Öffentliches Intervall- und Skalentelefonbuch

Dieses Thema im Forum "Improvisation - Harmonielehre" wurde erstellt von Ton Scott, 15.September.2021.

  1. Ton Scott

    Ton Scott Freak

    Moin,

    mir kam gerade die Idee, Intervalle und Skalenausschnitte in verschiedenen Standards oder sonstigen Liedern zusammenzutragen.

    Ein Beispiel: Das tägliche Intervalltraining für heute sei kleine Septimen. Ich übe dieses Intervall nun im Quintfall, und zwar in 4 Richtungen - alles rauf, alles runter, eins rauf eines runter, eines runter eines rauf. Dann suche ich mir zusammen, wo dieses Intervall vorkommt. Das Üben im Zirkel (gegen den Uhrzeigersinn) ist natürlich nicht mal die halbe Miete, weil z.B. in der Bridge von "On the sunny side" - beim II V I das Intervall auf der 11 des Mollseptakkordes runter auf die Quinte geht.
    Anders Beispiel: m7 nach oben wäre auch das Raumschiff-Enterprise-Thema, ich glaube da ist ein m7-Akkord vom Grundton zur Septime, dorische Skale runter, chromatisch auf die Terz.

    Vielleicht auch so nach dem Muster:
    I love your smile, Shanice:
    M2-m7-p4

    (Symbol Pfeil nach oben und unten muss ich noch finden :))

    Die Idee ist nun, alle möglichen Intervalle zusammenzutragen, um auch Sequenzen der Standards üben zu können, ohne sich einen Wolf suchen zu müssen.

    Ich hoffe ich habe mich verständlich ausgedrückt :)

    Cheers, Ton
     
    Zuletzt bearbeitet: 15.September.2021
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  2. slowchange

    slowchange Kann einfach nicht wegbleiben

    Vielleicht nutzt es auch als Eintragung in das geplante "Telefonbuch". Ich hatte mich beim Lesen des Zitates oben nämlich erst gewundert. Für das eigentliche Enterprise-Thema stimmt das natürlich, die Intro davor - also bevor diese hohe Frauenstimme zu singen anfängt - war für mich aber immer die Orientierunghilfe beim Vorhören von zwei Quarten nacheinander.
     
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  3. Ton Scott

    Ton Scott Freak

    Vielleicht wäre es auch sinnvoll, ein youtube Video mit Startpunkt einzufügen.
     
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  4. giuseppe

    giuseppe Ist fast schon zuhause hier

    War die Frauenstimme nicht ein Theremin? Muss auch mal wieder Raumschiff Entenscheiß schauen! :)
     
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  5. Ton Scott

    Ton Scott Freak



    Ein lieber Kollege, der leider schon verstorben ist, war ein Theremin-Meister.
    Er hat mir lustige Sachen erzählt, wie er bei einer Fernsehshow Probleme mit den ganzen Magnetfeldern hatte :)
     
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  6. giuseppe

    giuseppe Ist fast schon zuhause hier

    Ich liebe das Theremin, habe ein paar Schrottige und wollte schon immer ein gescheites. Es ist der Grund warum ich bereue, kein Streichinstrument gelernt zu haben. Dann geht’s glaub ich intuitiver.
     
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  7. Ton Scott

    Ton Scott Freak

    Moin,
    weil ein bisschen Verwirrung herrscht :), danke für die PNs.
    Es ginge um die Verbindung zwischen Akkord/Skala und Melodie.
    Beispiel m6 hier, Akkord G-. Kleine Sexte nach unten von der Terz zur Quinte.
    Ich glaube dass es ein Fehler ist, Melodien und Akkorde getrennt zu lernen und denke, dass miteinander schneller zum Erfolg führt, lasse mich aber belehren :)

     
    Zuletzt bearbeitet: 15.September.2021
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  8. giuseppe

    giuseppe Ist fast schon zuhause hier

    Langsams fange ich an, ein bisschen verstehen. Vielleicht. Ein Katalog von Intervallsprüngen in bekannten und eingängigen Melodien zusätzlich sortiert ihrer Funktion im harmonischen Kontext zu dessen Veranschaulichung?

    Lektion 1 wäre dann "Oh Tannenbaum": Quart hoch, in Dur von 5 auf 1.

    Deine Beispiele sind schon etwas fortgeschrittener. Interessant wird es aber auch wenn der Akkord mit Intervall in einer typischen Funktionsmanier wechselt.
    Einfaches Beispiel: "Only you": 1 von V7 auf 3 von I, mach große Sext.

    Da kannst du dir eine richtige Schreibweise ausdenken. 6+:1/V7-->3/I oder so?

     
  9. visir

    visir Strebt nach Höherem

    Eigentlich OT, aber:

    Ich hab mir einmal eins eingebildet (ich würde sagen: ein gescheites) und sehr schnell gemerkt, wie schwer das zu spielen ist - und seitdem stehts herum...
     
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  10. slowchange

    slowchange Kann einfach nicht wegbleiben

    Verdammt. Ich will auch diesen hervorragenden Thread nicht shreddern und finde die Grundidee sehr gut. Aber ich habe das nochmal gegoogelt. Im Original singt das Loulie Jean Norman (https://de.wikipedia.org/wiki/Loulie_Jean_Norman). Was ein Theremin ist, das wusste ich bisher gar nicht. Wie geil!
     
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  11. giuseppe

    giuseppe Ist fast schon zuhause hier

    Ich weiß (nach wieder nachschauen), aber sie "theremient" es so vorzüglich mit der Stimme und hat so eine Steilvorlage gegeben, die sich bei mir als Theremin in das Musikgedächtnis eingebrannt hat. Und dann wieder zurück zum Telefonverzeichnis...
     
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  12. Ton Scott

    Ton Scott Freak

    My Way, Brazil
    M6 von der Quinte des Durakkordes nach oben auf die Terz.
     
  13. Tafkah

    Tafkah Nicht zu schüchtern zum Reden

    @Ton Scott : Intervalle höre ich, ob ich will oder nicht, immer im harmonischen Kontext, und ich habe gestern mal "aus Spaß" am Tenor F#1 und E2 gespielt and danach Eb1 und Db2. Ich bin sofort bei F#1/E2 im "harmonischen Lockdown", also F#7 (Dominantseptimakkord). Erst wenn ich dazu ein A2 spiele, höre ich (natürlich) F#-7. Wenn ich dann sofort anschließend auf Eb1/Db2 wechsele, höre ich keine Septime mehr, weil mein System (verzweifelt) versucht, den immer noch im Ohr schwebenden F#7 mit den neuen Tönen abzugleichen: Eb (enharmonisch D#) große Sexte und Db (enharmonisch C#).
    Mit anderen Worten: der erste gehörte Ton bei Intervallübungen ist immer "automatisch" die Root. Es wäre natürlich für das Hören und verstehen eine tolle Übung, z.B. F#1 und E2 zu spielen und dabei vorher z.B. E-Dur und den Grundton E "im Hintergrund" zu denken (nicht zu spielen), also F#1/E2 als Rahmenintervall von F#m7 zu hören. Das wäre schon gutes harmonisches "Daumenkino".
    Für mich ist "Giant Steps" nach wie vor ein gutes Beispiel für den immerwährenden Konflikt zwischen Intervall und Akkord bzw. Skala:

    Giant Steps Ausschnitt.jpeg

    Zwei große Terzen im Abstand einer kleinen Terz. Hört man die Terzen? Ich höre da immer in Takt 1 und 2 einen Aj7-Vierklang und in Takt 3 und 4 einen Fj7, ob ich will oder nicht.
    Sind diese beiden j7 in der Komposition intendiert? Mitnichten. Jeder einzelne Ton erhält einen eigenen Akkord, wobei jeweils die beiden ersten Töne Grundtöne, der 3. und 4. Ton eine Terz sind.
    Hier wäre es "großes Kino" beim Spielen in Zeitlupe bei jedem Ton die notierte Harmonie zu hören und auch auszuspielen, also der Komposition und nicht den Ohren zu folgen: Aj7 und Fj7 (eigentlich E#j7) sind nicht zielführend.

    Konklusion: der Konflikt zwischen bloßem Intervall und der (möglichen) zugrunde liegenden Harmonie schläft nie....
     
  14. Ton Scott

    Ton Scott Freak

    Ich würde/muss es spielen. M7 vom Grundton auf Major7 hören ist simpel, im -7b5 von der Quart auf die b5 nach unten schon weniger. Oder im 7#9 von der #9 nach unten auf die Terz. Genau um das ging es mir. Für solche oder ähnliche Beispiele griffige Melodien aus Standards zu finden.
    Da hammers auch schon:
    I Love You - Cole Porter
    m7b5 M7 nach unten 11 auf die b5



    Bitte immer um Korrektur, wenn's nicht richtig ist. Danke.

    Cheers, Ton
     
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  15. Paul2002

    Paul2002 Ist fast schon zuhause hier

    Ich stehe noch sehr auf dem Schlauch, was das System bei der Erstellung des Katalogs angeht. Klingt aber erstmal sinnvoll und spannend.

    Ich wollte aber selbst bald einen Thread starten um für Ära des Classic Jazz einen Motivkatalog mit halb- bis zweitaktigen typischen Motiven/Licks/Klischees zu erstellen, so als Langzeitprojekt.

    Die beiden Sachen kann man sicher auch kombinieren. Allerdings weiß ich nicht, wie man die Phrasen (auch hier) auswählen soll, ohne mehr oder minder willkürlich nach dem eigenen Geschmack vorzugehen.
     
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  16. Tafkah

    Tafkah Nicht zu schüchtern zum Reden

    @Ton Scott: Ja, jetzt habe ich dich hoffentlich verstanden. Das absolute Intervall zu hören findest zu nicht schwierig oder zielführend. Das Intervall innerhalb eines Arpeggios (wie in deinem Beispiel) möchtest du hören und natürlich auch spielen können. Dazu kommt dann aber auch noch der etwas größere Kontext. Auf welcher Stufe taucht z.B. die M7 in deinen Beispielen (-7b5, also Mollseptakkord mit verminderter Quint; 7#9, also Dominantseptakkord mit übermäßiger Sekunde) in einem Arpeggio auf? Da ich meistens grundtonorientiert höre, spielt selbst das noch eine Rolle. Es ist aber auf jeden Fall eine gute Übung und Routine, und ich schau mal, ob ich selbst auf Anhieb Beispiele finde.
     
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  17. Ton Scott

    Ton Scott Freak

    Genau,
    wie oben gesagt.
    Das Ziel wäre, das Intervall innerhalb/im Kontext des Akkordes zu hören.
    Es „fühlt“ sich ja immer anders an.
     
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  18. Tafkah

    Tafkah Nicht zu schüchtern zum Reden

    @Ton Scott : das obige Beispiel mit "I Love You" zeigt mir persönlich, wie ich "ticke" beim Hören: die M7 abwärts zur b5 des m7b5 (in G-Dur also der Sprung abwärts von D nach Eb, der Quinte von A-7b5 (A-C-Eb-G) höre ich subdominantisch, nämlich einen C-6/9 mit den Tönen C-Eb-G-A-D, wobei die 9 dann der Melodieton zu Beginn ist. In meiner Höre wäre es dann der Sprung von der None zur kleinen Terz der Moll-Subdominante.
    Ich höre selten "neutral", vielleicht gelingt es mir besser, wenn der Basston klar heraussticht. Vermutlich dränge ich nach (unzulässiger) Kadenz-Vereinfachung.
    Die Töne von A-7b5 und C-6/9 sind ja bis auf die 9 identisch. Das Intervall M7 ist hier aber sehr prominent von der Stimme herausgearbeitet.
     
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  19. giuseppe

    giuseppe Ist fast schon zuhause hier

    Die Idee hatten schon ein paar andere und haben unterschiedlich zusammengefasst, was sie gefunden haben:

    https://www.amazon.de/Elements-Jazz-Language-Developing-Improvisor/dp/157623875X

    https://www.amazon.de/-/en/Mike-Ste...lding+a+jazz+vocabulary&qid=1631797545&sr=8-3

    Und das sind wahrscheinlich nur 2 von ungezählten Werken, die sich mit sowas befasst haben. Gerade der Coker ist hier sicherlich sehr strukturiert rangegangen und akademisch gesehen ergiebig.
    Zur Umsetzung in der Improvisation ist es wieder was anderes, wenn man nicht selber rausgehört hat und die Klischees ohne Kontext präsentiert werden.
     
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  20. Roland

    Roland Strebt nach Höherem

    SCNR:

    [​IMG]

    Grüße
    Roland
     
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