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Wie interessant improvisieren über einen einzigen Akkord?

Dieses Thema im Forum "Improvisation - Harmonielehre" wurde erstellt von Iwivera*, 15.Juli.2017.

  1. Iwivera*

    Iwivera* Kann einfach nicht wegbleiben

    Wie macht Ihr das? Ich tue mich unheimlich schwer über nur einen Akkord, im aktuellen Fall z. B. D-Dur, über viele Takte interessant zu improvisieren. Auch das Gedudel, das unserer Gitarrist da in seinem Solo abliefert, finde ich ziemlich langweilig.

    Akkordfolgen mit mindestens drei Akkorden finde ich da, wenn ich sie einmal im Kopf habe, viel einfacher.
     
  2. claptrane

    claptrane Ist fast schon zuhause hier

    Hör dir modale Musik an , wie coltrane bei Kind of blue spielt.Über verschiedene skalen.
    Oder Hör dir Juju's solo über Equinox an ;-)
     
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  3. Iwivera*

    Iwivera* Kann einfach nicht wegbleiben

    Yep, Ist mir ja auch nicht unbekannt. In meinem Fall ist es aber Rock.
    Modal heißt ja auch nicht, dass es immer der gleiche Akkord ist. Ich meine wirklich 8 Takte oder mehr nur D. Das ist für mich schon was anderes.
     
    Zuletzt bearbeitet: 15.Juli.2017
  4. Werner

    Werner Ist fast schon zuhause hier

    . . . du kannst mal versuchen, den Akkord der zugehörigen 5. Stufe auszuspielen. Bei D-Dur bzw D6 bzw Dmaj7 dann also A7 oder A6, oder Am7, falls der Ausgangsakkord ein D7 ist. Wenns jazzig ist, geht auch A7#11. Das gibt immer eine gewisse Spannung, die das Ganze etwas frischer hält, ohne falsch zu klingen. Auflösen kann man die Spannung durch Zurückgehen auf das D-Dur.




    http://www.swing-jazz-berlin.de/
     
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  5. Iwivera*

    Iwivera* Kann einfach nicht wegbleiben

    Danke. Das wird morgen gleich mal versucht.
     
  6. gaga

    gaga Ist fast schon zuhause hier

    Es funktionieren

    1. alle Arpeggios und Leitern mit den Tönen von D-Dur - also E-dorisch, F#-phrygisch usw - immer auflösen

    2. Dur-pentatonik mit Bluenote (F), Moll-pentatonik mit Bluenote (Ab - "Bluestonleiter")

    3. "Sideslipping" - eine D-Dur-Linie einen halben Ton höher oder tiefer wiederholen, dann auflösen

    Eigentlich kannst du alles spielen. Wichtig ist, dass man nicht zu spät "auflöst" nach D-Dur. Ob das dann noch als "Rock" durchgeht, muss die Rockpolizei entscheiden.
     
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  7. Iwivera*

    Iwivera* Kann einfach nicht wegbleiben

    :D
     
  8. ppue

    ppue Experte

    Für das Skalenmaterial ist es erst einmal interessant, was für ein D-Dur da angeboten wird. Ich schätze mal, dass es sich sich beim Rock eher um D7 handelt und du mixolydisch bis bluestönig darüber spielen solltest.

    Ansonsten glaube ich, dass man über Struktur, Stilistik und Rhythmus weiter kommt als mit dem rein harmonischen Material.
     
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  9. Saxoryx

    Saxoryx Ist fast schon zuhause hier

    An dem Punkt bin ich auch gerade, das zu entdecken. Vielleicht auch, weil ich bis jetzt mit dem harmonischen Material immer noch nicht besonders gut bin. ;) Rhythmus kann ich aber. Bzw. damit kann ich arbeiten. Und das hat mir jetzt schon ein paar gute Solos eingebracht, bei denen ich wirklich fast bei einer einzigen Tonleiter geblieben bin, aber eben andere Sachen geändert habe. Das gefällt mir immer besser. Ich möchte schon noch eine Menge mehr lernen, aber ich habe das Gefühl, mit Rhythmik komme ich im Moment schneller zu einem guten Solo. Nächstes Jahr habe ich dann hoffentlich auch mal Zeit, mich mit den Harmonien vertrauter zu machen.
     
  10. peterwespi

    peterwespi Ist fast schon zuhause hier

    Das Zauberwort ist „Reduktion“! Mach mal nur mit D, dann mit D und C, dann mit D, C und F usw. Je weniger Tonmaterial zur Verfügung steht, umso kreativer muss man im rhythmischen Bereich sein. Wenn‘s mit wenig Tönen groovt, dann ist‘s kein Problem, auch mit erweitertem Tonmaterial spannend zu spielen. Rock und Funk eignen sich dazu hervorragend :)
     
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  11. flar

    flar Ist fast schon zuhause hier

    Moin, moin

    Ich schließe mich Peter an, gerade im Rock - Bereich muß man es mit der Anzahl der Töne und den Spannungspunkten nicht zwanghaft übertreiben!

    Dieses Solo von Clarence Clemons in klingend E Dur enthält 5 Töne wobei man das Gis (kommt nur zwei mal vor) auch noch weg lassen könnte!
    Trotz nicht passender Tonart vielleicht ja eine kleine Inspirationshilfe.

    Ich würde mir da übrigens einfach etwas zurecht legen, notieren und auswendig lernen, denn Solo heißt ja nicht nymphoman, ah zwangsläufig, Improvisation! ;)

    Viele Grüße Ralf
     
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  12. grosskopf

    grosskopf Ist fast schon zuhause hier

    Als Ergänzung zu bereits Geschriebenem: versuche mal Dynamik, Artikulation, Phrasierung, rhythmishce und melodische Verschiebungen und vor allem auch Pausen in dein Solo einzubauen. Du musst kein Poet sein, um spannende Dinge zu sagen.
     
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  13. Roland

    Roland Ist fast schon zuhause hier

    Moin!

    Mein Ansatz wäre: motivisch arbeiten. Mit einer Idee anfangen, die dann entwickeln, mit ihr spielen. Das hilft auch, wenn man mal ein Stück mit Akkordwechseln hat. :)

    Grüße
    Roland
     
  14. peterwespi

    peterwespi Ist fast schon zuhause hier

    In Anlehnung an den Impro-Workshop in Offenburg hab ich auf die Schnelle mal ein Beispiel gedudelt :cool:

    Zauberwort "Reduktion"
    - 1 Ton / 1 Ton plus Oktave
    - 2 Töne / 2 Töne plus Oktaven
    - 3 Töne / 3 Töne plus Oktaven


    Reduktion auf 2 Töne Eb.jpg




    Da kann man doch schon einiges damit anfangen... ;)
     
  15. Iwivera*

    Iwivera* Kann einfach nicht wegbleiben

    Klasse. Vielen Dank.
     
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  16. saxfax

    saxfax Ist fast schon zuhause hier

    Yeah, DAS GROOVT :cool:
     
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  17. Iwivera*

    Iwivera* Kann einfach nicht wegbleiben

    Gerade bin ich über dieses Video von Bill Evans gestolpert:



    Was haltet Ihr davon? Würd mich mal interessieren.
     
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  18. jazzwoman

    jazzwoman Ist fast schon zuhause hier

    Man muss eben einen Weg finden, eine interessante Geschichte zu erzählen - am besten motivisch mit einem guten Aufbau. Das Beispiel ab Minute 5 ist da echt ganz schön, wie ich meine. Bei einem Playalong findet allerdings keine Interaktion mit den anderen Musikern statt. In der realen Welt würde es sicher noch viel besser klingen. Ich finde, er zeigt das richtig gut!
     
    Rick gefällt das.
  19. ppue

    ppue Experte

    Ja, macht er gut. Die Reduktion und die Pausen sind wichtige Sachen. Was er nicht erwähnt ist, dass die Pausen dazu gut sind, sich selbst zuzuhören, das gespielte zu verarbeiten und es wieder aufzunehmen, zu wiederholen, zu variieren oder auch zu konterkarieren. Das macht eine Geschichte aus.

    Ich finde die Geschichte ab 10'25" noch eindrücklicher. Musik ist Gesang, letztendlich Sprache.
     
    47tmb, jazzwoman und Iwivera* gefällt das.
  20. 47tmb

    47tmb Ist fast schon zuhause hier

    Oh yeah! Das ist, warum ich MD so mag. Mit wenigen Worten (Tönen) große Dinge erzählen (große Musik machen).
    Was nehmen wir (mal wieder) mit?

    Leave space. Entwickle Deine Idee. Verpulvere nicht alles in den ersten vier Takten. Keine Angst vor Wiederholungen (Die Zuhörer mögen das. Ehrlich). ----------------- Pausen (Lass dass, was Du grad gesagt/gespielt hast nachhallen. Die Zuhörer werden dankbar sein)
     
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