Wie klingt ein Alt Sax so wunderschön?

Dieses Thema im Forum "Kaufberatung" wurde erstellt von Steffen Reinke, 8.April.2022.

  1. Rick

    Rick Experte

    Deshalb habe ich ja auch im nächsten Absatz geschrieben, dass ich das heute nicht mehr so pauschalisieren würde. Früher war auch ich mal jung und dumm. ;)

    Definiere "spielen können" - darum ging es mir ja eigentlich.
    Und ich kenne tatsächlich niemanden persönlich, der abgelehnt wurde, alle meine Freunde, Schüler, Bekannten und Kinder von Bekannten wurden genommen.

    Eben, das ist exakt meine Ansicht. :thumbsup:
     
    Dreas gefällt das.
  2. Rick

    Rick Experte

    Das kommt auf den Lehrer an. Ich fordere meine Schüler immer auf, alles zu hinterfragen, und wenn sie selbst keine Fragen haben, dann stelle ich sie:
    "Warum steht am Anfang ein Kreuz, wenn es dann im Stück immer aufgelöst ist?"
    "Warum könnte der tiefe Ton gerade nicht gut ansprechen? Woran kann das liegen?"
    "Warum heißen diese Notenwerte Achtel und nicht mathematisch korrekt Zwölftel?"
    "Warum ist das dreigestrichene D bei Dir zu hoch?"
    "Welchen B-Griff sollte man an dieser Stelle bevorzugen?"
    ...
    Finden manche lästig, aber die meisten begrüßen das.

    Mein Unterrichtskonzept ist "Hilfe zur Selbsthilfe". Vorspielen tue ich meist nur auf ausdrücklichen Wunsch hin, ansonsten erarbeite ich mit den Schülern die Stücke, frage gerade Anfänger immer wieder nach den Notennamen und -werten. Wenn sie etwas falsch spielen, erwähne ich nur, dass etwas nicht richtig war - was, sollen sie selbst herausfinden.

    Und wir sind in einer ständigen Situation des miteinander Musizierens - außer um etwas Technisches oder Klangliches zu demonstrieren greife ich nicht zum Sax, sondern sitze am Klavier und bin der Begleiter, ermutige die Schüler, mir Zeichen zu geben (etwa bei Fermaten), vorzuzählen, die Dynamik zu formen usw. nach dem Motto "der Solist bestimmt". Das soll Selbstständigkeit, Selbstbewusstsein und Sicherheit stärken.

    Oh ja, das sage ich ebenfalls immer: Keiner weiß alles, sieht alles, kann alles, jeder hat seinen eigenen Fokus.

    Deshalb ermutige ich auch meine Schüler zu Workshop-Besuchen und ähnlichem. Für mich ist es spannend, wenn sie mit neuen Ansätzen und Ideen zurück kommen, oder zumindest befriedigend, wenn sie sagen: "Das wusste ich schon alles aus dem Unterricht". :)
     
  3. ppue

    ppue Experte

    Unverschämt.
     
    Sax a`la carte, Lagoona und Dreas gefällt das.
  4. JES

    JES Gehört zum Inventar

    @Rick

    Toll, dass du anders unterrichtest und du dir offensichtlich auch Gedanken machst, welches Konzept zu welchem schüler passt.
    Ich habe aber (versucht) ausdrücklich von mir und meinen Erfahrungen zu schreiben, und da sind die Erfahrungen leider anders. Da wurde versucht mir das Standardprogramm aufzudrücken, teilweise an meinem Instrument rumgenörgelt weil eben kein Yamaha oder Jupiter Standard, immerhin hatte einer die Größe sein Vorurteil zu revidieren, nachdem ich mit ihm ein paar Stücke gespielt habe... und es wurde sehr Wissen vermittelt, aber eben kein Raum für Erfahrungen gelassen. Daher empfehle ich eben nicht mehr pauschal einen Lehrer. Den muss man genauso sorgfältig für sich finden wie das Instrument.
     
    Rick gefällt das.
  5. Bleedin‘ gums Murphy

    Bleedin‘ gums Murphy Ist fast schon zuhause hier

    Als ich das 1.Video gesehen habe, habe ich ja zuerst gedacht: gesampled vom Keyboard/Synthzizer, mein Korg Kronos konnte sowas. Aber es könnte ja auch ein bearbeites richtiges Saxophon sein? In dem Fall ist es ein Sound, wie ich ihn beim Saxophon gar nicht leiden kann etwa mit einem Yamaha-Saxophon mit Meyer-Standard-Mundstück würde man ja ähnlich klingen, nach genügend Übungsstunden… ich aber bin ein Sucker für altmodischen Sound, auch wenn ich ihn nicht immer hinbekomme. Paul Desmond Sound mag ich z.B. sehr, aber auch Sachen aus der Glenn Miller- Zeit und noch früher!..
    Für Sound wie in diesem Video, meine Empfehlung: Yamaha YAS 62 mit Meyer-Standard Mundstück, Öffnung nicht kleiner als 6….geht natürlicher auch mit allem, was so ähnlich ist, sowohl Horn als auch Mundstück!
    Ach ja, und ein paar Jahre üben!
     
    Zuletzt bearbeitet: 20.April.2022
    Longtone gefällt das.
  6. Bleedin‘ gums Murphy

    Bleedin‘ gums Murphy Ist fast schon zuhause hier

    Warum Yamaha und kein Selmer? Es klingt zu schlecht für ein Selmer. Statt dem Yamaha kann man aber vielleicht auch ein schlechtes Selmer nehmen!
    Oder ein gutes Jupiter..
     
  7. JES

    JES Gehört zum Inventar

    Du stänkerst aber ganz schön, gell. Dafür wirst du jetzt Kloppe kriegen.
     
    pt_xvi und Sax a`la carte gefällt das.
  8. Bleedin‘ gums Murphy

    Bleedin‘ gums Murphy Ist fast schon zuhause hier

    Jaha! So war das auch gedacht!
    Und zwar von allen, auch von denen, die behaupten, es gäbe kein schlechtes Selmer…
     
    Longtone und Rick gefällt das.
  9. JES

    JES Gehört zum Inventar

    Da reagiere ich mal drauf. Yamaha hat für meinen Geschmack durcha7s gut klingende saxophone, auf denen auch 62 draufsteht. Ob das allgemein so ist, k. A., dann hatte ich zufällig die Ausnahmen.
    Umgekehrt geht es mir mit Selmer. Auch die können schlecht klingende Instrumente bauen, aber die Regel ist das eher nicht.

    Für den Sound im Video ist das aber alles eher unerheblich. Mit entsprechender Nachbearbeitung kann ich ne Gießkanne nehmen und klinge so, oder das beste sba oder sda. Der Anspruch ist für mich weniger der Sound, sondern die technik durch das Tempo. Aber auch hier, wenn es 10 oder gar 20% langsamer ein- als abgespielt wurde, mit entsprechender technik geht das.
     
    Rick gefällt das.
  10. Dreas

    Dreas Gehört zum Inventar

    Stimmt. @Alexander hat Glück gehabt, dass diese Aussage hier im Forum untergegangen ist.

    Sonst hätte es zu Recht richtig Kasalla gegeben.

    CzG

    Dreas
     
  11. ilikestitt

    ilikestitt Ist fast schon zuhause hier

    Du musst bestimmte technische Dinge beherrschen (Tonleitern, Akkorde in bestimmten Tempi und verschiedenen Artikulationen), Du musst über unterschiedliche Standards flüssig melodisch improvisieren und das Thema interpretieren können. Die Jury muss bei Dir eine musikalische Begabung sehen, die sich zu fördern lohnt in ihren Augen (das ist immer so ein Ding), reine Kopien von Stilen anderer Spieler sind unerwünscht. Du musst ein Solo eines anderen Musikers eins zu eins mitspielen können (bereitet man selber vor). Manchmal muss man vor Ort auch zu einem zusätzlich gegebenem Stück spielen und mit einem Musiker vor Ort dann Jammen. Blattspiel wird abgeprüft.
    Theorie muss man drauf haben: alle Skalen, alle Akkorde, alle Intervalle, Standard Harmonielehre. Dann Gehörbildungstest, wo Du Tonleitern, Akkorde, Intervalle, Akkordfolgen etc. erkennen musst, sowie auch Blattsingen und -klatschen. Und am Klavier einen Standard mit Impro und ein einfaches klassisches Stück, das man vorspielt. Dies kann aber von Uni zu Uni auch leicht variieren.
    In meinem Semester wurden von 50 Bewerbern fürs Sax 2 genommen.
    Man darf nur nicht ein Studium an einer Hochschule oder Universität mit dem an einer privaten Schule verwechseln, wo man für die Ausbildung Geld zahlen muss, da wird dann manchmal auch des Geldes wegen nicht ganz ehrlich dem Studenten reiner Wein eingegossen.
     
    Sax a`la carte, Longtone und Rick gefällt das.
  12. altblase

    altblase Ist fast schon zuhause hier

    Und wozu dann noch eine Hochschule, wenn man das vorher schon kann? :cool:
     
    Rick gefällt das.
  13. Bernd

    Bernd Gehört zum Inventar

    Weil der Abschluss bei der Jobfindung entscheidend sein kann. Leiter einer Musikschule z.B. wirst Du kaum werden können, wenn Du Deiner Bewerbung kein „amtliches Zertifikat“ der Qualifikation beifügen kannst.
     
  14. gaga

    gaga Gehört zum Inventar

    Eine Bekannte, die an einer Musikschule lehrt, sagte mal, als es um die Aufnahmeprüfungsvorbereitungen ging, dass das Können und Wissen, das sie mal zur Abschlussprüfung drauf haben musste (sie ist 50+ J.), heute schon zur Aufnahmeprüfung benötigt wird.

    Da hat sich also gewaltig was verändert seit den 70er Jahren, als die ersten Studiengänge in "Popularmusik" eingerichtet wurden. Damit erklären sich auch die Unterschiede zwischen den Darstellungen von @Rick und @ilikestitt .

    Ein junger Gitarrist, dessen sehr umfangreiche Vorbereitung zur Aufnahmeprüfung ich mitbekommen habe, bewarb sich an vier oder fünf Hochschulen, träumte von Berlin oder Leipzig, hat in Leipzig bestanden, wurde aber nicht genommen, weil von den fünf Bestandenen wiederum nur der Beste genommen werden konnte. Er checkte dann in Berlin für Musikwissenschaft ein, um es dann ein Semester später wieder zu versuchen. Für mich verlor sich da seine Spur.

    Er kann sich diesen Weg offenbar leisten. Als Abiturient schon ein Auto, dann ein Jahr lang ausschließlich intensive Vorbereitung auf ein Gitarrenstudium mit mehreren Bands, intensiver Unterricht am Instrument und in den anderen Prüfungsfächern, die "Bewerbungstournee", ein Parkstudium usw.
     
    Longtone gefällt das.
  15. gaga

    gaga Gehört zum Inventar

    Auch Lehrer an der hiesigen Musikschule wirst du nur mit Studium. Damit werben sie ausdrücklich.

    Es gibt nämlich noch eine private Musikschule, die auf Popmusik ausgerichtet ist und großen Zulauf hat. Dort unterrichten auch oder vorwiegend Nichtstudierte.
     
    Rick und Bernd gefällt das.
  16. altblase

    altblase Ist fast schon zuhause hier

    Viel Aufwand, um damit später nicht einmal Miete, Heizkosten und Strom bezahlen zu können.:cool:
     
    Rick gefällt das.
  17. Bernd

    Bernd Gehört zum Inventar

    Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Mein ehemaliger Saxlehrer hat Saxophon in Mainz studiert. Als es darum ging, Leiter diverser Orchester zu werden, hatte er mit dem Diplom stets die besseren Chancen und kriegte die Jobs. Als der Posten des Leiters einer Musikschule frei wurde, hat er diesen bekommen. Selbst während der Zeit der durch die Pandemie begründeten Schließung der Schule lief sein sehr auskömmliches Gehalt weiter.
     
    Rick gefällt das.
  18. Alexander

    Alexander Ist fast schon zuhause hier

    Genau! und deshalb lasse ich gerne mal die Hosen runter. Denn schon die erste Antwort auf meine "Unverschämtheit" war derart unverschämt, dass jeder noch unsichere und etwas ätere Mensch sofort sagen würde - "Nö, das fange ich nicht an." Weil jeder Inselbegabte, der sonst nix auf die Reihe bekommt, hier prahlen kann: Ich hab´s studiert, ich hab 30 Jahre lang geübt, und ich kann das. Du fängst besser erst gar nicht damit an.
    Ich holte mein erstes Sax vor ziemlich genau 3 Monaten bei @tomaso ab (Genialer Saxdoc im Kölner Raum!), konnte berufs- und wohnungsbedingt vielleicht eine viertel Stunde pro Tag üben, ohne Lehrer, und komme so auf etwa ganz grob 20 Stunden spielen mit dem Sax (Inzwischen 3 Tenöre und 2 Alt). Heute hab ich mal kurz ganz ohne Beschönigung was mit dem SmartRecorder aufgenommen. Klingt schrecklich. Ist aber der Anfang. Nach 20 Stunden. Und ich hab das auch schon sauberer hingekriegt. Nur - mit über 60 hat man nicht mehr soo viel Zeit.

    wav Datei ist nicht unterstützt. Was dann hochladen?
     
    Rick gefällt das.
  19. Ton Scott

    Ton Scott Freak

    Sax a`la carte und Rick gefällt das.
  20. Rick

    Rick Experte

    Das ist richtig.
    Ich meinte tatsächlich die staatlichen Musikhochschulen, da haben nicht nur etliche Kollegen von mir studiert, sondern ich konnte auch bereits einige Schüler erfolgreich für die Aufnahmeprüfung vorbereiten.
    Wie gesagt kenne ich PERSÖNLICH niemanden, der nicht genommen wurde.

    Das war meines Wissens nie wirklich anders.
    Ich kenne solche Aussagen jedenfalls bereits aus den 1980ern.
    Auch meine Gattin, die mir gerade gegenüber sitzt, bestätigt das, sie ist ja studierte Konzert-Pianistin mit KA-Abschluss.
     
  1. Diese Seite verwendet Cookies, um Inhalte zu personalisieren, diese deiner Erfahrung anzupassen und dich nach der Registrierung angemeldet zu halten.
    Wenn du dich weiterhin auf dieser Seite aufhältst, akzeptierst du unseren Einsatz von Cookies.
    Information ausblenden