Restauration eines versilberten Conn 10M Ladyface

Dieses Thema im Forum "Reparatur und Instandhaltung" wurde erstellt von Viper, 3.August.2022 um 12:48 Uhr.

  1. Viper

    Viper Ist fast schon zuhause hier

    Fortuna ließ mich letzten Sonntag auf einem Flohmarkt ein versilbertes Conn 10M Ladyface entdecken.:D
    Nach kurzer üblicher Verhandelprozedur ist es jetzt bei mir zuhause zur Bestandsaufnahme.
    Gesamtansicht2_kl.jpg
    Gesamtansicht3_kl.jpg
    Ladyface_kl.jpg
    Serien-Nr_kl.jpg

    Gem. Seriennummer 312297 müsste es zw. 1944 und 1945 gefertigt worden sein? ...stimmts?

    Auffällig ist die Unkenntlichmachung der amerikanischen Herkunft "Made by C.G.Conn Elkhart USA".
    Kann es sein, dass das wegen "Entartete Musik" im Nationalsozialismus geschehen ist?

    Jetzt schaue ich mir die mechanischen Beschädigungen mal genauer an und bin gespannt, was da so auf mich zukommt.

    Da dies meine erste größere Restauration an einem Saxophon ist, habe ich bestimmt noch eine Menge an Fragen...;)

    Viele Grüße:)
    klaus
     
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  2. Silver

    Silver Ist fast schon zuhause hier

    Wow! Das ist mal ein Flohmarkt-Schnapper.

    Wenn es ein original-versilbertes ist, ist das was ganz Besonderes: die waren extrem selten und sozusagen vor dem Versilbern handverlesen.
    Das Herstelljahr dürfte nach 1945 liegen - 1945 war Kriegswirtschaft, da hat Conn alles gebaut, nur keine Musikinstrumente.

    Die Versilberung des Bechers entspricht in etwa dem originalen blank/matt Schema und die Gravur schein nicht nachversilbert.
    Allerdings wäre bei Original der entfernte Schriftzug genauso blank Messing wie auf dem Korpus bei der Seriennummer.
    Man müsste mal genauer anschauen, wie der Becher aussieht.

    Das Baujahr ist zu spät als dass es irgendetwas mit dem Nationalsozialismus zu tun haben könnte. 1944/45 hatten die andere Probleme...
    Es gibt aber noch ein paar andere Gegenden, in denen "Made in USA" nicht immer gut ankam. Kuba, zum Beispiel. Oder im Ostblock.


    Ich würde bei so einem (vermuteten) Schätzchen überlegen, einen der Top Saxdocs ranzulassen.
    Max Frei hat z.B. mein 10M so gut generalüberholt, dass Toko auch nach sechs oder sieben Jahren fast nichts dran zu tun hat, wenn ich es hin und wieder zu ihm bringe.
     
  3. Sandsax

    Sandsax Strebt nach Höherem

    Glückwunsch!

    Das mit der Unkenntlichkeit der Herkunft ist wirklich interessant.

    Den Erklärungsvorschlag halte ich allerdings für unwahrscheinlich, da es 1945 gebaut wurde, dann erst (wie?) nach Rest-Nazideutschland kommen musste.
    Dort hatte man zu der Zeit wahrscheinlich aber schon ganz andere Probleme.
     
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  4. hoschi

    hoschi Strebt nach Höherem

    glüchwunsch...!
     
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  5. Viper

    Viper Ist fast schon zuhause hier

    Jetzt habe ich mal diese hässlich aufgelötete silbrige Folie mittels kleinem Gasbrenner abgelöst und darunter
    erscheint tatsächlich sofort blankes Messing mit weggeschliffenen Schriftzügen...:(
    Wer macht sowas und warum??:confused:
    Gravur-kl.jpg
     
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  6. fukaR

    fukaR Guest

    Wenn ich nicht schon ein superschönes Conn 10M hätte, wäre ich extrem neidisch.
    So bin ich nur etwas neidisch :D
    Glückwunsch zum Horn.
     
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  7. Sandsax

    Sandsax Strebt nach Höherem

    Etwas ärgerlich ist das schon, spielt dadurch aber natürlich keinen Deut schlechter :-?

    Entweder Du erkennst es als Spuren der besonderen Historie dieses Instruments an, oder Du lässt den Schriftzug nachgravieren und versuchst es danach lokal mit einer Versilberungslotion nachzuarbeiten?
     
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  8. Sax a`la carte

    Sax a`la carte Ist fast schon zuhause hier

    Wow, Glückwunsch, wenn ich wüsste, das man sowas öfter auf einem Flohmarkt entdecken kann, wäre ich ab Morgen ein fleißiger Besucher derselben.
     
  9. Viper

    Viper Ist fast schon zuhause hier

    Danke Dir!:thumbsup: Genauso sehe ich das auch! ...-als historisches Zeitzeugnis;). deshalb werde ich es so lassen.
    Dennoch würde es mich interessieren, warum man die Herkunft verbergen möchte und ob es sowas öfter gibt...:rolleyes:
     
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  10. fukaR

    fukaR Guest

    Yep, vor Corona war ich fleissiger Flohmarkt-Besucher, aber saxophontechnisch habe ich dort nur Schrott zu überhöhten Preisen gesehen - obwohl in Berlin die Auswahl an Flohmärkten ja hoch ist.
    Vermutlich sind hier aber auch entsprechend viele "Jäger" unterwegs.
     
  11. bthebob

    bthebob Ist fast schon zuhause hier

    @Viper
    Was steht auf Bild #1 über dem T ?
    Sind das Reste der alten Gravur oder was Nachträgliches ?

    Erinnert mich flüchtig an kyrilische Buchstaben ?

    VG
     
  12. Viper

    Viper Ist fast schon zuhause hier

    Serien-Nr_gr.jpg

    ...keine Ahnung, dieses Gekritzel kann ich auch nicht entziffern:confused:
    Vielleich hat jemand eine Idee?
    Steht da bei anderen 10Ms auch was?
    Oder nur bei mir?
     
  13. messingblech

    messingblech Schaut nur mal vorbei

    von einem Russen erbeutetes Horn (ev. Diebstahl) von der amerikanischen Armee, mit kaptalistischen beseitigten Spuren, mit Verweildauer in Russland,kyrillische Einbürgerung durch den Spieler, Rückkehr in die ehemalige DDR und auf dem ehemaligen DDR Gebiet auf einem Flohmarkt angeboten.

    ...das wäre mein Angebot
     
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  14. fukaR

    fukaR Guest

    Vielleicht lässt sich ja ein Film mit der Thematik drehen - das amerikanische Kapitalisten-Horn, mit dem Josef Stalin im Hinterzimmer des Kreml heimlich Swing geübt haben. Quasi Connmunismus :D.
     
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  15. antonio

    antonio Gehört zum Inventar

    Irgendwie komisch erscheinen mir die Buchstaben M, T, L. So wie ich das von Conn in Erinnerung habe, wurde da doch eine Art Schrift mit Serifen, oder Füsschen, oder wie man das typografisch genau bezeichnet, verwendet. War das über die Jahre nicht immer gleich?
     
  16. Silver

    Silver Ist fast schon zuhause hier

    Wer und warum bleibt Spekulation.

    Ganz sicher ist es aber ein ab Werk versilbertes 10M. Die Gravur und das blank-Matt Schema sind auf dem neuen Foto eindeutig.
    Damals aus handverlesenen Komponenten zusammengestellt und sehr, sehr selten. Soweit ich weiß, genauso selten wie ein 30M.
    Schau mal hier: https://www.hugjazz.ch/Conn_alle_Modelle.html runterrollen bis zur „10M Silverlady“ und dem Link folgen.

    Nach den Fotos ist, außer den „Radierungen“, alles wesentliche in vorzüglichem Zustand: S-Bogen, Korpus, Becher - alles andere kann man richten und ggf. ersetzen.
    Ich hörte gerüchteweise, das versilberte Horn bei Hugjazz sei für eine Summe weggegangen, für die man auch ein Selmer aus der Zeit bekommen könnte. Also für ein Conn: astronomisch!

    Um so mehr würde ich meine obige Empfehlung wiederholen, das Horn einem Top-Saxdoc zur Überholung zu geben.

    In jedem Fall: herzlichen Glückwunsch zum Horn!
     
    hoschi, Sax a`la carte und Viper gefällt das.
  17. Silver

    Silver Ist fast schon zuhause hier

    Das steht bei allen 10M genau so.


    Guggsdu - so sieht meins aus:

    DDDC6505-7974-4AD4-805F-307E37F50DDC.jpeg
     
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  18. bthebob

    bthebob Ist fast schon zuhause hier

    @Silver
    Spielverderber :D
    Nix da ... geheimsvolle Geschichte oder so.

    Ganz klar die Reste der Original-Gravur.

    Ich kam drauf, weil Dennis Gäbel (T)
    mal ein altes OL Mpc zu verkaufen hatte.

    Da war die Gravur auch völlig zerkratzt.

    War aber alles echt und ein super Teil.
    Soweit ich erinnere, ursprünglich von einem Pro-Spieler aus Moskau.

    VG
     
  19. messingblech

    messingblech Schaut nur mal vorbei


    die Saxophone der Deutschen Luftwaffe wurden auch entnazifiert. in Deutschland wurde das HK entfernt, der Adler durfte bleiben.

    In Amerika ist es ein begehrtes Sammlerstück.

    Die Naked-Lady war ein begehrtes Stück, zum Teil wurde das Motiv NACHTRÄGLICH (auch dilettantisch) eingeritzt.


    Eventuell soll in der SONIC ein Beitrag dazu kommen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 3.August.2022 um 17:48 Uhr
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  20. messingblech

    messingblech Schaut nur mal vorbei

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