His 'n' Hers - one year on...

Dieses Thema im Forum "Bücher / CDs / Noten / Playalongs" wurde erstellt von Juju, 21.März.2021.

  1. Juju

    Juju Strebt nach Höherem

    Genau ein Jahr ist es her dass wir unser His 'n' Hers Album aufgenommen haben. Der Titel "Los Bandidos Bogarolles" entstand, nachdem ich verzweifelt im Supermarkt auf Klopapiersuche war und die sämtliche Regale, nicht nur die mit dem Klopapier, komplett leergeräumt waren.

    Es ist übrigens ein Contrafact, was Ihr sicherlich gleich erkannt habt!
    Zwei Tage später sind wir hier in UK in unseren ersten Lockdown gegangen, leider viel zu spät.
    Wir haben das Album in der zweiten Jahreshälfte veröffentlicht. Gestern bekamen wir eine Aufstellung der Verkaufszahlen, digital und analog, von unserem Plattenlabel, ich werde jetzt hier keine Zahlen nennen außer einer: Der obige Titel ist über 110000 mal auf Spotify gestreamt worden. Vom Label her wird das Album als "Erfolg" eingestuft. Der finanzielle "Erfolg" ist allerdings so, dass die Einnahmen bei weitem nicht die Ausgaben decken. Und wir können ein Album eine ganze Ecke günstiger produzieren, weil wir ein eigenes Studio haben. Aber selbst dann bleiben noch eine Menge Kosten: Musiker müssen bezahlt werden, CDs, Vinyl, PR Kampagne, das geht in die Tausende.
    Ich hatte nun kein Problem, das Ganze zu finanzieren, da ich noch einen anderen Job habe, ich mache das aus reinem Idealismus und weil es mir einfach Spaß macht, aber ich frage mich wirklich, wie sich das für einen hauptberuflichen Jazzmusiker heutzutage noch lohnen kann? Es ist wirklich völlig demoralisierend, und am schlimmsten ist, dass das Streaming nichts wert ist, zumindest die Musiker verdienen nicht daran. Ich finde über 100000 Streams für Jazz schon eine Leistung, aber von dem Erlös kann man leider nicht leben. Verzichtet man aufs Streaming kann man auch einpacken, weil es sich dann genau gar keiner anhört. CDs kauft kaum noch jemand, Vinyl hat zwar ein Comeback, aber ist so teuer in der Produktion, dass es sich auch nicht rechnet. Ich weiß wirklich nicht weiter, eigentlich sollten wir auf unseren "Erfolg" anstoßen, aber es bleibt der bittere Beigeschmack, dass Jazzmusiker eine aussterbende Spezies sind.

    LG Juju
     
  2. Claus

    Claus Moderator

    Das ist in der Tat bitter. Es hört sich irgendwie an, als würde schon Geld damit verdient, aber nicht unbedingt von den Richtigen....:(
     
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  3. Reference54

    Reference54 Ist fast schon zuhause hier

    Ich bin erst vor ein paar Tagen mal wieder auf folgendes Video von Adam Neely gestoßen. Natürlich findet er da auch keine Patentlösung, er reflektiert eher aus seiner Sicht wie es überhaupt dazu gekommen ist. Adam selbst verdient meines Wissens hauptsächlich über die Youtube Werbeeinahmen, seinen Patreonaccount und mittlerweile auch Sponsoren sein Geld. Das scheint für Teile der jüngeren Generation ein Weg zu sein - guten Content machen (gut ist hier natürlich relativ und an das subjektive Empfinden der jeweiligen Zielgruppe gebunden :rolleyes:) und den an so viele Konsumenten wie möglich verteilen, damit sich die Brotkrumen summieren.

     
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  4. mcschmitz

    mcschmitz Strebt nach Höherem

    Welcher Vertriebsweg ist für den Musiker finanziell besser:
    CD oder Download?
    Bei CDs müssen Herstellung und Versand bezahlt werden. Beim Download fallen Gebühren des Plattformbetreibers an (ausser man regelt das selbst über die eigene Website, aber auch das ist ja Arbeitszeit, die entlohnt werden sollte). Soweit klar, aber was heisst das in Zahlen oder %
    Welchen Vertriebsweg sollte ich als „Konsument“ wählen, damit möglichst viel von der Kohle beim Musiker ankommt und nicht in den Aktiendividenden irgendwelcher Konzerne versickert?
     
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  5. tango61

    tango61 Ist fast schon zuhause hier


    Echt Gute Frage
     
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  6. Jacqueline

    Jacqueline Strebt nach Höherem

    Das ist echt bitter zu lesen und obwohl ich um diesen Umstand weiss streame ich dennoch meine Musik...(Tidal)
    Schande über mich :(

    Neulich habe ich mir tatsächlich CDs gekauft, da es die Musik auf Tidal nicht gab (Dave Brubeck und Bobby Millitello).
    Allerdings gebraucht...
    Das erste Mal, dass ich mir wieder CDs gekauft habe...das letzte war ein Album von den Ärzten und das ist 16 oder 17 Jahre her.

    Ich hatte mich dann gewundert, dass es mp3 Qualität war und war darüber ein bisschen sauer...allerdings ist mir dann ein Licht aufgegangen, da es eine Konzertaufnahme ist.
    Ich denke, dass es damit zusammenhängt..dir Datei wäre sonst zu groß und Studioqualität hat es eh nicht.
    Wäre es allerdings eine mp3 und das als Studioaufnahme wäre ich schon etwas enttäuscht gewesen.
    Warum dann CD?
    Aber ich denke sowas ist eher unüblich.

    Man müsste die Einnahmen durch das Steaming mehr auf die Musiker umlegen.
    Dass es zurück zur CD geht wird vermutlich nicht geschehen.

    Ebenso beobachte ich vermehrt wie Künstler jeglicher Art Content liefern.. (un)freiwillig zu Influencern werden.
    Sei es YouTube, Insta oder Facebook.
    Patreon ist ja auch eine Möglichkeit Geld zu verdienen.
    Eine weitere Plattform ist "Skillshare". Quasi Netflix, anstatt der Serie gibt es Onlinekurse für diverse Sachen von Künstlern, Lifestylern etc

    Wurden die Influencer vor ein paar Jahren noch belächelt guckt man jetzt komisch drein, wenn man sieht was wenige geschafft haben und wie lukrativ das sein kann.

    Ich frage mich wie es da so in 10 Jahren aussieht.
     
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  7. Jacqueline

    Jacqueline Strebt nach Höherem

    Hier, das ist doch einfach krank:



    Vllt bin ich einfach nicht dumm genug...:D:D


    #janböhmermannthebest
     
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  8. monaco

    monaco Ist fast schon zuhause hier

    Kleiner Tipp: Ich habe in letzter Zeit einiges über Bandcamp gekauft, zuletzt ein Album vom Schweizer Saxophonisten Nicolas Masson. Laut Bandcamp sollen 82% der Zahlung (ohne Steuern) beim Künstler ankommen. Ob das zutrifft, weiß ich nicht. Aber es gibt mir ein besseres Gefühl.
     
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  9. GelöschtesMitglied14341

    GelöschtesMitglied14341 Guest

    Streaming ist in unserer kurzlebigen, konsumgeprägten Zeit DAS Mittel der Verbreitung von Musik - leider. Ich mag kein Streaming, da man "Dateien nicht lieben kann" und ich für mein Geld etwas von Wert erwerben möchte, nicht nur die virtuelle Nutzungsrechte an etwas.
    Eine gute Möglichkeit des Verkaufs von körperlich vorhandenen Musikmedien ist vermutlich die bei Konzerten. Ich beobachte (und habe auch schon selber beobachtet), dass nach einem Konzert immer ganz gut Tonträger verkauft werden, insbesondere welche aus Vinyl. Bei Ben Wendel hier in Berlin vor ca. 2 Jahren war das extrem - da musste man Ellenbogen benutzen, um noch ein Album von den 25 mitgebrachten zu bekommen.
    Leider ist z.Z. diese Möglichkeit des Albumverkaufs aber nicht möglich.
     
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  10. TobiS

    TobiS Ist fast schon zuhause hier

    Als Konsument muss ich leider sagen, dass es nichts bequemeres gibt, als das Musik-Abo beim Anbieter meiner Wahl. Warum sollte ich Musik kaufen, wenn ich doch alles auf Abruf zur Verfügung haben kann. Die Erhebung der Streamingzahlen suggeriert mir, dass die Künstler genau nachvollziehen können, wie intensiv Ihre Musik konsumiert wird. Dass daraus eine gerechte Bezahlung resultiert, ergibt sich daraus irgendwie automatisch. Dass die Realität anders aussieht, weiß ich.
    Aber: Kann ich das zum Problem des Konsumenten machen?
    Selbst Populäre Künstler Scheitern doch beim Boykott der großen Plattformen. Die Wettbewerbsplattform Tidal wurde von Künstlern gepusht, und zwischenzeitlich wieder fallen gelassen. Wie soll das dann erst im Jazz funktionieren.

    Muss man also das Medium Tonträger vergessen und sich auf Livemusik konzentrieren?
    Tonträger gibts dann beim Konzert zu kaufen - Ende!
    Aber ob das zum Ziel führt?!
     
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  11. mixokreuzneun

    mixokreuzneun Ist fast schon zuhause hier

    Liebe Juju, so ist es, die Gesellschaft pinkelt uns Künstlern ins Gesicht und bemerkt noch, geht halt was ordentliches arbeiten, lichtscheues Pack.... Aber dann der Anspruch auf Entertainment, bitte höchstes Niveau und das für umme.... LG Andy
     
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  12. TobiS

    TobiS Ist fast schon zuhause hier

    Ah, Nachtrag!
    Ich habe früher viele Tonträger gekauft. Diese wurden im Laufe der Jahre natürlich digitalisiert.
    Dabei hat es mich fürchterlich gestört, dass eine Band, die ich sehr mochte, ihre CDs mit einem sehr guten Kopierschutz ausgestattet hat. Konsequenz für mich: Okay, dann kaufe ich deren CDs halt nicht mehr.
    Konsequenz für die: Ich finde sie heute auf allen gängigen Streamingplattformen.
     
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  13. RollingStone

    RollingStone Nicht zu schüchtern zum Reden

    Da gehöre ich wohl zu den "Altvorderen", da ich immer noch CD's und Vinyl Lp's kaufe.
    Meine Sammlung besteht aus mehreren Tausend Tonträgern und für mich ist es ein ganz anderes Gefühl eine Platte aufzulegen in einem Sessel vor den Boxen zu sitzen und die Musik zu genießen.
    Zum zweiten: Eine LP Hülle mit Fotos und auch die Cd Booklets gehören für mich einfach dazu. Das ist doch Haptisch etwas ganz anderes, und von der Klangqualität ganz zu schweigen.
    Und noch lange gibt es nicht alles im Streaming.
     
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  14. hoschi

    hoschi Strebt nach Höherem

    jajajaja!!!!!!!danke @RollingStone
    hab mir gerade eine neue röhre gegönnt, einen luxman, passend zum mkII und lege gerne deinen platte @Juju auf!
    ein tolles gefühl, platte raus, spieler anstellen, verstärker anstellen, alles dauert, knistert...
    platte drauf, zielen, tonarm runter...flott in den sessel und lauschen.....relaxen...geniessen...wunderbare welt da draussen!
     
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  15. Jacqueline

    Jacqueline Strebt nach Höherem

    Dass Streaming automatisch mp3-Qualität bedeutet ist nicht mehr aktuell. Es gibt jede Menge HiFi-Angebot.

    Wie das verglichen mit LPs ist weiß ich nicht, da ich das Medium nicht kenne.

    Deine anderen Punkte kann ich nachvollziehen. Das hat auch etwas Nostalgisches.
    Ich z.B. mag immernoch keine Kunststoffblätter auf einem Holzblasinstrument spielen...:D

    Aber was das Streaming angeht...ich kenne Musik kaum noch von Datenträgern...auch damals lief viel schon über VIVA, YouTube, Downloads...
    Ich kann mich an meine gekaufte Musik nur in Form von digitalen Namen in einem virtuellen Ordner erinnern.
    Vllt ist der Sprung zum Streaming da nicht weit...

    Das ändert natürlich nichts daran, dass es so wie es ist für die Künstler nicht gut läuft.


    Würde mich auch interessieren...
     
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  16. altoSaxo

    altoSaxo Ist fast schon zuhause hier

    Der anfängliche Vergleich passt nicht: ich kann nicht einen Download eines Songs mit dem Erwerb des Originals eines Meisterwerks von Van Gogh vergleichen, viel eher mit einer Kopie oder der Eintrittskarte, um es im Museum anzuschauen, ähnlich wie man einen Song anhört. Oder umgekehrt müssten zum Download auch die Masters vom Recording und Verwertungsrechte gehören, dann liegen wir auch bei mehr als 1,29 $.
     
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  17. Kohlertfan

    Kohlertfan Ist fast schon zuhause hier

    Der Vergleich mit dem Van Gogh Bild past insofern, dass Van Gogh von den Millionen an seinem Bild ja auch nichts hatte. Verdient haben erst die Anderen nach seinem Tod!
     
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  18. Brille

    Brille Strebt nach Höherem

    Ich lebe das Musikkonsumentenleben anders......
    Streaming Dienste sind mein "Radio". Ebenso YouTube, usw. Gefällt mir was wirklich gut, kauf ich mir häufig die CD.
    Vorteil: Mein "Radio" ist nicht auf die eh schon totgenudelten Nummern limitiert.

    In diesem Sinne
     
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  19. TobiS

    TobiS Ist fast schon zuhause hier

    das klingt für mich so, als würde ich einem playstation5-Gamer vom einfarbigen Gameboy-Display vorschwärmen.
     
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  20. hoschi

    hoschi Strebt nach Höherem

    haben beide ihe darseinsberechtigung....btw, einen gameboy I mit tetris spiele ich immer noch gerne...

    btw, im auto läuft auch streaming, mp3 oder cd...
    eine hd ist verbaut, nebst vielen harman kardon tröten, etc...
    macht auch spaß, aber geniessen kann ich mehr und bessser von vinyl.
     
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