Ich befasse mich gerade nachträglich mit Seite 11 von John O‘Neils Jazzmethode für Altsaxophon, was ich jahrelang aufgeschoben hatte. D. h., ich höre mir den Sound verschiedener Saxophonisten im Vergleich an. Marsalis war bei den Sopranisten als letzter dran, aber ich habe auch Stücke gehört, wo er Tenor spielt. Und bei ihm hatte ich überraschend einen „wow“-Effekt. Mein Eindruck ist, dass er bei beiden Baugrößen maximale Kontrolle hat, technisch höchste Perfektion und sehr ausdrucksvoll spielt, das aber auf eine subtile und elegante Weise. Potter und Brecker, deren Namen mir öfter über den Weg liefen, habe ich im Vergleich allerdings noch nicht gehört. Dem folgenden Zitat könnte ich daher aktuell nicht zustimmen: Natürlich ist Geschmack individuell und ich habe als Laie auch keine Ahnung, wie gut diverse Saxophonisten im Vergleich objektiv sind, aber nach meinem Eindruck war es kein Fehlgriff von John O‘Neill, Marsalis aufzuführen. Interessanterweise erwähnt er ihn nur bei den fünf Sopranisten. Vielleicht, weil die Liste der Tenoristen bereits die längste zu den vier Baugrößen ist. Coltrane und Shorter tauchen hingehen in beiden Listen auf, was sie im Tenor-Rating von O‘Neill oberhalb von Marsalis platziert.
Für Kurzentschlossene : Branford Marsalis ist morgen hier in Berlin live zu erleben ! https://www.rbb-online.de/unternehmen/service/veranstaltungen/2025/brandford-marsalis.html
Branford Marsalis ist durch Sting auf dem Sopran populär geworden. Für mich ist er auf dem Sopran tatsächlich interessanter. Michael Brecker solltest du zumindest kennen; denn er ist für viele Tenoristen vom Sound und Spiel prägend. Was dir persönlich am besten gefällt, ist am Ende individuell. Ich empfehle immer wieder nicht nur die Toten sondern auch die aktuellen Spieler/innen zu hören. Mit der Zeit wird dir klar, was dir wirklich gefällt. Es ist eine Entwicklung!
Die (übrigen) Tenoristen stehen als nächstes auf der Liste. Das mache ich auch, vor allem im Konzerten. Kenny Garrett z. B. finde ich super.