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Wurde an der Musikhochschule genommen

Dieses Thema im Forum "Saxophon spielen" wurde erstellt von Kristina, 18.Juni.2017.

  1. ehopper1

    ehopper1 Ist fast schon zuhause hier

    Hierzu etwas aus eigener Erfahrung:
    Ich arbeitete vor Jahren mal als etwas höheres Tier in einer größeren Firma in der Schweiz.
    Mein Bekanntenkreis war beeindruckt.
    Geldmäßig blieb schon einiges mehr übrig als heute.
    Allerdings strebten meine Freizeitaktivitäten zunehmend gegen Null.
    Ich zog die Reißleine und sagte: Hamsterrad ade!

    Heute bin ich ganz normaler IT-Mensch in einem kleineren Laden nahe meiner Heimat.
    Die Arbeit macht Spaß, und durch Projekte gibt es mal viel oder mal weniger viel zu tun.
    Man kommt aber immer mal zu einem Abschluss.
    So gibt es wenigstens kein Hamsterrad mehr.
    Im Bekanntenkreis ist das zwar kein Wort mehr wert, aber was soll´s?
    Und Kohle gibt es auch weniger, na und?

    Wichtig ist mir, dass meine gefühlte Lebensqualität auf jeden Fall viel viel besser geworden ist.
    Vor allem das Musizieren macht mir wahnsinnig viel Spaß.

    :topic:

    Lg
    Mike
     
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  2. Rick

    Rick Experte

    Weil ein DJ heute locker ausreicht, wo man früher eine ganze Band beschäftigt hat. Und viele DJs, die ich persönlich kenne, bekommen, obwohl sie da alleine rumwursteln, trotzdem den Bands fast vergleichbare Gagen. Aber das war ein Thema der 1990er, inzwischen ist das durch: DJs haben gewonnen, der Party- und Tanz-Markt ist bis auf die berühmten Nischen (Repräsentations-Veranstaltungen) für Live-Musiker weitestgehend verloren.

    Damit kann ich leben, ich habe mich angepasst, meine Nische gefunden und weine den langen Partynächten, wo man frühestens um 4, 5 Uhr überhaupt erst völlig geschafft nach Hause kam, weil die Veranstaltung so lang ging und man hinterher noch die ganze Anlage abbauen musste, nicht viele Tränen nach. ABER das war für viele Kollegen ein wichtiges finanzielles Standbein, das zunehmend wegbricht, darum geht es.

    Jazz ist heute in Deutschland weitestgehend subventioniert, die Jazz-Clubs sind keine Wirtschaftsunternehmen mehr, sondern quasi wohltätige Vereine, die sich karitativ um die notleidenden Musiker kümmern, doch davon alleine kann man nicht existieren.
    Die öffentlichen Stellen an Orchestern, Musikschulen, Musikhochschulen usw. wandeln sich allmählich von sozialversicherungspflichtigen echten Jobs hin zur Nebenbeschäftigung auf Honorar-Basis, der Hauptverdienst kann damit in der Regel für junge Berufseinsteiger nicht mehr bestritten werden.

    Aber es hat keinen Sinn, in die verschüttete Milch zu heulen, so ist es nun mal, die Welt dreht sich weiter, man benötigt heute auch nicht mehr so viele Drucksetzer, Schneider oder Schuster wie vor 100 Jahren - alles mal goldenes Handwerk, sichere Berufe, die jedoch von der Technik überholt wurden.
    Also muss man sich anpassen, umschulen, neue Wege finden.

    Warum jedoch immer noch Jazzmusiker an Hochschulen ausgebildet werden (gilt als vollwertige Berufsausbildung, nicht als "Spaß-Studium" wie etwa Philosophie), ist mir wie gesagt nicht nachvollziehbar - außer, man will so die gealterten Dozenten in Lohn und Brot halten, bis sie in Pension gehen und man ihre Stellen endlich streichen kann... :duck:
     
    Zuletzt bearbeitet: 16.November.2017
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  3. Hewe

    Hewe Ist fast schon zuhause hier

    Ja, ist schon ein wenig traurig. Habe auch einen Bekannten, studierte Saxophon und Komposition, verdingte sich an einer Musikschule und sattelt nun vollständig um als Musiklehrer an einer Schule. Ein sehr guter Pianist ging in die IT-Branche, ein anderer auf ein Kreuzfahrtschiff. Mir sind DJ trotzdem (als Musiker angeboten) suspekt. Ich mag handgemachte Musik auf richtigen Instrumenten mehr, als Beherrscher von Computerprogrammen. Eine Kerze hat einen anderen Schein als eine Glühlampe. Hewe
     
  4. Clownfisch

    Clownfisch Experte

    Das Wörtchen „allmählich“ würde ich fast als ironisch identifizieren. Ich kenne aus meinem Semester und mindestens 4 Jahre vor mir keinen, der eine Festanstellung bekommen hat, und meine Kollegen (so zwischen 40 und 50) sind auch zu 95% Honorarkräfte.
     
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  5. last

    last Ist fast schon zuhause hier

    Ich finde das sind im Schnitt fast 10% zu viel!

    :) last
     
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  6. gaga

    gaga Ist fast schon zuhause hier

    Jede der weiter oben von dir genannten Veränderungen in der Berufswelt vollzog sich mit mit zähen und schmerzlichen Begleiterscheinungen. Mein Vater lernte als Flüchtling 1948 noch Schuhmacher - für ganz wenige Jahre in dem Beruf. Im Studium war ich Anfang der 70er an einer umfangreichen Untersuchung zur Deklassierung der Schriftsetzer beteiligt. Nach meiner Prüfung brauchte man dann plötzlich keine Lehrer mehr (ein Hohn aus heutiger Sicht) - man wurde also nicht mehr Beamter auf Lebenszeit, sondern Reiseleiter, VHS-Dozent - oder Musiker :)

    Die Ausbildungsplanungsbehörden arbeiten langsam, reagieren langsam bis garnicht - auf jeden Fall immer zu spät. Das scheint systemimmanent zu sein. Auch die Musikerausbildung wird eines Tages heruntergefahren, vielleicht gerade dann, wenn händeringend nach studierten Musikern gesucht wird. Wer weiß...

     
  7. hiroaki

    hiroaki Ist fast schon zuhause hier

    Nun, auch der DJ braucht richtige, handgemachte Musik als Basis. Was wäre er ohne sie?
     
  8. Roland

    Roland Ist fast schon zuhause hier

    Ein DJ, der elektronische Tanzmusik auflegt. Gibt als Technik und als Hausmusik, oder so.

    Grüße
    Roland
     
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  9. RomBl

    RomBl Ist fast schon zuhause hier

    Würde sich dann Haustechnikmeister nennen ... :cool:
     
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  10. gaga

    gaga Ist fast schon zuhause hier

    Mir geht es auch so und damit outen wir uns als alte Leute :) Seit vor langer Zeit mal der Schlagzeuger meiner FIMG-Combo zum sich ausbreitenden "Techno" lamentierte, dass sei "keine Musik mehr", ist mir klar, das dass nicht meine Einstellung werden darf, wenn ich mir die Einstellung meines Vaters in den frühen 60ern zu meiner "Negermusik" nicht generationsübergreifend zu meiner eigenen machen will.

    Die Welt dreht sich weiter - in den 60ern war ich Teil einer 7köpfigen Tanzband, in den 70ern waren wir zu fünft - die 80er und 90er erlebte ich im Trio, und als die Konkurrenz der "Alleinunterhalter" zu groß wurde und "Showbands" nur noch mit Ablaufsteuerung per Midi-Files funktionierten, suchte ich mir in der Branche einen neue Nische, die jetzt rentenhalber langsam ausplätschert.

    Den Dj kenne ich einerseits nur als Dorfdiscoplattenaufleger mit losem Mundwerk, und von der anderen, hier im Thread wohl eher gemeinten Sorte DJ, einen einzigen, und das auch nur, weil er in meiner WG aufgewachsen ist. Nie gehört und auch kein Interesse, aber verurteilen kann ich weder die Musik nur ihre Produktion noch den Zug der Zeit, der diese ganzen Entwicklungen, Veränderungen, Verdrängungen und Verwerfungen mit sich bringt. Auch als alter Mann springe ich eher noch auf einen neuen Zug auf, der mir Zufriedenheit und zumindest einer kleinen Gruppe Zuhörer Unterhaltung oder wohlwollendes Interesse bietet. Bebop rules...
     
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