Saxschrauberei - Mythos oder einfach nur gutes Handwerk

Dieses Thema im Forum "Saxophone" wurde erstellt von JonSig, 11.Juli.2019.

  1. JonSig

    JonSig Schaut nur mal vorbei

    Ich stelle immer wieder fest das auch hier im Forum viele Stein und Bein auf bestimmte Leute schwören - wie geht Ihr damit um ? Lieber begabter Hobbyschrauber oder hochgelobter Schraubergott? Was darfst kosten und wo liegen die Unterschiede? Viele sagen mir zu bestimmten "Göttern" "geh da bloß nicht hin" und so weiter....
    Ich hatte auch mal Überlegt ein Buch oder sowas wie eine Wissenssammlung zu verfassen?! Inhalt gäbe es ja genug.

    Fragliche Blicke, Jonas.
     
  2. Saxfreundin

    Saxfreundin Ist fast schon zuhause hier

    Meine Erfahrung:
    Nimm jemanden, der Saxophone wirklich liebt und selber spielt.

    War vor 3 Jahren hier in der Nähe in einer Meisterwerkstatt für
    Holzblas- und Blechblasinstrumente. Er baut selber Trompeten,
    liebt Klarinetten, aber keine Saxophone (merkte man an der
    Grob- statt Feinjustierung...).

    Er wird höchstens meine Klarinette, aber nie wieder ein Saxophon
    von mir wiedersehen ;)
     
  3. Dreas

    Dreas Gehört zum Inventar

    Ich glaube das ist wurscht. Es kommt auf‘s (handwerkliche) Können und die Leidenschaft für das Saxophon an.

    CzG

    Dreas
     
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  4. Rick

    Rick Experte

    Meine Saxe wurden jahrzehntelang nur von begabten "Hobbyschraubern" betreut, und zwar zu meiner Zufriedenheit.
    Seit 2008 nehme ich nun die Dienste eines hochgelobten professionellen Sax-Docs in Anspruch, und was soll ich sagen? Gute Arbeit, aber auch kein "Wunderheiler". Aber er hat einfach mehr Erfahrung und die bessere Ausrüstung.
    Und alle sind nur Menschen, keiner kann alles IMMER perfekt machen.

    Aber: Beim Profi habe ich eine gewisse Gewährleistung und juristische Ansprüche, beim Hobbybastler natürlich nicht...
     
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  5. gaga

    gaga Ist fast schon zuhause hier

    Wenn das Schwören der "Vielen" glaubwürdig ist und und die "Vielen" selber glaubwürdig sind, dann hat das was.

    Wenn diese "Vielen" für dich glaubwürdig sind, gehste halt nicht hin. Andererseits muss es ja genügend Leute geben, die "da hingehen",
    sonst gäbe es diesen Nimbus nicht.

    "Wissenssammlung" wird schwierig, ich tippe eher auf Spekulationssammlung. Welches Wissen soll für eine Beurteilung entscheidend sein? Der Preis? Der Nimbus ("Götter")? Die Warteliste? Viel Spaß. Wie viele sind eigentlich "viele"?
     
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  6. last

    last Ist fast schon zuhause hier

    :thumbsup:
     
  7. xcielo

    xcielo Gehört zum Inventar

    Ich war mit meinen Saxophonen schon bei diversen Leuten, einschließlich mir selbst.

    Die Arbeit war durchaus unterschiedlich, entscheidend aber war, dass es in jedem Fall ein iterativer Prozess war, bis das Teil dort war, wo ich es genau haben wollte.

    Also gehe ich jetzt immer zu dem Meister, der in der Nähe ist, mit dem ich gut klar komme, und der auch so langsam weiß, wie ich ticke.

    Und er weiß auch inzwischen, dass ich zu ihm komme. Das schafft eine gute Atmosphäre gegenseitigen Vertrauens.

    Witzig auch, dass ich in dem Betrieb 1981 mein noch heute gespieltes Altsaxophon gekauft habe, und 3 Jahre später das Mundstück dazu, welches auch heute noch mein Favorit ist.

    Allerdings ist der damalige Meister leider längst verstorben.

    Gruß,
    Otfried
     
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  8. elgitano

    elgitano Ist fast schon zuhause hier

    Hallo, als Hobbyschrauber:
    Ich brauche für meine Arbeit bestimmt mehr Zeit als ein Profi. Heisst, der "Kunde" muss Geduld haben. Das kann Wochen, evtl. Monate dauern. Denn die Polster habe ich nicht auf Lager. Zudem ist es ein Hobby, nur an Wochenenden.
    Wenn dann Probleme bei der Überholung auftauchen, habe ich ein Problem. Der Profi weiss was wie gemacht werden muss, hat das passende Werzeug und Erfahrung. Schnell was gerichtet, neu gelötet,........
    Wobei so mancher Hobbyschrauber bestimmt top ausgestattete Werkstätten haben. Alles eine Frage des Interesses und Geldes.
    So mancher Hobbyfotograph lässt Grüssen, oder auch Hobbyfahrer in seinem Lamborgini.
    Dafür habe ich keinen ökonomischen Leistungsdruck. Kann mir beim Polstern (was ich am liebsten mache) Zeit lassen bis es deckt.
    Die letzte Feinjustierung (zweitliebste Tätigkeit) darf ruhig lange dauern, mit verschiedenen Mundstücken kontrolliert (gibt da schon Unterschiede) bis es passt -oder auch nicht.
    Als Handwerker (Tischler) habe ich keine Probleme mit Hobbyhandwerkern, die in meine Werkstatt kommen und was zugeschnitten, ausgehobelt oder ein Profil angeschlagen haben wollen. Die Feinjustierung in der Montage zuhause erledigt er selbst.
    Die Qualität hängt somit in erster Linie vom Wissen und INTERESSE ab, die der Schaffende an deinem Instrument investiert. Und die muss und soll beim Profi, der eine Familie ernähren will/muss, bezahlt werden.
    Glücklich schätzen kann sich, der einen Profi greifbar hat. Er ist ein Teil der Infrastruktur eines Musikers.
    Claus

    Ach, die Infrastruktur will gepflegt werden, Bäcker, Obst und Gemüse, schnell ein Pack Kaffee oder Zucker der fehlt,.........
     
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  9. Florentin

    Florentin Strebt nach Höherem

    Für mich ganz pragmatisch: der "hochgelobte Schraubergott", zu dem ich früher immer gegangen bin, ist mittlerweile so gefragt, dass er Aufträge nur mehr von "handverlesenen" Kunden annimmt ...

    Andere "Profis" hier in der Nähe haben mich nicht überzeugen können. Z.T. schlampig (wenns nichts Grobes ist, machen sie gar nix, kassieren aber trotzdem), z.T. unfreundlich bis unverschämt.

    Begabten Hobbyschrauber habe ich auch keinen, also siehts schlecht aus.

    In meiner Not bin ich zuletzt zu einem Oboenbauer gegangen. Der hat zwar richtig gute Arbeit gemacht, aber auch lang dafür gebraucht und einen stolzen Stundenlohn verlangt.
     
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  10. Wuffy

    Wuffy Gehört zum Inventar

    Schreibe hier nur wenig dazu, es würde ausufern.....

    Frage:
    Warum fing man bereits Ende der 60er Jahre, als junger Bursch und nach ca. 5 Jahre Saxspiel überhaupt schon an, sich mit der Saxschrauberei zu befassen und dies Zug um Zug immer weiter zu intensivieren ?

    Antwort:
    Ein toller Profi hatte mein allererster, heiliges und mit schwerer Ferienarbeit damals finanziertes und fast schon intim geliebtes Keili Spezial nach einem Faschingsunfall durch Fremdeinwirkung bei der (auch noch schweinisch teueren ) Überholung dermassen versaut, dabei verbogen und verstellt, dass ich nur noch geheult habe und Selbstmord und Mordgedanken nahe war.

    Es spielte zwar wieder einigermassen, aber es war nicht mehr meins...als wenn die Seele heraus geschnitten worden wäre.

    In längerer Fummelarbeit, ohne richtige Werkzeuge aber dann selbst alles wieder selbst hingekriegt...... und enorm viel dabei gelernt.

    Eigentlich muss man dem Schicksal bei solchen Erlebnissen sogar dankbar sein...wäre vl. sonst alles anders gekommen.

    Dabei gibt es so viel klasse Profis, die auch ausserhalb des Kommerzgedankes mit viel Leidenschaft zur Sache gehen und die ich auch persönlich kennen lernen und schätzen lernen durfte.

    Gr Wuffy
     
    Zuletzt bearbeitet: 11.Juli.2019
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  11. Lagoona

    Lagoona Ist fast schon zuhause hier

    Ich berichte euch gerne von einer meiner Erfahrungen.
    Vor etwa 10 Jahren bestellte ich mir in den USA
    Ein King Tenor. Es wurde mir von dem sehr namenhaften Verkäufer versichert, dass das Sax gerneralüberholt sei und nichts gemacht werden müsse.
    Der Tag an dem ich es bekam war wie Weihnachten und es spielte ...ok!
    Die nächst Stunde bei meinem Lehrer, er spielt 2 Minuten, dann : toll, aber es deckt nicht!
    Er brachte das Instrument,
    zu seinem Spezialisten und wow! Bestes Sax ever!
    Einige Jahr später kaufte ich ein Rampone Tenor gebraucht in Berlin, Zustand sehr gut.
    Das Sax kam und ich hatte 2 mm Spiel in der Mechanik. Ich schickte es zurück und kaufte es letztendlich
    Nachdem es noch einmal revidiert wurde..

    Hier mein Fazit:
    Es gibt Menschen, die machen ihre Arbeit so gut es irgendwie geht, und wenn es die Butter auf ein Brot schmieren ist.
    Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich viele Jahre zu den „OK“ Typen gezählt habe.
    Durch bestimmte sehr glückliche Umstände im meinem Leben konnte ich in die Section“ mach alles was du machst so gut es geht“ wechseln.
    Es ist egal, was man macht. Beruflich oder privat, wenn man den Willen hat ein perfektes Ergebnis abzuliefern, dann wird man Erfolg haben.
    @ Wuffy, wir kennen uns nicht, aber ich bin mit sicher, dass du genauso denkst, wenn du ein Sax vor dir liegen hast.
    Grüße
     
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  12. last

    last Ist fast schon zuhause hier

    Der Wille alleine wird kaum reichen.

    LG

    @last
     
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  13. saxhornet

    saxhornet Experte

    Werden Saxophonen verschickt, sollte man immer damit rechnen, dass das Horn dann nicht in einem 1A Zustand ist. Beim Transport kann sich so viel verstellen. Ich würde nie ein Horn verschicken oder mir schicken lassen, dann hole ich es lieber persönlich ab.
     
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  14. elgitano

    elgitano Ist fast schon zuhause hier

    eben, bau deine eigene Infrastruktur auf oder pflege deine vorhandene
    Claus
     
  15. Lagoona

    Lagoona Ist fast schon zuhause hier

    Wer den Willen har, der ist auch bereit die Zeit und Energie aufzuwenden, um es zu lernen.
     
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  16. Wuffy

    Wuffy Gehört zum Inventar

    DANKE !

    ....ein sehr zutreffender Satz...aber nicht nur der Wille zählt, sondern auch einiges an diziplinierter und engagierter Arbeit.

    Gr Wuffy
     
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  17. Huuuup

    Huuuup Ist fast schon zuhause hier

    Das ist in der Theorie so ,aber in der praxis ist es etwas schwieriger. Nicht jeder wohnt in der nähe eines guten Saxschraubers, zudem hat man manchmal fast zwei Jahre Wartezeit bis man einen Termin für eine Revision bekommt (selbst erlebt).
    Ich finde es ist auf jeden Fall hilfreich kleinere Sachen inkl. das ein oder andere Polster wechseln selbst machen zu können.Logisch ist allerdings auch das bei komplizierteren Eingriffen die wenigsten von uns (ja es gibt Ausnahmen,siehe Wuffy) einen Armin Weis und Konsorten auch nur ansatzweise das Wasser reichen können
     
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  18. saxhornet

    saxhornet Experte

    Klar ist das doof, wenn man Niemanden in der näheren Umgebung hat, der wirklich gut Reperaturen am Instrument durchführen kann. Das Problem lässt sich aber nicht durch den Postweg lösen, da das Risiko von Schäden oder das sich eieder was verstellt, kaum verhindern lässt.
    Lange Wartezeiten sind mittlerweile überall bei allen besseren Instrumentenbauern üblich und sie sind deutlich länger als früher.

    Leider sind auch bei Topinstrumentenbauern kleine Mängel mal möglich, denn wo Menschen unter Zeitdruck arbeiten, wird auch mal was übersehen oder es werden Fehler gemacht. Gute Instrumentenbauer beheben diese aber ohne zu murren.

    Und Instrumentenbauer mit denen man richtig schlechte Erfahrung gemacht hat, sollte man meiden und Freunde vor diesen warnen.
     
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  19. saxfax

    saxfax Strebt nach Höherem

    Um die Eingangsfrage "Saxschrauberei - Mythos oder einfach nur gutes Handwerk" von @JonSig zu beantworten:

    Gute "Saxschrauberei" ist kein Mythos sondern schlicht gutes Handwerk, zu dem neben einer entsprechenden Ausbildung auch Leidenschaft, Ausdauer und Sorgfalt gehören - und die entsprechenden Kunden, die auch bereit sind das zu bezahlen.

    Natürlich gibt es auch gute Hobbyschrauber, aber die haben dann auch die o.g. Eigenschaften. Leider habe ich diverse Hobbyschrauber kennenlernen dürfen, die zwar bis zu einem gewissen Punkt gut sind, aber sich überschätzen und ihre Grenzen nicht kennen. Auch bei manchen, die im Netz oder Auktionshäusern regelmäßig anbieten ist Vorsicht angebracht.

    Ich gehe immer direkt zu meinem Saxdoc und würde keine Umwege gehen, also das Sax zu einem Händler bringen, der die Reparatur nicht selber macht.
     
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  20. Gaivota

    Gaivota Ist fast schon zuhause hier

    Auch wenn du wiederholt darauf hinweist, würde ich das gerne ein wenig relativieren.
    Was glaubst du wie die Instrumente zum Händler kommen? Die werden in aller Regel nicht vor Ort gebaut. Zwar mitunter feinjustiert, aber da geht es nicht um Sachen die durch unsachgemäßen Transport entstanden sein können sondern um offensichtliche kleinere Mängel ab Werk.
    Wir bekommen auch aufgrund unserer Vermietung regelmäßig neue Instrumente ins Haus. Ein erkennbarer Transportschaden war in den knapp 10 Jahren in denen ich das mache nicht darunter.
    Es handelt sich aber auch um Markeninstrumente mit brauchbaren Koffern und nicht um Chinamüll der 10cm Spiel im Case hat.
    Die Klappen sind durch Korkstückchen gesichert, ansonsten gibt es bis auf eine "Papp-Verrutschsicherung" im Umkarton keine weiteren Polsterungen.
    Das ist dann offensichtlich auch ausreichend, den die Instrumente sind mit Sicherheit weit gereist.
    Wenn es der Kunde wie auch die Werkstatt schafft, das Sax halbwegs vernünftig zu verpacken würde ich mir über den Postweg gar keine Sorgen machen.

    VG
    Jens
     
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