Ode to a Tenor Titan by Bill Milkowski

Dieses Thema im Forum "Bücher / CDs / Noten / Playalongs" wurde erstellt von Juju, 5.Juni.2022.

  1. Super20Fan

    Super20Fan Kann einfach nicht wegbleiben

    Ich empfinde es in dieser Aufnahme anders. Aber generell sind solche Beschreibungen wie hell/dunkel oder voll/scharf sehr allgemein und jeder empfindet das anders...
     
  2. The Z

    The Z Ist fast schon zuhause hier

    Ich glaub bei der Aufnahme mit dem vermeintlich helleren Klang ist der Mix ein ganz anderer.
     
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  3. Tröto

    Tröto Ist fast schon zuhause hier

    Ich habe Brecker um 1990 zweimal live gehört und beide Male hatte er diesen "Sexy-Brecker-Sound", der m. E. bewusst und absichtlich u.a. dadurch zustande kam, dass das Mikrofon nicht mehr vor, sondern fast schon im Schallbecher hing und am Mischpult vielleicht auch noch ein bisschen in diese Richtung hin gearbeitet wurde.
    Auf allen Studioaufnahmen, die ich mir als CD zu dieser Zeit und in den nachfolgenden Jahren gekauft habe, klingt er deutlich anders, nämlich so, als sei das Ziel beim Abmischen gewesen, das Tenor so natürlich wie möglich klingen zu lassen.
    "Sexy-Brecker-Sound" als Klangbeschreibung klingt zugegebenermaßen ein wenig bescheuert, vielleicht wird aber deutlich, was ich damit ausdrücken wollte, nämlich eine funkig-soulige Klangkonzeption.
    Auch bei später mitgeschnittenen Live-Auftritten ist der Brecker-Sound nicht mehr so "sexy", sondern eher dem CD-Klang angenähert (als Beispiele : Leverkusen 98 oder 99, mit Bruder und WDR-Bigband 2003).
     
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  4. JES

    JES Gehört zum Inventar

    Bin kein Brecker Fan. Mich beeindrucken seine Fähigkeiten, der Sound gefällt mir nicht so...
     
  5. gaga

    gaga Gehört zum Inventar

    In diesem Thread interessiert deine Meinung ausnahmsweise mal niemanden. Halt dich einfach fern. Dies ist ein ausgesprochener Brecker-Fanclub-Thread
     
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  6. JES

    JES Gehört zum Inventar

    Nö, zunächst ging es mal um eine Buchempfehlung.... und in Deutschland herrscht Meinungsfreiheit. Wenn also das Thema schon abdriftet,.... Du musst es nicht lesen.
    Ich habe auch nichts gegen herrn brecker, der bestimmt eine interessante biographie hat und technisch auf dem Saxophon beeindruckt (mich übrigens auch), nur den Sound finde ich nicht gut und seine stücke auch nicht. Ist wie Charlie Parker.
     
  7. Silver

    Silver Strebt nach Höherem

    :cool:
     
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  8. Ton Scott

    Ton Scott Freak

    Wie kann man den Sound von Michael Brecker oder Charlie Parker nicht gut finden?
    Das hat doch nichts mit Geschmack zu tun. Ich mein, ich hör auch nicht täglich Ben Webster oder Scott Hamilton oder Don Byas oder auch David Sanborn, aber das sind alles absolute Könige soundmäßig. Ich würde auch nicht wie Bornkamp klingen wollen, aber der klingt irre gut, da gibt es kein Wenn und Aber.

    @Juju:
    Ich hab vorgestern mit Greg über das Buch gesprochen, stimmt es, dass da so viele Typos drin sind?
    Greg findet den Stil des Autors nicht so prickelnd (wiewohl er das Buch wärmstens empfiehlt), aber wahrscheinlich würde das meinem Englischverständnis sogar entgegenkommen :)

    LIebe Grüße, Ton
     
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  9. Juju

    Juju Strebt nach Höherem

    Ich habe es so schnell gelesen, dass mir das nicht aufgefallen wäre! Evtl würde ich irgendwelche Fehler auch darauf schieben, dass es vielleicht American English ist, was ich persönlich nicht so gut kenne… Also was den Stil angeht zitiert der Autor auch sehr viele verschiedene Personen, inklusive Mike Brecker verbatim. Wenn man mal so das Internet durchforstet, kann man viele der Quellen finden.
    LG Juju
     
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  10. The Z

    The Z Ist fast schon zuhause hier

    Wo kommt er den soundmäßig her? Ich hör da schon viel Coltrane, aber auch Rock- und Bluessounds (da fehlen mir Namen). Ev. Parallelen zu oder Einfluss von Ernie Watts? Gibt das Buch dazu was her?
     
  11. Silver

    Silver Strebt nach Höherem

    Ich bin gerade im dritten Kapitel und finde die - typisch amerikanische - Aneinanderreihung von Namen, Daten, und nochmal das Gleiche etwas ermüdend. Stilistisch liest es sich eher wie ein Aufsatz in der Oberstufe als wie eine Biografie, die von der Synopsis der Quellen lebt (anstatt etwas unreflektiert und grammatisch verschachtelt Quelle an Quelle zu reihen).

    Sprachlich schwankt der Autor zwischen ausgiebig verwendeten „Lieblingswörtern“ (z.B. „galvanizing“ - finde ich in dem verwendeten Zusammenhang eher merkwürdig, aber er liebt dieses Wort!) und, möglicherweise vom Lektor eingestreuten Floskeln, die nicht so recht in den Fluss passen. Und immer wieder länglich und unredigiert wörtliche Zitate. Kein sonderlich zugängliches Buch, bisher.

    Den biographischen Inhalt finde ich dagegen brennend interessant. Viele Bezüge werden deutlich - Trane, King Curtis etc. als Vorbilder, sein Bruder als „Rivale“ im Elternhaus und Pacemaker in NYC, Lehrer und Weggefährten … toll!
     
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  12. gaga

    gaga Gehört zum Inventar

    Das ist seltsam, wenn man sich anschaut, was Milkowsky sein Leben lang gemacht hat. Journalistikstudium und dann schreiben, schreiben, schreiben - u.a. eine vielgerühmte Jaco-Biographie. https://de.wikipedia.org/wiki/Bill_Milkowski
     
  13. Juju

    Juju Strebt nach Höherem

    Silver erwähnte es schon, Coltrane und King Curtis nennt er als die wichtigsten Einflüsse. Wobei er Coltrane am Anfang schrecklich fand, er fand zunächst Paul Desmond klasse. Bei Coltrane brauchte es eine Weile, bis er den Zugang dazu hatte, aber dann hat es wohl "klick" gemacht und er sagt, dass er eindeutig wegen Coltrane zum Profimusiker wurde. Man darf ja nicht vergessen, dass Coltrane zum Zeitpunkt der Brecker Generation noch aktiv war, Brecker hatte ihn selbst live erlebt. Trane's Tod hat eine Schockwelle in der Jazzwelt verursacht. Brecker zitiert auch Wayne Shorter und Joe Henderson als Vorbilder. Sehr traurig die Sache mit Joe Henderson: Henderson kam mit der Popularität von Brecker nicht gut klar (zu einem Zeitpunkt, wo er selbst nicht besonders erfolgreich war) und hatte in einem Interview geäußert, Brecker hätte all seine Licks geklaut und ihn nicht angemessen dafür "credited" (was Henderson aber wohl auch über Coltrane gesagt hatte, insofern konnte man das alles nicht so ganz ernst nehmen), aber Brecker hat sich das so zu Herzen genommen, dass er später bei Takes, wenn er fand, dass er irgendwelche "Hendersonisms" gespielt hatte, neue Takes aufnahm.

    LG Juju
     
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  14. JES

    JES Gehört zum Inventar

    Man kann. Ich finde ihn handwerklich toll, das Ergebnis überzeugt mich nicht. Wie in der Malerei, tolle Pinselführung, tolle Farben und tolles Spiel mit Licht und Schatten, trotzdem spricht mich das fertige Bild nicht an.
     
  15. ufosax

    ufosax Ist fast schon zuhause hier

    Ich habe mir das Buch in der Woche nach seinem Erscheinen als Kindle-Version gekauft, weil Michael Brecker schon sehr viel Platz in meiner eigenen musikalischen Reise einnimmt. Viele der Fakten in dem Buch waren für mich neu, interessant und teilweise schockierend, teilweise anrührend. Von daher war es auf keinen Fall ein Fehlkauf und man muss sich ja schon die Frage stellen, warum es so etwas wie eine Michael Brecker Biografie erst jetzt gibt, im Lichte des Umstandes, welchen Platz er im Saxophon-Pantheon einnimmt. Ich habe ebenfalls die Gelegenheit genutzt, einige angestaubte CDs wieder hervorzukramen und auch auf YouTube Sachen zu hören, die ich vorher noch nicht kannte.

    Vom schriftstellerisch handwerklichen her ist das Buch allerdings eine Frechheit. Insbesondere, da der Autor, den ich vorher nicht kannte, angibt, mit schreiben seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Das bezieht sich sowohl auf Typos, als auch auf die Struktur des Buches sowie die Tatsache, dass geschätzte 80% des Inhalts aus relativ unmotiviert aneinandergestoppelten, aus dem Internetz gezogenen Interviews oder Transkriptionen von YouTube Videos besteht (im wesentlichen der drei langen Masterclasses, die es auf YouTube von Michael Brecker gibt). Gerade der letzte Teil besteht einfach aus völlig willkürlich aneinandergereihten Interviewfetzen. Das ganze sieht aus, wie bei einem Neuntklässler, der mit seinem Referat erst um 23:30 Uhr am Vorabend des Abgabetermins angefangen hat und dann einfach alles, was bei einer Google Such hochkam mit Copy und Paste eingefügt hat. Ein Lektorat gab es für das Buch offenbar nicht.

    Wenn der Herr Milkowski tatsächlich ein Profi-Schreiber ist, kann ihm das gar nicht entgangen sein und ich glaube, er hat den Titel "Ode to a Titan" als Feigenblatt gewählt, hinter dem er sich mit dem Verweis verstecken kann, dass dies letztlich Fanboy-Arbeit sei und sich daher nicht an kritischeren Massstäben messen lassen muss.

    Man kann sich dabei schon auf den Standpunkt stellen, dass es in den 15 Jahren seit seinem, Michael Breckers, Tod offenbar niemand anderer auf sich genommen hat, so ein Buch zu schreiben (was für mich tatsächlich unerklärlich ist) und man daher froh sein sollte, dass es das Buch gibt, sich daran erfreut und fertig.

    Ich finde aber schon, dass es nicht einer gewissen Ironie entbehrt, dass ausgerechnet ein Musiker, der so wahnsinnig hohe Standards an seine eigene handwerkliche Qualität angelegt hat, mit einem solchen Schluderwerk gewürdigt wird.

    Es geht schon auch anders. Ich bin kein grosser Freund von Biografien, habe aber in den letzten Jahren die von Doug Ramsey über Paul Desmond gelesen, die, wie ich finde, sehr gut recherchiert und geschrieben ist. Selbst die offenbar mit Hilfe einer Ghostwriterin verfasste Autobiografie von Herbie Hancock ist vom schriftstellerischen Standpunkt im Vergleich um Klassen besser.

    Wie gesagt, eine tolle bitter-süße Reise in die Vergangenheit ist es sicher, aber irgendwie auch peinlich angesichts der Statur des Objekts des Buchs. Ein Titan hätte sicherlich ein Buch verdient, das eines Titans würdig ist.
     
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  16. Silver

    Silver Strebt nach Höherem

    Die in meinen Augen beste der umfassenden Biographien von Jazz Größen ist die über Theloniuos Monk von Robin D.G. Kelley.

    Der hat aber auch an die 15 Jahre investiert und vieles, was Milkowski einfach billig zusammenkopiert, findet sich dort in sauber aufbereiteten Fußnoten und Literaturverweisen an eine punktgenaue Einordnung gebunden.
    Dicker Wälzer, extrem viel Information, die sonst nirgends zu finden ist und trotzdem gut strukturiert, gut lesbar, in gutem Amerikanisch.
     
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  17. ufosax

    ufosax Ist fast schon zuhause hier

    Ein Herr namens Bret Primack betreibt übrigens unter der Bezeichnung "The Jazz Video Guy" einen YouTube Kanal (und weitere Medienangebote) und hat unter anderem eine Reihe über Michael Brecker gemacht (hier der Link zur Playlist: https://www.youtube.com/playlist?list=PLXD37gO07c3iieKlONadub1ynrPmzLSbE) und im ersten Teil der Serie hat er Herrn Milkowski zu seinem Buch interviewt (ich habs mir aber selbst noch nicht angesehen, weil ich wegen der unterirdischen Qualität des Buchs echt sauer war):

     
  18. ufosax

    ufosax Ist fast schon zuhause hier

    Sorry, habe den Beitrag gerade jetzt erst gesehen. Hätte ich mir meinen im Prinzip sparen können, das fasst es schon ganz gut zusammen.

    Ja, das sehr beschränkte Vokabular ist mir auch aufgefallen. Auf der einen Seite versucht er ständig, uns zu vermitteln, wie vielseitig Brecker war, auf der anderen Seite fallen ihm gerade zwei Phrasen ein, um jedes beliebige Brecker Solo zu beschreiben, mit dem er sich befasst. Entweder

    "Michael digs deep into his King Curtis bag" (alternativ: "dipping into his gutsy King Curtis bag")​

    oder

    "channeling some (late / post) Trane sheets of sound"

    Etwas überspitzt vielleicht, aber insgesamt ist es - ungeachtet der Schwierigkeiten, Musik in Worte zu fassen - für einen Schriftsteller ein eher beschränktes Vokabular. Oder um mal die Analogie zu einem Jazz-Solo zu ziehen: Irgendwie liesst es sich, wie wenn ein Jazz-Saxophonist 64 Chorusse nur Blues Skala spielt und sonst nix.
     
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  19. Otfried

    Otfried Gehört zum Inventar

    Man muss Breckers Spiel nicht mögen, und auch seinen Sound nicht.

    Zugegebenermaßen finde ich es meist zu anstrengend, ihm länger zuzuhören.

    Was mich aber immer wieder an seinem Spiel fasziniert ist die selbst in den wildesten Soli geradezu feinfühlige Nuancierung von Klängen, Artikulation, Phrasierung und musikalischen Ideen.

    Und er konnte technisch aus dem absolut und wie ich finde unerreichtem Vollen schöpfen.

    Nach den Beiträgen hier tue ich mir die Biographie wohl doch nicht an.

    Gruß,
    Otfried
     
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  20. gaga

    gaga Gehört zum Inventar

    Meine ist schon bestellt. Und nach der Motherfuckerautobiographie von Miles Davis haut mich nichts mehr um. Ich bin gespannt.
     
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