Transkribiert Ihr? Wenn ja, was?

Dieses Thema im Forum "Improvisation - Harmonielehre" wurde erstellt von jazzwoman, 30.März.2018.

  1. jazzwoman

    jazzwoman Strebt nach Höherem

    Hallo Leute,
    Ich hatte in dreifacher hinsicht Glück mit meinen Lehrern:
    der erste Lehrer entfachte in mir die Liebe zum Jazz. Vorher hatte ich null Ahnung vom Jazz und seiner Existenz. Der zweite Lehrer machte mit mir ein Tonleiterstudium, dass mir nur so schwindlig wurde. Der dritte Lehrer hingegen zeigte mir, wie wichtig das Transkribieren ist, um die Jazzsprache zu erlernen.
    Wie die meisten wissen, geht es deshalb auch in meinem Jahreskurs "Die 12 Jazzstandards" neben Harmonielehre ums Hören und Transkribieren. Heute morgen habe ich als Unterrichtsvorbereitung diese beiden Chorusse über "the preacher" herausgehört und (auswendig, klar) mitgespielt (zwar noch nicht ganz rund, aber ich habe es in den Fingern und im Ohr). Das geht inzwischen echt superfix. Wichtig ist nicht nur das Heraushören, sondern besonders auch das Arbeiten mit den Phrasen im Anschluss. Mit meiner jüngsten Schülerin werde ich diesen Titel machen. Sie ist 14 Jahre alt, spielt seit 2 Jahren Saxophon und liebt Jazz und Improvisieren :) Transkribieren ist für mich persönlich der Königsweg, die Jazzsprache zu erlernen. Und die Kleene macht das echt klasse. Das Solo stammt im Übrigen aus einem der Lehrbücher "Approaching the Standards". Sehr zu empfehlen, wenn man damit anfangen will.
    Frage in die Runde - wer macht so etwas?/ im Unterricht? Was habt Ihr schon alles transkribiert?

     
    Zuletzt bearbeitet: 30.März.2018
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  2. ppue

    ppue Experte

    Eine klitzekleine Auswahl von dem, was ich schon alles heraus gehört habe findest du hier: http://www.solosax.de/
     
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  3. Werner

    Werner Strebt nach Höherem

    . . . ich kopiere relativ regelmässig Soli bzw kurze Teile daraus, ein paar Minuten pro Sitzung, vielleicht 5 bis 30 Min, wenn es mal lang ist.
    Die Töne spiele ich der Einfachheit halber auf dem keyboard mit. Ich schreibe das nicht auf, und analysiere auch nicht gross harmonisch oä, abgesehen davon, das ich oft spontan verstehe, was da harmonisch passiert. Und schon gar nicht versuche ich das Rausgehörte bewusst in mein solieren zu integrieren.
    Es ist ein bischen wie lange Töne oder sonstige Technikübungen etc, es hält die jeweiligen Fähigkeiten frisch. Beim Raushören ist es das Identifizieren von Gehörtem, was dann beim Solieren mir eben hilft, meine innerlichen Töne zu identifizieren, sprich, ich kriege meine Ideen leichter auf das Instrument. Insofern ist es für mich eher zweitrangig, was ich raushöre. Es geht nur um die Aufmerksamkeit auf dem Wahrnehmen und Identifizieren von Tönen und Rhythmen. -
    Wenn eine Melodie etwas verzwickt ist, erlebe ich manchmal den Effekt, das ich beim Hören entweder nur die Melodie höre, und das Metrum, die Form verliere, oder umgekehrt. Mit Geduld und immer wieder probieren gibt es den spannenden Moment, wo das zusammenwächst, und beides gleichzeitig da ist. Das ist sehr befriedigend. Ich habe auch festgestellt, das sich Formsicherheit und Timing festigt durch Raushören. also auch bei etwas wilderem Spiel bleibt das Empfinden sicherer, wo ich gerade bin.





    http://swing-jazz-berlin.de/
     
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  4. jazzwoman

    jazzwoman Strebt nach Höherem

    Keiner hier, der noch transkribiert? Machen jazzfreudige Spieler so etwas nicht im Unterricht? Es interessiert mich wirklich...
    Schönen Abend!
     
  5. jabosax

    jabosax Ist fast schon zuhause hier

    Hallo @jazzwoman ,

    ich probiere es ab und zu, aber da ich mich sehr schwer damit tue und die Zeit knapp ist,mache ich es nicht. Es kommt keine Übung auf...

    LG Jabo
     
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  6. RomBl

    RomBl Strebt nach Höherem

    Ich bin über die Ostertage gerade an Dexter Gordons "Second Balcony Jump" - mal schauen, wie weit ich komme bis Montag :cool:
    Im Unterricht machen wir so etwas nicht explizit. Wenn wir ein neues Stück machen, höre ich mir aber diverse Soli an um zu schauen, was die Konkurrenz so treibt :rolleyes:. Da höre ich mir i.d.R. einzelne Phrasen raus und versuche diese dann in mein Solo einzubauen.
     
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  7. Huuuup

    Huuuup Ist fast schon zuhause hier

    Ich mache das regelmäßig,zb Charly Parker. Es hilft mir Abläufe zu verstehen
     
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  8. jazzwoman

    jazzwoman Strebt nach Höherem

    Mit welchem Stück hast Du begonnen? Weißt Du das noch?
     
  9. Sax-o-K

    Sax-o-K Schaut öfter mal vorbei

    Ich hab im Unterricht für meine kleine Band "Sandman" von Kirsty McGee geübt, bzw. die Fill-ins und das Solo, das im Original die Klarinette spielt.
    Dies ist es:


    Diese kleinen Passagen habe ich auch ca. bis zur Liedhälfte transkribiert. Aus mehreren Gründen:
    F-Moll bzw. As-Dur in die Finger bekommen.
    Triller üben.
    Noten schreiben - darin ein bisschen Routine bekommen, und transponieren.
    Transkribieren.
    Rausfinden: was macht die Klarinette da eigentlich die ganze Zeit? Um es nach der Hälfte sein zu lassen (mit dem Transkribieren) und es selbst zu probieren: nachgemacht, selbst improvisiert. Besser geht immer, aber der Anfang ist gemacht.

    Mit der Band klappt das Lied auch viel besser jetzt. :)
     
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  10. TootSweet

    TootSweet Ist fast schon zuhause hier

    Ich mache das immer öfters. Früher habe ich ganze Solis mit einer Software (Transcribe!) verlangsamt transkribiert, schriftlich notiert und dann versucht, so genau wie möglich zu spielen. Das hat mir aber nicht sehr viel gebraucht, genauer gesagt, ich hatte nicht das Gefühl, dass sich mit dieser Methode viel in meinen Improvisationen niederschlägt.

    Seit ein paar Jahren nehme ich mir ziemlich regelmässig (leider nicht regelmässig genug ...) einige Stellen von Themen oder Solis vor, die mir besonders gut gefallen, und versuche sie in Echtzeit mitzuspielen. Dabei benutze ich auf dem Computer Transcribe! und mit dem iPhone AnyTune Pro und loope die entsprechenden Stellen so lang, bis ich sie richtig höre und möglichst genau, mit allen Nuancen, mitspielen kann. Ich konzentriere mich dabei auf zwei, drei Stellen und versuche erst gar nicht, das ganze Solo zu transkribieren. Wenn mir etwas gut gefällt, so schaue ich mir an, in welchem harmonischen Zusammenhang es steht und wo man es also auch verwenden kann. Dann transponiere ich das Element nach Gehör in alle Tonarten.

    Es geht ja eigentlich darum, das eigene Vokabular zu vergrössern. Die oben erwähnte Weise scheint mir persönlich dazu ein sinnvoller Weg. Mir macht es viel Spass, sozusagen in die Haut (oder das Hirn?) von Charlie Parker, Cannonball, Jackie McLean, Art Pepper oder Dick Oatts zu schlüpfen!
     
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  11. Sax-o-K

    Sax-o-K Schaut öfter mal vorbei

    Transcribe! nutze ich auch zum Raushören und alles Mögliche in gewünschtem Tempo mitspielen, finde ich sehr praktisch.
     
  12. RomBl

    RomBl Strebt nach Höherem

    Transcibe! nutze ich auch.
    War ne gute Investition.

    Für das iPad habe ich mir das kostenlose Transcribe+ runtergeladen. Mal schauen, wie das funktioniert.
     
  13. Claus

    Claus Moderator

    Ich würde gerne die Frage im threadtitel etwas erweitern:

    Wie transkribiert Ihr?

    Tön raushören, aufschreiben, nächsten Tön raushören, aufschreiben....?

    Oder wie macht man es effektiv?
     
    Zuletzt bearbeitet: 1.April.2018
  14. Ton Scott

    Ton Scott Freak

    Ich kann Dir nicht sagen, wie man es macht, das wird auch unterschiedlich sein.
    Ich hör mir Fragmente an, vergleiche sie mit der internen Datenbank und spiel es/schreibe es auf. Oder höre darauf, welche Funktion oder welchen Sound der Start- oder Zielton in dem gerade klingenden Akkord hat.

    Cheers, T.S.
     
  15. TootSweet

    TootSweet Ist fast schon zuhause hier

    Ich höre mir eine kurze Phrase solange in realer Geschwindigkeit an, bis ich einigermassen mitsingen kann. Dann versuche ich ich sie auf dem Saxophon mitzuspielen, möglichst auch in Echtzeit. Wenn das geht, hänge ich die nächste kurze Phrase dran, gleiches Prozedere. Ich notiere die Sachen selten, weil ich gemerkt habe, dass ich kaum auf sie zurückgreife.
     
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  16. RomBl

    RomBl Strebt nach Höherem

    Phrasenweise.
    Phrase in Transcribe markieren, dann in einer Schleife solange hören, bis ich sie spielen kann.
    Phrasen oder Patterns, die mir gut gefallen, schreibe ich in mein Lick-Büchlein.

    Ganze Chorusse versuche ich im Hirn zu behalten. Das funktioniert bei rausgehörten Sachen ganz gut. Vom Blatt lerne ich recht schlecht auswendig.
     
  17. Sax-o-K

    Sax-o-K Schaut öfter mal vorbei

    Das mache ich auch so.

    Ich schreib ganz gern was auf. Per Hand auf Noten-Papier, aber auch in MuseScore, so übe ich mich damit und ich kann anhören, ob das, was ich aufgeschrieben habe, tatsächlich das ist, was ich meinte. Wenn ich solche Phrasen später irgendwo aufgeschrieben sehe, erkenne ich sie schneller, bilde ich mir ein.
     
  18. ppue

    ppue Experte

    Die Effektivität liegt wohl in der Übung. Ich mache es zumeist nur im Kopf.

    Die Tonhöhe ist seltenst das Problem, eher die Art, es rhythmisch zu notieren. Macht man es zu genau, dann ist der Notentext nicht zu lesen. Macht man es lax, ist es nicht das Gespielte. Es gilt, die ursprüngliche Intention des Improvisierenden, zu erhaschen.
     
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  19. jazzwoman

    jazzwoman Strebt nach Höherem

    Schön formuliert.
    Ich schreibe es ganz selten auf. Alles, was ich transkribiere, kommt an Daten in einen extra Ordner. Da kann ich dann immer wieder drauf zugreifen.

    Wie? Singen ist ganz wunderbar. Mit der Zeit wirst du merken, dass selbst das irgendwann nicht mehr nötig ist.

    Ich zerlege das Solo in einzelne Phrasen (im Kopf), spiele sie auch in anderen Kontexten. Wenn es mehr Chorusse sind, dann tausche ich die Phrasen untereinander gerne aus und verbinde sie spontan - ändere sie beim Spiel ab, damit es passt. Kurz, ich versuche, kreativ mit dem Material zu arbeiten.
    Das Wichtigste ist dabei für mich das Spielgefühl. Ich kann es kaum in Worte fassen. Nahezu autistische Züge mag es haben, wenn ich mich immer wieder mit einer Phrase und deren Abwandlungen beschäftige. Wie gesagt, es geht mir mittlerweile vornehmlich um das Spielgefühl bei unterschiedlichen harmonischen Kontexten und um den Ablauf meiner Finger, also wie meine Finger Noten miteinander verbinden, als um die Phrase selbst.

    Ein paar Beispiele von euch wären schon noch ganz schön. Ich habe neulich den Chorus von Charlie Rousse zu Honeysuckle Rose herausgehört und festgestellt, dass er vornehmlich nur eine Phrase spielt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 2.April.2018
    Rick und ziekonio gefällt das.
  20. Jacqueline

    Jacqueline Ist fast schon zuhause hier

    Was bedeutet denn Transkribieren? (Nach)Spielen nach Gehör?
     
    djings gefällt das.
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