(Warum) Sind Duette langweilig?

Dieses Thema im Forum "Saxophon spielen" wurde erstellt von Wanze, 29.September.2021.

  1. Wanze

    Wanze Strebt nach Höherem

    Ich kann das voll nachvollziehen. Habe ja schon einige Duette gespielt, auch mit anderen Besetzungen als Saxophon - aber wenn es zwei Melodie-Instrumente sind, wird es tatsächlich schnell langweilig. Anders ist es natürlich, wenn eines der Instrumente die Harmonien legen kann. Saxophon und Klavier, geht prima. Mit Harfe, alles gut.
    Aber z.B. Saxophon und Geige... oder zwei Saxophone... :-? :sorry2:
    Natürlich fängt es mit zunehmendem Schwierigkeitsgrad an, interessanter zu werden. Aber so richtig prickelnd finde ich Saxophon-Duette selten. Ganz im Gegensatz zu Quartetten, Ensembles usw. wo es wirklich spannende Arrangements gibt.
    Vielleicht kenne ich einfach nur die falschen Duette. Bei diversen Notenheften ist das dann so gelöst, dass es eine Play-Along CD gibt, bei der noch eine Begleitung mitspielt. Aber dann ist es ja eigentlich kein Duett mehr.

    Geht euch das auch so?
    Und vor allem, warum empfindet man das so?
    Ich habe die Theorie, dass es daran liegt, dass man nie einen definierten Drei- oder Vierklang hört (was dann erklären würde, warum ein Quartett gut geht, ein Trio so einigermassen und ein Duett schwierig ist)
    Allerdings werden manche Duette durch eine Rythmusbegleitung interessant, was dann wieder meiner Theorie widersprechen würde.

    Hat jemand eine Erklärung?

    Grüße,

    Wanze
     
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  2. Atkins

    Atkins Strebt nach Höherem

    Also ich spiele seit nun 1,5 Jahren klassische Duette mit Querflöte und finde das ganz wunderbar. Mir tut das gut und es gefällt mir sehr ( wenn wir richtig spielen)
    Wir sind gerade dabei, ein kleines Programm zusammen zu stellen, egal, wofür und die Frage nach einem Begleitinstrument steht gar nicht im Raum.
    Mit Sax kenne ich Duette eher nicht, hätte aber total Lust dazu und könnte mir da eher vorstellen, dass da Begleitung und Rhythmus gut wären. Ich spiele mit dem Sax aber keine klassische Musik, vielleicht liegt es daran.
     
  3. Ton Scott

    Ton Scott Freak

    Wenn die Duette gut geschrieben sind finde ich sie nicht fad.
    Vom Standpunkt des Lernens her sind Duette ohne sonstige Begleitung meines Erachtens sehr wichtig.
     
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  4. ppue

    ppue Experte

    Mir geht es ähnlich, @Wanze, da finde ich sehr wenig gutes Material. Ich glaube nicht, dass es in erster Linie die fehlenden Harmonien sind, sondern dass ein Großteil am ähnlichen Sound der Saxophone liegt. Es schnarrt so vor sich hin und selbst bei guten Arrangements geht mir sogar der Sound eines Saxophonquartetts auf die Dauer auf den Zeiger.

    Das ändert sich schlagartig, wenn da Blech dazukommt. Das ist für mich ein Geschmacksverstärker, das Fett in der Suppe. Man müsste was schreiben für Posaune und Altsaxophon. Das wäre ein Duo, was mir Spaß machen würde. Leider treffen sich so oft nur gleich-instrumentierte Bläser, wobei das gar wenig Sinn ergibt.

     
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  5. GelöschtesMitglied4288

    GelöschtesMitglied4288 Guest

    Ich spiele Duette total gerne - zumindest im Unterricht. Oft greife ich dann zum Tenor, wenn der Schüler Altsax spielt, oder umgekehrt. Gerade heute habe ich mit einer eigentlich studierten Pianisten einige Duette von Petzold auf dem Saxophon gespielt. Sie Alto, ich Tenor. Wir hatten großen Spaß! Vielleicht auch, weil sie die Art des miteinander Spielens/Kommunizierens schon drauf hat. Ansonsten sehe ich es auch als super Werkzeug zum Training für Dynamik, Intonation, Rhythmus, Stimme halten, etc.
     
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  6. Bernd

    Bernd Gehört zum Inventar

    Ich finde Duette gut. Ich habe mit meinem Lehrer zusammen zahlreiche Duette gespielt. Mich als Lernenden disziplinieren sie mich in Sachen Timing, Phrasierung, Dynamik und Intonation.
    Außerdem macht die Interaktion mit dem Lehrer Spaß.
    Vor Allem, wenn wir zum Playback einer Rhythmusgruppe spielten.

    Beim (alleinigen) Spiel zu einem Playback neige ich sehr schnell zum schludern.
     
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  7. fukaR

    fukaR Guest

    Duette sind nicht per se langweilig, oft aber langweilig vorgetragen.
    Ich will mich da nicht ausnehmen.
     
  8. giuseppe

    giuseppe Strebt nach Höherem

    Ich hab mal im Central Park einen Tenorsaxophonisten und einen Posaunisten gehört, die Standards improvisierend als Duette gespielt haben. Beide Anfang 20, wollten keine Kohle, haben nur geübt, wahrscheinlich Studenten. Das ist 12 Jahre her und geht mir nicht aus dem Kopf, weil die so unglaublich gut waren. Der Begleitende hat mal Basslinie und mal 2. Stimme gespielt. Der Wechsel der Rollen, der Wechsel zwischen Bass und Begleittönen, der Wechsel zwischen homophonem parallelen Satz und Rhythmusspiel war so frisch und gut, dass ich ne Weile zuhören musste und damals die Theorie aufgestellt habe, das für ein vollständiges Harmonie- und Rhythmusempfinden eigentlich zwei gleichzeitige Stimmen komplett ausreichen können, wenn sie im jeweiligen Moment im dynamischen Kontext das Richtige spielen.

    Wir brauchen oft so viele Instrumente, weil es so schwer ist zu entscheiden, was gerade wichtig ist, damit Melodie, Harmonik und Rhythmus alle im Flow bleiben. Und natürlich auch weil es schön ist, wenn es kracht!
    Es ist ein bisschen, wie wenn Picasso ein Pferd oder einen Stier mit 4 Strichen zeichnet. Wenn die sitzen, können sie vollkommen ausreichend sein und den fetten naturalistischen Öl-Schinken in Ausdruckskraft überbieten.

    Leider kenne ich kein kommerzielles Büchlein, dass das bei Duetten schafft, und selber sind mir solche Fähigkeiten leider auch nicht geschenkt… Aber vielleicht versteht ihr, was ich meine, hin und wieder erlebt man solche stimmigen Zusammenspiele, die die Notwendigkeit der Band aushebeln.
     
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  9. Atkins

    Atkins Strebt nach Höherem

    Fazit :) Duette sind nicht per se langweilig, gar nicht. Man muss sie aber spielen können.
     
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  10. fukaR

    fukaR Guest

    Auch Duett, überhaupt nicht langweilig, eher etwas freier

     
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  11. scenarnick

    scenarnick Ist fast schon zuhause hier

    Ich glaube hiermit hast Du den Kern getroffen, @giuseppe

    Viele Duette bauen darauf auf, entweder komplett homophon mit hübscher Stimmführung zu sein oder nur abzuwechseln. Letzteres braucht zwingend eine Begleitung, sonst könnte man es ja auch solistisch darbieten. Wenn man ein Duett aber "mit verteilten, wechselnden Rollen" anlegt kann da schon was Spannendes draus werden ;)
     
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  12. Sax-o-K

    Sax-o-K Ist fast schon zuhause hier

    Ich spiele auch gern Duette, auch mit Lehrer*in oder anderem Schüler. Aber mein Ohr hat da den Lern-Fokus, da ist genug dran zu lernen und üben, dass ich das (noch) nicht langweilig finde. Das mag sich in Zukunft vielleicht ändern...

    Ich hab mich auch schon am Arrangieren eines Duetts versucht, mit abwechselnden Leadstimmen, rhythmisch gegenläufigen Akzenten, Basstönen... am Ende bin ich zwar stolz, dass ich das gemacht habe (hab viel gelernt dabei), aber am Ende klingt es noch zu "gewollt".
     
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  13. altomania

    altomania Ist fast schon zuhause hier

    Die Frage habe ich mir noch gar nicht gestellt, WARUM ich es eigntlich langweilig finde, ist aber durchaus berechtigt.

    Es klingt (für mich) wohl deshalb eher langweilig, weil der Groove oft nicht so klar rüberkommt und die Klangfarben zu ähnlich sind. Ich spiele und höre allerdings sehr gerne Saxophonquartett. Vermutlich weil da der Groove vom Bari kommt und die Akkorde klarer zu hören sind. Ich weiß nicht so genau, wie ich das beschreiben soll, aber für mich sind Groove und Rhythmus immer extrem wichtig bei Musik, es muss mir in die Füße gehen, deshalb kann ich auch mit Klassik oft nicht viel anfangen. Aber das ist mein persönliches Empfinden.
     
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  14. gaga

    gaga Gehört zum Inventar

    Ich musste bei dieser Frage sofort an die klavierlosen Combos von Mulligan mit Baker oder Brookmeyer denken, die mich nicht länger fesseln können, weil mir etwas Entscheidendes fehlt. Die Begleitlinien und die gelegentlichen Kontrapunktstellen können das nicht ersetzen. Die Idee mag zu jener Zeit geil und revolutionär gewesen sein, aber bei mir und von heute aus ist das anders.

    Vielleicht hat das bei mir aber auch mit meinem generellen Geschmacksproblem bei Cool Jazz zu tun.
     
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  15. Rick

    Rick Experte

    Also ich spiele gerade mit einer (erwachsenen) Schülerin Sachen aus dem Band "Essential Duets", den sie mitgebracht hat, und finde die teilweise durchaus ansprechend, besonders die Duette von Mike Curtis, die deutlich vom langweiligen "Schema F" abweichen: Beide Stimmen wechseln sich in Melodie und Begleitung ständig ab, aber nicht nur einfach "umgedreht", die kann man interessant gestalten.

    Allerdings gestehe ich zu, dass es auf dem Markt erschreckend viele sehr einfallslose "Wald-und-Wiesen"-Duette gibt, wo witzige Ideen oder das nötige Handwerk oder schlimmstenfalls beides fehlen.
     
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  16. giuseppe

    giuseppe Strebt nach Höherem

    Cool, ich hatte auch die gleiche Assoziation mit Mulligan, allerdings mit etwas konträrer Wertung. Ich finde sie genial, gerade wegen des harmonischen Deutungsspielraum, den sie ohne Akkordinstrument lassen. Ich habe es hier aus meinem ersten Post vor dem abschicken wieder rausgenommen, weil es eben keine Duette sind, da sie ja den Bass haben, der harmonisch nicht unwesentlich hilft, den sie aber logischerweise auch nicht übernehmen.
     
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  17. Jazzica

    Jazzica Ist fast schon zuhause hier

    Ich habe letztes Jahr nach jazzigen Weihnachtslieder-Duetten für Alt- und Tenorsax gesucht, und weil ich nicht so recht fündig wurde, selbst ein paar Arrangements geschrieben. Das hier angehängte ist (meiner Meinung nach) das beste davon. Es ist nicht nur schwierig, so ein Duett abwechslungsreich und stimmig zu arrangieren, auch die Interpretation ist nicht einfach. Einen Lerneffekt hat es allemal ;)
     

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  18. ppue

    ppue Experte

    Ja, toll arrangiert, @Jazzica, bei mir bleibt es trotzdem das Soundproblem. Beim Kochen würde ich sagen, es ist so wie Joghurt mit Sauerrahm. Das hat zwar eine Richtung, aber die Geschmäcker spielen nicht miteinander.

    Mein Fazit bleibt: Holt ein Blech an eure Seite, auch wenn es zu Übungszwecken hilfreich ist, Duette auf Saxophonen zu spielen.

    (Ich muss zugeben, dass die letzten langen Lieben, die ich hatte und habe, alle Saxophon spielten, es aber nie zur Liebe zu Duetten kam)
     
  19. Feuerstreuer

    Feuerstreuer Ist fast schon zuhause hier

    für mich äußerst schwierig beide Spieler im Einklang wahrzunehmen. Für mich spielen beide im gleichen Tempo aber in vollkommen unterschiedlichen groove. Oft höre ich vermutlich gemeinsam platzierte Töne zeitlich versetzt und bei gleichzeitigen Läufen unterschiedliche grooves. Über längeres zuhören ergibt sich für mich ein eher angestrengtes rhythmisches Bild und eine melodische beliebigkeit des gemeinsamen Klangbildes. Jeder Spieler für sich wirkt konsistent.
     
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  20. Sandsax

    Sandsax Strebt nach Höherem

    Hier eins aus den M-Base Tagen mit klarem Groove aber ähnlicher Klangfarbe (zwei Altos); für viele sicher nervig, ich fand es immer gut, nahezu meditativ :):

     
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