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Wie funktioniert Musik?

Dieses Thema im Forum "Improvisation - Harmonielehre" wurde erstellt von ppue, 5.Januar.2018.

  1. gaga

    gaga Ist fast schon zuhause hier

    ...kann! - muss aber nicht - und Attribute wie "schön" sind eben stark Zeitgeist- und Zielgruppenabhängig - und alles was irgendwie "avangardistisch" ist, löst (eben bei der Avangarde ;-) Begeisterungsstürme aus - wieder anderes wie die Cage-Aufführung oben im Video hat starken Happeningcharakter und das Publikum amüsiert sich sehr.

    Ich erinnere mich gut an ein Studentenkonzert ca. 1969 in der Musikhochschule Hannover, wo neben dem Standardinstrumentarium ein Staubsauger eingesetzt wurde. Das Publikum war begeistert und amüsiert - Angebot und Nachfrage passten halt exakt zusammen.

    Um die gleiche Zeit im kleinen Sendesaal des NDR ein Freejazzkonzert mit neugierigem, aufgeschlossenen, manchmal ratlosen Publikum. Die große Verbrüderung zwischen wirklich allen fand dann statt, als Han Bennink scheinbar unvermittelt von seiner Schießbude aufsprang und mit einem Schlagzeugknüppel superlaut die hintere halbrunde Bühnenverkleidung entlangratterte.

    Ist alles Musik - mal mit Theater, mal mit "Kunst", mal mit "Alles".
     
  2. visir

    visir Ist fast schon zuhause hier

    guckst Du Video... bzw. hats gaga verlinkt, dort ab Strophe 3 sozusagen. In meinem Buch lautet der Text wieder ein bissl anders, aber jedenfalls gibt es einen Text.

    Und wenn sich die Urteile - was nicht selten ist!* - widersprechen?

    * "ist das Kunst, oder kann das weg?"

    Die "hehre Kunst" ist manchmal so "hehr", dass sie sich in ihren Elfenbeinturm zurückgezogen hat und sich nur noch mit ihr selbst beschäftigt - und dabei immer mehr(!) Dinge rauskommen, die nur noch sie selbst als Kunst betrachtet.

    Mir kommt vor, der Austausch wird immer weniger... die breite Masse hört von den "Original Käsekrainern" bis zu internationalem Pop alles mehr oder weniger Triviale, dann gibts noch ein "Bildungsbürgertum", das von Pop "aufwärts" Dinge hört, die mindestens halbwegs Niveau haben, aber noch verständlich bleiben, und dann gibts die Kunst-Spezialisten, die Avantgarde (danke, gaga, mir kam das Wort nicht in den Sinn) bei denen etwas verpönt ist, wenn es jemand außer ihnen selbst kennt - das wird dann gleich als "Kommerz" abgekanzelt.
    Jetzt einmal überzeichnet dargestellt. Und letztere Gruppe, die vielleicht 1% der Bevölkerung ist, hat mit ersterer Gruppe, die sicher mehr als 50% der Bevölkerung darstellt, genau gar keinen Austausch. Aber sowas von.

    Das ist sicher auch ein Grund, ja.
     
  3. Dreas

    Dreas Gehört zum Inventar

    Schon Jazz, inkl. "Mainstreaam Jazz" hat nur einen Anteil von 1%. an der insgesamt gehörten Musik.

    Da wird schon Klassik dreimal mehr gehört....

    CzG

    Dreas
     
  4. Wuffy

    Wuffy Gehört zum Inventar

    Interessant

    ..und hier im Forum ??

    Man gehe mal in den Fred "Was hört ihr gerade ? "
     
  5. Dreas

    Dreas Gehört zum Inventar

    Wir sind halt nicht repräsentativ.....;):D

    CzG

    Dreas
     
  6. ppue

    ppue Experte

    Dann ist man sich uneins.

    Vielleicht machst du mal ein Beispiel, dass ich das verstehe.

    Natürlich besteht die Gesellschaft aus verschiedenen Gruppen und leider auch immer noch aus Klassen. Hier im Forum z.B. treffen die verschiedensten Menschen aufeinander und unterhalten sich über Kunst und Musik. Das tun sie woanders auch. Je nach Interesse mehr oder weniger. Jemand, der modernste Musik hört, hat vielleicht eine andere Sicht auf die Dinge als derjenige, der Volksmusik mag. Dass er sich damit absetzen und profilieren will, ist eine dumme und unnötige Unterstellung.

    Ich mag übrigens gute Musik, ganz egal, ob das Volks- oder Avantgardemusik ist.

    Ich denke, mit deiner Einstellung wird es schwierig werden, einen vorbehaltlosen Austausch zu führen.
     
  7. ppue

    ppue Experte

    Lieblingsmusik der Österreicher: 1. Volksmusik / Schlager (19 %) 2. Rockmusik abseits der Hitparaden (17 %) 3. Oldies (14 %) 4. Aktuelle Hitparaden-Musik (12 %) 5. Klassik (11 %) 6. Jazz (6 %) 7. HipHop/ Soul (5 %) 8. Techno/ House (4 %) 9. Musicals (2 %) ...

    Da kommt der Jazz direkt hinter der Klassik.

    Apropo Klassengesellschaft:

    aus
    Wirtschaftsfaktor Musik(konsum): Melodien für Milliarden
    von Jörg Sieweck

    1.png
     
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  8. Dreas

    Dreas Gehört zum Inventar

    @ppue

    In Österreich 6% Jazz? ... Interessant....

    Selbst in den USA ist der Jazzanteil nur noch bei 1,5%....war früher mehr...

    CzG

    Dreas
     
  9. bluefrog

    bluefrog Ist fast schon zuhause hier

    Dito.

    Ich bin immer ein bisschen skeptisch, wenn jemand nur eine Musikrichtung mag. Da scheint es mir nicht unbedingt um die Musik zu gehen, eher um Lifestyle, "Bildung", Gruppenzugehörigkeit usw.

    LG Helmut
     
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  10. Dreas

    Dreas Gehört zum Inventar

  11. Atkins

    Atkins Ist fast schon zuhause hier

    Also das "Gedudel" was ich so mache.....u.A. Jazzstandards/Balladen gefällt fast allen. Sind ja auch meist recht bekannte gängige songs. Nicht, dass das so meine Favoriten sind, aber ich spiele sie gerne und kann es halt nicht besser.
    ( Ps.: das ganze Haus hat mitgehört und die Strasse auch......und jetzt die Leuts im Ü Raum Komplex)
    Ich wäre ja sehr sehr vorsichtig mit Musikgeschmack und Bildung. Bei Einstufung von Elite, Unterschicht und Mittelklasse stellen sich bei mir die paar Nackenhaare hoch.
    Ich würde das nie und nimmer auf Unter - oder Oberschicht....igitt :) mir eh fremde Begriffe, Elite sowieso, ich mag es ja schon gar nicht schreiben.
    Ich finde Musik aber auch manchmal von den Musikern selbst etwas überbewertet. Ich sehe das eher als Handwerk, wobei es da sicher paar Ausnahmekünstler gibt, wie überall.
    Bei der Musik, beim Tanz, beim Bäcker oder auch beim Tischler.....Genies und Künstler gibts überall paar wenige Ausnahmen.
    Hier im forum sind doch nur gute Handwerker unterwegs, aber keine Genies oder Künstler. (oft gute
    Handwerker!!)
     
  12. last

    last Ist fast schon zuhause hier

    Was für ein Jahrmarkt der Eitelkeiten und aus der Luft gegriffenen Kausalitäten.
     
    giuseppe, edosaxt, quax und 2 anderen gefällt das.
  13. Pil

    Pil Ist fast schon zuhause hier

    :cool: Wir sprechen nicht mehr über Sax, sondern über Musik. Könnte dann dreimal solange Dauern als eine Blättchendiskussion.
     
  14. visir

    visir Ist fast schon zuhause hier

    Dann funktioniert aber dieses "zusammen Urteil bilden" eben nicht. Und m.E. ist das eher die Regel als die Ausnahme.

    ähm - Cage?

    Das mit den Klassen wird sich auch nie ändern - so ist der Mensch. Sollte aber hier nicht Thema sein - ich habe das nur als Illustration gebracht, dass die "breite Masse" und die "Musikwissenschaft" keine gemeinsame Gesprächsbasis haben. Weil sie sich einfach nicht treffen.

    Diese verschiedensten Menschen haben hier gerade in Bezug auf Musik eine große Gemeinsamkeit...

    Das ist ein Allgemeinplatz. Es tun sich Menschen mit gemeinsamen Interessen zusammen und unterhalten sich vor allem über diese. Unterhalten sie sich einmal über was anderes, finden sie entweder Gemeinsamkeiten, oder (im positiven Fall) einigen sie sich auf Uneinigkeit und lassen es. Eine normative, systematische Festlegung mit weitreichender Gültigkeit, was denn Musik oder Kunst sei, findet hier nicht statt.

    Kommt jetzt darauf an, was Du mit "modernst" und "Volks" meinst, aber wenn Du alleine schaust, wie das Etikett "Helene Fischer" hier im Forum verwendet wird... und auch sonst erlebe ich das genug. Oft recht subtil und "politisch korrekt", in der Form "soll jeder hören, was er will, aber...".

    Mein Musikgeschmack ist auch sehr breit gefächert, und echte Volksmusik hat durchaus was, ist jetzt aber nicht im Zentrum meines Interesses. Mit Cage und Konsorten kann ich, wie schon deutlich geworden ist, nichts anfangen.

    Weil ich Dinge anders sehe als Du?
    Ich schreibe, was ich denke, und bin nicht "politisch korrekt". Ich pointiere gerne, um zu verdeutlichen, wobei ich versuche, das dann immer auch dazuzuschreiben - man muss ja vorsichtig sein. Und ich meine, dass das für einen fruchtbaren Austausch besser ist, als wenn man vor lauter Höflichkeit keine Stellung mehr bezieht. Was ich Dir jetzt nicht unterstellen will (man muss ja vorsichtig sein...)
    Und ich habe natürlich eine andere "Geschichte" als Du, andere Erfahrungen - was offenbar zu anderen Erkenntnissen geführt hat.

    Interessant - Quelle?

    Ist auch eine Frage der Definition, was denn "Elite", "Mittelschicht" usw. ist - Bildung, Herkunft, Vermögen?

    Und was, wenn wem halt nur "eine" Richtung gefällt?
    (meistens ist es ja nicht nur genau eine, sondern ein bestimmter Bereich ähnlicher Richtungen)
    Meinen Vater interessieren z.B. im Wesentlichen Klassik und Romantik - Barock braucht er schon nicht mehr, und das meiste aus dem 20. Jahrhundert auch nicht. Und da gehts um keinerlei "Lifestyle".
    Und in anderen "markanten" Richtungen findet man ähnliches.
     
  15. ppue

    ppue Experte

    Ich will mich nun nicht daran festbeißen, @Viper.

    Ich denke, wir haben uns bei 99,9 % aller Musikstücke darauf geeinigt, dass das Musik ist. Die Ränder bleiben unscharf und eine feste Definition von Musik würde der Sache nicht gerecht. Man kann eben nicht aufgrund vorher festgelegter Kriterien sagen, wo Musik anfängt oder aufhört.

    Hier sollte es eher darum gehen, wie diese funktioniert. Aber eben auch dazu ist der Zuhörer nötig.

    Wir haben traditionell eingeübte Hörweisen, benutzen standardisiertes Tonmaterial in weitestgehend genormter Stimmung.

    Früher war die Musik einstimmig. Man sang in verschiedenen Modi, auch Kirchentonarten genannt.

    kirchentonarten.gif

    Ionisch und Äolisch sind neueren Datums und gehörten früher gar nicht zu den Modi.

    Ab dem Mittelalter wurde die Musik mehrstimmig.

    Nun die Frage des Tages: Warum benutzen wir so gerne die Durtonleiter? Welche Vorteile hat die gegenüber den anderen Kirchentonarten?
     
  16. buffet

    buffet Nicht zu schüchtern zum Reden

    Wahrscheinlich, weil wir die Ionische Tonleiter schon aus Kindertagen (Volkslieder usw.) kennen.

    Bei diesen Diskussionen darf eigentlich HURZ! nicht fehlen...

     
  17. Saxfreundin

    Saxfreundin Ist fast schon zuhause hier

    Die Bezeichnungen

    - breite Masse
    - Bildungsbürgertum
    - Kunst-Spezialisten, Avangarde

    mögen eine Wahrnehmung der Realität sein,
    sie zeigen allerdings auch ein ausgeprägtes Schubladendenken,
    einhergehend mit der finalen Wertung:

    - breite Masse = hört „schlechte“ Musik
    - Bildungsbürgertum = hat Ansätze von Musikverständnis
    - Avangarde = sind Musikgebildete auf höchstem Qualitätsniveau

    Diese ganzen Bewertungen wollen doch wieder nur eins,
    sich einander sagen:
    „Ich steh über Dir, Du stehst unter mir!“

    Und was ist mit solchen Klassifizierungen gewonnen?
    Fördern sie die Kommunikation untereinander?
    Tauscht man sich aus, lernen ALLE voneinander?
    Wohl nicht, die Schubladen bleiben eher unter sich.


    Wenn ich einen Ausflug in einen anderen Wissenschaftsbereich
    mache, gibt es plötzlich ganz andere Realitäten:

    Da bringt ein Begriff wie „Schwarmintelligenz“ (= „breite Masse“)
    einen sehr hohen Stellenwert mit sich.... :cool:
    Hier bedeutet es: Die Intelligenz der Vielen.

    Es gibt demnach keine absoluten Realitäten,
    sondern willkürlich festgelegte und definierte.
    Diese kann / könnte man ändern....

    Bezogen auf die Musik(Industrie) könnte man sogar resümieren:
    Der Geldbeutel der Vielen gibt dem Kommerz recht... ;-)


    In wieder einem anderen Wissenschaftsbereich ist die Wirkung
    von Symbolik und Zeichen auf uns unumstritten, und zwar
    erfahren die schlichtesten, archaischsten die höchste Aufmerksamkeit, die da sind: Kreis, Dreieck, Quadrat.

    Das liegt daran, dass sie für uns leicht zu verstehen sind.
    Keine komplexen Gebilde oder Strukturen.
    Sofort zu erkennen, leicht zu merken.

    Wie Musik bei den Urvölkern:
    Trommelrituale, Lieder aus einfachen Tonfolgen...

    Warum wundern wir uns, warum „schlicht gestrickte Musik“
    immer noch so gut ankommt, und: was ist schlecht daran? :)


    Stellt sich mir die Frage:

    Was ist eigentlich „gute“ Musik?
    Beziehungsweise, was ist sie für Dich, Peter?
    .
     
    Zuletzt bearbeitet: 7.Januar.2018
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  18. Feuerstreuer

    Feuerstreuer Ist fast schon zuhause hier

    :)





    Meine Antwort auf die Frage wie Musik funktioniert wäre: Musik ist, wenn es funktioniert!

    Kommt die Botschaft an und kann der Hörer fühlen was gesendet wurde oder denkt dieser zu verstehen was gemeint war, bzw auf der Gefühlsebene gesendet werd n sollte, hat es funktioniert.

    Oder: es ist Musik, sobald ich es einem Zustand von mir zuordnen kann. Das gilt dann übrigens auch für:“Fühlt sich nicht schön an = gefällt mir nicht!“ erst ab einem Grad der Unverständlichkeit bei dem sich gar keine emotionale Reaktion bei mir einstellt ist es etwas anderes. Das ist natürlich ein individuelles Prinzip.

    Je einfacher und verständlich klarer, desto mehr Resonanz. Je komplexer und abstrakter desto größer das Potential daneben zu liegen.

    Nicht ohne Grund polarisiert Kunst ja meist. Bill Frisell ist da ein super Beispiel. Ginger baker auch und das geht mit mötorhead, Michael Jackson, yello biafra, aphex twin und Coltrane weiter.
     
    Zuletzt bearbeitet: 7.Januar.2018
  19. Rubax

    Rubax Ist fast schon zuhause hier

    Das ist die Frage, danke Saxfreundin.

    Eine kleine Anekdote:

    Wir waren in den letzen Herbsttagen nochmal am Bodensee in Überlingen.
    Am See einer der vielen Strassenmusikanten.
    Mein erster Gedanke - gar nicht schlecht gespielt - mal was anderes (es war ein volkstümlicher Walzer auf dem Akkordeon) - gute Musik!
    Dann weiterhin - er spielt ja immer das Selbe - viertelstundenlang - ich kann es nicht mehr hören - schlechte Musik!
     
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  20. Wanze

    Wanze Ist fast schon zuhause hier

    1000 Fliegen können nicht irren...:poop:

    Grüße,

    Wanze
     
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