Bauart-Klang

Dieses Thema im Forum "Soprano Special" wurde erstellt von Gelöschtes Mitglied 3367, 11.Januar.2010.

  1. Gelöschtes Mitglied 3367

    Gelöschtes Mitglied 3367 Guest

    Guten Abend,

    Ich spiele zur Zeit mit dem Gedanken, mir ein Sopran zuzulegen. Ist zwar nur ein Gedanke, den ich frühestens in einem halben bis dreiviertel Jahr verwirklichen würde (außer mir schenkt einer eines (PN an mich!)), aber ich will mich zumindest schonmal informieren.

    Es gab bereits ein Thema zu den Bauarten, aber nicht was den Klang angeht. Das würde mich nun interessieen, ob es zwischen den verchiedenen Bauarten allgemeine Unterschiede Klang gibt.


    Liebe Grüße
    saxandme
     
  2. Roland

    Roland Gehört zum Inventar

    Hallo!

    Was meinst Du mit "Bauarten" ... gebogen oder gerade?


    Meine Meinung - dann das wird kontrovers diskutiert - ist:
    Sooo groß ist der Unterschied gar nicht, ob gerade oder gebogen.

    Vorteil gebogen:
    - man kann sich besser hören
    - ein Mikro reicht
    - man muss unwissende Leute nicht dauernd darüber belehren, dass das keine Metallklarinette ist, die man da spielt
    - bessere Unterstützung des Gewichts durch Halsgurt im Vergleich zum komplett geraden

    Vorteil gerade:
    - einfacher zu konstruieren und bauen => theoretisch mehr Sax fürs Geld


    Als ich damals mein Sopran geholt habe, gab's als wirklich gutes gebogenes das Yanagisawa SC-901, das hatte aber noch eine altertümliche Anordnung für den Pinky-Cluster (Gis, Tief H, -Cis, -Bb). Ich hab schliesslich ein gerades Yamaha mit zwei S-Bögen erstanden, wobei ich nur den gebogenen spiele.

    Am liebsten hätte ich sowas wie das Yamaha YSS-62R: gerade Bauart, gebogener Hals, einteilig. Wird aber nicht mehr gebaut.


    Die Empfehlung - wie immer - lautet: alles im anvisierten Preisbereich mal anspielen.

    Grüße
    Roland
     
  3. Otfried

    Otfried Gehört zum Inventar

    Moin,

    beim Konzert des Saxensembles Quintessence hat der Leiter der Band, der auch Sopran spielt gesagt, dass sie aus klanglichen Gründen gebogene Soprane spielen. Leider habe ich es versäumt, ihn nach dem Konzert nochmal darauf anzusprechen.

    Eigentlich gibt es keinen einsehbaren Grund dafür (zumindest kenne ich keinen), dass ein gebogenes Sopran anders klingt als ein Gerades. Trotzdem finde ich es auffällig, dass das gebogene Sopran in den meisten Fällen eine neutralere Klangfarbe hat. Auch finde ich, dass es sich im Saxensemble besser mit den anderen Saxxen mischt, nicht so prominent ist.

    Beste Beisiele dafür sind eben Quintessence und vor allem natürlich das Rascher Quartett. Bei vielen anderen Quartetten ist mir das Sopran unangenehm im Vordergrund stehend aufgefallen. Allerdings gibt es auch Ensembles mit geradem Sopran, die das gut hinkriegen (ok, ich kannte mal Eines).

    Vor zig Jahren hatte ich mal Gelegenheit, das Yani sowohl gebogen als auch gerade zu spielen. Das gebogene hatte damals nicht nur die alte Kleinfingermechanik, sondern auch noch die gleiche Palmkeymechanik wie die gerade Mark VI-Kopie. Tatsächlich kam es mir so vor, als wären die beiden abgesehen von der Krümmung baugleich.

    Klanglich konnte ich, bei entsprechender Raumakustik auch keinen Unterschied feststellen, allerdings besteht ein deutlicher Unterschied in der Wahrnehmung. Das gebogene hat mir die Ohren zu gedröhnt, beim Geraden hat man dagegen eher Schwierigkeiten der Selbstwahrnehmung.

    Von daher tendiere ich zu der Meinung, dass es, sofern tatsächlich die Mensur indentisch ist, kein grundsätzlicher klanglicher Unterschied besteht. Allerdings weiß ich nicht, ob gebogene Soprane nicht auch anders gebaut sind als Gerade. Hinsichtlich der Selbstwahrnehmung, und die beeinflusst ja ganz erheblich das, was dann auch beim Zuhörer ankommt gibt es gewaltige Unterschiede.

    Gruß,
    xcielo
     
  4. Florentin

    Florentin Strebt nach Höherem

    In erster Näherung würde ich auch sagen, dass klangliche Unterschiede viel stärker von Mundstück / Blatt / Soundvorstellung kommen als von der Bauart. Insofern könnte man die Bauart weitgehend nach der Ergonomie wählen.

    Was ich allerdings schon oft gelesen habe:

    1. Ein gebogener S-Bogen macht den Klang weicher (egal, ob der Korpus nun gerade oder gebogen ist)

    2. Einteilige Instrumente haben leichtere Ansprache

    Mangels paarweisem Vergleich mit sonst ganz identischen Instrumenten habe ich dazu aber keine eigene Erfahrung.


    @Roland:

    Ich hatte eine Zeit lang ein Saxello von Rampone & Cazzani (gibt hier einen Thread darüber). War einteilig und kommt vielleicht Deiner Suche nach dem alten 62R nahe. Sehr schönes Instrument !
     
  5. Werner

    Werner Strebt nach Höherem

    Gebogene Soprane sind klar etwas weicher, weniger direkt.
     
  6. JES

    JES Gehört zum Inventar

    @xcielo

    Moin,
    also widersprichst Du Dir nicht: zum einen passen sich gebogene Sopies besser in den Enssemble-Klang ein, andererseits hörst Du im Raum keinen Unterschied, aber Dir werden die Ohren zugedröhnt beim Gebogenen?
    Also was jetzt??
    Oder verstehe ich was falsch??
    JEs
     
  7. Otfried

    Otfried Gehört zum Inventar

    Moin JEs,

    klar ist das widersprüchlich, wie fast alles im Leben ;-)

    Aber nochmal:
    Zwischen dem gebogenen und dem Geraden Yani damals, die, wie ich finde tatsächlich baugleich waren, habe ich beim Spielen gegen eine reflektierende Wand keinen klanglichen Unterschied gemerkt.

    Allerdings ist bei dem gebogenen das Ohr halt sehr viel dichter am Schalltrichter, so dass man auch in einem normalen Raum ziemlich zugedröhnt wird, was übrigens der Hauptgrund für mich ist, ein Gerades zu bevorzugen.

    Soweit meine eigenen Erfahrungen beim Spielen.

    Ansonsten ist mir bei diversen Saxquartetten und -quintetten aufgefallen, dass, spielen sie gebogene Soprane, diese sich sehr viel besser mit dem Rest mischen.

    Das kann aber auch zu einem guten Teil daran liegen, dass die Spieler sich einfach besser hören, wenn sie ein gebogenes spielen, und daher leiser spielen.

    Generell meine ich aber zu hören, dass gebogene Soprane klanglich neutraler sind. Da weiß ich eben nicht, ob es grundlegende bauartbedingte Unterschiede in der Mensur gibt, die das bewirken könnten.

    Ich kenne aber zumindest einen Sopransaxophonisten, der auf dem geraden Teil genau so neutral daher kommt, als wäre es gebogen.

    Ich selbst mag auf dem Sopran nicht neutral klingen, und bevorzuge in Abgrenzung zum Alt einen sehr kehligen Sound. Wäre also mal eine Frage, ob ich so einen Sound auch auf einem gebogenen hinkriege. Ich habe aber kein solches, und kann das daher nicht beantworten.

    Gruß,
    xcielo
     
  8. Roland

    Roland Gehört zum Inventar

    Ich kann ja den Pepsi-Test machen. :)
    Ich habe, abgesehen von evtl. durch verkrampftere Haltung induzierte Ansatzänderungen, keinen Unterscheid bemerkt.

    Meinem Lehrer gefällt mein YSS-875 besser als sein YSS-62R, von daher kann der Unterschied in der Ansprache nicht so wahnsinnig gross sein (Vergleich fester gebogener S-Bogen zu auswechselbaren gebogenen S-Bogen).

    Mein Traum wäre mein YSS-875, aber mit festem gebogenen Halsstück. Ein R&C habe ich leider noch nie probiert ...


    Grüße
    Roland
     
  9. Saxax

    Saxax Ist fast schon zuhause hier

    Moin zusammen,

    zunächst vorweg der Hinweis: meine Erfahrung bezieht sich im wesentlichen auf vintage Hörner, ich denke aber, dass das auch für neuere übertragbar ist.

    Den direkten Vergleich habe ich bei alten versilberten Conn (Vorkriegsmodelle). Das gebogene klingt rund und voll, während das gerade näselt, also den berühmten oder berüchtigten Oboenanklnag hat. Das gilt m. E. nach auch für andere Marken aus dieser Zeit.

    Prinzipiell stützt das also die Aussagen von Florentin und Werner und natürlich auch das, was bisher schon über das Ensemblespiel gesagt wurde.

    Darüber hinaus gibt es noch einen indirekten Hinweis oder besser Denkanstoß: warum hat Keilwerth einige Zeit ein gerades Alt und gerades Tenor (!) gebaut? Ich glaube nicht, dass sie das wegen der Ergonomie beim Tenor probiert haben ;-)

    @saxandme
    Meine Empfehlung wäre die: für Ensemble eher gebogen. Für Jazz muss man sich entscheiden: soll es orientalisch klingen (indische, arabische Anklänge) wäre wohl ein gerades Sopran angebracht. Auch zum Schlangenbeschwören sieht es übrigens passender aus. Soll es zwar hoch aber fett, voll und rund klingen, so ist es ein gebogenes. (Ich bin zwar kein Garbarek Fan und mag den Sound nicht ganz so klar/steril - aber bei ihm ist in der letzten Zeit wohl immer ein gebogenes Buescher in Betrieb) Auf jeden Fall gilt, vorher ausprobieren, ob es Deinen Klangvorstellungen entspricht.

    keep swingin´


    saxax
     
  10. rbur

    rbur Gehört zum Inventar

    Ich hab kürzlich mit einem gebogenen Sopraneur gesprochen, der meinte, dass ihm das nicht viel bringt. Er empfindet es als etwas unangenehm, dass er die Arme (im Vergleich zum Alt) so hoch vor die Brust heben muss.

    Beim gebogenen (S-Bogen und auch Instrument) sind die Seitenwände unterschiedlich lang, so dass die Linien im Klangspektrum verbreitert werden.
    Ob man das überhaupt hört, ist 'ne andere Sache.
     
  11. Florentin

    Florentin Strebt nach Höherem

    Ich würde keineswegs so weit gehen, dass ein gerades immer und zwangsweise nasal und orientalisch klingt.

    Mit meinem geraden YSS-475 und dem Rascher-Mundstück kann ich (bei entsprechender Übung) ganz schön voll und rund und warm klingen.

    Das mit den Saxophonquartetten ist interessant. Allerdings könnte auch da Ursache und Wirkung vertauscht sein. Also: sie mischen sich gut, weil sie im Quartett spielen (und nicht, weil das Sopran gebogen ist). Ich behaupte immer noch, dass das Mundstück da eine grössere Rolle spielt. Mit dem Rascher Mundstück kann man sich sehr gut mischen (aber weniger gut hervorstechen).

    Auf der Musikmesse 2008 habe ich alle möglichen Soprane ausprobiert. Unter der Einschränkung des Lärmpegels gefiel mir damals nur das neue YSS 475-II (einteilig, gerade) deutlich besser als mein YSS-475. Auch die ganz teueren Yamahas und Yanis (alle mit Wechselbogen) sagten mir nicht so zu. Ist natürlich sehr subjektiv. Die Handhaltung bei den gebogenen passt mir nicht so gut, die ganz geraden finde ich ergonomisch am angenehmsten (und die Yamahas von der Applikatur her sowieso).

    Hier übrigens ein (stellenweise etwas langatmiger) Test, wo das R&C mit dem einteiligen YSS 62R verglichen wird (und wo auch behauptet wird, die geraden seien nasaler ...)
     
  12. Roland

    Roland Gehört zum Inventar

    Oder die Freaks, die sich ein gerades Bari bauen (lassen)!?

    Mein gerades klingt übrigens nicht nasal, zumindest, wenn ich es spiele. Mal ausprobieren, ob es nasalt, wenn gewollt ...

    Grüße
    Roland

    [img align=left]http://www.jayeaston.com/images/Get-it-straight.jpg[/img]
     
  13. Florentin

    Florentin Strebt nach Höherem

    @ Roland:

    Welchen Unterschied erwartest Du Dir denn davon ?
     
  14. Gelöschtes Mitglied 3367

    Gelöschtes Mitglied 3367 Guest

    Ich spiele klassisch, bisher noch in keinem Sax-Ensemble, aber das kann ja noch kommen.

    Viele gebogene Saxe sind mir bisher nicht bekannt. Ich kenne nur das von Yana. Was gibts denn so alles?

    Probieren werd ich vor dme Kauf natürlich, aber wenn es jetzt allgemeine, stimmende, Aussagen gibt, kann ich mir vielleicht einiges an Zeit sparen (vorallem, wenn ich durch halb Deutschland kurve um etwas zu probieren, was schon laut der allgemeinen Aussage vollkommen unpassend ist für meine Zwecke)

    Liebe Grüße und Danke für die bisherigen Beiträge
    saxandme
     
  15. Roland

    Roland Gehört zum Inventar

    Weniger Fummelei; wenn ich das Mundstück ab- oder dranmache, dann muss ich immer daran denken, dass sich der Hals nicht dreht oder den Hals mit Mundstück abnehmen und getrennt zerlegen.

    Einteilig: Kann sich nix bewegen!

    Hat also keine klanglichen Aspekte, mehr so Bequemlichkeit beim handling.


    Grüße
    Roland
     
  16. ppue

    ppue Mod Experte

    Ich habe schon mehrere gerade Cannonballs ausprobiert. Die haben einen minimal gebogenen S-Bogen und einen geraden dabei. Bei allen spielte sich der gerade besser weil die Ansprache besser war. Das hatte mich erstaunt, weil es wirklich nur ne kleine Biege ist.

    Klanglich, schätz ich mal, konnte ich keinen Unterschied feststellen, von daher stehe ich eher auf Gerade.

    Mag sein, dass Spieler mit geradem Sopran dominanter spielen, eben weil sie sich weniger hören.
     
  17. rbur

    rbur Gehört zum Inventar

    Da wirst du Pech haben.
    Jan Garabarek spielt auf seinem gebogenen Buescher Jazz, Christine Rall hat auch eins und spielt Klassik.
    Und auch für gerade Yamahas und gebogenen Yanis wirst du Klassiker und Jazzer finden.

    Beim Geraden ist mir einteilig auch lieber, bei meinem alten Sax hatte ich hier immer Probleme mit der Mechanik.

    Vor Jahren war ich mal auf einem Workshop, die Dozentin hat da ganz entschieden von den gebogenen S-Bogen abgeraten.
     
  18. Roland

    Roland Gehört zum Inventar

    Befragen wir Herrn Eugene Rousseau (für den steht das "R" bei dem einteiligen YSS-62R mit gebogenen Hals) dazu, er hat's so (einteilig, gebogener Hals) mitdesigned.

    Warum hat die Dozentin davon abgeraten? Das würde mich mal interessieren! Ich klinge mit gebogen besser, weil ich entspannter spielen kann ... und das Sax muss für den Menschen passen, nicht umgekehrt.


    Grüße
    Roland


    Update:
    http://www.saxreviews.com/rampone_cazzani_saxello_soprano.html
    Da steht auch etwas länger was über gerade, gebogen, total gebogen ... hat wohl andere Erfahrungen gemacht als ich. Ich kann ja nur von dem berichten, was *ich* erfahren habe! :)
     
  19. JES

    JES Gehört zum Inventar

    Firmen machen so etwas auch aus mehreren Gründen, die nichts mit dem Klang zu tun haben:

    Marketing - man setzt sich deutlich von Mitbewerbern ab

    Kostenersparnis - konische Rohre sind einfacher zu bauen als konische Krümmer. Die Mechanik wird auch einfacher, da einige Umlenkungen wegfallen können

    Konzeptvorstellung - mal sehen ob es am Markt ankommt.

    Als Lernprojekt - mal sehen ob es einen Klangunterschied gibt, ob es besser oder schlechter als das bisherige klingt und wenn es besser klingt, wie muß ich ev. das bestehende Konzept verändern um totzdem den besseren Klang zu erreichen.

    JEs
     
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