Verfallsdatum bei den Blättern?

Dieses Thema im Forum "Mundstücke / Blätter" wurde erstellt von ReneSax, 9.August.2019.

  1. ReneSax

    ReneSax Ist fast schon zuhause hier

    Neulich hatte ich eine alte Packung RICO-Reeds in den Händen.

    Da fragte ich mich ob die Elastizität und Spielbarkeit der Blätter mit den Jahren abnimmt?

    Ich habe z.B. eine kleine Kiste mit Blättern die ich mal probiert und dann weggelegt habe. Da liegen sie nun seit Jahren ungespeilt umher.
    Oder: Wer sich ein altes Horn kauft findet ab und an ein paar ungespielter Blätter mit im Koffer. Könnte man die Blätter nach Jahrzehnten noch uneingeschränkt nutzen?

    Hat jemand beobachtet ob die Spielbarkeit der Blätter mit den Jahren der Lagerung abnimmt weil das Holz altert und daher sich seine Eigenschaften ändern?

    Viele Grüße

    René
     
  2. ToMu

    ToMu Strebt nach Höherem

    schöne frage.

    die restfeuchte nimmt auf jeden fall ab. zum einen gewollt zum anderen eben nicht.
    dürfte eine frage der lagerungsART sein.

    mal schauen was die absoluten spezialisten sagen ( ich hab da einige im sinn :) )
     
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  3. quax

    quax Strebt nach Höherem

    Empfehle die Methode: "Eingemachtes".
    = Aufmachen und vorsichtig probieren.
    LG quax
     
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  4. Bernd

    Bernd Gehört zum Inventar

    Bin gespannt auf die Antworten der Profis.
    Ich als späteingestiegener Hobbysaxer habe einmal über eBay ein Schnäppchen mit uralten La Voz Medium Hard Tenorblättern (die mit dem grünen Aufdruck) gemacht.
    Auf meinem Hauptmundstück (Theo Wanne Brahma 7* HR) haben die überhaupt nicht funktioniert und ich habe Blatt nach Blatt nach kurzer Probezeit entsorgt.
    2 Packungen habe ich ungeöffnet noch ein paar Jahre in der Schublade gelagert.

    Auf der Suche nach dem optimalen Blatt für mein voriges Jahr erworbenes Jody Jazz Giant habe ich auch eine Packung dieser uralten Blätter geöffnet.
    Es sind die besten Blätter, die ich mir für dieses Mundstück vorstellen kann. Einfach großartig.
    Neue La Voz funktionieren längst nicht so gut auf dem Giant.....

    Was sagt mir das? Es kommt darauf an..... :)
     
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  5. Sandsax

    Sandsax Strebt nach Höherem

    Meine bescheidene Erfahrung sagt mir, dass sie mit der Zeit nicht schlechter werden, gefühlt, oder vielleicht auch eingebildet, eher besser.

    Die Restfeuchte bestimmt sich irgendwann allein über die Umgebungsluftfeuchtigkeit; können ja schlecht trockener oder feuchter werden...
     
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  6. ReneSax

    ReneSax Ist fast schon zuhause hier

    Leider hatte ich noch nicht die Gelegenheit dazu über 50 Jahre alter Blätter zu "probieren". Eine Saxophon-Kollegin schleppte mal eine uralt Packung RICO-Reeds an, aber die wollte sie nicht weggeben.
    Ansonsten sieht man ungeöffnete Uralt-Packungen ab und an auf ebay oder bei andern Leuten die Vintage-Kannen gekauft haben.

    Vielleicht sollte ich mal in der elektronischen Bucht ein paar Oldies schießen... Hauptsache die wurden noch nicht gespielt :hungover:
     
    Zuletzt bearbeitet: 9.August.2019
  7. ReneSax

    ReneSax Ist fast schon zuhause hier

    Das stimmt. Lagert die Packung zusammen mit der Kanne irgendwo auf dem belüfteten Dachboden dann dürften irgendwann das Blatt samt Saxophon hin sein. Letzteres kann man GÜ...
    Ich meinte aber die Blätter die irgendwo im Saxophonkoffer jahrzehnte schlummern der irgendwo in "normaler" Umgebung aufbewahrt wird. Die Luftfeuchtigkeit in den Räumen ist im Schnitt je nach Jahreszeit 40% ...65% und das sollte kaum Einfluss haben.
     
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  8. ppue

    ppue Experte

    Ich habe nicht den Eindruck, dass völlig ausgetrocknete Blätter leiden. Wozu brauchen sie Restfeuchte?
     
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  9. ToMu

    ToMu Strebt nach Höherem

    denke es wäre gut wenn man sich mit dem begriff "restfeuchte" beschäftigt.
     
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  10. quax

    quax Strebt nach Höherem

    Solange die keine Risse haben...
    Entweder sie berappeln sich beim Anspiele und Quellen oder es gibt Kaminholz. Was soll's.
     
  11. Dabird

    Dabird Ist fast schon zuhause hier

    @Bernd, seit die LaVoz Blätter anderen Stempel haben (nicht mehr den grünen Aufdruck) und andere Packung, haben sich die Blätter geändert.
    Kann Zufall der anderen Ernte sein, allerdings sind alle grün gelabelten Blätter definitiv anders, auch zeitnah aneinander liegende. Das hat mit dem Alter in diesem Fall nichts zu tun. Hatte wegen einem Mundstück auch gerne die alte Version, Sachsin hatte mir dann noch mit einem Fundus geholfen.
    Jetzt lagern die grünen und altern in Würde, da ich das MPC nicht mehr habe.
    LG, db
     
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  12. mcschmitz

    mcschmitz Ist fast schon zuhause hier

    Als Holzwurm kann ich zum Thema Restfeuchte sagen:
    Wenn das Holz (oder Reed) einmal getrocknet ist - was bei den dünnen Blättchen eine Sache von Tagen sein dürfte - regelt sich die Holzfeuchte nach der Luftfeuchtigkeit. Ist die hoch, wird das Holz feuchter, ist sie niedrig wird‘s trockener. Die Lagerdauer ist bei so dünnem Material für die Feuchte unerheblich
     
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  13. ReneSax

    ReneSax Ist fast schon zuhause hier

    Ja, Holz ist ja hygroskopisch. Und wenn es nicht extrem schwankenden Bedingungen ausgesetzt ist dann überdauert Holz Jahrhunderte.
    Der Hintergrund meiner Frage ist der: In den verholzten Zellen vom Holz befindet sich auch noch Harz u.a. Stoffe. Die härten mit den Jahren aus. Wenn nach z.B. 50 Jahren solch dünnes Holzblatt in, nun doch für Holz, extreme Schwingungen versetzt wird, was passiert dann? Wird das Harz wieder geschmeidig und das Reed kann, wieder reaktiviert, genau so belastet werden wie ein frisches Blatt? Hält es dann auch so lange oder ist es nach kurzer Zeit unbrauchbar? Dem eigentlichen Holz ist es egal wann es wieder im Mund feucht wird, aber was passiert nach so vielen Jahren im Holz wenn es schwingt?
     
  14. Huuuup

    Huuuup Ist fast schon zuhause hier

    Ihr redet hier immer von Holz ? Saxophonblätter bestehen aber doch nicht aus Holz
     
  15. elgitano

    elgitano Ist fast schon zuhause hier

    genau wird es wohl keiner wissen. Holz wird mir der Zeit spröder und verliert das schnelle Aufnehmen und Abgeben von Holzfeuchte. Auch das Blatt dürfte ruhiger werden.
    Gefühlt: Alte Blätter werden härter, lassen sich aber einspielen.
    Ob besser als neue sind Mutmassungen, denn alte Blätter haben oftmals einen anderen Schnitt, eben für die alten Mundstücke, die meines Erachtens in aller Regel eine andere Bahn haben (kann aber auch Verschleiss sein).
    Heute habe ich das Gefühl alles es standartisierter, Vom Blatt bis zum Horn, alles austauschbar und passt irgendwie.
    Bei den alten Instrumenten sucht man erst das passende Mundstück und geht dann auf Blattsuche, bis man was gefunden hat, das nach Bearbeitung passt.

    Claus
     
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  16. ReneSax

    ReneSax Ist fast schon zuhause hier

    Darauf habe ich schon gewartet :D

    Zitat Wikipedia:
    "Das Pfahlrohr (Arundo donax), auch Riesenschilf oder Spanisches Rohr genannt,...die Sprossachse ist einfach, aufrecht, mehr oder weniger verholzt und..."

    Ich habe es doch nur gaaaanz einfach ausgedrückt als "Holz" bezeichnet. Schließlich ging es nicht um 120%ige korrekte Benennung sondern nur darum, ob jahrzehnte lang gelagerte Reeds genauso belastbar sind wie neu gekaufte.

    Das mutmaße ich ebenso. Vielleicht weil die Harze aushärten?? Fraglich wäre ob die Geschmeidigkeit auf Dauer zurückkehrt.

    Es hätte sein können jemand war, genau wie ich, neugierig hat mal solche "Mumien" ausprobiert. :-?
     
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  17. Bernd

    Bernd Gehört zum Inventar

    Spätestens hier hätte ich einen Kommentar von @kokisax erwartet.
     
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  18. elgitano

    elgitano Ist fast schon zuhause hier

    [QUOTE="ReneSax, post: 533206, member: 5807"


    Es hätte sein können jemand war, genau wie ich, neugierig hat mal solche "Mumien" ausprobiert. :-?[/QUOTE]

    Ich habe solche alten Mumien , in aller Regel beim Kauf eines alten Instrumentes. Unter Anderen bei einem King c-mel, denke es war fast nur mal angespielt. Erste Polster noch wie neu. Nirgends abgegriffen, mit orginalem Mundstück und Blätter. Aber wie definiere ich diese 2,5 Blätter, finde sie in keiner Vergleichtabelle ;). Alte Blätter sind häufig konisch an der Blattauflage geschnitten, manchmal sogar abgefast und mit mehreren Nuten auf der Oberseite.
    Und ja, ich habe sie angespielt, manchmal sogar mit Lippenstift-Resten, und nein, ich ekel mich nicht davor. Ich ekel mich auch nicht davor aus einem anderen Glas den Wein zu probieren.
    Aber diese alten Blätter bewerten, meist auch nur angespielt, fällt mir dann doch schwer.
    Und dann kauf ich auch schon mals sowas, weil günstig
    Claus 1.jpg

    habe ich mal Zeit, fange ich vielleicht mal an zu messen
     
  19. Ginos

    Ginos Strebt nach Höherem

    Ich hatte noch 2 Schachteln Rico Royal in meiner Box. Eine Schachtel noch Original verpackt. Irgendwann zwischen 1970 ... 1980 gekauft.

    Als ich jetzt mein Berg Larsen Metall wieder aktiviert habe, haben die Blätter perfekt funktioniert. Selbst bereits angespielte Blätter in meinem Blattetui gingen nahezu alle super.

    Aus meiner Erfahrung werden alte Blätter nicht schlechter
     
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  20. mcschmitz

    mcschmitz Ist fast schon zuhause hier

    Bin zwar nur Schreinermeister und kein Botaniker, aber ich versuchs trotzdem mal:
    Saxophonblätter werden aus Schilfrohr geschnitten, Holz aus Bäumen oder Sträuchern, die evolutionär höher entwickelt sind.
    Grob betrachtet ist die Zellstruktur und damit das Verhalten beim Trocknen und wieder feucht werden durchaus mit Holz vergleichbar.
    Die Unterschiede liegen dann eher in der Anordnung der Zellen und der höheren Spezialisierung einzelner Zellen beim Holz. So lagern Bäume in den Zellen im inneren des Stammes Stoffe ein, welche die Stabilität und Haltbarkeit beeinflussen. (Z. B. bei der Eiche ist das junge Splintholz unter der Rinde weich, brüchig und sehr Anfällig für Schädlingsbefall, während das ältere Kernholz aus dem inneren des Stammes durch die eingelagerten Gerbsäuren sehr hart und für die meisten Insekten ungenießbar ist. Holzwürmer in alten Möbeln finden sich fast ausschließlich im Splintholz)
    Harze hingegen finden sich bei Nadelbäumen, die diese Stoffe nicht in den Holzzellen selbst, sondern in flüssiger Form lagern, teils in kleinen Hohlräumen, den Harzgallen, die so unschön und klebrig auslaufen können...
    Beim Schilfrohr finden all diese Prozesse nicht, oder nur in sehr geringem Umfang statt, da weder der "Stammdurchmesser" noch das Alter der Zellen dazu ausreicht. Was dort an "zusätzlichen" Inhaltsstoffen drin ist, sind eher Reste vom Pflanzensaft in verschwindend geringen Mengen.
    Die Alterung rührt eher vom allmählichen Verfall der Zellullose und des Lignins (das als "Kleber" in der Zellstruktur dient) im Material her. Hier ist Holz durch durch die eingelagerten Inhaltsstoffe deutlich haltbarer.

    Fazit:
    Die Haltbarkeit wird nicht durch Restfeuchte (siehe #12), sondern durch Alterungs- und Zerfallsprozesse in der Zellullosestruktur der Reeds beeinflusst. Hier wirken sich günstige Lagerbedingungen (gleichmäßige Temperatur, Feuchtigkeit, Dunkelheit) natürlich lebensverlängernd aus.
    Es bleibt also zu sagen:
    Alte Reeds sind nicht zwingend schlechter als Neue. Es hängt von der Lagerung ab. Also im Zweifel ausprobieren, ob's noch was taugt. (Siehe auch #3)
     
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