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Rezeption Lee Konitz

Dieses Thema im Forum "Alto Special" wurde erstellt von Gerrit, 20.Mai.2017.

  1. Gerrit

    Gerrit Experte

    Ich hörte heute nach längerer Zeit mal wieder Lee Konitz "Motion - EP" (1961). Dabei fiel mir auf, daß Lee's Stil und Sound nicht wirklich rezipiert wurde. Oder fallen Euch Namen wichtiger Spieler ein, die klar in der Nachfolge Lee's stehen?
     
  2. slowjoe

    slowjoe Ist fast schon zuhause hier

    Hmmmmm......

    Lee Konitz ist aber auch ganz schön umtriebig, tanzt(e) auf allen möglichen Hochzeiten....

    Habe gerade Schwierigkeiten mir "den" Lee Konitz vorzustellen dem jemand nacheifern könnte.


    SlowJoe
     
  3. Gerrit

    Gerrit Experte

    Das ist richtig. Er ist ja auch noch immer tätig... Aber trotzdem ist er durch die Jahrzehnte als eigenständige Stimme wahrnehmbar, die sich stilistisch schon von anderen Strömungen (z.B. Bebop, HardBop) absetzt, meine ich. Mich interessiert, wie Ihr seine Arbeit wahrnehmt, ob ihr ihm eine eigene Schule zuordnet, also eine Gruppe von Musikern, die ihn rezipiert...
     
  4. Gerrit

    Gerrit Experte

    ... JoeSlow: diese Umtriebigkeit zeichnet ihn u.a. auch aus, macht ihn möglicherweise weniger leicht "greifbar" - vielleicht daher um so interessanter die verschiedenen Wahrnehmungen, Beobachtungen seiner Arbeit und möglicher Nachfolger hier einmal zu sammeln?
     
  5. flar

    flar Ist fast schon zuhause hier

    Moin, moin

    mein Wissen über Lee Konitz beschrenkt sich auf das Wesentlichste, von direkten Nacheiferern mal ganz zu schweigen.

    Allerdings mag ich dieses Konzert von Günter Buhles sehr gerne...



    ... davon gibt es eine sechs Jahre später entstandene Aufnahme mit Klaus Graf am Alt Saxophon,
    bestimmt kein Nacheiferer, aber vielleicht ist es trotzdem zumindest ein interessanter Vergleich.



    Leider ist der Gesamtklang der beiden Aufnahmen sehr unterschiedlich.

    Viele Grüße Ralf
     
  6. macpom

    macpom Ist fast schon zuhause hier

    Ich bin ein großer Fan von Lee. Er entspricht so ziemlich meinem persönlichen Soundideal. Mir ist aber auch noch kein anderer unter die Ohren gekommen, der explizit ihm nachgefolgt wäre. Aber einen Einfluss hat er sicher auf viele Spieler gehabt.

    Andreas
     
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  7. Gerrit

    Gerrit Experte

    Das sehe ich auch so, deswegen auch hier die Frage in die Runde, wer kennt Nachfolger, mir fällt nämlich auch niemand wirklich ein. Um so erstaunlicher, daß dieser Ausnahmemusiker doch immer irgendwie im Schatten anderer stand...
     
  8. Rick

    Rick Experte

    Meiner Ansicht nach haben sich die weißen Cool-Jazzer auf dem Alto eher an Konitz als an Parker orientiert, also etwa Art Pepper oder Paul Desmond. Einige europäische Altisten sehe ich ebenfalls in der Konitz-Tradition, beispielsweise Emil Mangelsdorff. Und hört man nicht auch viel Konitz in Charlie Mariano?
    Das ist zumindest meine Einschätzung.
     
  9. TootSweet

    TootSweet Ist fast schon zuhause hier

    Abgesehen von den bereits von Rick erwähnte fallen mir noch jüngere Leute wie Loren Stillman oder Will Vinson ein, weniger vom Sound her als von den Linien, die sie spielen.
     
  10. Gerrit

    Gerrit Experte

    Mit Art Pepper und Paul Desmond gibt es bestimmt gewisse Berührungspunkte, weniger im Sound als in der Motivik und z.T. Phrasierung. Emil Mangelsdorf würde ich tatsächlich auch ähnlich verorten, den hatte ich gar nicht im Sinn, vielen Dank für den Hinweis! Charlie Mariano, auch wenn er wie Lee bei Stan Kenton spielte (grandioses Solo Marianos auf "Contemporary Concepts" 1955 über "Stella by Starlight" - tolles Arrangement übrigens auch: unbedingt mal reinhören!) hat er andere Wurzeln: auch laut eigenem Bekunden wurde er anfangs erheblich durch Johnny Hodges beeinflusst - diesen Einfluss mischte er dann mit den Parkers. Auf den Platten, die Mariano mit Mingus aufnahm (z.B. "Mingus Mingus Mingus" 1963 dort etwa sein Solo über "I X Love" und "Celia") ist das sehr deutlich zu hören, und Mingus, der sich u.a. mit dem o.g. Album stark auf Ellington bezog, wählte Charlie Mariano gewiss auch aufgrund dessen stilistischen Hintergrund hin. Ich höre Mariano übrigens noch kurz vor seinem Tod mit Dieter Illg und da war der Einfluss Hodges bei einigen Titeln immer noch deutlich hörbar. Aber Mariano hat was Eigenes draus gemacht, wie alle Großen, schade dass er nicht mehr unter uns weilt: ein Ausnahmemusiker mit einer ganz eigenen Stimme und einem sehr sehr weiten musikalischen Horizont...
     
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  11. jazzwoman

    jazzwoman Ist fast schon zuhause hier

    Ich weiss, dass der spanische Saxophonist Ernesto Aurignac oftmals bei Konitz Unterricht hatte und sein Saxophon (früher gehörte es Phil Woods) von Konitz signiert wurde. Anderseits ist er ein absolute Parker Fan - aber hier hört man deutlich auch die Sprache von Konitz, wie ich finde.
     
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  12. jazzwoman

    jazzwoman Ist fast schon zuhause hier

    Mariano steckt auch drin... ;)
     
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  13. Gerrit

    Gerrit Experte

    Absolut! Den kannte ich noch gar nicht, der spielt sehr schön! Vielen Dank für den Hinweis!
     
  14. Rick

    Rick Experte

    Ja klar, wer folgt denn schon nur einem einzigen Einfluss!
    Johnny Hodges und Charlie Parker sind DIE beiden wichtigsten Einflüsse für Jazz-Altoisten überhaupt, an denen kommt meines Erachtens keiner vorbei, der sich mit diesem Instrument beschäftigt - auch wenn er es nur macht, um NICHT so zu spielen, wie es einmal Desmond über Parker sagte.

    Und gerade wer in der Tradition von Konitz steht, wird niemanden Ton für Ton imitieren, dafür war Konitz selbst zu sehr Individualist, finde ich.
     
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  15. Gerrit

    Gerrit Experte

    Das stimmt! Allerdings müsste man neben Hodges und Parker noch Benny Carter erwähnen... ich vermute der war für Konitz nicht ganz unwichtig.