Vinyl ...

Dieses Thema im Forum "Bücher / CDs / Noten / Playalongs" wurde erstellt von Stevie, 8.Dezember.2017.

  1. Stevie

    Stevie Ist fast schon zuhause hier

    Liebe Leute,

    habe mir nach vielen Jahren wieder einen Plattenspieler zugelegt und eben mal eine Dexter Gordon Platte laufen lassen. Ich war hin und weg von der Präsenz, Farbigkeit und Lebendigkeit des Klangs. Ist das jetzt melancholische Hysterie oder kann da was dran sein, dass die Vinyl-Platten tatsächlich anders klingen (ok, ein bisschen kratzen tut sie auch) - in dem von mir empfundenen Sinne?

    Habe auch nur ein ganz normales "Mittelklasse"-Modell angeschafft.

    Das Comeback des Vinyl hatte ich ja für einen Modegag gehalten - aber heute ...

    Das wird jedenfalls eine schöne Beschäftigung werden an den noch kommenden langen Winterabenden.

    So long

    Stevie
     
  2. Juju

    Juju Ist fast schon zuhause hier

    Anders klingen die schon. Hast Du denn eine alte Plattensammlung? Wir haben auch letztens mal endlich wieder einen funktionierenden Plattenspieler bekommen, und ich hatte einige Klassiker gekauft, auch Dexter's "Swinging Affair", und ich war einigermaßen enttäuscht, weil ich den Sound so "bright" fand (Ich weiß, Billy Higgins' Cymbals sind von Natur aus bright, aber das war es nicht). Jetzt frage ich mich, von welchen Masters die die Neuauflagen eigentlich herstellen. Wenn es nicht von den original analogen Masterbändern ist, wäre es ja völlig sinnlos. Ich habe das bislang auch noch nicht herausfinden können. Vielleicht kaufe ich mal eine Neuauflage von einer Platte, wo wir schon ein Analog-Original haben für einen direkten Vergleich.
    Insgesamt habe ich das Gefühl, es hängt auch sehr davon ab, was man sonst in der Kette hat in Sachen Lautsprechern/Verstärker. Und auch, was für Musik, und wie die aufgenommen wurde. Schallplatte hat natürlich im Vergleich zu digital immer einen Dynamik-Nachteil, sonst fliegt einem die Nadel aus der Spur... Und nur die Tracks am Anfang jeder Seite sind vom Sounderlebnis her die hochwertigen...
    LG Juju
     
  3. Long John Silver

    Long John Silver Ist fast schon zuhause hier

    Ach ja, Vinyl ...

    hat tatsächlich einen ganz anderen Klang als digitales.

    Rein technisch gesehen ist die analoge Information zwar objektiv "schlechter" als eine (gleich gut aufgenommene) digitale.
    Aber es gibt allein durch die analoge weil mechanische Ansteuerung der Nadel Effekte, die es subjektiv "besser" klingen lassen.

    Anders formuliert: Analog ist wie mit HiFi-Boxen gehört (meist weicher, seidiger, "schöner"); digital wie mit einer Studio-Abhöre (objektiv, schonungslos).

    Was dazu kommt,ist das Mastering, das früher wesentlich anders war als heute.
    Wenn es eine alte Scheibe von Dexter ist, womöglich noch mit Rudy van Gelder an den Reglern, steht jedes Instrument lebendig im Raum und die Dynamik entspricht einem quasi natürlichen Höreindruck im Aufnahmeraum und sehr häufig merkt man, wie die Musiker einer Combo miteinander spielen.

    Aktuelle Aufnahmen entstehen typischerweise in separaten Spuren aus mindestens separaten, gerne schalltoten Räumen um sog. Spill zu vermeiden, wenn sie nicht sogar zu verschiedenen Zeiten eingespielt und dann abgemischt werden. Die einzelnen "trockenen" Spuren werden dann durch Hallprozessoren geschickt, die dem Klang Räumlichkeit verleihen sollen. Und schon da kann man beim Mischen eine Menge Unsinn anrichten.

    Zusätzlich ist der "Loudness War" beim Mastern noch längst nicht vorüber. Lautheit ist der Eindruck eines höheren Schallpegels bei gleicher objektiver Lautstärke. Klassisches Beispiel ist Fernsehwerbung - obwohl niemand an der Lautstärke gedreht hat, ist die Werbung am Kühlschrank immer noch laut und deutlich, wenn der Film weitergeht, ist wieder alles normal laut.
    Radio-Edits von Popsongs haben oft die Lautheit "auf Anschlag" damit sie sich in den 30 Sekunden Aufmerksamkeitsspanne gegen die Konkurrenz in den Charts durchsetzen - und das hat in praktisch alle Genres durchgeschlagen.

    Auf Lautheit gemasterte Aufnahmen klingen aber flach, wenig differenziert und sehr glatt.


    Ist also nicht nur das "good old Vinyl" sondern auch was mit der Aufnahme gemacht wurde. Wobei einige aktuelle Scheiben nicht nur sehr gut gemischt sind sondern auch für das jeweilige Medium passend gemastert sein sollen. Das muss sich das Label aber leisten können und wollen.

    LJS

    PS: da les' ich mich doch "Scheiben" schreiben ... boah ich bin sowas von 20. Jahrhundert :D
     
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  4. 47tmb

    47tmb Ist fast schon zuhause hier

    :)
    Wie würde man denn aktuell sagen?
    Bit-Haufen?
    Stream-Basics?
    .........
     
  5. giuseppe

    giuseppe Ist fast schon zuhause hier

    Hab mich hier ja auch schon als Fan geoutet und bin stolz, dass meine Kinder den Umgang mit dem Plattenspieler zeitgleich mit dem Streamen lernen. Erstaunlicherweise bevorzugen meine Kinder in vielen Fällen gewisse "Lieblingsplatten", die man anfassen, anschauen und auflegen kann - digital allein scheint einem doch was zu fehlen, selbst wenn man beides zur Verfügung hat und nicht durch die eigene Biographie nostalgisch vorbelastet ist.
    Ich weiß nicht, ob es immer ein Qualitätszugewinn ist. Ich habe ein paar Alben in verschiedenen Medien und die Unterschiede variieren. Ich kann auch nicht sagen, dass eines grundsätzlich besser klingt als das andere, es hängt von zu vielen Faktoren ab - aber mir machts Freude.
    Was den Loudness-War betrifft, bin ich unentschlossen. Ich sehe Nachteile und Probleme. Insbesondere zu viel Kompression tötet natürliche Dynamik. Auf der anderen Seite hören wir mit gutem Einsatz von Processing-Technologie Dinge, die die natürliche Dynamik auch im besten Fall nicht mehr rüberbringt. Wir hören den Sänger oder die Sängerin selbst bei maximaler Singlautstärke atmen, wir hören die Nuancen, die Emotionen transportieren. In den richtigen Händen ist Postprocessing einfach geil. Von daher sehe ich diese Entwicklungen mit einem lachenden und einem weinenden Auge.
     
  6. ppue

    ppue Experte

    Die Bänder werden im übrigen auch nicht besser werden.
     
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  7. Juju

    Juju Ist fast schon zuhause hier

    Allerdings, von daher wäre es wirklich interessant zu wissen, wie die die Neuauflagen pressen. Ich denke, in dem Moment, wo in der Signalkette die Analogkette durchbrochen wurde, ist Vinyl nicht mehr sinnvoll. Also entweder analog all the way oder gar nicht...
    LG Juju
     
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  8. Sandsax

    Sandsax Ist fast schon zuhause hier

    Ich bin sicherlich auch anfällig für die analoge Nostalgiewelle, trotzdem überwiegt die Enttäuschung, wenn der alte Thorens oder mein Revox Tangentialspieler mal wieder entstaubt werden und die alten Platten anfangen zu rotieren.

    Vielleicht haben sich meine Hörgewohnheiten mit der Zeit geändert, aber im Vergleich fehlt mir bei den LPs die inzwischen gewohnte Dynamik, das Rauschen nervt beim intensiven Hören und das vereinzelte Knacken bereitet mir fast körperliche Schmerzen.
    Diese Nachteile wiegen die Vorteile des vereinzelt „natürlicher“ empfundenen Klangbildes für mich persönlich bei weitem auf.

    Mein Eindruck: wenn man wirklich hochwertig und stressfrei analog hören möchte, muss man sowohl für erlesene Tonträger als auch für wirklich gute Technik erst einmal ne Menge Geld in die Hand nehmen…
     
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  9. Florentin

    Florentin Ist fast schon zuhause hier

    Womit vergleichst Du es denn? Mit mp3 über einfache Kopfhörer? Mit DDD-CD über eine hochwertige Anlage?

    Für mich persönlich können eventuelle klangliche Vorteile von Vinyl kaum die vielen praktischen Nachteile aufwiegen.
     
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  10. bluefrog

    bluefrog Ist fast schon zuhause hier

    Es gibt nicht einfach digital auf der einen Seite und analog auf der anderen. Bei der Digitaltechnik ist es egal, welches Medium verwendet wird, CD, DAT oder Speicherchip. Es kommt allein auf die Auflösung an, je höher, desto besser. Natürlich wird diese durch die Eigenschaften (Speicherkapazität) des Mediums irgendwo auch begrenzt, ist aber im Prinzip unabhängig davon.

    Ganz anders sieht es bei analogen Techniken aus. Ein Tonbandgerät funktioniert völlig anders als ein Plattenspieler und kann wesentlich besser aufzeichnen als hinterher über die Platte wiedergegeben werden kann. Eigentlich ist ein Plattenspieler ein technisch "unmögliches" Gerät mit einer vorsintflutlichen Technik. Ich wundere mich immer wieder, dass damit überhaupt qualitativ gute Resultate erzielt werden können.

    Interessanter als einen Vergleich von neuen mit alten Platten finde ich einen Vergleich alter Platten, die später als CD wieder auf den Markt kamen. Solche CDs gibt es eigentlich von allen wichtigen Produktionen. Ich habe hier auch ein paar, habe sie aber noch nie direkt verglichen. Anzunehmen wäre jedenfalls, dass die im Vergleich zu den Platten bessere Qualität der Studiobänder sich auf den CDs wiederspiegeln müsste. (Wobei allerdings unklar ist, was "digically remastered" bedeutet, das meist angegeben wird.)

    Ich habe mir auch wieder einen Plattenspieler zugelegt, weil ich die vielen Schätze im Plattenregal nicht einfach abschreiben will. Der Plattenspieler ist so untere Mittelklasse und hat einen A/D-Wandler und eine USB-Schnittstelle eingebaut. Platten, die ich damit digitalisiert und auf CD gebrannt habe, klingen auf CD für mich genau wie das Original.
     
  11. flar

    flar Guest

    Moin, moin

    Und die sind sehr oft für Neuauflagen alter Platten benutzt worden!
    Sei es weil die Plattenfirma in einer anderen aufgegangen ist und die Archive durch gegangen wurden und alte veröffentlichte Aufnahmen mit bisher unveröffentlichten auf einer Platte herausgebracht wurden, Best of Veröffentlichungen oder auch Neuauflagen wo die "Vater" oder "Mütter" Vorlagen beschädigt waren oder verlorengegangen sind, wurden die Originalbänder benutzt.

    Die wurden zwar ab und an bearbeitet, oft mit Hall versehen, evtl. Klangtechnisch etwas aufgefrischt, was bis Mitte der 70'er Jahre aber meist nur eins brachte, deutlicheres Bandrauschen. Meistens wurden die Bänder aber so genommen wie sie waren und da ist bei einem Alter von 10 Jahren oder mehr ein Verlust in den Höhen doch oft gut hörbar.

    Das muß aber nicht Negativ sein, so lange es nicht deutlich dumpf klingt er gibt es meisten etwas was gerne mit Wärme beschrieben wird.
    So kann es durchaus sein das eine LP einer 1958er Aufnahme die mit einer 1969 neu erstellten "Mutter" gepreßt wurde wärmer klingt als die gleiche LP aus der Erstauflage!

    Viele Grüße Ralf
     
  12. ppue

    ppue Experte

    Ich finde das auch nicht so entscheidend. Bin halt überhaupt kein HiFi-Freund. Ein Wort, was es komischer Weise gar nicht mehr gibt.

    Im Gegenteil, ich war immer begeistert davon, wie Musik auch auf den bescheidensten Aufnahmen rüber kommen kann. Eines meiner "Erwachungsstücke":



    Pardon, wollte nun gar nicht in den Schellackbereich. Aber eigentlich klingt der noch besser als Vinyl, oder (-?

    Duke vor 1930 ist das Größte.
     
    giuseppe gefällt das.
  13. hiroaki

    hiroaki Ist fast schon zuhause hier

    Wie hier eindrucksvoll demonstriert
     
    Long John Silver gefällt das.
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