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Verwendung von übermäßigen Akkorden

Dieses Thema im Forum "Improvisation - Harmonielehre" wurde erstellt von Feuerstreuer, 11.Dezember.2017.

  1. Feuerstreuer

    Feuerstreuer Ist fast schon zuhause hier

    da ich in meinen Harmonielehrebüchern dazu nichts finden kann möchte ich diese Frage gerne mit euch weiter besprechen.

    Die übermäßigen Akkorde finden sich ja in 4Gruppen zu je 3 gleichen Akkorden zusammen. Ähnlich den verminderten mit 3 Gruppen zu je 4akkorden bzw je 2 Pärchen.

    Mich würde interessieren ob es für übermäßige Akkorde durch Erweiterungen direkte Auflösungstendenzen gibt. Also ähnlich den verminderten, denen man zb die große 7 dazugibt und einen 7b9 Akkord einen halben Ton tiefer dadurch formt.

    Gibt es solche Beziehungen auch für übermäßige Akkorde bzw welche Funktionen erfüllen diese Akkorde?


    Gerne nehme ich Literaturempfehlungen dazu an und erarbeite mir das selbst. Bei Hauschild, Sikora und Burbat könnte ich dazu beim durchblättern nichts finden.

    Danke für eure Hilfe.
     
  2. Roland

    Roland Ist fast schon zuhause hier

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  3. gaga

    gaga Ist fast schon zuhause hier

    Häufigster Einsatz im Jazz ist als Alteration der Dominante zur Schaffung zusätzlicher Leittöne und zum Aufbau von Spannung. Statt G7 mit 2 Leittönen hat G+7 zusätzlich das D#. Dadurch werden für Improvisierer über Dom7-Akkorde auch das Arpeggio G-B-D# (oft bei Lester Young) und die Ganztonleiter interessant .
     
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  4. Feuerstreuer

    Feuerstreuer Ist fast schon zuhause hier

    Wird das auch bei Sekundärdominanten so gehandhabt?

    Also zb. III+ -> VI-7. usw ...



    Bzw wird das auch als Subdominante verwendet?

    Also V+. -> etc bV. Usw?


    Gibt es Momente wo übermäßige Akkorde als Durchgang genutzt werden oder als Vorhalt? Und wenn ja wann?

    Danke fürs mitdenken.
     
  5. gaga

    gaga Ist fast schon zuhause hier

    Eher das Gegenteil als Vorhalt. Oft steht der V+7 nach dem normalen V7, um "eins drauf zu setzen".

    Die anderen Fragen würde ich mir erst in der Praxis stellen - d.h. probiers aus. Ganzton ist heute eher "old school", seit du aus jedem popeligen V7er einen b9 machen und vermindert bedienen kannst und aus jedem V7 einen Valt mit der mel.min-Scala machen kannst. Es gibt so viele Möglichkeiten - gerade über V7er... Feste Regeln sind da entweder stilgebunden oder gibts nicht mehr.
     
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  6. ppue

    ppue Experte

    I I+ IV iV I V7 I ist z.B. eine schöne Folge mit einem übermäßigen Akkord, der hier zur Subdominante leitet.
     
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  7. Feuerstreuer

    Feuerstreuer Ist fast schon zuhause hier

    Hallo und danke für die Inspiration. :thumbsup:

    Na klar muss man auch viel hören. Bei mir geschieht das meist zeitgleich mit theoretisch verstehen. Da ich mir das alles selber beibringe, erarbeite ich mir gerade immer etwas und versuche anschließend über hören zu erfahren was es bedeutet, wie es sich anfühlt und wie es im Gesamtklang sich einfügt .

    Das macht mir Spaß und noch schneller könnte ich gar nicht lernen.


    Das mit dem noch strebsameren Klang als Steigerung der Dominante ist auf jeden Fall interessant. GT ist vielleicht old school aber für mich ist gerade alles neu und ich kann mich auch daran freuen. Viel mehr muss ich das auch in die Finger einarbeiten und mit jedem Tag eine Stunde bin ich da schon zeitlich begrenzt und könnte das alles gar nicht so anrufen wie ich es gerne täte. Spaß macht es trotzdem. Und hin und wieder kommt beim
    Improvisieren so ein AHA - das kenn ich doch -> schön, das Merk ich mir mal. Und gerad bringt mich das halt weiter. Und daher kommt mein Interesse.

    Was mich an dem symmetrischen Aufbau interessiert, sind so Abkürzung bzw Wendungen zu anderen Klängen. Da ja ein V+ mit einem II#+ identisch ist könnte man dann, wenn ich das jetzt richtig gedeutet habe, auch nach V# bzw VI (I-7) bzw II auflösen. Beides interessante Wendungen. Das muss ich mir nachher mal anhören ob das Sinn hat.

    Mich interessiert das gerade, weil ich mir dan in iReal die chords setze bzw mit dem Keyboard in den Rechner einspieleund und mir anhöre ob mir das was sagt und ob es mir gefällt und wenn es schick ist improvisier ich ne Runde darüber. Also ich versuche es zumindest. Das hat mein Üben auf jeden Fall angenehm erweitert. Seit ich das mache kann ich die wenigen geübten Songs besser verstehen und mit die chords auch besser bzw überhaupt merken.

    Und jetzt bin ich eben gerade an den übermäßigen Akkorden dran.

    Also nochmal die Nachfrage: wird das auch als sub. und sek. Dominanten verwendet?

    Ah gerade bei ppue gesehen der die I+ verwendet ...

    Danke auf jeden Fall für den Input
     
  8. gaga

    gaga Ist fast schon zuhause hier

    "Old school" war wirklich nicht abwertend gemeint. Es spielt nur darauf an, dass man die GT-Geschichte schon lange und auf jeden Fall anbringen kann, auch wenn es nicht in den Changes steht, weil sich die Möglichkeiten der Alteration von Dominanten in den letzten 70 oder so Jahren enorm und bis zur völligen Beliebigkeit erweitert haben.
     
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  9. peterwespi

    peterwespi Ist fast schon zuhause hier

    Aus meiner Sicht ist die entstehende Linie massgebend.

    Eine erniedrigte Alterierung hat die Tendenz, weiter erniedrigt zu werden, z.B.
    G7b9
    Ton Ab mit Tendenz zu G, was meistens zur Quinte der nachfolgenden Auflösung eines C-Chords (Dur oder Moll) ist.
    Dies ergibt die Linie A zu Ab zu G in der möglichen Folge G79 zu G7b9 zu C (irgendetwas mit G als Quinte).

    Eine erhöhte Alterierung hat die Tendenz, weiter erhöht zu werden, z.B.
    C+5
    Ton G# mit Tendenz zu A, was meistens die Terz des nachfolgenden F Dur Chords ist.
    Dies ergibt die Linie G zu G# zu A in der möglichen Folge C zu C+5 zu F.
     
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  10. henblower

    henblower Ist fast schon zuhause hier

    Auf den Punkt, lieber @peterwespi. Schon in der Barockmusik finden sich diese "Durchgangsdissonanzen", obwohl man sich damals noch nicht im Vokabular der modernen Funktionsharmonielehre bewegte. Meistens werden Dreiklangstöne "angestrebt" oder "angelaufen".
    Lege noch einen oben drauf:

    C7b5 (1) z.B. strebt nach F-Dur, wobei ich als Spannungserhalt noch die Quarte Bb als Vorhalt liegen lasse (2) und erst am Schluss auflöse zum A (3)

    (1) C-E-Gb-Bb, (2) C-F-Bb, (3) C-F-A

    Interessant dabei ist noch, dass das E und das Gb im Ausgangsakkord den Grundton F sozusagen von zwei Seiten mit Halbtonabstand "einkesseln" und sich folgerichtig beide dorthin auflösen, es sei denn, man denkt modern und halt nicht barock und lässt das E als j7 (große Septime, dann also Fj7) einfach liegen.

    C-E-F-A

    In den Hochzeiten des Kontrapunkt wurde weniger vertikal (Terzschichtungen als Drei- oder Vierklänge), sondern eher horizontal (Verläufe von Melodien, sie spiegeln, imitieren etc.) gedacht.
     
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  11. ppue

    ppue Experte

    Nun sind wir aber völlig weg vom Übermäßigen.

    Das Hören solcher Linien und das Fühlen, wo sie hinführen, erklärt allerdings oft viel intuitiver, warum manchmal stufenfremde und ungewohnte Akkorde auftauchen. Ist eine gute Übung auf dem Klavier: Man nimmt sich einen Ausgangsakkord und variiert diesen chromatisch. Dann hört und fühlt oder probiert man aus, wohin das Ding will.

    Cm H+5 Eb/Bb Am7b5 Abmaj7 Fm9 G+5 G

    erklärt sich so viel besser:

    Cm Cm/H Cm/Bb Cm/A Cm/Ab Cm/F G+5 G

    Genau, bisschen Michelle My Belle. So habe ich die Harmonielehre mir eigentlich selber beigebracht. Einfach nur herum gespielt, plötzlich was wieder erkannt und begriffen, wie das geht.
     
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  12. henblower

    henblower Ist fast schon zuhause hier

    Schon klar, lieber @ppue, aber wer den Übermäßigen entdeckt, wird über kurz oder langsam diese gesamte "Spannungs-Harmonik" entdecken (wollen), genau wie du es mit "Michelle" beschreibst, das mich auch, damals noch an der Gitarre, angefixt hat. Wir lieben ja auch beide "A Salty Dog", dessen Intro ebenfalls auf diese "Spa-Monik" aufbaut.
     
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