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Wie lange braucht ihr um ein Stück zu erarbeiten?

Dieses Thema im Forum "Soprano Special" wurde erstellt von Saxoma, 15.Juli.2017.

  1. Juju

    Juju Ist fast schon zuhause hier

    Seit mehr als zwei Jahren beschäftige ich mich hiermit: https://d1av9c1o38t6ow.cloudfront.net/2014/Apache Dance-George Coleman Solo.pdf - einen Chorus kann ich auswendig (vom Originaltempo bin ich allerdings immer noch ein Stück entfernt..), diverse patterns habe ich durch sämtliche Keys gebracht, aber ich kann nicht genug kriegen von diesem Solo :)
    Nun, was meinst Du konkret mit "Erarbeiten"? Es vom Blatt spielen können oder das gesamte Stück plus Solo auswendig spielen können? Akustisch "Begreifen" , was der jeweilige Solist da genau gemacht hat? Es gibt ja so viele Dimensionen von "erarbeiten", und natürlich hängt das ab von den persönlichen Voraussetzungen und Ansprüchen und dem, was man konkret erreichen will, wenn man sich ein bestimmtes Stück vornimmt...
    LG Juju
     
  2. Claus

    Claus Moderator

    Das mit dem Erarbeiten ist so eine Sache. Ich stelle leider fest, dass die Beherrschung eines Stücks auch wieder verloren geht, wenn man es eine Weile nicht gespielt hat (jedenfalls bei mir). Man fängt zwar dann nicht wieder von 0 an, aber vielleicht bei 60-70%.
     
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  3. Gerd_mit_Sax

    Gerd_mit_Sax Ist fast schon zuhause hier

    das ist leider manchmal nicht erlaubt! Wir spielen gerade ein Glenn Miller Stück bei dem in der Regel immer das original Solo gespielt werden muss, da es quasi Teil des Stückes ist. D.h. der Zuhörer erwartet genau dieses Solo an dieser Stelle.
    Es bleibt einem dann nichts anderes übrig als das original Solo im original Tempo, am besten mit original Phrasierung zu präsentieren.
    ...das erarbeite ich mir gerade. - Auch wenn bei anderen Stücken sonst immer eigene Soli gespielt werden.
     
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  4. Pil

    Pil Ist fast schon zuhause hier

    Hallo Saxoma,

    ein sehr schönes Saxophonstück welches dir dein Lehrer ausgesucht hat.
    Der Song ist angenehm zum anhören, der Aufforderung es selbst zu spielen könte ich persönlich nicht nachkommen, da es meinem Groovs nicht entspricht.
    Sich einen Song zu erarbeiten um sich selbst und das Publikum zu befriedigen dauert meist länger als 3 Monate, da man selbst abwinken sollte wenn es nicht läuft.
    Dann eben loslassen aber regelmäßig wieder aufnehmen.
    Ich kenne weder deinen Lehre noch deinen Status.
    War es ein gut gemeinter Rat oder zu seiner Bequemlichkeit eine ihm zugunsten Überforderung des Schülers?
    Ihm zu Gute haltlen wäre die Möglichkeit du bist die Ungeduldige fühlst dich überfordert, und dann kommt eine Herausforderung als Antwort.
    Oder ganz einfach ihr versteht euch. Dann muß ich trotzdem erklären, dass der Song wirklich nicht so einfach wäre um ihn auf Qualität zu bringen.:
    Generell leg ich mir die Latte lieber zu hoch als zu tief. Ein wenig Ehrgeiz schadet nicht, ...

    Ausgerechnet auf meinen vermeintlich größten Schwachpunkt den ich eben ausmerzen wollte werde ich als erstes positiv angesprochen.
    Never mind!

    Direkte Antwort für meine Stücke mehr als 6 Monate!!! Ich geniese die Entwicklung.

    LG
    Pil
     
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  5. Saxfreundin

    Saxfreundin Ist fast schon zuhause hier

    Ein Sinnbild für das ganze Leben :)
     
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  6. Nilu

    Nilu Ist fast schon zuhause hier

    Auf der einen Seite ja, auf der anderen Seite soll man auch "loslassen" können, etwas als gut und beendet betrachten und sich damit zufrieden geben wie es ist.
    Der Gedanke, dass etwas nie fertig wird, erinnert mich jetzt gerade an den Hamster im Rad, der zwar immer schneller wird, zugleich aber hastig und gestresst wirkt beim Zurücklegen seines Weges ohne Ziel.
    Wer kennt nicht die Freude, wenn etwas fertig gemacht wird und dann noch als fertig erklärt! wird?
     
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  7. edosaxt

    edosaxt Ist fast schon zuhause hier

    Hmmmmm....
    Vielleicht hat ja jede_r so ein paar Stücke, mit denen er / sie ein halbes Leben schwanger geht, die nie wirklich fertig werden und viele andere, die schnell "good enough" sind.
    Mir geht's wenigstens so.
     
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  8. slowchange

    slowchange Schaut öfter mal vorbei

    Das mit der Spirale steht ja jetzt auch in meiner Signatur. Kommt aus einem Song von Bobby Hutcherson mit einem ziemlich enigmatischen Text. Der Song heißt bezeichnenderweise "Slow Change";)
     
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  9. Gerrit

    Gerrit Experte

    Daß Stücke nie "fertig" sind geht mir mitunter nicht nur mit solchen, an denen ich selber arbeite: oft höre ich eine mir vertraute Aufnahme und entdecke dabei irgendetwas, das mir bislang entging oder wohlmöglich weniger wichtiger erschien. Also auch das Hören, das Ohr ist oft nicht "fertig" ;-)
     
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  10. gaga

    gaga Ist fast schon zuhause hier

    Ich höre seit einigen Wochen JEDEN Tag zur gleichen Zeit bei immer der gleichen Hausarbeit auf "repeat" gestellt mind. 4x "Confirmation" mit Parker (und Al Haig, Percy Heath, Max Roach 1953). Das Stück war auf meiner allerersten Schallplatte vor über 50m Jahren. Ich höre immer wieder Neues.
     
  11. Gerrit

    Gerrit Experte

    Ich kam ja über Ellington zum Jazz. Und kürzlich hörte ich nach langer Zeit mal wieder seine Suite "Such Sweet Thunder", für mich übrigens eines seiner gelungendsten und schönsten Werke auf. Beim Hören fielen mir plötzlich Linienführungen auf, die mir so bislang nicht aufgefallen oder ich aber "vergessen" hatte.

    In dem Zusammenhang merkte ich wieder einmal, was für großartige Sachen Ellington gemacht hat, wie zeitmos schön die zum Teil sind.

    Und das ist ja das besondere an Kunst, Musik, Literatur, sie ist, ob man sie selbst betreibt oder "nur" genießt niemals gänzlich fertig. Ich finde das schön so!

    Nicht nur jeder Mensch hört etwas anders als der andere, sondern auch jede Zeit hört anders als eine andere.
     
  12. Pil

    Pil Ist fast schon zuhause hier

    @ppue
    Die Antwort war so herzlich ehrlich!
    ¿Wie wieviel Zeit, Herzblut und "Tage" hast Du dann für Equinox gebraucht?

    Du bist ja hingekommen! Und ich habe es "vertagt".

    LG
    Pil
     
  13. ppue

    ppue Experte

    Wenn du meine bescheidene Aufnahme meinst, mein ganzes Leben und eben nur den einen Moment.
     
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  14. Pil

    Pil Ist fast schon zuhause hier

    Möglicherweise werde ich dann "The Bird" dementsprechend wo anders fertig interpretieren.
    Ich drohe dem Publikum jetzt zu Lebzeiten mit schlechten Zwischenergebnissen.

    LG
    Pil

    PS: Mit Eb komm ich grad gut zu recht; für ein besseres Tenor bin grad knapp bei Kasse.
     
  15. ppue

    ppue Experte

    Jeglicher kreativer Prozess hilft dem Publikum und der Gesellschaft. Wir alle haben immer nur Zwischenergebnisse zu bieten (-:das macht uns so sympathisch).

    Ne, ganz ohne Ernst, mich haben die Kunstausstellungen, aus denen ich hinaus ging und sagte "das kann ich auch" immer am meisten motiviert, mal wieder eine Leinwand zu bepinseln.

    Fertich interpretieren is nich. Das Ziel ist weg.
     
  16. Pil

    Pil Ist fast schon zuhause hier

    Öfters sympatische Antworten zu geben ist eine Dir gelunge Kunst.
    Ich arbeite noch daran.

    pil
     
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  17. Saxoma

    Saxoma Nicht zu schüchtern zum Reden

    Erst mal Danke für die vielen Antworten!
    Da ich ja erst 3 Jahre Saxophon spiele, verstehe ich unter "Erarbeiten" erst mal das spielen zu können, was da vor mir auf dem Blatt steht. Und das vielleicht in einem durch, ohne dass ich ständig raus fliege. Da wär ich schon zufrieden. Für´s erste mal. Beim eigentlichen Thema hab ich schon die "Freiheit" mich auf Klang und Gefühl zu konzentrieren, da ich es halt schon weitgehend auswendig spielen kann. Aber der Rest ist für mich halt noch Knochenarbeit, die allerdings auch Spaß macht. Mein Lehrer verpasst mir öfter solche Literatur, von der ich mich fast überfordert fühle, aber dann, irgendwann geht`s ja doch. Mein größtes Problem ist oft meine Konzentration und die Geschwindigkeit und der genervte Nachbar, der mich nicht so oft und so lange Üben lässt, wie ich will. Mein Lehrer möchte mich schon langsam ans Improvisieren ran führen, was für mich aber sehr schwierig ist. Ich kralle mich richtig an den Noten fest; nach dem Motto:
    Nimm mir das Blatt und du nimmst mir auch das Instrument! Jetzt in den Ferien hab ich ein wenig damit angefangen zu Musik aus der Konserve die ich gut kenne, frei mitzuspielen und ein wenig zu improvisieren. Es fällt mir schwer mich von der Leine zu lassen. Aber manch mal fühlt es sich schon ganz gut an. Was ich auf meine alten Tage noch alles lernen muß! Darf!
    SAXOMA
     
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  18. sachsin

    sachsin Ist fast schon zuhause hier

    ... ich plädiere für DARF !
    Und - wir haben alle mal "klein" angefangen :) Dran bleiben, Spass dabei haben und mit Liebe an der Sache sein, bei allem was man sich vornimmt.

    :):)