturmartige virtuosität mit der deutschen sprache gemeinhaben könnte, wird wohl ein o.t. theme bleiben.

    egal. soll jazz also mehr "niederschwellig" sein, damit es einigen textveröffentlichern gefällt und ihnen die angst nimmt, womöglich für die erbrachten leistungen noch sozialabgaben beisteuern zu müssen, oder soll jazz virtuos sein, was den meisten je ebendiese angst erfolgreich nimmt, da keiner dafür bezahlen mag... ja was nun ?

    ich höre gerne leute die spielen können. sehr viel weniger welche, die gerne spielen können wollen.

    dazu gehören inline spieler*innen, die einfach nur gut funktionieren sogar oberhalb des d3 niveaus oder etwas besser, durchaus selten dazu.

    viele klassikspielende menschen sind heute sehr viel entspannter in ihrem vortrag als viele jazzmusiker*innen.

    vielleicht hilft es, mal einige künstlerisch tätige menschen in skandinavien zu hören.

    es "lohnt" ! und dann ist auch die künstlersozialkasse für d*as veranstalter*in kein problem.

    :-D
     
  12. Gerrit

    Gerrit Experte

    Das ist sicher der richtige Ansatz: Spielstätten fördern.

    Ich berichtete hier in anderen Zusammenhang bereits davon: vor ein paar Jahren erhielt der Fachbereich Jazz der Musikhochschule Hamburg anlässlich des Elbjazz-Festivals einen höher dotierten Förderpreis verliehen. Der Empfänger verkündete bei der Vergabe freudig: jetzt können wir weitere Studienplätze einrichten. Alle gaben begeistert Beifall. Ich dachte nur: „Geld zum Fenster hinaus geworfen oder in der Elbe versenkt...!“ Da werden Leute ausgebildet, die später sich irgendwie durch‘s Leben schlagen.

    Wenn man jedoch Auftrittsmöglichkeiten großzügig fördert, solche Projekte wie die in Amsterdam und nicht nur den akademischen Nachwuchs, dann kann sich eine lebendige Szene entwickeln. Meine eigene Erfahrung ist: wenn man „inbrünstig“ seine Musik vorträgt, sich Mühe gibt, gerade auch handwerklich, die Leute anspricht und nicht nur virtuos oder intellektuell wertvoll über sie hinweg bügelt, dann hören sie auch Jazz, fragen mitunter angenehm überrascht „... das ist wirklich Jazz?!“ Jazz, Niveau, sogar Experiment und Publikumsaufmerksamkeit schließen einander gar nicht aus.
     
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  13. saxfax

    saxfax Ist fast schon zuhause hier

    Alles richtig, nur dazu müssen die Leute sich erst mal aufraffen und trauen, in ein Konzert zu gehen, wo sie sich dem Risiko aussetzen, dass es ihnen nicht gefällt, weil es....uhm....Gedudel.....zu hektisch.....zu ruhig.....tja, doch zu intellektuell.....äh....jazzig....immer dasselbe.....zu laut....zu leise.....ist.

    Wenn man Musik nicht hört, kann man auch nicht feststellen ob man sie mag (und mit "hören" meine ich nicht, schnell mal 20 Sekunden in einen Youtube-Clip reinzuschauen)
     
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  14. Gerrit

    Gerrit Experte

    Das stimmt leider. Man muss auf sie zugehen, ihnen etwas anbieten. Deswegen sind meiner Ansicht nach Spielstätten auch so wichtig. Die muss man pflegen, als Orte vorstellen und entwickeln, die man gerne aufsucht, wo man andere Leute trifft, kennen lernt und eben auch etwas hören kann...
     
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  15. Long John Silver

    Long John Silver Ist fast schon zuhause hier

    Stimmt - aber das ist ein Risiko, das dann die dünne Linie zur Kostenlos-Kultur strapaziert.

    Ich war kürzlich in Berlin und habe meine Frau überredet, nach dem Essen noch ins A-Trane zu gehen ... 28 Euro Eintritt hingelegt - und dann noch 50 Euro in Cocktails investiert. Anders war die ... äähm ... "Darbietung" nicht zu ertragen. Die Darbietenden waren durchweg sehr versierte Musiker, das war keinesfalls zu bestreiten. Nur die Darbietung war ein total verkopfter Sch***, dem ich weder auf musikalischer noch auf emotionaler Ebene folgen konnte (und wollte).

    Fazit: Lehrgeld bezahlt und die Faszination des Grauens "genossen".
    Für thematisch nicht Vorgeprägte wäre es das mit "dem Jazz" dann wohl endgültig gewesen...

    Gegenbeispiel, auch in Berlin vor ein oder zwei Jahren, spielte Judge Rothkegel ad hoc zusammen mit einen Trio aus Schweden (glaube ich). War also eher unklar, was das geben könnte. Eintritt war frei, Spende erbeten. Meine Frau und ich hatten einen großartigen Abend und waren leichten Herzens genauso viel Geld los - wobei anteilig deutlich mehr in den Hut als in die Cocktails ging.

    Das Problem an der Sache: Es gab bestimmt einige, die aus reiner Knickerigkeit nur einen Kleinbetrag in den Hut geworfen haben, nicht etwa, weil es ihnen nicht gefallen hätte. Und umgekehrt werde ich mir bei unbekannten Darbietenden für eine Weile dreimal überlegen, ob ich den Eintritt auf den Tisch legen will - damit ist keinem Gedient.


    In gewisser Weise könnte eine stärkere Förderung der Spielstätten (@Gerrit s Vorschlag) die rein finanzielle Schwelle senken, sich ein Konzert unbekannter Darbietender (die man sich also auch nur sehr eingeschränkt auf Youtube vorher ansehen kann) unvoreingenommen anzusehen. Bringt mich wieder zu meinem obigen Beispiel Amsterdam... da schwankt der Eintritt zwischen nix, für z.B. Experimentelles und premium, für internationale Acts.

    LJS
     
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  16. Gerrit

    Gerrit Experte

    Mist kommt für viel Geld aber gelegentlich auch zu Gehör, wenn man klassische Konzerte besucht... aber ich weiß schon, was Du meinst: einerseits darf man nicht am Zuhörer vorbei spielen, andererseits sollte man ihn auch immer mal wieder herausfordern... das ist die schwierige Balance dabei. Ich hörte vor einiger Zeit mal Kenny Garrett mit seinem Quintett: der blies alles was machbar war, trotzdem fingen die Leute irgendwann an zu tanzen!
     
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  17. logout

    logout Ist fast schon zuhause hier

    Hat sich der Bebop nicht entwickelt weil man die "Nicht-Insider", die Swing-und Blues Musiker, draußen halten wollte? Hat man doch toll erreicht. Nur bleibt dabei das Publikum auch draußen. Ich finde, jeder kann doch selbst entscheiden. Wenn Frau Fischer lieber Geld als anspruchvolle Musik machen will ist das doch genauso legitim wie wenn jemand unbedingt sein "Ding" macht, welches dann aber keiner hören will.
    Ich persönlich halte nichts davon Spielstätten zu fördern. Es geht doch auch niemand bloß in die Oper weil die gefördert wird. Oder?
    Davon abgesehen geht es doch nicht nur dem "armen" Jazzmusiker so, dass er unter mangelnden Einnahmen/Auftrittsmöglichkeiten zu leiden hat. Ich kann mich noch an meine aktive Musiker Zeit in den 90ern erinnern: Wenn man an einen Gig kommen wollte haben viele Veranstalter erstmal die Hand aufgehalten. Sonst ist das Demo direkt in die Tonne gewandert. Man mußte sich den Ar... an jeder "Mülltonne" abspielen bevor man bekannt genug war um eine Gage fordern zu können.
    Bei uns hier gibt es schon einiges an Live Jazz. Aber oft ist es so, dass die Bands unter der Woche gegen 23:00 Uhr anfangen zu spielen!? Wenn ich am nächsten Morgen um 5:00 Uhr aufstehen muss überlege ich es mir dreimal ob ich da hin gehe.
     
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  18. KUS

    KUS Ist fast schon zuhause hier

    Warum immer diese Polarisierung? Wer legt fest, was anspruchsvolle Musik ist? Auch Anspruch woran? Ich mag Helene Fischer auch nicht hören und wenn alle Leute so dächten wie ich, wäre Helene Fischer definitiv reine Hobbymusikerin. Aber ihr einen Anspruch an ihrer Musik abzusprechen ...

    Spielstättenförderung halte ich durchaus für einen sinnvollen Weg. Im konventionellen Bereich (Theater, Museum, Philharmonie ...) wird das doch extensiv gemacht. Vielleicht müsste man die Intendanten der bestehenden Häuser stärker in die Pflicht nehmen, einen Programmbereich für jungen Nachwuchs zu etablieren?

    Auf jeden Fall sollte im Grundschulbereich JEKI (gibt es in NRW und bedeutet: jedem Kind sein Instrument) dauerhaft verpflichtend sein. Dann werden zumindest genügend Musikschüler generiert, die dann von privaten Musiklehrern (hoffentlich) weiter betreut werden können und die Kinder profitieren auch davon.

    LG Kai
     
  19. logout

    logout Ist fast schon zuhause hier

    @KUS
    Hatte mich lediglich darauf bezogen. Ich habe zwar keine Ahnung was Roland mit "niedrigschwellig" meint,
    aber vielleicht ist das hier ja auch erst "richtiger" Jazz:



    Äääh, ist das jetzt anspruchsvoll?
     
  20. Gerrit

    Gerrit Experte

    Dauerhaft verpflichtend? Das lehne ich als jemand, der jahrelang Bläserklassen betreute ganz entschieden ab! Das sollte freiwillig bleiben, in diesem Bereich halte ich Förderung nach Neigung und Möglichkeiten für angemessener und sinnvoller...