Mundstücke mit eingeschnittenem Tisch....

Dieses Thema im Forum "Mundstücke / Blätter" wurde erstellt von Al Bundy, 6.März.2026 um 21:29 Uhr.

  1. Onkel D

    Onkel D Ist fast schon zuhause hier

    Ohne den Rest Deiner Aussage anzweifeln zu wollen: Dieser Teil stimmt nicht. Du bläst ja oben Luft rein, also muss auch Luft rausgehen. Es entsteht also eine Strömung vom Mund bis mindestens zum ersten offenen Loch. Also im unteren Register bis zur ersten offenen Klappe.

    Dieser Luftstrom mag hilfreich sein oder hinderlich, aber er entsteht, wenn das Blatt-Mundstück-System offen ist und ist eine zwangsläufige Folge der Anregung des Blattes.

    Deshalb muss man ja auch nur einatmen beim Spielen, da Ausatmen erfolgt bei der Tonerzeugung. Und spüren kann man den Luftstrom auch, beispielsweise wenn man nur den S-Bogen ohne Sax nimmt. Bei Zweifel einfach mal einen Luftballon dahinter hängen.
     
  2. giuseppe

    giuseppe Gehört zum Inventar

    Grau ist alle Theorie. Sorry, den Partypooper zu machen. Mal davon abgesehen, dass die Blattnahe Abrisskante beim DV nur weiter hinten ist und der Zweifel an der Theorie meines Erachtens sehr berechtigt ist (es geht um Schwingungsimpedanzen, nicht um lineare Flüsse), erreichen die DVs genau das nicht, was die Werbung verspricht.

    Ich habe mehrere besessen, NY, dann Chi, als sie neu waren und halb so teuer. Toll gearbeitet, extrem gut ansprechende Bahn, super System mit dem Ring, der nur an den Kanten dichtet (was für mich sinnvoller ist als jeder Druck von oben). Wunderschöner Klang mit großer obertonreicher Komplexität schon bei geringer Lautstärke, im Wohnzimmer, vielleicht auch am Mic.

    Aber das
    konnten sie für mich eben gar nicht gut.

    Sofort auf 100% ohne Widerstand und gegen eine laute Umgebung dann eher untermotorisiert und giftig schrill, wenn man wirklich versucht, zu pushen und durchzukommen.

    So sehr ich die Mundstücke zu Hause geliebt habe, so wenig hat mir gefallen, was ich auf lauter Bühne und auf Aufnahmen davon von mir gehört habe. Vielleicht war es ein Anwenderfehler oder eine Inkompatibilität. Aber die Story mit den zwei Luftströmen und ihrem mutmaßlichen Resultat krankt für mich schon am Ergebnis.
     
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  3. Alex_Usarov

    Alex_Usarov Ist fast schon zuhause hier

    Meines Erachtens laufen da tatsächlich zwei Ströme hindurch. Zumindest für kurze Zeit.
    Wenn man reinbläst, geht die Luft als der einzige Strom bis zu der Kammer. Dann fließt das Meiste in die Kammer hinein, das kleine Teil aber wird durch diesen Ausschnitt gejagt (Druck und Geschwindigkeit), wo es am Ende eine Wand findet (Baffle)). Und wenn es da einstößt, schießt es mit hoher Geschwindigkeit hinauf und hebt das Blatt an. Das ist zumindest mein Verständnis von Jody Jazz.

    Liebste fantasievolle Grüße,

    Alex ;)

    P.S. ich würde mir gerne diese Aussparung genau anschauen. Ob da irgendeine Neigung oder ein Schliff gibt.
     
  4. ppue

    ppue Mod Experte

    Es bläst also ein Wind durch das Horn. Was ist für dich Wind und was Blasen? Natürlich geht Luft auch hindurch. Aber es ist eben kein Wind. Und worauf es ankommt, ist eben die stehende Welle.
    Am Ende des Alphorns wirst du keinen "Wind" spüren. Schon wenn du nur auf dem S-Bogen bläst, spürst du mehr das Viebrieren der Welle als die bewegte Luft.
    Ein Sax spielte auch mit einem luftunabhängigen Schwingungserzeuger.

    Man kann das einfach ausprobieren, wenn man auf den Lippen pfeift. Der Ton (die Welle) bleibt die Gleiche, ob du nun Luft einziehst oder ausbläst. Er ist also noch nicht einmal abhängig von der Blasrichtung.

    Auch das stimmt leider nicht.
     
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  5. Onkel D

    Onkel D Ist fast schon zuhause hier

    Nicht für mich, sondern für alle ist Wind die gerichtete Bewegung von Luftmassen in der Atmosphäre relativ zur Erdoberfläche.
    Da Du den Begriff auf das Sax anwendest, habe ich vermutet, dass Du es nicht auf die Erdoberfläche beziehst und Dir die Atmosphäre wurscht ist. Damit bleibt von der Definition von Wind in Deinem Sinne übrig: Die gerichtete Bewegung von Luftmassen.

    Und die findet im Sax nunmal statt. Und zwar vom Mund zum Loch. Da wäre also eher die Frage an Dich: Was macht diese Strömung für Dich zu einem nicht-Wind?

    Blasen ist... nee, das wird mir zu doof. Der Begriff "Blasen" ist hier auch echt nebensächlich und hat nun wirklich wenig Relevanz für die Vorgänge im Sax.
     
    Zuletzt bearbeitet: 7.März.2026 um 17:24 Uhr
  6. ppue

    ppue Mod Experte

    Ist aber völlig unbedeutend für den Ton, außer eben an der Stelle, wo sie durch Unterdruck an der schmalsten Stelle, also zwischen Mundstück- und Blattspitze, das Vakuum erzeugt und das Blatt quasi ansaugt.
     
  7. giuseppe

    giuseppe Gehört zum Inventar

    Nun ja, das tut es wohl, sonst wäre nach dem tiefen Bb nicht die Lunge so schnell leer. Und ja, man kann es auch mit anderen Geräten anregen, um das Prinzip zu beweisen, aber so funktioniert das Saxophon halt normalerweise nicht. Wir pusten rein, und zwar mit Geschwindigkeiten die am oberen Ende bernoulli-relevant sind.

    Aber ich gebe dir dahingehend recht, dass das nicht das Ickinger Wehr ist und die Vergleiche mit Stromschnellen schon wenige Millimeter nach der Blattspitze vermutlich einen Großteil ihrer Gültigkeit verlieren.

    Wir benutzen den Luftstrom, um mittels Bernoulli eine Schwingung zu erzeugen, und je effektiver das Mundstück-Blatt-System ist, desto weniger Luft brauchen wir für die gleiche Schwingung. Für mich ist das ein Knackpunkt und bei den DVs hatte ich das Gefühl einer besonderen Effizienz nur im niedrigen Lautstärkebereich. Free-Blowing ist jedenfalls ein ziemlich missverständlicher Begriff. Wenn das Ding mal klingt, geht es vor allem um Resonanz und Schwingungsimpedanz, klassische Flusswiderstände verlieren Relevanz.

    Ich bin kein Akustiker, aber jeder der schon mal mit dem Unterschied von Gleichstrom- und Wechselstrom-Schaltungen in der Elektrik zu tun hatte bekommt ein Gefühl dafür, wie sich Widerstände und Hindernisse plötzlich anders verhalten, wenn etwas oszilliert.
     
  8. ppue

    ppue Mod Experte

    Was aber nur bedingt etwas mit einer stehenden Welle zu tun hat. Die besteht aus einer Rückkopplung, die beim Wechselstrom nicht gegeben ist, so ich das richtig sehe.
     
  9. Onkel D

    Onkel D Ist fast schon zuhause hier

    Dazu hatte ich auch gar nichts gesagt.
     
  10. ppue

    ppue Mod Experte

    Für mich ist das kein Wind, der vorne aus dem Saxophon kommt. Natürlich ist da, unbestritten, eine Luftbewegung.
     
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  11. Alex_Usarov

    Alex_Usarov Ist fast schon zuhause hier

    Diese These zu prüfen ist leichter als leicht. Mann sägt dem Blatt die Feder ab, klebr einen Streifen Zeichenkarton drauf und spannt das Pseudoblatt abwechselnd auf Jody und Nich-Jody mit der gleichen Öffnung. Und wenn bei Jody der Streifen höher aufsteigt, ist was wahres dran.
    Habe leider kein Jody. Noch)
     
  12. altoSaxo

    altoSaxo Strebt nach Höherem

    Die Luft kriecht quasi lautlos aus dem Saxophon.
     
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  13. ppue

    ppue Mod Experte

    Genau das. Der Ton entsteht dadurch, dass Druckwellen im Instrument hin und her laufen und diese Druckschwankungen an die umgebende Luft abgegeben werden, dabei bewegen sich die Luftteilchen nur hin und her. Deshalb macht ein großer Lautsprecher auch keinen Wind, höchstens noch eine spürbare Vibration.
     
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  14. JES

    JES Gehört zum Inventar

    Was du beschreibst gilt nur für Spaltklappen. Die sind eher in der Großfliegerei üblich. Der Sog wird aber weniger durch den Spalt erzeugt. Der Spalt sorgt eher dafür, dass der Strömung auf der profiloberseite zusätzlich Energie zugeführt wird. Damit kann dann die Strömung stärkeren Wölbungen folgen ohne abzureißen. Dieses Prinzip hier auf ein Mundstück zu übertragen wird nicht funktionieren, weil der Mechanismus anders ist. Die Luftströmung im Saxophon ist nur ein Nebeneffekt, den es braucht, die Blattspitze in Schwingung zu versetzen bzw Verluste durch Dämpfung zu ergänzen. Der charm der schwingungsanregung mittels Luftstrom ist, dass sich die frequenz der schwingung über die impetanz der Luftsäule hinter der blattspitze bis zum relevanten tonloch selbst reguliert. Andernfalls könnte man das blatt auch bsp piezoelektrisch anregen...
     
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  15. ppue

    ppue Mod Experte

    Nö, tut sie nur bis zu einem bestimmten Grad. Je tiefer der Ton, desto länger muss der schwingende Teil des Blattes sein und umgekehrt. Die Tonhöhe wird hauptsächlich durch drei Faktoren bestimmt: Raum im Korpus des Instrumentes, Rachen- und Mundraum und Länge des schwingenden Teils des Blattes.
     
  16. cwegy

    cwegy Ist fast schon zuhause hier

    Gibt es eigentlich noch andere, so gearbeitete Mundstücke?
     
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  17. Analysis Paralysis

    Analysis Paralysis Ist fast schon zuhause hier

    [​IMG]

    Rovner Deep V.
     
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  18. JES

    JES Gehört zum Inventar

    Wenn du meinst....
     
  19. Sandsax

    Sandsax Gehört zum Inventar

    Nicht ganz so extrem lang, dafür breit ausgeschnitten:

    Warburton/ MacSax

    IMG_7302.jpeg
     
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  20. Alex_Usarov

    Alex_Usarov Ist fast schon zuhause hier

    Da ist jetzt ein größeres Bild von DV zum Vergleich. Meine Vermutung, dass das Ende der Aussparung eine zum Blatt hin gerichtete Neigung hat, war ein Fehler. Aber ich meine jetzt, dass diese Neigung doch gibt, nur ist sie Richtung Kammer gerichtet. Das würde möglicherweise heißen, dass die Luft, die in dieser Rille (da unten vom Blatt abgedeckt) mit etwas höherem Druck und Geschwindigkeit (weil enger) gezielt in die Kammer hinein fließt.

    Könnte vielleicht ein glücklicher DV Besitzer ein Foto von dieser Stelle posten, auf dem man sieht, wie dieses Ende der Aussparung genau aussieht?
     

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