Literatur - musikalische Definition von Tanzstilen

Dieses Thema im Forum "Eigene (musikrelevante) Themen" wurde erstellt von Ralph, 10.November.2019 um 18:47 Uhr.

  1. Ralph

    Ralph Ist fast schon zuhause hier

    Moin zusammen,

    hat jemand eine Idee, wo die Definition von Musik- bzw. Tanzstielen niedergeschrieben bzw. zu finden ist.

    Genauer:
    Ich möchte z.B. einen Tango spielen ... was sollte ich rhythmisch beachten, melodisch, Form, ...

    Ich tanze gerne (Latin und Standard), spiele Sax (sonst wär ich nicht hier),
    mag und spiele Jazz (sonst wär ich nicht hier), tu mich aber manchmal schwer zu beschreiben ...
    ... was ist die Definition einer Rumba (kann man das überhaupt definieren ?)
    ... was ist die Definition eines Tangos, eines ChaChaChas, ...

    Mit Blues als Musikform kann hier sicherlich jeder was anfangen,
    Blues als Tanz gibt es auch, hat mit Bluestonleiter etc. erstmal nicht viel zu tun.

    Jeff Antoniak hat auf seiner Seite gerade den Charlston aufgegriffen,
    sicherlich wird das dem Tanz nicht gerecht, das war aber auch nicht seine Fragestellung ...
    Trotzdem finde ich so etwas inspirierend.

    und ja: ich könnte das aus entsprechenden Stücken raushören, das ist nicht meine Frage, mir geht es um
    gute Literatur / Internetfundstellen / weiterführende Literatur hierzu ...

    Dankbar für Anregungen ...
    Ralph
     
  2. Roland

    Roland Strebt nach Höherem

    Bei "Tanzstiel" denke ich an:

    [​IMG]

    Vielleicht meintest Du ja "Tanzstil". :)

    Grüße
    Roland
     
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  3. gaga

    gaga Ist fast schon zuhause hier

    Nach meinen Erfahrungen musst du vor allem lernen, wie unterschiedlich von Tänzern und Musikern identische Wörter gebraucht werden.

    z.B.: Der Tanz "Blues" ist ein 12/8 in fest definiertem Tempo, hat also mit dem Blues als Musikstil absolut nix zu tun, außer, dass die Wortschöpfer das Klischee des Blues als immer melancholische und langsame Musik vor Augen hatten.

    Ganz krass fand ich mal ein Gespräch in den späten 70ern mit einer jungen Frau, die sagte, dass sie Jazz macht und auch Unterricht gibt. Es dauerte ein ganze Weile, bis ich kapiert hatte, dass sie den damals recht neuen "Jazzdance" meinte, der mit Jazz aber auch gar nix zu tun hat.

    Für die Definition der Standard- und Lateintänze gibt es im Internet auf den einschlägigen Verband- oder Fanseiten sicher viele offizielle Listen mit Tempo, Rhythmus, Tanzschritten und sicher auch oft mit der Entstehungsgeschichte. Ich selber habe viele Jahre mit meiner Band Tanzschul-Abtanzbälle und Wettbewerbe begleitet.
     
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  4. Ralph

    Ralph Ist fast schon zuhause hier

    bringt mich zwar jetzt nicht weiter, trotzdem netter input. thanks.
    :sensatio:
     
  5. Ralph

    Ralph Ist fast schon zuhause hier

    da sich das überschnitten hat: das bezog sich auf @Roland 's post.
     
  6. Ralph

    Ralph Ist fast schon zuhause hier

    @gaga : sehe ich ähnlich.
    Frage trotzdem: wo kann ich nachlesen, wie ein bestimmter Tanz musikalisch
    umzusetzen ist, wie er definert ist, wie man ihn spielen sollte, welche Rhythmen man benutzt, ...
     
  7. Ralph

    Ralph Ist fast schon zuhause hier

    Die Standard-Ausrede wäre hier natürlich die auto-correct-Funktion ;)
     
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  8. gaga

    gaga Ist fast schon zuhause hier

    Einige aus meiner lückenhaften Erinnerung: Langsamer Walzer: Moon River 90 BPM, Slow Fox: Ce si bon, Cha-Cha: Tea for Two, ...

    Abwechslung oder Modernisierung wurde in der Branche übrigens nie belohnt. Sie wollten am liebsten immer die gleichen ollen Kamellen haben.
     
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  9. Ralph

    Ralph Ist fast schon zuhause hier

    Auch der Jazz lebt ja von den ollenKamellen aus den 1920er/30er Jahren. Und schlecht ist das nicht.
     
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  10. gaga

    gaga Ist fast schon zuhause hier

    Für Musiker ist das natürlich bequem und gibt Sicherheit.

    Wir habe es mal "gut gemeint" und einen modernen langsamen Walzer eingeübt, wie immer exaktes Tempo und - wie wir meinten - exakte Betonung. Aber der Chef kam wild fuchtelnd zur Bühne gerannt und nötigte uns zum Abbruch - vor 3000 Gästen. Seitdem immer und immer: LW = Moon River.

    Übrigens: der Jazz lebt nicht von den ollen Kamellen - es ist nur ein Teil des Jazz, und zwar ein toterer Teil.
     
  11. saxhornet

    saxhornet Experte

    Literatur ist mir dazu nicht bekannt und wenn es sie gibt, bringt sie nicht viel. Du kannst das gleiche Stück als Funk, Latin oder Jazztitel spielen und oft ändert sich erstmal nur die Begleitung und ob die Achtel gerade oder geswingt gespielt werden und wie du darüber solierst. Es gibt Bücher in denen werden ganz simple Stile für Begleitungen in bestimmten Stilistiken gezeigt, das ist aber in etwa so aussagekräftig als wenn Du einen Style von Band in a Box oder Ireal App als Beispiel nimmst und meist eher fragwürdig. Und dann muss man noch unterscheiden zwischen dem wie es als Stil konzertant gespielt wird und wenn Du für Tänzer spielen musst, denn das sind vollkommen unterschiedliche Dinge (auch gerade in Bezug aufs Solieren). Gerade bei den Leuten, die in Tanzschulen waren, für die ist es oft notwendig so zu spielen von der Art und vom Tempo, wie die das von den dort genutzten Aufnahmen kennen (gerne CD's die extra dafür produziert wurden) und das ist meist alles andere als schön. Ich spiele öfters zum Swingtanz und erlebe, daß die meist etwas flexibler sind als Leute, die primär Tanzschulmusik gewöhnt sind. Auch bei den Tempi findet man immer wieder andere Angaben. Und von allen Stilen gibt es so viele Variationsmöglichkeiten.......
    Blues, hat Gaga auch schon richtig gesagt, ist vom Tanz mit der Musik nicht in einen Topf zu werfen, die haben nichts gemein.
     
  12. Dsharlz

    Dsharlz Ist fast schon zuhause hier

    Hola Ralph,

    in Bezug auf musikalische Elemente (die vl für eine Definition weiterhelfen) einige afrokubanische Stile betreffend hilft ev das weiter:
    https://www.shermusic.com/0961470194.php das Salsa Guidebook von Rebeca Mauleon,
    da sind z.B. in Kapitel 5 "Rhythmic styles and structures" patterns von Rhythmusgruppenpartituren: Tres, Piano, git, bass, clave, bongos, guiro, maracas
    von: u.a. Son, Cha-cha-cha, Danzon, Mambo, Merengue, Bomba, Guaguanco, Mozambique,...

    sowas gibts auch im
    https://www.helbling.at/?pagename=product&product=S4050
    von Bachträgl (leider auch schon lang verstorben) - sehr zu empfehlen, verwend ich auch regelmässig im Unterricht,
    auf Seite 139 ff: u.a. Batucada, Maracatu, Reggae, Rhumba, Tango,...

    saludos, Dsharlz
     
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  13. gaga

    gaga Ist fast schon zuhause hier

    Hier sind die Tempi der Turniertänze aufgelistet und Herkunft und generelle Ausführung knapp beschrieben.

    Slowfox und Quickstep werden geswingt, der LW wird relativ gerade mit deutlicher Betonung auf der 1 gespielt, aber auf keinen Fall so krass wie der Wiener W., und um Himmels Willen kein Jazzwaltz.

    Es gibt von den einschlägigen Verbänden CDs für die Schulen zu Übungszwecken mit Prototypen der jeweiligen Musik. Die könnte man sich hernehmen und als Musiker analysieren, kopieren, nachempfinden - whatever. Dann hätte man als Turniertanzmusiker eine halbwegs sichere Vorlage.

    Wir haben damals bei kleineren Tanzschulen angefangen, haben "sichere" Stücke aus dem "gediegenen" Programm probiert und hatten dann nach und nach ein für alle Situationen geeignetes Programm. Und dann lief es eben viele Jahre lang nach dem Motto "never change a running system" (peinliche Ausnahme s.o.).

    "Die Herren führen, die Damen lächeln". (Dieser viel zu oft gehörte Spruch hat mir seit meiner eigenen Tanzstunde die ganze Chose immer wieder verleidet)
     
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  14. Livia

    Livia Ist fast schon zuhause hier

  15. ppue

    ppue Experte

    In diesem Büchlein sind auch die gängigen Tanzstile skizziert:

    https://www.booklooker.de/Bücher/Wi...-Tanz-und-Unterhaltungsmusik/id/A02mXaLd01ZZu

    Das ist ein sensationelles Taschenbuch aus DDR-Zeiten, das auf guten 200 Seiten ein allumfassendes musikalisches Wissen vermittelt. Von der Harmonielehre bis hin zur Instrumentenkunde, über Improvisation, Tanzstiel, Hinweise zum Proben, Vortrag, Melodik, Metrik und und und ... ist hier alles zu finden.
     
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  16. matThiaS

    matThiaS Administrator

    Ich habe mir erlaubt, die Threattitel zu korrigieren.
     
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  17. gaga

    gaga Ist fast schon zuhause hier

    Tango als Musik, Tanz, Lebensgefühl ist mitsamt seiner Geschichte und Verbreitung ein Riesending. Tango als Tuniertanz und Tanzschultanz und Tanzvereinstanz ist dagegen eine seeehr reduzierte Angelegenheit mit EINEM Tempo, EINEM Rhythmus und für die meisten Insider am liebsten einem einzigen Titel - z.B. Blue Tango

    Hier sind Empfehlungen einer Tanzschule mit modernen Poptiteln - sie geben sich halt modern. Hier noch eine HP mit Empfehlungen. Tempo und Stilgefühl muss aber exakt stimmen. Es geht eben nicht um Musik, sondern ganz klar NUR um ihre Bewegungsabläufe und wie das AUSSIEHT, nicht wie irgendwas klingt.
     
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  18. gaga

    gaga Ist fast schon zuhause hier

    Wie wenig der Gesellschaftstanz Tango mit der lateinamerikanischen Tangokultur zu tun hat, zeigt sich konkret an den Beispielen der o.g. Tanzschule für CDs, die man zum Üben der Schritte hernehmen kann. Hier kommen zwei "Tangos":



     
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  19. visir

    visir Strebt nach Höherem

    huiii, wie man sieht, hast Du da ein Fass aufgemacht...

    Wie bei vielen Tänzen ist da die Frage:

    Willst Du "Tango Argentino" oder "Welttanzprogramm" - hat Ähnlichkeit, ist aber nicht dasselbe (ich bin selbst Tänzer).
    Welttanzprogramm ist ein bestimmtes Tempo, ansonsten halt ein bisschen "reinhören" in die Charakteristik. Bei Tango geht es um einen relativ "intensiven" Rhythmus. Für Tango Argentino muss man sich wesentlich intensiver damit befassen - traue ich mir keine tiefergehenden Aussagen, dieses Gebiet habe ich (noch) nicht angeschnitten.

    Da kommt es darauf an, wen Du fragst - einen Europäer oder jemand aus der Karibik. Da bekommst Du nämlich VÖLLIG verschiedene Musik präsentiert, die genau nichts miteinander gemeinsam hat. Ein Stichwort dazu: Rumba Yambu.

    Tauche in die Musikgeschichte ein. In jeden einzelnen Tanz, denn jeder ist eine Welt für sich. Da kommt es jetzt natürlich darauf an, wie tief Du rein willst.
    Cha Cha aus dem Welttanzprogramm ist (für mich) dem Ursprung aus der Karibik noch am nächsten.
    (eine grobe zeitliche Reihung: Son - Cha Cha - Mambo - Salsa; Rumba kommt da nicht vor, siehe oben; vom Schritt her ist der Welttanz-Rumba ein langsamer Son, von der Musik ein Bolero)

    kann ich Dir nicht direkt bieten, aber vielleicht helfen meine Gedanken bei der Suche...

    Es wird sicher Literatur geben, die auch was bringt...

    Das stimmt, wird Ralph als Tänzer aber wissen.

    Ob das schön ist, ist eine Frage der Ausführung (mit den Platten von Greger/ Noris/ Strasser kannst Du mich jagen, aber z.B. "Dancelife" liefert ausgezeichnete Tanzmusik), und Art und Tempo ist nun einmal ein Erfordernis des Tanzes. Ja, beim Tanzen (insbesondere Welttanzprogramm) richtet sich die Musik nach dem Tanz. Bei einem "ursprünglicheren" Stil hat sich der Tanz nach der Musik gerichtet, und daher passen sie auf diesem Weg zusammen...

    klingt gut!

    sehr knapp...

    kommt sehr darauf an - unter den LW kenn ich jetzt (bewusst) keinen Jazzwaltz, aber der von Schostakowitsch wird durchaus gerne als "Wiener Walzer" genommen - als der Tanz WW, denn die Musik "Wiener Walzer" hat eine rhythmische Eigenheit, die ihn vom Walzer allgemein unterscheidet.

    Den kenne ich noch krasser von einer Trainerin aus einem Workshop auf Turnier-Niveau: "die Kopfarbeit der Dame beschränkt sich auf 'links' oder 'rechts'". (was ab einer bestimmten Turnierklasse dann auch nicht mehr stimmt)

    stimme ich weitgehend zu, aber nicht so krass. Den genannten Tango "kenne ich", mag im Repertoire von Tanzbands auf Bällen sein, in den Tanzschulen ist das Repertoire aber wesentlich größer: da ist eher La Cumparsita einer der Prototypen für traditionellen Tango, und Libertango einer für Tango Nuevo. Abgesehen von Elektrotango a la Santa Maria von Gotan Project. Und ich könnte auf Anhieb weitere Titel aufzählen, die zum Standardrepertoire gehören. Wenn ich mir die Titel merken könnte. ;)

    Jein zu beidem:
    Tempo kann leicht variieren - je nach Situation. Zum Üben oder für ein schweres Programm darf es langsamer sein, für eine Show muss es das gewünschte Tempo der Auftretenden sein - das kann vor allem beim Jive stark variieren. Aber Auftrittsmusik bringen die Tänzer in der Regel selbst mit.

    Zustimmung zum Text, aber wenn Du diese beiden Stücke in meiner Stamm-Tanzschule auflegst, bekommst Du dort auch "eine aufgelegt", zumindest verbal...
    Allerdings haben wir, als es aktuell war, zu "Kiss" in der Tom-Jones-Version gerne Cha Cha getanzt. Cha Cha ist da aber auch "robuster", jedenfalls in der Tanzschule. In Kuba ist Cha Cha quasi Volksmusik...
     
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  20. Ralph

    Ralph Ist fast schon zuhause hier

    Vielen Dank erstmal für die vielen Inputs,
    bin mich da am durcharbeiten,
    werde auch mal schauen, ob ich das von @ppue empfohlene Büchlein
    bekomme, das schein interessant.

    Wo ich aber schwimme:
    was macht den Tango zum Tango,
    was macht die Rumba zur Rumba etc.

    LW ist einfach: 3/4 Takt, mehr brauchts kaum.
    Wenns schnell ist, ists WW.

    Aber Disco-Fox wird ein 3er Rhythmus auf den 4/4 Takt gespielt,
    klar ist DF leicht erkennbar. Aber wieso ? Weils eigentlich weitgehend melodiefrei ist
    und das 4/4 gestampfe dominiert?

    Im Zweifel kann man alle 4/4 Takter gegeneinander austauschen,
    dann passt das Tempo nicht, geht aber irgendwie.

    Früher hat man in der Musikschule (das ist einige Jahrzehnte her) oft dagestanden, wenn ein neuer Tanz gespielt wurde,
    und sich minutenlang überlegt: welcher Tanz könnte das sein ?.
    Erkennt man heute, Jahre später, problemlos. Aber wieso ?

    Antoniak hat in seinem letzten Video den Charleston auf einen Kern reduziert:
    4/4 Takt, jeweils eine achtel auf 1 sowie 2+.
    Knappe Charakteriesierung, wahrscheinlich etwas kurz gegriffen,
    aber hilfreich.
    Kann man andere Tänze ähnlich einfach characterisieren ?

    Wie spiele ich einen Tanz minimal so, dass er vom Zuhörer erkannt werden kann ?
     
    Rick gefällt das.
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