Saxophon-Akustik

Dieses Thema im Forum "Saxophone" wurde erstellt von giuseppe, 12.März.2025.

  1. giuseppe

    giuseppe Gehört zum Inventar

    Für mich war das Lehrreiche an @ppue 's Gedanken (und den krummen Pü-Hörnern) die Tatsache, dass die überlassenen Obertöne von den ganzen Pfeifen und Hörnern mitnichten selbstverständlich dem natürlichen Obertonspektrum entsprechen. Das wusste ich vorher nicht und hat mir eine völlig neue Welt eröffnet (letztlich führte es mich zur Konkurrenz der Obertöne bei Benade, die sich per Modenkopplung auf eine neue mittlere Frequenz einigen müssen). Entsprechend versuche ich seitdem mein Setup auch so zu wählen und einzusetzen, dass es bei möglichst vielen Tönen harmonisch überbläst (bei allen geht es nie). Und ich bilde mir zumindest, dass das schon eine gewisse Klangfülle und Resonanzqualität erzeugt.

    Insofern liegt mir @ppue 's Einwand vom Verständnis her am Herzen. Was aber die Terminologie betrifft würde ich mich wie @Roland eher weiter an den Harmonischen orientieren. Zumindest wenn man es nicht genauer erklärt. Sonst ist es wie gesagt sehr missverständlich.
     
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  2. giuseppe

    giuseppe Gehört zum Inventar

    Ich komme nochmal zum harmonisch ungünstigen Knie und den Bogenpatches zurück.

    Bei mir ist beim Tenor (egal ob alt oder neu) im Gegensatz zum H beim Alto der schwache Ton eher im Bereich C#/D.
    Wenn ich zum Üben komme, merke ich davon nichts. Wenn ich eine Zeit lang nicht gespielt habe, kann ein sanft gespieltes D schon mal blubbern. Wenn ich es provoziere (pp, lockerer Ansatz) kann ich das blubbern immer rauskitzeln, selbst warmgespielt.

    Jetzt habe ich mal testweise einen etwa Weinkorkengroßen Blu-Tack-Batzen ähnlich den Patches in den Bogen von meinem 10M modelliert. An der Intonation hat das nichts geändert. Jetzt kann man das D ganz soft spielen ohne ein Blubbern zu provozieren. Allerdings will das tiefe Bb jetzt ein bisschen blubbern. Die ungute Impedanzänderung habe ich offenbar also weiter nach unten geschoben. Ich vermute der Key-Leves-Pad hat etwas weniger Volumen als mein Batzen. Ich denke ich werde noch ein bisschen damit rumspielen, bevor der Batzen geht (oder doch was reingeklebt wird).
     
  3. ppue

    ppue Mod Experte

    Versuch doch mal, das Knie unten etwas anzubatzen, sprich, dort die Wölbung herausnehmen, quasi ähnlich einem kleinen See, der sich bilden würde, würde sich dort Flüssigkeit sammeln.
     
  4. JTM

    JTM Ist fast schon zuhause hier

    Eigentlich sollte es schon langen,die Flasche Wein zu trinken,dann blubbert auch Nix mehr
     
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  5. giuseppe

    giuseppe Gehört zum Inventar

    Ja, das kann ich auch mal probieren. Habe mich halt auch erstmal an den Blechen der Elkhart-Techniker aus Matt Stohrers Video orientiert.
     
  6. Dr_JD_Sax

    Dr_JD_Sax Schaut nur mal vorbei

    Guten Morgen,
    die RULON patches sind jetzt in geringer Stückzahl bei mir im Shop verfügbar.

    https://jd-saxophone.com/produkt/rulon-bow-patch/

    Ich habe selbst noch keinen dieser Patches installiert. Nach meiner Erfahrung mit anderen Rulon & Key Leaves Produkten sollte es kein Hexenwerk sein. Außerdem gibt es von Rulon eine anschauliche Anleitung zum Einbau.
     
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  7. ilikebrecker

    ilikebrecker Ist fast schon zuhause hier

    ... beeilt Euch, das erste Patch ist schon verkauft :D:cool::D
     
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  8. giuseppe

    giuseppe Gehört zum Inventar

    Tenor oder Alto?
     
  9. Dr_JD_Sax

    Dr_JD_Sax Schaut nur mal vorbei

    Tenor und Alto sind in der Größe identisch. Der Patch für das Bari hat eine andere Größe - dieser war aber für mich zum Zeitpunkt der Bestellung noch nicht verfügbar.
     
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  10. Soggi

    Soggi Ist fast schon zuhause hier

    Moin, ich wollte eben bestellen. Sind die Patches schon ausverkauft?

    Viele Grüße
     
  11. Dr_JD_Sax

    Dr_JD_Sax Schaut nur mal vorbei

    Tatsächlich ja - ich war auch erstaunt, dass alle innerhalb von 24h weg waren.
    Nachschub ist aber bereits geordert und sollte in max 14 Tagen da sein.
     
  12. Dr_JD_Sax

    Dr_JD_Sax Schaut nur mal vorbei

    Die Patches sind wieder verfügbar
     
  13. quax

    quax Gehört zum Inventar

    Fällt mir grad so ein. Was sagen denn die Durchziehwischer zu den DIngern? Also außer Guten Tag.
     
  14. Soggi

    Soggi Ist fast schon zuhause hier

    Danke für den Hinweis, habe eben geordert. Bin gespannt und freue mich drauf.
    Viele Grüße aus Hamburg
     
  15. ilikebrecker

    ilikebrecker Ist fast schon zuhause hier

    "schön, dass du mal wieder vorbeischaust" ... :D:D
    Kein Problem, zumindest bei mir nicht.
     
  16. Dr_JD_Sax

    Dr_JD_Sax Schaut nur mal vorbei

    Ich wollte diese Woche erst einmal selbst ein paar Patches installieren, bevor ich mich hier wieder äußere.
    Hinsichtlich Durchziehwischer habe ich eigentlich keine großen Bedenken, solange sich nichts verkeilt - und falls sich es sich doch lösen sollte, ist noch einmal ein zweiter "Klebepunkt" als Ersatz mit dabei.
    Ich habe die Patches jetzt sowohl im Selmer Alto (SA80, Serie III) als auch Tenor (MK VI) verbaut und bei allen Saxophonen hatte ich das Gefühl einer sehr guten Passform.
    Ausgiebiger getestet habe ich bisher das Serie III (bei den übrigen stehen noch weitere Arbeiten aus). Das Sax war vorher ziemlich zickig. Nach der Installation konnte ich - so sehr ich mich auch bemüht habe - kein Flattern, Gurgeln, Motorboating, Frequenzsprünge (oder wie es sonst noch genannt wird :whistling:) mehr auslösen. Zumindest bei diesem Sax hat es echt etwas gebracht, ob der Patch der allgemeine Heilsbringer für dieses Problem ist, wird sich zeigen. Ich habe hier noch ein paar Kandidaten im Fundus, die ich so ziemlich als Endgegner bezeichnen würde...bin selbst gespannt.
     
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  17. Dr_JD_Sax

    Dr_JD_Sax Schaut nur mal vorbei

    Kleiner Nachtrag: Die Installation habe ich als einfach empfunden und denke, dass es auch für den nicht geübten Bastler mit der Anleitung kein Problem sein sollte, sofern es keine Schäden in der Mechanik gibt oder Schrauben fest sitzen. Beim Alto würde ich empfehlen auch die Klappenkäfige zu entfernen, das macht es weniger fummelig.
     
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  18. Soggi

    Soggi Ist fast schon zuhause hier

    Vielen Dank für den Patch. Habe ihn gleich installiert und ich bin über die Wirkung erstaunt. Das untere Register fühlt sich viel besser an.
    Noch einmal besten Dank.
    Viele Grüße
     
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  19. giuseppe

    giuseppe Gehört zum Inventar

    Hole den Thread mal wieder hoch. Angeregt durch das Intonationsverhalten von alten Klarinetten und einem alten Sopran mit verschiedenen Mundstücken und -positionen, macht mein Hirn zur Zeit immer wieder Gymnastik, um das Intonationsverhalten besser zu verstehen. Da möchte ich ein paar Gedanken teilen, die wie immer nicht dem Lehrbuch entspringen, sondern vor allem dem Rumprobieren mit ein paar angelesenen Fragmenten, und die gerne diskutiert und korrigiert werden wollen. :)

    Ich fange von unten an. Wenn das Mundstück einigermaßen zum Horn passt und am richtigen Punkt sitzt, stimmt die untere Oktave meistens ganz gut in sich. Mit diesem Ziel platziere ich auch erst mal das Mundstück, dass die untere Oktave in sich stimmt. Und wenn sie trotzdem nicht stimmt, kann man mit Klappenaufgängen und schmalen Korkhalbmonden im Tonloch etwas nachhelfen, der Klarinettenbauer im absoluten Ernstfall auch mit undercutting, was ja alles bei den meisten Hörnern gar nicht erforderlich und deshalb auch nicht per se zu empfehlen ist. Es gibt ja noch den Faktor Mensch, dessen Unzulänglichkeiten man nicht als Grundlage nehmen will. Wer gern bastelt, kann aber mit Korksicheln Spaß haben ohne Reue, sehr einfach rückbaubar. Eins meiner alten Hörnchen hat tatsächlich zwei ganz schmale (!) Streifen, die von solchen Versuchen geblieben sind und mir helfen, die Intonation noch ein bisschen ausgeglichener zu bekommen.

    Wenn die untere Oktave jetzt stimmt, heißt das aber nicht, dass die zweite auch stimmt. Oft driftet die zweite etwas nach oben weg. Beim eine Setup vor alle unten, beim nächsten maximal beim E2, beim dritten ab dem A2 aufwärts und beim vierten gleichmäßig. Ist es zu viel für einen natürlichen Ausgleich, liegt es in der Regel am nicht optimal passenden Mundstück und/oder der falschen Position desselben. Die Zusammenhänge sind hier schon nicht mehr ganz trivial:

    Zum einen bestimmt das effektive Mundstückvolumen vor dem S-Bogen die Konizität des Horns und damit das Überblasverhalten. Ist das Volumen zu groß, ist der effektive Konus zu flach und die Oktave gespreizt, die zweite Oktave wird zu hoch. Das Mundstück muss weiter drauf. Ein kleineres Mundstück ginge auch, muss aber weiter raus, und das ändert aufgrund der verschobenen Position indirekt das Tonlochnetz.

    Das führt zum zweiten Punkt, die Mundstückposition „beeinflusst“ das Tonlochnetz denn das Verschieben hat auf kurze Töne relativ gesehen eine viel stärkere Wirkung als auf lange. Das beeinflusst natürlich auch wieder die untere Oktave mit. (Mit der „Kunst des Einstimmens“ muss sich halt jeder irgendwann mal befassen und viele Wege können nach Rom führen).

    Zum dritten beeinflusst die Mundstückgröße direkt die Resonanz der Töne ab a2 oder so. Große Kammern machen sie spezifisch tiefer, kleine ziehen sie eher hoch, alles aber natürlich auch wieder beeinflusst vom zweiten Punkt. Ich habe das mal irgendwo gelesen, weiß die Quelle hierfür nicht mehr, meine aber vom probieren, dass das schon stimmt.

    Ich habe es aufgegeben, Vorhersagen zu versuchen, wie die obere Hälfte der zweiten Oktave und die Palmkeys auf ein bestimmtes Mundstück reagieren werden. Da oben kommen einfach viele Faktoren zum Tragen. Gerade bei alten Hörnern sind große Kammern oft wichtig (z.B. beim Conn 12M für ein korrektes D2 und E2), die müssen aber weit genug rauf und das Fenster, wo die Stimmung passt, ist klein (vermutlich weil verschieben viel Volumenänderung und Änderung der Konizität bringt, gerade für die kurzen Töne). Manchmal funktionieren aber schmalere Mundstücke weiter draußen auf dem Kork auch auf alten Hörnern gut oder sogar besser.

    Das bringt mich letztlich auf das, was mich gerade eigentlich beschäftigt. Dieser Artikel beschreibt die Grundgedanken:
    https://www.musicmedic.com/tuning-a...JFwguoPbCOKeLSE-ykETA0tdTVmvF1tPmmy8-DoCISeQM

    Außerdem gibt es im Netz eine Anleitung, wie man bei alten Martin oder Conn Baris durch anbringen eines Stück Draht an einem bestimmten Ort im Lumen der Schnecke das Volumen so anpasst, dass d2 und e2 auch mit modernen Mundstücken „runter“ kommen.

    Angeregt durch diese Info habe ich ein bisschen mit kleinen Perlen an einem Faden, die ich in den Bogen reinhänge, und mit Röhrchen am S-Bogenwingang experimentiert. Beim curved Soprano liegt beim Oktavvent des Bogens etwa das A2 und die Dicke des Nubsi dort beeinflusst ganz offensichtlich die Stimmung. Am S-Bogeneingang liegen die Palmkeys. Auch beim Tenor. Ich habe so eine Schuchthülse, die die Stimmung der Palmkeys etwas drückt und bei viel zu hohen Palmkeys vielleicht nützlich ist.

    Zum ersten Mal habe ich jedenfalls eine Idee davon, wie S-Bogendesign funktioniert. Aus akustischer Sicht müsste es für alle Töne eines spezifischen Instruments und Mundstücks einen optimalen Bogen geben bzw. ein optimales Mundstück für jedes Sax, deren Innengeometrie sich allein daraus ergibt, wieviel Volumen (bzw. Diameter) an jedem Ort entlang der Längsachse vorhanden ist (es würde mich nicht überraschen, wenn das 4C für viele Hörner recht nah dran ist).

    Freue mich über Reflexion, Ideen und Erfahrungen!
     
    Klimper-Muddi gefällt das.
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