Warum spielen so viele Profis Selmer?

Dieses Thema im Forum "Saxophone" wurde erstellt von Long John Silver, 13.August.2019.

  1. Long John Silver

    Long John Silver Ist fast schon zuhause hier

    Ich grübelte im Zusammenhang mit den Threads über den typischen Mark VI - Sound, die Vintage-Hörner, die nicht mehr gebaut werden, den Versuch einen Conn-typischen Fred aufzuziehen, der dann viiel kürzer ist als der MK VI Nachbar und nicht zuletzt die Diskussion um die Wahrnehmung ...

    ... immer wieder ist es eher schwierig, bei den Profis - also Menschen, die ihren oft eher schmalen Lebensunterhalt mit dem Sax bestreiten - welche zu finden, die nicht Selmer spielen.
    Egal jetzt mal ob (Super) Balanced Action, Mark VI, SA 80, Serie III

    Auch bei den einschlägigen Listen der Sax-Promis wie z.B. von Nicolas Trefeil (Altoplayer beispielhaft hier) haben die Selmer-Hupen spätestens ab den 1950ern eindeutig Übergewicht. Bei den Tenören ist es noch stärker.

    Ich weiß nur von wenigen, die aus purer Überzeugung etwas anderes spielen wie Dave O'Higgins zum Beispiel. Bei den meisten anderen "zeitgenössischen" Nicht-Selmer Spielern gibt es Endorserverträge, gegen die absolut nichts einzuwenden ist, wie bei @Rick mit Expression. Und natürlich gibt es auch die Selmer-Endorser, der Vollständigkeit halber zu erwähnen.

    Jetzt also die Gretchenfrage: Warum spielen so viele Profis Selmer, egal ob alt oder neu?

    • Neu gibt es beliebig viele -auf den ersten Blick gleichwertige- Alternativen (Yanagisawa, Yamaha, etc.) - Was ist auf den zweiten Blick?
    • Vintage macht es keinen Unterschied ein 80 Jahre altes Conn 10m am Leben zu erhalten oder ein 80 Jahre altes Balanced Action - oder doch?
    • Ist meine Wahrnehmung falsch und in Wahrheit spielen die meisten Profis heute Thomann Hausmarke? (OK - Scherz. Aber vielleicht Yamaha...)

    Ich bin gespannt auf Eure Meinungen - insbesondere die der Profis unter Euch.
    Aber lasst mich bitte mit dem "Seele"-Sch*** in Frieden... ich meine diese Frage durchaus ernst, auch wenn ich mir völlig klar bin, dass es nicht lange dauern wird, bis das Popcorn ausgepackt werden muss.

    LJS
     
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  2. Wuffy

    Wuffy Gehört zum Inventar

    ..die unendliche Geschichte
     
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  3. xcielo

    xcielo Gehört zum Inventar

    Da ich kein Selmer spiele (d.h. doch, meine Bassklarinette ;-)), aber auch kein Profi bin halte ich mich da einfach mal raus :rolleyes:

    Gruß,
    Otfried
     
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  4. Paco_de_Lucia

    Paco_de_Lucia Ist fast schon zuhause hier

    Yip, isse,
    und nicht nur bei den Saxen [die sind eh in er Minderheit]
    schauen wir mal die Klarinetten - bei Deutschen: wollen alle Herbert Wurlitzer spielen [die goldenen 70er],
    dabei bauen heute Schwenk&Seggelke, Leiter&Kraus, Kronthaler, Gerold Angerer, Oscar Adler Spitzeninstrumente
    bei franz. Klarinetten - wollen alle ne Selmer aus den 60th oder ne Tosca von Buffet, dabei kannste unzählige Klarinettenbauer weltweit spielen, tolle Teile...
    Bsp. →Louis Rossi aus Chile, →Ripamonti Italia,

    weiter gehts: Trompeten: die Jazzer spielen gern Cönner, aber auch Coussnon, Curtouis, aber auch Hub van Laar, alles Spitzenteile,
    oder Schagerl, dabei gibts auch tolle andere - Bsp. →Savut-Trumpets von Roberto Buttus [der Konstruktor von SequoiaSaxe]

    Machen wir weiter bei GrandPiano - ich bevorzuge einen 1923er Blüthner, viele ein Steinwey, abgefahrene einen Grand Imperial Bösendorfer
    aber die Spitzeninstrumente von Yamaha sind alles andere als 'bescheiden', detto Kawai...

    Flöten: die meisten Orchester im europäischen Raum werden von Muramatsu bespasst.
    Die Amerikaner spielen Powell.
    Warum spielt keiner Mateki? Oder Hammig? [klar, tun eh viele, aber ist ein kleiner Prozentsatz im Vergleich zu Muramatsu]

    Drumsets: Vintage Gretsch, PerlmuttSilber lackierte Kessel, warum kein Yamaha?

    Die Liste ist endlos - und das sind nur die Musikinstrumente...

    Borhammer: Hilti gegen Dewalt gegen Makita gegen Bosch Profiserie...etc.
    Autos - will ich gar keine Bsp. erst machen...

    Es ist eine Kombination von Verbreitungsgrad - eine Powell-Flute ist recht selten in Europa zu finden, im Gegensatz zu einer Muramatsu
    [detto ein Conn ist halt nicht so viel vertreten wie ein Selmer],
    Marketing: Wer ist wie present?
    Bei reinen Vintages - wie ein Conn 10m - das gibts nicht mehr, aber Selmer sehr wohl,
    Die Marktdichte und die entsprechend gute Bespielbarkeit tun ihren Rest - die User reden dann auch trüber.
    Warum soll ich was anderes nehmen, wenn ich gerade hier beim Testen damit zu frieden sind.

    Du wirst das 'Geheimnis' dessen, was Deine Anfrage beinhaltet, nicht lösen.
    Sei opportun - such das Instrument, was Dir gut gefällt, egal, was draufsteht, es muss gefallen, was rauskommt,
    es soll sich gut bedienen lassen und viel. gibts auch ne emphatische oder rein ökonomische Entscheidung.
    that's it!
    Mehr gibts da nicht zu erforschen, es sei denn, Du willst Dich als Kurator einer Sammlung betätigen, dann brauchst ne andere Herangehensweise.

    Viel Spass & good playing
    Paco
     
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  5. Tinka

    Tinka Ist fast schon zuhause hier

    Dazu gibt es nur eins zu sagen: Ein Hoch auf alle, die nicht das haben wollen was andere haben, sondern ihr eigenes suchen :-D
     
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  6. Sandsax

    Sandsax Strebt nach Höherem

    …weil Profis ein gut funktionierendes, möglichst universelles, zuverlässiges, in den Ergebnissen vorhersehbares und verlässliches, unkompliziertes, einfach weltweit und zur Not auch selbst reparierbares Werkzeug benötigen und sich häufig schlichtweg nicht mit möglichen Alternativen auseindersetzen wollen.

    Wozu auch?
     
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  7. Atkins

    Atkins Ist fast schon zuhause hier

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  8. ToMu

    ToMu Strebt nach Höherem


    tue mich schwer, hier alles zu zitieren, ABER.

    mein alter lässt es zu dass ich die zeit noch mitbekommen habe wo die BESATZUNGSMACHT und damit die musikerkollegen ihre conns und kings und buescher, ff fast weggeschmissen haben, oder im tausch mit Hohner (!!!), Keili und ein paar kollegen vor 1945, wenige italiener waren unterwegs.
    JEDOCH die alten MPC wurden behalten und genutzt.

    Auch die Trompis wechselten die besitzer, hüller war angesagt,

    Quer = Schreiber (nein nicht der klarinettenschreiber)

    und so geht das weiter

    irgendwann kam dann die mode auf der saxsatz MUSS eine marke spielen. sinfonische orchester nur Herbert's...einige hielten am Fritz fest.
    plötzlich waren die DEUTSCHEN Git.aus und gibson musste her, sprich diesmal umgekehrt, nur wenige haben sich an die alten arch-top (germany) gehalten.

    vibraphone, von sonor - was sonst - schlagzeuge durchsichtig!! oder in glitzerlook pp.

    man muss alles mit abstand sehen und nachdenken, - im prinzip alles mode.

    egal welches sax, es bleibt beim alten mpc (meistens) und an der stilrichtung der geschätzen musik.
     
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  9. nkmer

    nkmer Kann einfach nicht wegbleiben

    Darum geht's doch aber gar nicht.....
     
  10. kokisax

    kokisax Strebt nach Höherem

    Die wirklichen Jazz Größen haben inzwischen ein "gesetztes Alter".
    Als sie anfingen waren die Selmer jener Zeit das Werkzeug, welches sie sich leisten konnten und in jeder Beziehung auch gut damit zurecht kamen.
    Nach Jahrzehnten spielen sie "ihre" Hörner immer noch, da sie sie in und auswendig kennen und alle Nuancen und Eigenarten ihrer Hörner beherrschen.
    Hätte Selmer nicht damals schon eine sehr guter Qualität geliefert, wäre dem wohl nicht so.
    Never change a running system.....

    Vielleicht spielen die Jazz Größen von Morgen in 30 oder 40 Jahren die guten Yanas und Yamahas von heute,
    wenn die legendären alten Selmer der 40-er bis 70-er Jahgänge nicht mehr spielfähig sein sollten?

    kokisax
     
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  11. saxchrisp

    saxchrisp Ist fast schon zuhause hier

    Weil sie zu klingen und zuverlässig sind.
    Plus ein bisschen Mythos, Gruppenzwang und Psyche.
     
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  12. saxchrisp

    saxchrisp Ist fast schon zuhause hier

    "Gut klingen" sollte das heißen.
     
  13. Long John Silver

    Long John Silver Ist fast schon zuhause hier

    Oh Paco, ich habe manchmal Mühe, Deine Beiträge zu lesen und dann zu verstehen (dabei finde ich die häufig echt gut). Aber das geht Dir offensichtlich mit meinen Beiträgen ähnlich.

    Es geht überhaupt nicht um mich im Sinne von "such das Instrument".
    Ich suche kein Instrument, ich bin bestens versorgt.

    Aber danke für Deine, leider vergebliche, Mühe.

    Wie verhält sich diese, durchaus ehrenwerte, Aussage zu der gestellten Frage "Warum spielen so viele Profis Selmer?"
    Sind das alles Konformisten ohne eigene Meinung oder was möchtest Du damit sagen?

    LJS
     
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  14. ppue

    ppue Experte

    Um die Frage zu beantworten muss man in die Zeit des zweiten Weltkrieges zurück gehen.

    Nach dem großen Saxophonboom in den 20er/30er Jahren kam der zweite Weltkrieg. Conn, Buescher und King mussten Apparaturen für das Militär bauen, Höhenmesser, Antennen, Radare etc. Zudem wurden viele Arbeiter eingezogen und die Belegschaften waren reduziert. Messing und Kupfer waren rationiert. Nur 10% des Materials durfte in den Instrumentenbau gehen.
    Nach dem Krieg erholten sich die Betriebe nicht mehr so recht, bauten Saxophone eher für den Schüler- und Amateurbereich. Martin und King blieben die einzigen, die noch Profiqualität bieten konnten.
    Währenddessen war die Produktion in Frankreich nicht wesentlich durch den Krieg gestört worden. Selmer entwickelte die neue Mechanik und brachte 1954 das Mark VI auf den Markt. Sollte eher ein Instrument für die Klassiker werden.
    Da der Dollar damals sehr stark war, waren die Mark VI in Amerika relativ günstig zu haben.

    Und nun haben wir alle Elemente zusammen, die die amerikanischen Profis der damaligen Zeit veranlasste, Selmer Mark VI zu kaufen.

    Und wenn alle Vorbilder Mark VI spielen, dann wollen es auch die nachrückenden Profis und die Amateure gleich mit. So der Hype begann.
     
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  15. Bereckis

    Bereckis Gehört zum Inventar

    Aber dennoch war Selmer nicht billiger als amerikanische Instrumente.

    Tendenziell baut Selmer auch bis heute gute Instrumente. MK6 ist tatsächlich auch ein Stück Hype.

    Bei E-Bässen ist die Marktdominanz noch krasser, weil Fender 2 Typen (Precision und JazzBass) für alle Preisbereiche baut.

    @Paco_de_Lucia hat da schon recht mit seiner Aufzählung.
     
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  16. Dreas

    Dreas Gehört zum Inventar

    Aber nicht günstiger als die amerikanischen Saxe, wie @Bereckis schon erwähnte.

    Wird immer wieder so dargestellt, stimmt aber nicht.

    CzG

    Dreas
     
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  17. ArminWeis

    ArminWeis Experte

    Und, mit Verlaub, wenn die gut eingestellt sind und nicht kaputt repariert wurden im Verlauf ihres Lebens, sind es halt einfach tolle Arbeitsgeräte ( auch wenn sich jedes Horn anders verhält und anders klingt - aus verschiedenen Gründen ). Die präsente Mitte im Klangbild hat für die professionelle Anwendung zwei klare Vorteile. Der Mischpultmann freut sich, weil nix wummert und wenn schnell gespielt wird, ist die Trennschärfe ungeschlagen.
     
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  18. slowjoe

    slowjoe Ist fast schon zuhause hier

    Sehe ich auch so.
    Wenn das der Grund wäre dann hätten die Profispieler schon vor Jahren erdrutschartig auf Fernost - Instrumente umsteigen müsssen.


    SlowJoe
     
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  19. ppue

    ppue Experte

    Das stimmt.
     
  20. Long John Silver

    Long John Silver Ist fast schon zuhause hier

    Das ging Selmer keineswegs anders... unter deutscher Besatzung war es vermutlich sogar schwieriger als in USA.

    LJS
     
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