Welche Jazzstile bevorzugt ihr? Und warum? Habt ihr Beispiele?

Dieses Thema im Forum "Eigene (musikrelevante) Themen" wurde erstellt von Dreas, 16.Januar.2020 um 18:18 Uhr.

  1. Dreas

    Dreas Gehört zum Inventar

    In einem anderen Thread wurden ja schon die verschiedenen Stilrichtungen des Jazz diskutiert.

    Vielleicht doch Interessant zu erfahren wer welchen Stil aus welchen Gründen bevorzugt.

    Zur Illustration, vor allem wenn es nicht ganz klar ist, verlinkt Beispiele.

    Vielleicht gibt es auch Abweichungen zwischen „Hören“ und „Spielen“.

    CzG

    Dreas
     
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  2. RomBl

    RomBl Strebt nach Höherem

    Exemplarisch ...

    Besonders mag ich gerne hören:
    Bebop
    Cool Jazz
    Hardbop
    Fusion Jazz (was immer das auch sein mag - ich meine z.B. Passport oder Aera)
    Modern Jazz (auch sehr unterschiedlich - Aldana, Escoffery, Potter, Liebman, Bergonzi, Strickland, Washington, um mal einige aus dem wilden Durcheinander zu nennen)
    Free Jazz

    Besonders mag ich gerne spielen (weil z.B. für Hardbop jenseits der 200 reicht es von der Technik noch nicht, aber ich arbeite dran :D)::
    Blues
    Swing
    Fusion Jazz
    funkige Sachen

    Was ich nicht gerne höre (und spiele):
    Dixieland
    Smooth Jazz
    Pop Jazz
    Electroswing
     
  3. Jacqueline

    Jacqueline Ist fast schon zuhause hier

    Welche Jazzstile ich höre:

    Immer mehr.

    Zu Beginn die seichten Standards.

    Inzwischen finde ich auch Charlie Parker ganz ok :p:D

    Was ich spiele:

    Blues
     
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  4. Rick

    Rick Experte

    Ich höre derzeit wieder sehr gerne den alten Swing - von der ersten Liebe kommt man irgendwie nicht wirklich los...
    Und überhaupt den Jazz der 1940er, da war viel los, auch in den Big-Bands, als der Bebop um sich griff.
    Vieles war schon kein "richtiger" Swing mehr, aber auch nicht durchweg Bop, eher "Swop" oder "Bong". :)

    Einige "alte" Bandleader wie Count Basie oder Gene Krupa gaben ihren "jungen" Mitspielern nach und ließen heiße Nachwuchstalente für sich arrangieren, wie Gerry Mulligan oder Gil Fuller. Und auch die "alten" Meister wie Jimmy Mundy (schrieb für Benny Goodman 1937 das berühmte Arrangement von "Sing, Sing, Sing") machten da gerne mit, wie man an "Futile Frustration" für Count Basie erkennt (Aufnahme Mitte der 1940er). Mann, als ich das als Teenager zum ersten Mal hörte, warf mich das völlig um - eine Mischung aus Swing, Bop und Bernstein!



    Aus derselben Zeit noch eine eher coole, subtile Nummer mit einem genialen Text, den fand ich auch schon extrem witzig, als ich den Song 1979 zum ersten Mal hörte:

     
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  5. Rick

    Rick Experte

    Jetzt muss ich Euch noch weiter mit Count Basie zuspammen - habe eben diese schöne Aufnahme von 1941 gefunden, die "klassische" Besetzung von Count Basie & his Orchestra in einem Kurzfilm, leider ohne Lester Young (hervorragend ersetzt durch Don Byas am Tenor), dafür aber Harry Edison sowie Buck Clayton u. a. an den Trompeten und die berühmte "All American Rhythm Section", natürlich mit Count Basie, Klavier, Freddie Green, Gitarre (nicht zu sehen, weil im Hintergrund), Walter Page am Bass und Jo "Papa" Jones am Schlagzeug! Diese Besetzung wurde von späteren "Basieites", wie sich die Mitspieler gegenseitig nannten, ehrfürchtig "Old Testament" genannt.
    Übrigens: In den 1940ern entstand ja nicht nur der Bebop, sondern popmusikgeschichtlich relevanter auch der "Rhythm 'n Blues", der in den 1950ern in abgeschwächter, massentauglicherer Form zum "Rock'n Roll" wurde, hier hört man schon erste Anklänge... Ja, da war musikalisch viel los in den USA!

     
    Zuletzt bearbeitet: 16.Januar.2020 um 21:47 Uhr
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  6. Paul2002

    Paul2002 Ist fast schon zuhause hier

    Ich höre sehr gerne diese Mischung aus Bebop, Blues und Swing, wie Rick sie beschrieb, wenn auch nicht ganz so altmodisch (was nichts schlechtes heißen soll). Aber da finde ich schwer Beispiele.
    Vielleicht die Aufnahme des Benny Goodman Sextets von Lullaby Of The Leaves. Oder die von Lester Young, Buddy Rich und Nat King Cole von Topsy (Live At The Dream Bar, 1957). Oder die Aufnahme von Tiny's Tempo von Charlie Parker und Tiny Grimes aus dem Jahr 1944 (Short Take 1). Und natürlich der Klassiker Chi Chi, auch von Charlie Parker.

    Allerdings ist es auch sehr stark der Bebop. Ich mag nur die besonders schnellen Sachen eher weniger, weil ich finde, dass dann immer mehr mit Licks und weniger als Gruppe gearbeitet wird und durch das hohe Tempo etwas an Feinschliff verloren geht. Also Bebop mit möglichst unter 200bpm, könnte man sagen, den mag ich. Tolle Aufnahmen sind da meines Erachtens Bud Powells Interpretation von A Night In Tunisia und Charlie Parkers Aufnahme seiner Komposition Charlie's Wig. Oder auch Claus Raibles Aufnahme seiner Komposition The Pinguin.

    Auch Cool Jazz mag ich. Chet Bakerich natürlich, vor allem seine frühen Sachen. Paul Desmonds Aufnahmen von Skylark und Music For A WhileAufnahmen (Alt. Take) sind da gute Hörbeispiele. Wobei Cool Jazz für mich keine so große Rolle spielt wie die zuvor genannten Genres.

    Natürlich Modern Jazz. Aber nur den frühen. John Coltranes Aufnahme von But Not For Me oder 26-2.

    Chico Freeman. Keine Ahnung, welches Genre das ist, aber der Kerl ist klasse.

    NeoBop (Phil Woods, Claus Henry Koch)

    Die ganz alten Sachen (Hot Five & Hot Seven, Fats Waller, Billie Holiday mit Pres und Wilson). Unbedingt mal Lil Hardins (Armstrongs erste Frau) Solo bei Perdido Street Blues mit Johnny Dodds anhören. Oder Fats Wallers Aufnahme von Baby Brown (Harlem Stride).



    Was habe ich davon jetzt am liebsten?
    Eigentlich alles, aber wenn ich eine Wahl treffen muss, nehme ich das zuerst aufgezählte.
     
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  7. Kohlertfan

    Kohlertfan Ist fast schon zuhause hier

    Für mich sind Jazzstile relativ wurst. Es waren immer die einzelnen Künstler, die als individuelle Persönlichkeiten hervor traten. Und das waren so viele, dass ich da hunderte nennen müsste, um denen gerecht zu werden. Die Stile waren dann die Erfindung der Plattenindustrie, die das ja irgendwie vermarkten wollte.
     
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  8. Maggs

    Maggs Kann einfach nicht wegbleiben

    Mein Schwerpunkt liegt wohl im Bereich der klassischen Moderne im Jazz, allerdings von mir sehr weit gefasst (ca.1935 bis 1970, Ellington, Billie, Basie, Hines, Blanton, Bebop, Brownie, Blakey, Hardbop, Cool, Blue Note, Bill Evans (komplett), Miles, Trane, Wayne Shorter). Traditional Jazz hat mich auch geprägt, allerdings mag ich keinen Zicken-Jatz (Amateur Dixieland mit Scheuklappen-Musikern, die glauben, der Jess hätte 1955 mit "Ice Cream" begonnen!!) Da hört's dann komplett auf.
     
  9. Maggs

    Maggs Kann einfach nicht wegbleiben

    Traditional Jazz kann richtig cool sein. "Tuba Skinny" aus New Orleans gehen richtig gut ab. Am Kornett spielt Shaye Cohn, Enkelin des Cool Saxophonisten Al Cohn. Einfach goial!!

     
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  10. Claus

    Claus Moderator

    Oh weh, ich bin nicht einmal sicher, dass ich alle Lieder einem der genannten Jazz–Stile korrekt zu ordnen könnte.

    Nein, bei weiterem Nachdenken bin ich sogar ziemlich sicher, dass ich es nicht könnte. Ich höre mir etwas an und anschließend weiß ich, ob es mir gefällt... :) und bei weitem nicht alles ist überhaupt Jazz.


    Kennt sich Deine Siri auch nicht mit Musik aus? ;)
     
  11. RomBl

    RomBl Strebt nach Höherem

    Die Grenzen sind hier natürlich fließend und die meisten Musiker haben sich im Laufe Ihrer Karriere weiterentwickelt und Strömungen bzw. dem Musikgeschmack bzw. den technischen Möglichkeiten angepasst.
     
  12. gaga

    gaga Strebt nach Höherem

    Mir ist es selten gelungen, Jazz einfach nur zu geniessen - was ich höre, hat immer auch Vorbildcharakter.

    Ich habe einige Jahre lang versucht, eine Big Band aufzubauen und arrangieren gelernt und habe in der Zeit sehr viel Count Basie gehört. Ich hatte auch eine kleine Band mit Tuba und Banjo, Vorbild dafür war alles, was ich von Bix Beiderbecke auftreiben konnte.

    Jetzt im Endspurt meines Lebens konzentriere ich mich immer mehr auf die Bebop-Tradition mit ihren Apologeten, incl. ein wenig Latin, möglichst wenig Schmeicheljazz, kein Funk, Fusion oder Rock. Entsprechend ist das Repertoire meiner Combo und mein Trainingsprogramm aufgestellt. Meine Vergangenheit als langjähriger Tanzmucker hält mich heute ängstlich auf Abstand zu aller leichteren Unterhaltungsmusik, ich bin also eher jazzpolizeilich unterwegs - und auf der Bühne eher kompromislos. Warum auch sollte ich heute als Jazzer für ein Taschengeld Sinatramucke machen, für die ich früher gut bezahlt wurde?

    Meine Helden heißen stellvertretend für viele ihrer Zeitgenossen Stitt, Rollins, Coltrane, Potter, Redman
     
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  13. Paedda

    Paedda Ist fast schon zuhause hier

    Ich bevorzuge eigentlich keine besondere Stilrichtung oder Künstler/Künstlerin, vielmehr die Interpretation eines Stückes. Das können mal Evergreens wie " Over the Rainbow", als auch Rock /Pop Stücke wie "Every breath you Take" von Sting, sein. So ein Stück wie z. Bsp. von Sting, als Ballade leicht "verjazzt" oder "geswingt", nicht mit dem typischen Gitarrensound sonder als Pianoversion finde ich schon klasse.

    LG
    Paedda
     
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  14. martinpahnke

    martinpahnke Schaut öfter mal vorbei

    Weil Sinatra und Basie auch Jazz sind...und das nicht seicht.....und weil du zB gerne singst......und das auch kannst.

    „Die stärksten Kritiker der Elche waren früher selber welche“.....ich muss lachen über deine ehrliche Jazz-Polizei Beichte!
     
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  15. gaga

    gaga Strebt nach Höherem

    @martinpahnke Latürnich singt Sinatra Jazz und er singt ungeheuer jazzig (Basie ist sowieso außerhalb jeder Kritik), aber wenn du jeden Abend Strangers in the Night singst und die Veranstaltung mit My Way beschließt, dann ist Sinatra für die Herzensmusik, die ich jetzt das Privileg habe zu machen, verbrannt. Ich war der Rhinestone Cowboy, den ich jahrzehntelang besungen habe, der Show und Entertainment liefert - das ist heute Geschichte, und damit auch die Musik, die damit verbunden war.

    Das ist ein geiler Spruch, aber ich kritisiere niemanden. Fleisch war mein Gemüse, und jetzt bin ich Veggie:-P2 Das ist alles.
     
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  16. ehopper1

    ehopper1 Strebt nach Höherem

    Ich bevorzuge beim Hören keinen Jazz Stil.
    Da geht alles von Swing bis zum Funk.
    Avantgarde und/oder Free Jazz ist lange her.
    Immer häufiger höre auch gerne klassische Musik.

    Spielerisch hängt es von den Formationen ab, in denen ich mitspiele bzw. mitspielen darf.

    Als Bigband Baritonist mag ich eher ältere Arrangements, z.B. aus der Basie Ära.

    Eine schöne Herausforderung sind Kleinformationen.
    Jazz mit Orgel und Saxophon oder mit Akkordeon und Saxophon ist jeweils sehr spannend.

    Gerne tobe ich mich ab und zu in einer befreundeten Bluesband am Tenorsaxophon aus.
    Bei Clapton, J.J. Cale, Robert Johnson, Keb Mo & Co. geht dann die Post ab. :cool:

    LG
    Mike
     
  17. ppue

    ppue Experte

    Ich bevorzuge keine Stile, weiß aber, was mir nicht gefällt: Bigbandjazz zwischen 1930 und 1960 und darüber hinaus. So ist z.B. das Duke Ellington Orchestra genial bis 1930, danach verschlingt es der Kommerz. Erst mit dem Freejazz gab es wieder hörenswerte Orchester.

    Allen anderen Big Band Jazz empfinde ich eitel und selbstgefällig. Glämmer, Glanz, heraus gestellte Potenz und Imponiergehabe sind einige Charaktereigenschaften, die ich mit dem Jazz schlecht in Verbindung bringen kann.
     
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  18. Rick

    Rick Experte

    Wir ergänzen uns diesbezüglich ziemlich - ich bin da exakt umgekehrt gepolt wie Du! :)

    Jeder, wie er geprägt ist: Ich habe ja als 12-Jähriger begonnen, mich für Jazz zu interessieren, damals hat mich aber besonders die Macht, Wucht und "herausgestellte Potenz" der Big-Bands beeindruckt. Es musste laut und grell sein und Lebensfreude vermitteln, dann hat es mich begeistert - so ist das ja oft bei pubertierenden Jugendlichen. ;)

    Natürlich habe ich seither so ziemlich alles an Jazz gehört (und auch gespielt), was es gibt, da gefällt mir vieles, doch gerade bei gutem Big-Band-Swing geht mir immer noch das Herz auf - erste Liebe, wie gesagt, da kann man nichts machen. :cool:
     
  19. ppue

    ppue Experte

    Ach ja, so schlimm ist das nicht (-;
     
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  20. monaco

    monaco Kann einfach nicht wegbleiben

    Musikalisch groß geworden bin ich mit modalem Jazz, ganz vorne "Kind of Blue", das kongeniale Zusammenspiel von Bill Evans (Piano) und Miles Davis. Dann kommt Rock Jazz, also vor allem die 70er mit Herbie Hancock (Chameleon) und den Brecker Brothers.

    Dazwischen habe ich den Hard Bop entdeckt (Jazz Messengers, Adderley Bros, etc.).

    In jüngster Zeit ist es vor allem der rhythmische Sound der Londoner Szene (Sons of Kemet u.v.a.), der mich begeistert.
     
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