Ausdauer effektiv verbessern

Dieses Thema im Forum "Anfänger Forum" wurde erstellt von altoSaxo, 5.Oktober.2019.

  1. altoSaxo

    altoSaxo Ist fast schon zuhause hier

    Wie kann ich - abgesehen von effizientem Ansatz - die Ausdauer der Mundmuskulatur für das Altsaxophonspiel am besten verbessern?

    Angeregt durch Infos über Lauftraining, wo es ein Übertrainieren gibt und man seine Leistung durch ungünstige Trainingspläne in den Keller trainieren kann, auch wenn das sicher nicht komplett vergleichbar mit Saxophonspielen ist, und durch die eigene Erfahrung, dass bei mir nach 2-3 Tagen sehr intensiven Übens an den folgenden 2-3 Tage die Muskulatur bereits nach etwa der Hälfte der sonst maximalen Übezeit schlapp macht und das mehrtägige intensive Üben gefühlt kontraproduktiv für die Ausdauer wirkt, frage ich hier nach Tips. Außerdem würde ich gerne an mehrtägigen Workshops teilnehmen, denke aber es macht keinen Sinn, wenn ich dann nur maximal 1 Stunde pro Tag spielen kann. Das würde vielleicht gerade für die Proben reichen, aber nicht für zusätzlich Üben oder Jam-Sessions.

    Wahrscheinlich gibt es da viele Aspekte, die folgenden drei Bereiche sind mir bis jetzt eingefallen:

    Dauer und Häufigkeit des Übens:
    Angenommen ich kann an 5-6 Tagen die Woche üben und die maximale Übezeit beträgt je nach Intensität 45-70 Min.: sollte ich jeden Tag üben, bis die Mundmuskulatur komplett müde ist, oder lieber an einigen Tagen weniger und anderen Tagen mehr üben? Besser an jedem der 6 Tage üben oder an 1-2 Tagen pausieren oder nur z. B. ein viertel der Zeit üben?

    Pausen:
    Ist es besser, oft kürzere Pausen von 2-3 Min. zu machen oder besser wenige längere von 10-15?

    Gibt es bestimmte Übungen, die dafür besonders geeignet sind?
    Vielleicht MPC-Übungen oder Longtones? Komplette Etüden/Stücke am Stück durchspielen, statt kürze Abschnitte mit jeweils paar Sekunden Pause.

    Vielen Dank vorab!
    LG
    aS
     
  2. Ton Scott

    Ton Scott Freak

    Hi,

    Halt einen Ton nach Wahl möglichst lange aus.
    Wenn die Luft knapp wird, krall Deine Zehen ganz fest.
    Vergleiche das mit einem langen Ton, wo Du das nicht machst, und im Gegenteil Deine Zehen ganz sanft lang streckst.

    Will sagen: Spielt Dein ganzes Ich Saxophon, oder Dein Mund?

    Grüßle
     
    altoSaxo, Paul2002, kokisax und 2 anderen gefällt das.
  3. saxpuu

    saxpuu Kann einfach nicht wegbleiben

    Wo hast du das denn her? Übertraining ist wohl eher ein Mythos ... https://www.greif.de/nl-mythos-uebertraining.html

    "Im Keller" sind höchstens die Wettkampfläufe, meistens bei denen, die am Tag (oder in der Woche) vor dem Wettkampf noch versuchen, das verpennte Training der letzten 6 Monate nach zu holen. Da geht der Wettkampf dann natürlich in die Hose und dem unwissenden Arbeitskollegen wird die Mär vom "Übertraining" erzählt ...

    Und was sind "ungünstige Trainingspläne"? Höchstens derjenige Athlet ist blöd ("Athlet" nehme ich sofort wieder zurück), derjenige Laufanfänger, der nach einem Trainingsplan trainiert, der nicht seinem Leistungsstand entspricht. Aber es ist doch so, dass der Trainierende den Trainingsplan auswählt und nicht der Trainingsplan den Trainierenden ...

    An eintägigen oder auch mehrtägigen Workshops kannst du aber bestimmt teilnehmen. Fang doch mal mit einem eintägigen WS an. Spielst du in einer Band? Da hupst du ja auch nicht ununterbrochen in das Gerät. Da kommen Pausen im Arrangement, da sind Pausen wegen Unterbrechungen, es gibt kurze Erläuterungen usw usf ...

    Für mich sind Bandproben weniger anstrengend (in der Intensität) als meine Übungsstunde zuhause. Da muss man zuhause auch mal die Intensität rausnehmen, die Übungsstunde wird nicht umso besser, je mehr Töne man geblasen hat.

    Gruezzi
     
    altoSaxo gefällt das.
  4. Reich-von-Pfand

    Reich-von-Pfand Kann einfach nicht wegbleiben

    Im Kraftsport zumindest nicht. Muskeln brauchen nach einer Trainingseinheit ausreichend Regenerationszeit. Wenn man die ihnen nicht gönnt, kann es dazu führen, dass durch Training Muskeln sogar abgebaut werden (ich mach seit 25 Jahren Krafttraining).
    Ich glaube aber nicht, dass das 1:1 auf's Instrumentenspielen übertragbar ist. Allerdings merke ich, dass mir ab und zu eine Pause von 1 Tag ganz gut tut. Scheint aber eher ein mentaler Effekt zu sein.
    Wenn die Mundmuskulatur schlapp macht und ich nur noch in der Gegend rum sabbere mach ich eine halbe Stunde Pause, danach geht's wieder.
     
    altoSaxo, saxhornet und Viper gefällt das.
  5. quax

    quax Strebt nach Höherem

    Oben erklärt er, dass es das nicht gibt und unten erklärt er dann das, was es ja nicht geben soll ???.
     
  6. Paul2002

    Paul2002 Ist fast schon zuhause hier

    Ich hatte das Problem auch mal. Mir haben da im Wesentlichen zwei Dinge geholfen:

    1) Immer weiter üben, ohne auf die schlaffe Muskulatur Rücksicht zu nehmen (ein Rat von @ppue )

    2) Longtones, Obertöne und, ganz wichtig, aus dem Nichts ins Fortissimo und zurück gehende Töne.
     
    altoSaxo gefällt das.
  7. saxhornet

    saxhornet Experte

    Bist du sicher, dass du ihn da richtig verstanden hast? So ein Tip ist mit Vorsicht zu genießen, denn das kann auch zu Problemen führen. Ich würde es so, wie du es formulierst keinem Schüler empfehlen.
     
    altoSaxo und kokisax gefällt das.
  8. Paul2002

    Paul2002 Ist fast schon zuhause hier

    Das ist aus meinem Thread zu Charlie Parkers Übezeit.
     
    altoSaxo gefällt das.
  9. altoSaxo

    altoSaxo Ist fast schon zuhause hier

    Z. B. hier steht das:
    https://m.fitforfun.de/sport/fitnes...-hart-trainieren-bringt-nichts_aid_11082.html
    oder hier
    https://lauftipps.ch/trainingsmethoden/superkompensation/

    Und ich würde intuitiv auch sagen, dass im Sport Regenerationstage unbedingt erforderlich sind, wenn man seine Leistung effektiv steigern möchte. Aber ich bin kein Sportwissenschaftler, kann nur entsprechende Aussagen verlinken und möchte darüber gar nicht streiten, weil ich bereits sagte, dass das nicht komplett auf Saxophon übertragen werden kann.

    Trotzdem ist es bei mir so, dass ich nach einem Tag mit maximalen Üben im Grunde am nächsten Tag nicht zu gebrauchen bin, sowohl was die Ausdauer als auch den Ansatz angeht. Nicht nur dass ich das Gefühl habe, für den Ansatz sei das kontraproduktiv (beißen), sondern auch, dass sich die Ausdauer auf diese Weise nicht optimal verbessert. Darum habe ich nachgefragt, wie das Üben im Hinblick auf Ausdauer am besten gestaltet werden kann.
     
    Paul2002 gefällt das.
  10. altoSaxo

    altoSaxo Ist fast schon zuhause hier

    Zehen krallen ist kontraproduktiv, habe ich gemerkt.

    Ich hoffe, dass ich den ganzen Körper oder mein ganzes ich im Laufe der Jahre auch optimieren kann, aber ich frage mich auch, ob Belastungsdauer und Intensität beim Üben beliebig gewählt oder sinnvoll gestaltet werden können.
    Ich weiß, dass du viele stundenlang spielen kannst, so habe ich dich jedenfalls verstanden, aber ich habe schon von Profis gehört und gelesen, dass ihre Kondition nicht unendlich ist und nach mehreren Tagen, wo sie nicht üben können, spürbar nachlässt.
     
    Paul2002 gefällt das.
  11. altoSaxo

    altoSaxo Ist fast schon zuhause hier

    Vielleicht sollte ich es über ein paar Monate selbst ausprobieren und schauen, ob mich eher tägliches Üben mit 40 Min. weiter bringt oder Einheiten von 60 Min., wo ich jeden dritten Tag pausiere oder abwechselnd 60 und 20 Min.
     
  12. saxhornet

    saxhornet Experte

    Nur hat er da nicht geschrieben, daß Du mit schlaffer Muskulatur oder wenn diese nicht mehr kann weitermachen sollst. Mit der Zeit, wenn man nach und nach länger übt wird das besser ist die Aussage, nicht, daß Du weitermachen sollst, wenn der Muskel nicht mehr kann. Damit kannst Du Dir Ansatz und Muskel ruinieren.
     
    TobiS, bluefrog und quax gefällt das.
  13. saxhornet

    saxhornet Experte

    Dem ist auch so. Und man kann auch übertrainieren und seinen Leistungsstand dadurch verschlechtern und auch das Immunsystem kann dann betroffen sein. Im Rahmen meines Musikstudiums hatten wir 2 Semester Sport, nach der Devise: Musik ist wie Leistungssport und das geht nur in einem fitten Körper und dafür muss man wissen was Sinn macht und was nicht.

    Ansatz und Atmung sind an Muskeln gebunden und auch diese brauchen Pausen, wenn die Anstrengung hoch war, um sich regenerieren zu können. Gezieltes Ausdauertraining würde ich da nicht machen aber Dinge wie Longtones, TopTones und ausreichend Üben sind da schon sinnvoll.
     
    altoSaxo gefällt das.
  14. saxhornet

    saxhornet Experte

    Im Normalfall, wenn Du nicht übertrieben hast, muss man nicht unbedingt einen Tag pausieren, zumindest nicht, wenn Ansatz oder Finger nicht schon gleich Probleme machen oder sich unangenehm bemerkbar machen, dann war das "Training" am Vortag aber eventuell schon mehr als der Trainingsstand eigentlich zugelassen hat oder bestimmte Dinge zu lange oder zu intensiv geübt wurden. Ich würde es langsam ausbauen. Von 40 Minuten auf 45 Minuten in der nächsten Woche und dann pro Woche 5 Minuten mehr.
     
    altoSaxo und Paul2002 gefällt das.
  15. Paul2002

    Paul2002 Ist fast schon zuhause hier


    Im Kontext des Ausgangsthreads hat es auf mich anders gewirkt. Aber das ändert nichts daran, dass deine Argumentation schlüssig klingt. Wenigstens, glaube ich, hat es mir nicht geschadet, auch wenn es wohl das falsche Vorgehen war.
     
  16. altoSaxo

    altoSaxo Ist fast schon zuhause hier

    Vielen Dank für die Beiträge.
    Ich werde nun versuchen, das Üben gleichmäßig zu gestalten, ohne bis zum Limit zu spielen, außer bei der Bandprobe oder wenn ich weiß, dass ich die beiden Tage darauf nicht üben kann.
    Ich habe mich heute auf 40 Min. beschränkt und werde die Zeit steigern, wenn ich merke, dass Reserven vorhanden sind.
     
  17. ppue

    ppue Experte

    Eine Ausdauerübung besteht darin, jeden Ton der chromatischen Tonleiter jeweils viermal im kürzesten Staccato zu spielen, also so:

    staccato-chromatisch.jpg ©Wilmanns

    Staccato deshalb, weil der Ton absolut direkt anspringen muss. Tut er das nicht, stimmt der Ansatz nicht. In den Höhen wird man schnell merken, ob man da überhaupt durchkommt oder aber, wie weit man kommt. Man spielt, soweit man kommt und kehrt um. Kommt man nächste Woche weiter, ist man weiter gekommen (-;
     
    Longtone, TobiS, Paul2002 und 3 anderen gefällt das.
  18. stefalt

    stefalt Strebt nach Höherem

    Hallo @ppue
    ich kann natürlich Dir und Deiner Erfahrung bei weitem nicht das Wasser reichen, aber das Tiefe B in staccato halte ich für jemand der noch an seinem Ansatz arbeitet für nicht so ganz leicht. Ich würde eher in der Mitte anfangen (z.B. A oder G) dann nach oben bis es nicht mehr geht und dann erst ganz nach unten, oder soweit es halt geht.

    Ginge das auch?
    LG StefAlt
     
    Paul2002 und altoSaxo gefällt das.
  19. ppue

    ppue Experte

    Du hast natürlich vollkommen Recht. Man strickt sich am Besten immer die Übungen so, wie man meint, dass sie dem eigenen Niveau entsprechen. Sehr vernünftig, erst ab dem tiefen G anzufangen und nachher zu schauen, wie tief man noch sauber herunter kommt.

    Hat man die chromatische Tonleiter noch nicht drauf, macht man es mit einer anderen Leiter. Jedem, wie er kann.
     
  20. altoSaxo

    altoSaxo Ist fast schon zuhause hier

    @ppue
    Lieber Peter,

    herzlichen Dank für die Übung! Ich habe sie mir gerade abgeschrieben und werde sie ab morgen in meine Übungen aufnehmen.

    LG
    aS
     
    ppue und Paul2002 gefällt das.
  1. Diese Seite verwendet Cookies, um Inhalte zu personalisieren, diese deiner Erfahrung anzupassen und dich nach der Registrierung angemeldet zu halten.
    Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies.
    Information ausblenden