1. Diese Seite verwendet Cookies. Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies. Weitere Informationen

Interesse an Workshop in Namibia?

Dieses Thema im Forum "Workshops / Meetings / Konzerte" wurde erstellt von Saxoryx, 3.November.2017.

  1. Woliko

    Woliko Ist fast schon zuhause hier

    Warum nicht? Aber Ausgangspunkt der "Schnapsidee" war Deine "Klage", nicht an dem Workshop im Oktober mit Saxhornet als Dozent in Wegberg teilnehmen zu können, weil für Dich die Entfernung nach Deutschland zu groß wäre und es bei euch so etwas nicht gäbe. Und ein guter Saxophonist muss nicht immer auch ein guter Dozent sein. :oops:
     
    Rick und Dreas gefällt das.
  2. Rick

    Rick Experte

    Okay, okay, Du hast mich überredet!
    Für mich braucht es übrigens keinen Workshop, ich fände es einfach mal so schön, nach Namibia zu kommen.
    Aber wie ist denn die Stimmung in der Bevölkerung gegenüber den Nachkommen ihrer früheren Kolonial-"Herren"? Ist man als Deutscher gut gelitten oder bekommt man etwas an den Kopf geworfen?

    Das geht mir jetzt und hier auch so, als freischaffendem Künstler - das ist einer der wichtigsten Gründe, warum mich eine Angestellten-Karriere niemals gereizt hat. :cool:
     
  3. Claus

    Claus Moderator

    Überaus freundlich, wie ich aus eigenem Erleben berichten kann.
     
    Rick und Smoothie gefällt das.
  4. Saxoryx

    Saxoryx Ist fast schon zuhause hier

    Ja. Es ist sogar eher im Gegenteil so, dass man als Deutscher sehr angesehen ist, insbesondere bei den Schwarzen und den Farbigen. Aber ich glaube, sogar noch mehr bei den Schwarzen. Die Farbigen haben als Stammessprache (das ist die offizielle Bezeichnung hier, also nichts Diffamierendes. Für Afrikaner ist ein Stamm etwas ganz Normales, das, wohinein sie geboren werden und wozu sie gehören. Und es ist sehr wichtig, welchem Stamm man angehört) Afrikaans, das afrikanisierte Holländisch, die Sprache der Buren, und fühlen sich ihnen deshalb verbundener.

    Die älteren Schwarzen erzählen jedoch gern die Geschichten, wie die Deutschen sich gegen die Apartheid, die ihnen die Buren aus Südafrika aufgezwungen haben, gewehrt haben. Sie haben die Apartheidsvorschriften aus SA immer unterlaufen. Sie konnten sich nicht gegen alles wehren, denn die Südafrikaner waren die Besatzungsmacht, und die Deutschen hatten im Prinzip nicht viel zu sagen, aber trotzdem gab es in Namibia niemals diese furchtbaren Vorfälle und Unterdrückungsrituale wie in SA. Wenn Schwarze misshandelt wurden, dann von den Buren. Das sind wirklich Rassisten, wie sie im Buche stehen, faschistisch geradezu. Das waren sie damals in SA und damit natürlich auch in Namibia, denn Namibia war ja von ihnen besetzt und galt als Teil von SA, auch wenn es nur Mandatsgebiet war, wo sie dieselben Zustände einrichten wollten wie in SA.

    Die einzigen, die das verhindert haben, waren die Deutschen. Und dafür sind ihnen die Schwarzen heute noch dankbar. Hätte es die Buren nicht gegeben, die Namibia widerrechtlich besetzt haben, hätte es in Namibia nie Apartheid gegeben. Die Deutschen hätten das niemals eingeführt, und bevor die Buren kamen, gab es das auch nicht.

    Es ist immer schwierig, das Deutschen aus Europa zu erklären, weil der Begriff Bure oder das, was Südafrika in Namibia angerichtet hat, anscheinend dort nie wahrgenommen worden ist. Bevor ich hierherkam, war mir das auch nicht bewusst. Und ich war sehr erstaunt, als ich schon nach kurzer Zeit merkte, dass die Deutschen hier die Guten sind. :)
     
    Zuletzt bearbeitet: 20.November.2017
    bhimpel, sachsin und Rick gefällt das.
  5. Rick

    Rick Experte

    Danke, @Saxoryx, sehr interessant - dann ist also der Völkermord in Namibia seitens der kaiserlichen Kolonial-Armee, der ja bei uns gerade wieder wegen Reparationsforderungen in den Nachrichten ist, weniger präsent als die spätere Besatzungsdrangsal durch "Zuid Afrika". Das beruhigt dann doch - wenngleich das eine wie das andere schreckliche Verbrechen waren...

    Was sind denn "Farbige" in dem Zusammenhang? Ich kenne den Ausdruck nur aus den USA ("coloured people"), dort wird er praktisch synonym für Afrika-stämmige Menschen eingesetzt. Danach ist ein "Schwarzer" (Afrikaner) automatisch ein "Farbiger", also "Nicht-Weißer" (Europäer). Sind damit "Mischlinge" gemeint oder Asiaten oder wer sonst?

    Sorry für die Fragen - aber das Thema Namibia war gerade gestern wieder im ARD-Weltspiegel, durch Deine Berichte hier merke ich gerade, wie wenig ich über dieses Land, seine Geschichte und Gesellschaft tatsächlich weiß. (Nicht, dass das bei anderen afrikanischen Ländern bei mir wirklich anders wäre...)

    Liebe Grüße,
    Rick
     
  6. Saxoryx

    Saxoryx Ist fast schon zuhause hier

    Welcher Völkermord? Davon wusste hier niemand etwas, bevor die rote Heidi gekommen ist und erzählt hat, dass man dafür Geld bekommen könnte. Seither halten die Leute natürlich die Hand auf. Das würden sie für alles tun, was Geld einbringt. Der Völkermord interessiert hier niemanden, die Schwarzen am allerwenigsten, nur das Geld, was da rauszuholen ist. Warum sie das kriegen, das ist eigentlich egal. Hauptsache, sie kriegen es.

    Das war eine Sache, die damals die Herero und die Nama betroffen hat, die jetzige Regierung ist Owambo. Warum sollten die sich darum scheren, was den Herero und den Nama passiert ist? Das hat sie nie geschert und schert sie heute noch nicht. Ist ja ein anderer Stamm. Die Owambo in der Regierung nehmen aber sehr gern das Geld aus Deutschland, um sich damit neue Mercedesse zu kaufen. Die Herero und Nama sehen davon nichts. Also wozu soll das Ganze gut sein? Entschädigung an die Owambo für was? Die waren damals noch nicht mal in Namibia, die kommen aus Zentralafrika.

    Einer der dreizehn namibischen Stämme. Einen Farbigen darfst Du niemals einen Schwarzen nennen und einen Schwarzen keinen Farbigen. Dann wären sie schwer beleidigt. Die Farbigen sind kein schwarzer Stamm. Sie sind Farbige.

    Wir haben drei Farben hier in Namibia: schwarz, farbig und weiß. Das sind völlig verschiedene Stämme, und die darf man nicht durcheinanderbringen. Natürlich gibt es auch noch die Chinesen, die neuen Kolonialherren, die alles kaputtmachen, aber die sind ja kein Stamm. Und es gibt auch noch Inder, Araber und andere Leute. Aber die sind wie gesagt keine Stammesangehörigen und gehören deshalb nicht in die "Farbenpalette".

    Farbige sind der Stamm von Jan Jonker, der ursprünglich vom Kap in Südafrika stammt (als Nachkommen der ersten holländischen Einwanderer und der schwarzen Frauen dort), von dort vertrieben wurde, nach Namibia flüchtete (alles im 19. Jahrhundert) und sich dann hier in dem Gebiet um Rehoboth etwa 80km von Windhoek entfernt angesiedelt hat, weil sie hier in Ruhe gelassen wurden. Jan Jonker war ein großer Führer seines Volkes, und wäre er nicht der Anführer der Farbigen, der "kleurlinge" gewesen, sondern der Anführer der Hereros, hätte es nie einen Völkermord gegeben. Er wäre nämlich nicht so dumm gewesen wie Sam Maharero, der damalige Herero-Häuptling, der seine Leute in die Wüste geführt hat und sie dort hat verdursten lassen, weil es kein Wasser gab (Er selbst hat sich natürlich gerettet. Er war ein großer Feigling, der sich hinter seinem Pferd versteckt hat, statt mit seinen Leuten zu kämpfen). Also eigentlich hat der Herero-Häuptling Völkermord an seinem Volk begangen. Nur so wird die Geschichte nicht erzählt. Jan Jonker war ein sehr intelligenter Mann, der hätte es nie soweit kommen lassen.

    Ein Kind, das heute einen weißen Vater und eine schwarze Mutter hat, ist aber kein Farbiger. Weil es nicht zum Stamm der "Rehobother Baster" gehört, so nennen sich die Farbigen selbst. Baster heißt, wie man sich denken kann, auf Afrikaans Bastard, aber das ist kein Schimpfwort in diesem Zusammenhang, das ist die Bezeichnung, die der Stamm sich selbst gegeben hat und stolz führt. Ein Kind, dessen einer Elternteil schwarz ist, wird als schwarz betrachtet. Es gehört zum Stamm des schwarzen Elternteils, ist also Owambo, Nama, Herero, Damara oder was auch immer.
     
    Zuletzt bearbeitet: 20.November.2017
  7. Rick

    Rick Experte

    Vielen Dank für diese hochinteressanten weiteren Erläuterungen, @Saxoryx!

    Exakt um dieses Problem ging es gestern Abend im "Weltspiegel". Wie gesagt, teilweise bekommt man schon etwas mit - so lange es auch uns bzw. unsere Vergangenheit betrifft.

    Es beruhigt mich ein wenig, dass man da zwar die Nomenklatur der Kolonialisten übernommen hat, jedoch nicht die rassistische Denkweise dahinter. :)

    Schöne Grüße nach Afrika,
    Rick
     
  8. slowjoe

    slowjoe Ist fast schon zuhause hier

    Es ist durchaus nicht so dass rassistische Denke von den Kolonisatoren in Afrika eingeführt
    wurde. Das gab es schon lange vorher. Daraus ergeben sich auch heute noch Dinge wie sie von @Saxoryx geschildert wurden. Stellt ein Stamm die Regierung ist das in den meisten afrikanischen Staaten mit massiven Nachteilen für die anderen Stämme verbunden die nicht selten zu Ausschreitungen oder gar bewaffneten Auseinandersetzungen führen.

    Rassismus der einzelnen Stämme oder Völker oder Religionsgruppen untereinander gab es schon lange vor der Kolonialzeit und nicht nur in Afrika sondern überall auf der Welt. Er ist wohl Urbestandteil der menschlichen Kultur.


    SlowJoe
     
    Marko74 gefällt das.
  9. Rick

    Rick Experte

    Na ja, das sind dann aber eher Stammeskonflikte, die gab und gibt es wirklich überall.
    Der echte, harte Rassismus ist hingegen eine ursprünglich europäische Erfindung aus dem England des 19. Jahrhunderts, fußt auf dem Darwinismus und teilt die Menschen eben nicht mehr in Völker oder Stämme, sondern in "Rassen" ein, belegt diese mit unterschiedlichem Wert und rät im Extremfall, "unwertes Leben" auszurotten. Die Übertragung von Tierzucht-Prinzipien auf den Menschen, der ja angeblich "auch nur eine Art Primat" sei.
    Ein paar Spinner in Deutschland haben diese Ideen begeistert aufgenommen und in den 1930ern mit erschreckender Gründlichkeit umzusetzen begonnen -Tendenzen dazu gibt es seit über 100 Jahren auch in den USA...

    Aber so etwas sehe ich nun gerade in den obigen Schilderungen nicht: die Begriffe "Schwarze" oder "Farbige" kommen aus der Kolonialzeit, doch sie werden hier ganz anders, nämlich im Sinne von Stammeszugehörigkeit, benutzt. Das finde ich irgendwie ironisch, aber auch auf eine gewisse Weise liebenswert. :)
     
    sachsin gefällt das.
  10. saxfax

    saxfax Ist fast schon zuhause hier

    Lieber @Rick , spätestens jetzt bist Du aber auf auf dem Holzweg. Der arme Darwin hat damit gar nichts zu tun (auch wenn er später in übler Weise von den Sozialdarwinisten vereinnahmt wurde -> https://de.m.wikipedia.org/wiki/Sozialdarwinismus ). Darwins wegweisende Arbeit heißt „On the Origin of Species“ und hat die Evolutionsbiologie begründet (die zB von den unseligen Kreationisten bekämpft wird). Keine Ahnung, was das mit Rassismus zu tun haben soll.

    Ansonsten finde ich Deinen Standpunkt zum „harten Rassismus“ ziemlich Eurozentrisch.
     
    Zuletzt bearbeitet: 21.November.2017
  11. Rick

    Rick Experte

    Stimmt, denn es geht ja auch um den DarwinISMUS, also die Übertragung von Evolutionsprinzipien auf andere Bereiche. "Sozialdarwinismus" ist die ökonomische Variante, der Rassismus die politische.

    Mag sein. Aber wo sonst soll es Rassismus vorher in der Art gegeben haben?
    Das indische Kastensystem wäre ein mögliches Beispiel mit den "Unberührbaren", die (zufällig?) dunkelhäutiger sind als die anderen Inder, aber ich kenne auch sehr dunkelhäutige Mitglieder höherer Kasten.
    Die alten Chinesen hielten alle anderen Völker für "Halbmenschen", gerade ausreichend menschlich, um mit ihnen Handel zu treiben, aber das galt unabhängig von ihrem Aussehen und ihrer spezifischen Abstammung.
    Die antiken Römer beurteilten übrigens die Menschen nach kulturellen, nicht nach "rassischen" Kriterien. Die "Barbaren" galten als unkultiviert und grob, doch wenn sie sich der römischen Lebensweise und Kultur anpassten, konnten sie problemlos römische Bürger werden, ungeachtet ihrer ursprünglichen Herkunft.

    Meines Wissens ist die Einteilung von Menschen in "Rassen" anstelle von Stämmen und Völkern eine absolut neumodische europäische Erfindung, von hier natürlich in die Kolonien exportiert, wo es dann sicherlich vorkam, dass dortige Einwohner dieses krude, inhumane Denksystem für sich adaptierten. Aber das zweifelhafte Verdienst, solches Denken in die Welt gebracht zu haben, dürfen sich Engländer zuschreiben. Wobei sie dies eben (glücklicherweise) nie so konsequent umsetzten wie einige in unserem Land.

    Natürlich gab und gibt es in Afrika bis heute schreckliche Stammeskriege, sehr brutal und mit unzähligen unschuldigen Leidtragenden, aber diese haben meiner Ansicht nach wenigstens nichts mit einem wie auch immer gearteten Rassendenken zu tun. Also: "Ich bin Stamm C, du bist Stamm D", und nicht: "Ich bin arischer, du bist negroider."
     
    Zuletzt bearbeitet: 21.November.2017
    sachsin und bluefrog gefällt das.
  12. slowjoe

    slowjoe Ist fast schon zuhause hier

    Wo ist da der Unterschied? Ob ich einen Menschen anhand seiner Hautfarbe oder wegen seiner Stammeszugehörigkeit oder Religion oder sonstwas in die Kategorie "Untermensch" einordne der deshalb weniger Rechte hat als ich und den ich deshalb unterdrücken und ausbeuten oder gar ausrotten darf macht doch keinen Unterschied.

    Auch afrikanische Stämme, einige Indianerstämme Nordamerikas (um nur 2 Beispiele zu nennen) hielten sich Sklaven.

    In Tansania sagt man, für einen Massai sei ein Bantu weniger als ein Hund.....

    Fällt für mich alles auch unter Rassismus. Und ist definitiv keine Erfindung der Europäer oder der Neuzeit.


    SlowJoe

    P.S: So, jetzt halte ich hier die Klappe sonst landet das Ganze noch bei den Philosophen, das wäre schade. Die Idee ist nämlich durchaus reizvoll.
     
  13. Rick

    Rick Experte

    Alles eine Frage der Definition: Ich verstehe unter "Rassismus" das Konzept der "Rassenlehre", wie sie beispielsweise in den 1930er Jahren an deutschen Schulen und Universitäten gelehrt wurde, die aber beileibe keine deutsche Erfindung war, genauso wenig blieb sie auf den deutschsprachigen Raum begrenzt. Ein pseudo-wissenschaftliches System, das Menschen allein unter den Gesichtspunkten des Phänotyps und der bekannten familiären Abstammung ziemlich willkürlich einteilte und sie bewertete. Hinzu kam die völlig aberwitzige Idee, eine religiöse Orientierung der Vorfahren könne über die "Rassenzugehörigkeit" mitentscheiden.

    Bei diesem Rassismus geht es nicht um das Misstrauen gegenüber Fremden, das schon kleine Kinder zeigen und das sicherlich ein überlebenswichtiger Instinkt ist, auch nicht um historisch gewachsene Antipathien zwischen benachbarten Stämmen oder Völkern, sondern um eine kalte, scheinbar objektive Kategorisierung der Menschen in "wertvolle" und "schädliche" Rassen - letztere müssten "zum Schutz der wertvollen Menschen" aus dem "Volkskörper" entfernt werden.

    So etwas Inhumanes ist meines Wissens auf der ganzen Welt einmalig in Europa entstanden, wenngleich es natürlich global seine Spuren hinterlassen hat, etwa historisch im KuKluxKlan oder heutzutage in der "White Army" der USA, beide große und einflussreiche international verbreitete Geheimbünde, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die "weiße Rasse" vor den angeblich schädlichen Wirkungen der "Farbigen" zu schützen.
    Solchen Blödsinn glauben nicht nur naive Vollpfosten, das ist für mich das Erschreckendste an der Sache!

    Das ist das, was ich mit "echtem, hartem Rassismus" bezeichne und das man meiner Ansicht nach weder unterschätzen noch ignorieren darf, denn diese Idee wächst aktuell rasant wie ein Tumor in der globalen Gesellschaft, befeuert durch die Flüchtlingskrisen in aller Welt (ist aber erst mal klar von der allgemeinen "Fremdenangst" zu unterscheiden, denn die "Rassen", die "entfernt" werden sollen, sind nicht unbedingt Zuwanderer, sondern ganz im Gegenteil meistens Bestandteil der Gesellschaft, das können oft langjährige Nachbarn, Freunde und sogar angeheiratete Familienmitglieder sein, die plötzlich zu "Schädlingen" erklärt werden!).

    Ja, richtig, dem schließe ich mich an. Wer mit mir weiterhin über "Rassismus in Geschichte und Gegenwart" diskutieren möchte, kann das gerne per PM machen oder gleich einen entsprechenden Thread im Philosophen-Forum eröffnen.

    Schöne Grüße,
    Rick
     
    Zuletzt bearbeitet: 22.November.2017
    sachsin und bluefrog gefällt das.
  14. Saxoryx

    Saxoryx Ist fast schon zuhause hier

    Die Frage ist aber: Ist das wirklich besser? Oder weniger rassistisch? Ich glaube, speziell wir Deutschen sind da oft auch auf einem Auge oder sogar beiden blind, weil wir uns immer noch gern in der Schuld suhlen, die irgendwelche Vorväter (und auch einige Mütter) auf sich geladen haben, die wir nicht einmal mehr gekannt haben. Wenn ich selbst keine Rassistin bin (was ich nicht bin), muss ich mich dann schuldig dafür fühlen, was mein Großvater getan hat, der im Krieg geblieben ist? Den ich nicht einmal mehr gekannt habe?

    Ich rede übrigens hier nicht von meinem wirklichen Großvater, der wurde, obwohl kein Soldat, einfach so von den Russen verschleppt und dann wohl entweder zu Tode gearbeitet oder zu Tode geschlagen oder sie haben ihn verhungern oder erfrieren oder sonstwie sterben lassen. Wir wissen es nicht, wir haben nie wieder etwas von ihm gehört. Schon deshalb habe ich so meine Zweifel daran, ob irgendein Volk - als Volk - eine große oder weniger große Schuld trägt. Es sind immer brutale Einzelmenschen, die das tun, und noch viel schlimmer, die Mitläufer. Denn erst dadurch kann es viele treffen. Aber wer von uns kann wirklich und wahrhaftig behaupten, er wäre unter Hitler kein Mitläufer gewesen, wenn die Nazis ihn nicht auf ihre Liste der zu Verfolgenden gesetzt hätten? Wir sind alle viel zu sehr im Luxus und ohne politischen oder ideologischen lebensbedrohlichen Druck aufgewachsen. Wir wissen gar nicht, wie es gewesen wäre, wenn wir nicht später geboren wären als vor dem zweiten Weltkrieg.

    Man soll sich niemals erhaben fühlen über andere. Egal, aus welchem Grund. Aber man sollte auch nicht denken, die Hereros, die die Damara als Sklaven gehalten haben, sie als „Untermenschen“ bezeichnet haben und sich selbst als „Herrenmenschen“ - kennen wir doch irgendwoher, diese Terminologie, oder? - wären besser als irgendwelche deutschen (oder italienischen oder amerikanischen oder russischen oder spanischen oder, oder, oder) Rassisten. Rassismus ist Rassismus, auch wenn die Rassisten und die Opfer derselben Hautfarbe angehören.

    Eines meiner Patenkinder hier kämpft ständig mit ihrer Großmutter, weil die selbst innerhalb der eigenen Familie Rassismus betreibt. Diejenigen ihrer Kinder, Enkel und Urenkel, die in ihren Augen „schwarz“ sind, sind in den Augen dieser Großmutter weniger wert (und werden schlechter behandelt) als die Kinder, die in ihren Augen nicht so schwarz sind, z.B. einen indischen Vater haben (obwohl sich die Hautfarbe der Kinder nicht wirklich unterscheidet).

    Ich finde nicht, dass das weniger schlimm ist, nur weil alle ihre Kinder und Kindeskinder und auch sie selbst negroid sind.
     
    quax, sachsin und mato gefällt das.
  15. Saxoryx

    Saxoryx Ist fast schon zuhause hier

    Und was war in Ruanda? Was war in Biafra? Oder im Sudan? Oder sonstwo in Afrika, wo Völkermord aus rassischen Gründen begangen wurde? Von Schwarzen an Schwarzen? Die wollten die anderen auch aus ihrem „Volkskörper“ entfernen. Und das haben sie ja dann auch sehr erfolgreich getan. Und Europa hat es einen Dreck geschert. Weil ... ist ja kein Rassismus. Sind ja keine blonden Arier, die Schwarze töten. Dann hätten sie sofort aufgeschrien. Aber so konnte das eine Volk das andere abschlachten, und Europa hat einfach zugesehen, ohne sich einzumischen, ohne von Faschismus oder Rassismus zu sprechen.

    Ich denke, das liegt auch daran, wie wir Rassismus definieren. Wenn es keine blonden, blauäugigen Faschisten sind, ist es kein Rassismus, und demzufolge sind diejenigen, die da abgeschlachtet werden, von irgendwelchen Nicht-Ariern, die ja per definitionem nicht böse sein können – ich glaube, es gibt tatsächlich eine Menge Leute, die halten alle Schwarzen oder Nicht-Weißen grundsätzlich für gut –, dann auch nicht schützenswert. Sollen sie doch ein ganzes Volk umbringen, es basiert ja nicht auf der faschistischen Rassentheorie, also ist es erlaubt und auf jeden Fall vieel weniger schlimm als das, was damals unter Hitler passiert ist.

    Tatsächlich? Das ist eine sehr gefährliche Sichtweise, eine sehr eingeschränkte Sichtweise. Denn sie hält eine Art von Völkermord für schlimmer als eine andere Art von Völkermord. Völkermord ist aber Völkermord und Rassismus ist Rassismus.

    Und statt sich um irgendeinen Hereroaufstand von 1904 zu kümmern, der schon ewig kein Thema mehr ist, sollte man sich mal um die aktuellen Völkermorde und Rassisten kümmern, damit so etwas nicht wieder passieren kann. Wenn man immer nur rückwärts schaut, übersieht man das, was vor der eigenen Nasenspitze vorgeht. Und in zwanzig, dreißig Jahren werfen uns unsere Kinder und Kindeskinder vor: Und warum habt ihr damals nichts gegen den Völkermord in Ruanda (oder sonstwo) getan? Und was antworten wir dann?
     
    Atkins gefällt das.
  16. Rick

    Rick Experte

    Wer suhlt sich denn in Schuld?
    Ich für mein Teil bin stolz darauf, Bürger eines Staates zu sein, der nicht kindisch-bockig alles von sich weist oder jedes Mal laut aufjault, wenn ein Wort wie "Völkermord" in den Mund genommen wird, sondern der zu seiner historischen Verantwortung steht und Lehren daraus gezogen hat, die sogar in der Verfassung verankert sind. Die Aufarbeitung der Vergangenheit war eine gewaltige Aufgabe, an der sich neben den Politikern sehr viele Mitbürger beteiligt haben und dies auch weiterhin tun.
    Auch das Eingeständnis des Völkermordes an den Herero war in meinen Augen eine Großtat - jetzt müssen nur noch die richtigen Stellen die Entschädigungen bekommen. Einstweilen soll ja kein Geld fließen, sondern es werden Entwicklungsprojekte zur Selbsthilfe angeboten, was ich sehr gut finde.

    Peinlich finde ich es hingegen, wenn in manchen Ländern weiterhin die Vergangenheit beschönigt, relativiert oder ganz vergessen wird. Gestern eine Serbin zum Mladic-Urteil des Haager Jugoslawien-Tribunals: "Das war überhaupt kein richtiger Völkermord, denn es wurden ja nur männliche Kinder und Erwachsene massakriert."
    Da fehlen mir die Worte bei so viel Ignoranz und Selbstgerechtigkeit... :-?

    Klar - siehe die deutschen Juden, die sich höchstens in ihrer Religion, aber kaum im Aussehen von ihren Nachbarn unterschieden. Viele jüdische Kinder wurden sogar als "Muster-Arier" angesehen, bevor man von ihrer Herkunft erfuhr, das schildert beispielsweise Ephraim Kishon in seiner Autobiografie.
    Das meinte ich ja: Die "Rassenlehre" war und ist ein theoretisches Fantasiegebilde ohne jede Verankerung in der Wirklichkeit, nichts als ein gefährliches, schreckliches Hirngespinst.

    Das sind meiner Ansicht nach Auswirkungen des Rassismus' der früheren Kolonialherren auf die Bevölkerung. Sie haben das verinnerlicht, was ihnen von den Weißen vorgelebt wurde, das bleibt in der Kultur verankert.

    Meiner Ansicht nach waren das Stammeskämpfe, beispielsweise Huti gegen Tutsi. Klar kann man das, wenn man es darauf anlegt, auch als "Rassismus" bezeichnen, aber das wäre für mich eine starke Verwässerung und Verharmlosung des Begriffs.

    Das hast Du meiner Ansicht nach falsch mitbekommen: es war ständig in den Nachrichten, es wurden Blauhelme geschickt, natürlich redeten Journalisten und Kommentatoren auch von Rassismus. Es gibt Dokus und sogar Spielfilme zu dem Thema. Inwiefern hat das "Europa einen Dreck geschert"?

    Sorry, aber dem kann ich nicht zustimmen. Ich denke, Du verrennst Dich da in eine getrübte Wahrnehmung der Dinge. Bei uns hier in Europa ist man auf keinem Auge blind, man prangert alle Fehlentwicklungen an, wie gesagt gab es nicht umsonst das gestern mit dem harten Mladic-Urteil beendete Jugoslawien-Tribunal, in Den Haag wurden sehr wohl auch etliche afrikanische Völkermorde verhandelt, Kriegsherren und Diktatoren angeklagt:

    Das Internationale Straftribunal für Ruanda wurde 1994 vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen als Reaktion auf die in Ruanda verübten Verbrechen und den an den Tutsi begangenen Völkermord geschaffen. Analog zum Jugoslawientribunal hat der Sicherheitsrat auch für Ruanda ein ad hoc Straftribunal errichtet, d.h. ein Gericht, dessen Zuständigkeit räumlich und zeitlich begrenzt ist. So beurteilt das Ruanda-Tribunal nur Verbrechen, die in Ruanda und in den angrenzenden Staaten im Jahr 1994 verübt wurden. Das Jugoslawien- und das Ruanda-Tribunal waren seit den Nürnberger und Tokioter Prozessen die ersten internationalen Gerichte mit dem Auftrag der Verfolgung von Kriegsverbrechern.
    Quelle: https://www.humanrights.ch/de/internationale-menschenrechte/strafgerichte/ruanda/

    Wie kommst Du nur auf solche Gedanken?

    Danke, denn darauf wollte ich hinaus:
    Wir haben aktuell eine sehr große internationale Gefährdung durch sehr starke, zunehmend einflussreiche rassistische Organisationen, die meisten sind in den USA bekannt (Stichwort "Breitbart", "Identitäre" usw.), aber es gibt längst ein offenbar von Osteuropa aus gesteuertes globales Netzwerk (zu dem sogar israelische Faschisten gehören - doch, die gibt es auch!).
    Anstatt ständig zu fordern, man solle endlich mal den weißen Rassismus relativieren oder gar vergessen, sollte man sich lieber der AKTUELLEN Gefahr aus genau dieser Ecke bewusst werden.

    Noch ein Grund für mich, auf meine Nation stolz zu sein: Diese Organisationen sind in Deutschland mit am schwächsten, hingegen überall dort besonders stark, wo man sich nie groß um die Aufarbeitung historischer Schuld gekümmert hat.
    Die Vergegenwärtigung der vergangenen Untaten, wie schmerzhaft sie auch manchmal sein mag, ist offenbar eine wirksame Immunisierung gegen solche den Geist vergiftenden Strömungen. Aber jede Schutzimpfung muss regelmäßig aufgefrischt werden, sonst verliert sie allmählich ihre Wirksamkeit...
     
    Zuletzt bearbeitet: 23.November.2017
    bluefrog und sachsin gefällt das.
  17. Saxoryx

    Saxoryx Ist fast schon zuhause hier

    @matThiaS et al. An welchen Moderator auch immer: Können wir die Sachen, die nichts mit dem ursprünglichen Thema "Workshop in Namibia" zu tun haben, mal zu den Philosophen verschieben? Das hat ja eigentlich nichts hier zu suchen, deshalb möchte ich darauf hier auch nicht mehr antworten. Danke! :D
     
  18. Saxoryx

    Saxoryx Ist fast schon zuhause hier

    Was ich gern vorschlagen würde, ist folgendes: Warum melden sich diejenigen, die Lust auf einen Namibia-Besuch und gleichzeitig Saxophonspielen in Namibia haben, nicht einfach zur nächsten Musikwoche in Swakopmund an? Uli Petermann, der die Big Band leitet, würde sich bestimmt freuen. :) Und es gibt doch bestimmt auch in Deutschland Leute, die während des Jahres eher allein Saxophon spielen und vielleicht einfach mal gern in einer Big Band mitspielen würden. Es klingt vielleicht manchmal etwas schräg, weil man ja nur eine Woche hat, um gemeinsam zu üben, aber es macht unheimlich viel Spaß. :D Und je mehr Saxophone da sind, umso besser.

    Die Musikwoche findet jedes Jahr statt. Wenn man sich das für nächstes Jahr vornimmt, hat man also noch über ein Jahr Zeit, seinen Urlaub, seine Rundreise oder was auch immer man an „Rahmenprogramm“ machen möchte, zu planen und mit der Familie oder Freunden zu besprechen. Namibia ist so etwas Besonderes, da kommt es doch nicht darauf an, dass man einen Spezial-Workshop zu Sound oder irgendetwas macht. Es macht einfach Spaß, in einer großen Band zu spielen, und dazu haben die wenigsten sonst Gelegenheit. Außerdem ist das Wetter im Dezember in Swakopmund phantastisch, die Wüste ist vor der Tür, das Meer ist vor der Tür, die Sonne scheint den ganzen Tag, und gleichzeitig gibt es einen Weihnachtsmarkt, und die Angestellten in den Geschäften haben lustige Weihnachtshütchen auf. ;)

    Außerdem entfällt dann die ganze Organisiererei. Man kann das mit einem Reiseveranstalter besprechen, der das alles abwickelt für die ganze Gruppe. Ich könnte das auch mit einem Reiseveranstalter hier besprechen, der dann die Buchungen im Hotel usw. für Euch macht.

    Der Tour Guide von Joe60 und seiner Gruppe, Floyd, ist extrem nett, und ich denke, er würde sich freuen, noch mehr Saxophonisten zu betreuen, da sein Sohn jetzt auch Saxophonspielen lernen will und ich ihm da die Anfänge wohl beibringen werde.

    Das Tolle hier an Namibia und auch an der Musikwoche ist, dass man wirklich kein Profi sein muss, um da mitspielen zu können. Es braucht sich also auch niemand Gedanken darüber zu machen, ob er gut genug ist. Ich war das erste Mal auf der Musikwoche, als ich gerade einmal drei Monate Saxophon spielte. :)

    Es gibt genügend Dinge in Swakop, die diejenigen, die nicht Saxophon spielen und deshalb nicht auf dem Proben der Musikwoche sind, machen können. Man kann tolle Wüstentouren machen, verschiedene Guides zeigen da die Pflanzen und die Tiere, und die Wüste ist ohnehin ein Erlebnis. Dann kann man Kamelreiten oder auch auf Pferden reiten, wenn man das möchte. Man kann eine Katamaran-Tour in Walvis Bay machen, ein paar Kilometer entfernt von Swakop, und wie der Name schon sagt, sieht man da unter Umständen auch Wale, aber auf jeden Fall Delphine und Seehunde, die auf den Katamaran springen und sich streicheln lassen. :) In den Buchten staksen Flamingos herum, überall sieht man Tiere, die man vermutlich noch nie zuvor gesehen hat, zumindest nicht in Freiheit, und schöne Sachen einkaufen kann man auch. Man kann auch eine Ballonfahrt über die Wüste machen. Dazu muss man allerdings sehr früh aufstehen, und man kann auch einen Flieger buchen, ein kleines Flugzeug, das einen über Sossusvlei fliegt, so dass man das von oben betrachten kann. Ebenfalls ein tolles Erlebnis.

    Man kann auch zu der Riesenseehundkolonie am Kreuzkap fahren - das ist allerdings eine Tagestour von Swakop aus - oder an die Skelettküste vor Namibia, man kann Pinguine sehen, Fischadler, und natürlich Löwen, Elefanten, Giraffen, Antilopen, Schakale und was sonst noch so gibt. Eventuell beißt einen auch eine Fuchsmanguste in den Fuß, wenn man barfuß unterwegs ist. ;) Fuchsmangusten sehen süß aus, sind aber trotz ihrer kleinen Größe doch Raubtiere. :) Wirklich tun können sie einem aber nichts. Sie sind nur sehr frech. Ebenso wie die Erdhörnchen, die überall rumlaufen und die tollsten Kapriolen vollführen.

    Namibia ist einfach eine Reise wert, mit oder ohne Saxophon. :)
     
    Zuletzt bearbeitet: 25.November.2017
    Woliko und Smoothie gefällt das.
  19. Saxoryx

    Saxoryx Ist fast schon zuhause hier

    Übrigens: In der Big Band spielen auch Trompeten und Posaunen mit. Also das ist nicht nur etwas für Saxophonisten. ;)
     
    Smoothie gefällt das.