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Wie habt ihr den Weg zur Improvisation gefunden? Gibt es den "Königsweg"? Was hemmt euch?

Dieses Thema im Forum "Improvisation - Harmonielehre" wurde erstellt von Dreas, 3.Mai.2017.

  1. jazzwoman

    jazzwoman Ist fast schon zuhause hier

    Das war und ist nun mal mein Weg und größtenteils (nicht bei allen Schüler gleichermaßen) auch meine Methode im Unterricht. Du hast doch hier danach gefragt im Thread. Dann darf ich doch auch darauf Bezug nehmen, wie meine bescheidene Erfahrung bislang war, ohne dass Du meine Aussage gleich als "Unsinn" und "Schmarn" abtust. Das finde ich persönlich, nämlich ziemlichen Schmarn und auch verletzend, ehrlich gesagt.

    Denn für mich ist es gar kein Unsinn, lieber Dreas. Ich habe von der ersten Stunde an improvisiert, ohne irgendeine Ahnung zu haben, was ich da tue. Manchmal klang es gut, manchmal arg bescheiden. Ich hatte, so meine Lehrer, ein gutes Gespür für Musik, aber ich war selbst NIE zufrieden mit mir. Ich wollte so spielen können wie sie und hatte gleichzeitig riesengroßen Respekt vor ihrer Kunst. Das hat mich vorangetrieben. Pausenlos. Seit Jahren! Deshalb sage mir bitte nicht, ab wann mir etwas richtig Spaß gemacht hat und ab wann nicht. Dafür war und ist der Weg zu mühsam. Rückblickend kann ich sagen, dass es mir erst jetzt wirklich Spaß macht, weil ich schnell genug geworden bin, alles praktisch umzusetzen und im voraus weiss, wie die Zieltöne klingen. Aber es hat mir schon immer Spaß gebracht - auch das ist wahr! Aber so richtig, richtig Spaß macht es mir eben erst jetzt. Darf ich das nicht verallgemeinernd so sagen? Ich glaube, das würden alle unterschreiben, die diesen Weg gegangen sind und über Jazz-Standards improvisieren. Das heißt aber noch lange nicht, dass jeder diesen Weg gehen muss, kann und sollte - und das andere Spieler nicht schon immer richtig, richtig Spaß mit der Musik haben und dabei auch noch supergut klingen.
     
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  2. Dreas

    Dreas Gehört zum Inventar

    Dem habe ich ja auch nicht wiedersprochen....es gibt aber auch viele, die den Weg nicht gegangen sind und dennoch toll improvisieren können (beziehe ich nicht auf mich)...die fühlen sich durch solch eine Aussage möglicherweise gedemütigt...ich halte es auch für bedenklich Anfängern gegenüber als LEHRERIN eine Aussage zu machen, die so verstanden werden kann (hier lesen auch viele Nichtforisten mit), daß Improvisieren erst dann zum wirklichen Spaß wird, wenn man die Akkorde ausschecken kann.

    Es stimmt einfach nicht...weil man ja auch nicht nur über komplexe Jazzstandards improvisiert.

    Und ich bleibe dabei, es birgt die Gefahr, daß es abschreckt.

    CzG

    Dreas
     
  3. Ton Scott

    Ton Scott Freak

    Wenn jemand toll improvisieren kann, gibt er eh einen Furz auf das, was in einem Forum geschrieben steht.
    Und die Arten von Improvisation sind derartig mannigfaltig...
    Von Armstrong bis Coltrane, von Earl Hines bis Chick Corea, von Django Reinhardt bis John Scofield. Da sind Bauchspieler, Hirner. Passt doch. Es finde jeder seinen Weg.
    Amen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 5.Mai.2017
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  4. jazzwoman

    jazzwoman Ist fast schon zuhause hier

    Ich sagte doch, dass meine Erfahrung ist, dass es dann so richtig Spaß macht. Verzeih - da fehlte das MIR - "dass es also mir seither erst so richtig Spaß macht". Fühlt sich jetzt noch jemand gedemütigt, wenn ich das als Lehrerin hier so schreibe? Das wäre ganz sicher nicht meine Absicht, und es möge mir bitte mitgeteilt werden.
     
    Zuletzt bearbeitet: 5.Mai.2017
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  5. Bereckis

    Bereckis Ist fast schon zuhause hier

    Ich sehe dies genauso.

    Irgendwie erinnert mich diese Diskussion daran, dass in der Fußballbundesliga offensichtlich meine Kollegen mehr Ahnung als die eigentlichen Trainer haben...
     
  6. Bereckis

    Bereckis Ist fast schon zuhause hier

    Zusammengefasst: Es gibt keinen Königsweg...
     
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  7. Florentin

    Florentin Ist fast schon zuhause hier

    Allaa guut (Mannheimer Dialekt ...), darauf hätten wir vielleicht auch früher kommen können ;-)

    Ich erlaube mir, noch einen Aspekt einzubringen: für wen spielen wir eigentlich? Bei vielen - wenn nicht den meisten - Improvisationen habe ich das Gefühl, der Musiker spielt für sich selbst. Selbstbefriedigung. Oder für die anderen in der Band (um die zu beeindrucken). Oder vielleicht für den einen oder anderen fachkundigen Musiker, der sich ins Publikum verirrt haben könnte.

    Ich behaupte mal ganz frech, dass der gemeine Zuhörer freie Improvisationen, auch wenn sie nach allen Regeln der Kunst gut sind, nicht schätzt. Vielleicht haben sie (diese Impros) sogar zum eher zweifelhaften Ruf von Jazz in der breiteren Bevölkerung beigetragen.

    Meine sehr bescheidene Erfahrung ist, dass Zuhörer ein melodienahes Solo viel mehr schätzen als etwas sehr Freies. Wie in dem alten Witz, wo der Musiker nach einem genialen langen freien Solo zum Abschluss das Thema wieder aufgreift. Und hinterher klopft ihm ein Zuhörer aufmunternd auf die Schulter: "Ja, wird schon! Ganz am Schluss hat man dann schon fast gehört, was es sein sollte!"
     
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  8. Ton Scott

    Ton Scott Freak

    Da es keinen "Disagree respectfully" Button gibt, @Florentin, dieses Posting gefällt mir überhaupt nicht.
     
  9. Dreas

    Dreas Gehört zum Inventar

    Ob er gefällt, oder nicht....ich finde @Florentin liegt nicht falsch...

    Wenn ich auftrete,,mit meiner Musik und Stilrichtung, ist es meine Aufgabe das Publikum abzuholen (im Zweifel zahlen die dafür), dem Publikum einen schönen Abend zu bereiten....es ist nicht meine Aufgabe davon zu überzeugen, daß es gefälligst meine künstlerische Interpretation zu verstehen hat....

    ....kann ich natürlich machen, kann ja jeder für sich entscheiden, dann darf er sich im Zweifel aber auch nicht aufregen, daß da nur drei Männekens im Auditorium sitzen...

    Dann ist die Musik eben nicht publikumstsuglich. Punkt. Muß sie ja auch nicht. (Viele Künstler wurden ja erst nach ihrem Tod hoch geschätzt, und haben insofern etwas bewegt)

    Die meisten, die am Publikum vorbei spielen werden jedoch weder zu Lebzeiten, noch Posthum zu großen Ehren kommen.

    CzG

    Dreas
     
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  10. Bereckis

    Bereckis Ist fast schon zuhause hier

    Zuerst muss mir als Ausübender meine Improvisation selber gefallen... Nenne es ruhig Selbstbefriedigung.

    Dass der Jazz einen zweifelhaften Ruf hat, ist mir neu.

    Ich empfehle dir Dixieland, da sind die Improvisationen ganz nahe an der Melodie. Aus der Ecke kenne ich auch deine Aussagen. Spätestens seit Charlie Parker ist es kein Jazz mehr.

    @Ton Scott : Danke! Den Button hatte ich schon gesucht...

    @Dreas : Du hast den falschen Button gedrückt.
     
  11. Ton Scott

    Ton Scott Freak

    Was für eine unglaubliche Frechheit ist es, Musikern "Selbstbefriedigung" zu unterstellen, nur weil man die Musik nicht verstehen will/kann.
    Ist ja ok, wenn man manchem nicht folgen kann/will, aber das ist für mich schon ein recht starkes Stück.
    Irgend ein Schauspieler hat übrigens mal gesagt, dass eine Möglichkeit ist, sein Publikum zu sich heraufzuholen, statt zu ihm hinabzusteigen. Gefällt mir.
     
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  12. Bereckis

    Bereckis Ist fast schon zuhause hier

    Du weisst, dass ich eher aus der freien Musik komme?
    Mit dieser freien Musik habe ich vor mehr Publikum erfolgreich gespielt, wie wir es mit Pisa es je tun werden.
     
  13. Claus

    Claus Moderator

    Ich verstehe die Aufregung über Florentins Aussage nicht. Ist es so abwegig, dass das Solo in erster Linie auch dem Künstler selbst gefallen sollte? Was mit Freude und Überzeugung vorgetragen wird, kommt im Zweifel auch beim Zuhörer besser an.

    Dass die breite Bevölkerung mit einer Improvisation umso weniger anfangen kann, je weiter sie sich vom Thema entfernt, würde ich auch so einschätzen. Aber die breite Bevölkerung geht auch nicht in Jazz-Konzerte.
     
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  14. Bereckis

    Bereckis Ist fast schon zuhause hier

    Selten, dass wir beide uns so einig sind...
     
    zappalein gefällt das.
  15. Dreas

    Dreas Gehört zum Inventar

    Ja, freut mich für Dich....:)....

    Was das jetzt mit PISA zu tun hat verstehe ich nicht.

    Ich find's gut wie es ist....:D

    CzG

    Dreas
     
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  16. Bereckis

    Bereckis Ist fast schon zuhause hier

    Hallo Claus,

    da hast du Florentin aber nett interpretiert. Ich fand die Aussage eher respektlos.

    Für die meisten Menschen ist Jazz eh nur "Gedudel" und die Klassik hört bei "Die Moldau" auf.
     
  17. Dreas

    Dreas Gehört zum Inventar

    Können wir uns vielleicht darauf einigen, daß wir uns nicht einigen können?

    Muß doch nicht persönlich werden....jeder hat halt eine andere Sicht...muß doch nicht bewertet werden....;)

    CzG

    Dreas
     
  18. Dreas

    Dreas Gehört zum Inventar

    Sicher nicht. Einfach Tatsache.....klar kann man seine Kunden beschimpfen, weil die zu doof sind meine Genialität zu verstehen....

    Muß man aber nicht!

    Ach ja, für Dich gibt's jetzt nur noch Vegan....geniale Küche, hast Du nur noch nicht verstanden.....:lol:

    CzG

    Dreas
     
  19. Claus

    Claus Moderator

    Ja, da ich Peter nun auch schon einige Jahre als sehr umgänglichen Foristen kenne, schien mir das angemessener, als gleich von einer unglaublichen Frechheit auszugehen.
     
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  20. ppue

    ppue Experte

    Das sieht wohl ein jeder mit einem anderen Blickwinkel aus seiner Welt.

    Ich mache Musikkabarett im weitesten Sinne.

    Ich stehe dazwischen, bin weder Jazzer, noch Rockmusiker, noch Klassiker. Eigentlich bin ich in allen Bereichen gehobener Amateur, erlaube mir, alle Genres zu spielen, in einem sehr eigenen Kunstverständnis zu präsentieren und habe viele Freunde gewonnen, mit denen ich darüber hinaus Kunst machen kann, recht abseits der ausgetretenen Pfade.

    Nein, ich muss das Publikum nicht befriedigen. Ich muss meinen eigenen Bedürfnissen gerecht werden, dann bin ich gut. Wenn es mir nicht gefällt, hat meine Kunst für mich keinen Wert. Selbstbefriedigung klingt von daher gut und sollte für jeden Beruf gelten.

    Das Publikum und seine Reaktionen rechne ich dennoch mit ein. Ich möchte immer noch etwas bewegen. Und seien es diejenigen, die in der Pause gehen (-:
     
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