Getz it any better?

Dieses Thema im Forum "Musiker / Bands" wurde erstellt von Paul2002, 17.Oktober.2020.

  1. Paul2002

    Paul2002 Ist fast schon zuhause hier

    Soundmäßig liebe ich ja Lester Youngs Sound (im Sinne von Timbre) - vor allem Ende der 30er, Anfang der 40er - sowie Charlie Parker's Artikulation und Dynamik.
    Ich wollte jetzt mal meinen Horizont erweitern, denn der eigene Sound entsteht ja vor allem durch im Unterbewusstsein gespeicherte Ideale, die sich durch das vermehrte Hören anderer Saxophonisten und Instrumentalisten ergeben. So zumindest mein Eindruck.

    Dementsprechend möchte ich intensiv Stan Getz hören, denn ich mag es sehrwie er Töne schief oder jammernd spielt, sein Sound ist schön dunkel und "stuffy", so wie ich es mag. Da kann ich bestimmt viel Freude dran haben und was mitnehmen, dachte ich.

    Leider musste ich jetzt feststellen, dass mir seine meisten Aufnahmen zu modern sind, vor allem seine Sidemen mir zu modern spielen. Da fehlt mir der "laid back junkie beat", wie Hal Galper mal diese Art von Swing beschrieben hat, es hat eine Art Glätte und Härte, die mich zu sehr an Popmusik erinnert (damit meine vor allem die Rhythmusgruppen, mit denen ich ihn bisher so gehört habe).

    Deshalb möchte ich euch bitten, mir eure Lieblingsaufnahmen von Stan Getz hier reinzustellen, wenn es geht, unter der Berücksichtigung meiner eben beschriebenen Vorlieben. Bei dem riesigen Angebot komme ich sonst nicht wirklich weiter.

    Links zu Youtube oder Spotify wären ideal.

    Danke :)!
     
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  2. Rick

    Rick Experte

    Mir gefallen vor allem seine frühen Aufnahmen - da war er ein wahrer "Saxophone Colossus" und auf der Höhe seiner Kraft.
    Hier mal ein Beispiel, eine Live-Aufnahme von 1952; gut zugegebenermaßen nicht gerade "laid back", sondern voll "on the beat", mit einigen Reminiszenzen an Lester Young, hat mich unheimlich beeindruckt und spielerisch mitgeprägt:



    Und hier zum Kontrast seine lyrische Seite, Aufnahme von 1950:

     
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  3. Kristina Shamgunova

    Kristina Shamgunova Kann einfach nicht wegbleiben

    Stan Getz war ein Monster und die Leute vergessen oft dass er auch wirklich schnell spielen konnte




    Hier Getz und Coltrane mit dem Winton Kelly Trio (Paul Chambers und Jimmy Cobb)
    Also wenn diese Rythm Section für dich nicht genug swingt weiß ich auch nicht was ich vorschlagen soll!
     
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  4. Claus

    Claus Moderator

    Aufnahme mit Charlie Byrd, Februar 1962 in einer Kirche in Washington DC:

     
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  5. Claus

    Claus Moderator

    Eigentlich wollte ich die ganze Platte verlinken - die ist hörenswert. Ich glaube aber, die anderen Tracks sind von da aus auch zugänglich.
     
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  6. Rick

    Rick Experte

    Sehr schöne Aufnahmen, danke fürs Verlinken!
    Kleine Ergänzung: Bei "Hackensack" wird Winton Kelly am Klavier von Oscar Peterson abgelöst. ;)
     
  7. Paul2002

    Paul2002 Ist fast schon zuhause hier

    Das sind gute Aufnahmen.
    Ich mag Paul Chambers, aber mit Oscar Peterson (Achtung: Ketzer) kann ich mit aus mir unerfindlichen Gründen recht wenig anfangen.
    Ändert ja nichts daran, dass es tolle Aufnahmen sind, daher bedanke ich mich!
     
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  8. Paul2002

    Paul2002 Ist fast schon zuhause hier

    Das gefällt mir gut. Vor allem der Schlagzeuger auf der zweiten Aufnahme.
     
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  9. Paul2002

    Paul2002 Ist fast schon zuhause hier

    Wow, klasse!
     
  10. Rick

    Rick Experte

    Damit startete offiziell die Bossa-Nova-Begeisterung in den 1960ern.
    Die inzwischen noch berühmteren Aufnahmen mit Astrud Gilberto (sowie natürlich ihrem Mann, Gitarrist und Sänger Joao, und dem Composer himself, Antonio Carlos Jobim, am Klavier), fanden erst viel später statt, nach dem großen Erfolg dieser Platte mit Charlie Byrd.
    :klug:

    Sind sie! :thumbsup:
     
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  11. ppue

    ppue Experte

    Eine meiner Lieblingsplatten anno dazumal.
     
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  12. Maggs

    Maggs Kann einfach nicht wegbleiben

    Stan 1952. Cool man!

     
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  13. Maggs

    Maggs Kann einfach nicht wegbleiben

    Stan and Gary play Bird.

     
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  14. bthebob

    bthebob Ist fast schon zuhause hier

    Sehr schön bei "Hackensack" finde ich das direkte Nebeneinander der "Heros"
    Ob man will oder nicht .... es lädt zum Vergleich ein !
    Und siehe da, hätte ich bis vor kurzem Stan Getz vom Sound her bevorzugt,
    ist es jetzt ganz klar der Coltrane, John !!
    Und was lehrt und das ? Keine Ahnung.
    Finde Getz vom Klang her (nicht technisch) so "altbacken und old school" ....
    Wo ich bei Coltrane "Getriebenheit und Wut" raushöre, die für meine Ohren
    sehr gegenwärtig ist.
    Na ja, kam mir beim Hören grade so in den Sinn.
    VG
     
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  15. Paul2002

    Paul2002 Ist fast schon zuhause hier

    Coltranes Sound ist für mich ohnehin die Musikwerdung des aufklärerischen Wahrheitsdranges.
     
  16. gaga

    gaga Strebt nach Höherem

    Und wie bringst du da die spätere Mystifizierung seines Tuns unter, seine zunehmende Spiritualität/Religiösität, die einige Anhänger sogar zur Kirchengründung animierte? Aufklärung ist irgendwie das Gegenteil.
     
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  17. Paul2002

    Paul2002 Ist fast schon zuhause hier

    Aufklärung allgemein schon, aber das Streben nach einem Wahrheitsbegriff in der Philosophie der Aufklärung weist meines Erachtens deutliche Parallelen zu Coltranes spiritueller Suche nach einer ästhetischen Reinheit auf. Coltrane is ja nicht so in seiner Musik versunken, weil er gesagt hat "Wenn man jeden Tag meditiert und alles um sich herum akzeptiert ist man glücklich", sondern weil er nach etwas gesucht hat, das losgelöst von der menschlichen Existenz existiert und eine Art Ordnung in allem Seienden anleitet. Das war zumindest der Eindruck, den ich aus Interviews gewonnen habe.
     
  18. Rick

    Rick Experte

    Vor allem hört man die unterschiedlichen Soundkonzepte, durch das Equipment deutlich verstärkt: Getz bevorzugt (für ihn) sehr harte Blätter, was einen wenig variablen, "gedeckten", obertonärmeren und leiseren Klang bewirkt, Coltrane hingegen (für ihn) weichere Blätter, wodurch der Klang "plärrender", greller und auch lauter wird.

    Mir erging es genau umgekehrt, für mich passte die Aggressivität von Coltrane überhaupt nicht zu dem musikalischen Setting, ich empfinde sein Spiel hier als unangepasst und störend. Mag aber immer mit der jeweiligen eigenen Befindlichkeit zu tun haben. ;)
     
  19. bthebob

    bthebob Ist fast schon zuhause hier

    @Rick du hast es mal wieder "auf den Punkt" gebracht;)
    Ist auch mein Gedanke gewesen !
    Wollte nur nicht schon wieder über -persönliche Stimmungen- lamentieren.
    VG
     
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  20. Kristina Shamgunova

    Kristina Shamgunova Kann einfach nicht wegbleiben

    Stan Getz in Italien 1961 mit Lou Levy, Ray Brown & Ed Thigpen
     
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