(En)Harmonische Entdeckungen

Dieses Thema im Forum "Improvisation - Harmonielehre" wurde erstellt von rorro, 12.Juli.2018.

  1. rorro

    rorro Ist fast schon zuhause hier

    Hallo zusammen,

    ich wollte einfach mal aufschreiben, was ich bei genauerem Hören kürzlich entdeckt habe. Für die Cracks unter Euch ist das wahrscheinlich kalter Kaffee, für andere - wie mich - ein vielleicht interessantes Werkzeug für eigene Improvisationen.

    Bisher ging ich davon aus, daß bei den üblichen 50er- und 60er-Jahre Songs die Musiker über die Changes improvisieren und ihre Tonauswahl an den jeweiligen Chord anpassen - und vor allem auch erst dann wechseln, wenn der neue Chord da ist.

    Jetzt fiel mir auf (konkret war es bei "Sidewinder" bei Lee Morgan und "Work Song" bei Cannonball Adderley), daß häufig einen halben bis ganzen Takt VOR dem Akkord-Wechsel schon dessen Tonmaterial verwendet wird. Das erzeugt eine schöne Spannung, so daß der Soloist ein wenig vorprescht und die Rhythm Section "hinterherhängt". Ein "Trick", der sich zu kopieren lohnt, denke ich.

    (Hat nichts mit Enharmonik zu tun, der Titel gefiel mir bloß)
     
  2. saxhornet

    saxhornet Experte

    Das hängt aber sehr stark von den Harmonien und was da passiert ab. Als Konzept kann das ganz gewaltig nach hinten los gehen und schief gehen wenn man das versucht zu verallgemeinern und bei allen Harmonien macht.
     
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  3. Juju

    Juju Ist fast schon zuhause hier

    Jo, machen eigentlich alle so, aber nicht immer sondern halt je nach Bedarf und Laune...
    Dafür muss man sich aber natürlich sicher sein, wo es hingeht, sonst endet es in einer Bruchlandung.
    Lg Juju
     
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  4. rorro

    rorro Ist fast schon zuhause hier

    Ihr wolltet bestimmt sagen: kannten wir schon, gut daß Du es erwähnst. :-D
     
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  5. Werner

    Werner Ist fast schon zuhause hier

    . . .was auch gut geht, vor dem neu eintretenden Akkord seine dominante spielen, zB tritonusvertauscht eine dominante 1 Halbton höher mit #11. also vor zB Dm7 vorher Eb7, obwohl da vielleicht was anderes steht.



    https://swing-jazz-berlin.de/
     
  6. Iwivera*

    Iwivera* Ist fast schon zuhause hier

    Im Sinne von "ich weiß, welcher Akkord als nächstes kommt" oder "ich weiß, welches Tonmaterial in beiden Akkorden einigermaßen klingt"?
     
  7. Juju

    Juju Ist fast schon zuhause hier

    Ersteres!
    LG Juju
     
  8. Iwivera*

    Iwivera* Ist fast schon zuhause hier

  9. saxophonunterricht-bergst

    saxophonunterricht-bergst Schaut nur mal vorbei

    Bill Evans (der Pianist) macht das auch sehr gerne
     
  10. rorro

    rorro Ist fast schon zuhause hier

    Jetzt möchte ich mal ein tolles Video vorstellen, daß wirklich die allerersten Schritte der Improvisation klarmacht. Aimee Nolte ist Jazzpoanistin und erklärt echt phantastisch (natürlich alles Englisch) und sehr humorvoll. Ihr ganzer Kanal ist en echter Gewinn und oft nicht so sehr instrumentenspezifisch. Am Ende denke ich mir: warum nicht erst mal zum PA singen (wenn man die Dinger schon nutzt), bevor man das Horn in den Mund nimmt?

     
    Gisheber, Juju und kokisax gefällt das.
  11. ppue

    ppue Experte

    Es mag Musizierenden helfen.
    Ich mag das gar nicht.
    Das hat nichts mit den ersten Schritten des Improvisierens zu tun, sondern ist eine verkopferte Erklärung dessen, was sie intuitiv kann.
    Macht Eindruck, aber ist wenig hilfreich für Fortgeschrittene.
     
  12. murofnohp

    murofnohp Ist fast schon zuhause hier

    ...
    Gilt der Umkehrschluss?
     
  13. ppue

    ppue Experte

    Wie lautet der Umkehrschluss?
     
  14. Claus

    Claus Moderator

    "Macht keinen Eindruck, ist aber hilfreich für Fortgeschrittene!" ;)

    Also mir gefiel das Video.
     
  15. Juju

    Juju Ist fast schon zuhause hier

    Mein Mann ist großer Fan ihrer Methoden da sie stets das Musikalische im Auge behält und es nie beispielsweise um Skalen der Skalen wegen geht. Er läßt sich häufig von ihrer Didaktik inspirieren und läßt diese auch bei seinem Unterricht an der Hochschule einfließen.
    LG Juju
     
    Viper und Rick gefällt das.
  16. rorro

    rorro Ist fast schon zuhause hier

    Es muss echt schwer sein, seine Meinung nicht absolutistisch zu begründen.
     
  17. murofnohp

    murofnohp Ist fast schon zuhause hier

    „... ist aber sehr hilfreich für Anfänger“
     
  18. ppue

    ppue Experte

    Das ist kein Umkehrschluss, eher eine Negation. Nein, für Anfänger ist das nichts.
     
  19. mato

    mato Ist fast schon zuhause hier

    Teile davon schon. Meine erste Improvisation die nach etwas klang war über Autumn Leaves, nachdem ich tagelang Impros über die Changes im inneren Ohr gesummt habe.
     
  20. jazzwoman

    jazzwoman Ist fast schon zuhause hier

    Du schreibst "die ersten Schritte des Improvisierens" und "wenig hilfreich für Fortgeschrittene". Für Anfänger ist das wohl nix. Sehe ich auch so. Für einigermaßen Fortgeschrittene halte ich gerade diese Herangehensweise für absolut hilfreich. Sie macht es doch tatsächlich mehr über den Klang und zeigt dabei typische Floskeln der Jazzsprache auf. Das ist doch ein absultes Muss für jeden, der sich ernsthaft mit der Jazzsprache beschäftigt.
     
    mzolg gefällt das.
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