Vorbereitungen zur Messung der Konizität unserer Saxophone

Dieses Thema im Forum "Saxophone" wurde erstellt von ppue, 29.Mai.2026.

  1. Anna

    Anna Schaut öfter mal vorbei

    Otfried hatte ja angeregt, auch das fehlende Volumen am S-Bogenende zu ermitteln. Um die Höhe des Kegels zu berechnen, brauchen wir die Steigung des S-Bogens. Die habe ich analog zum Hauptrohr ermittelt mit zwei Durchmessern d1 und d2 und deren Abstand. (Hier wird es denke ich schon ziemlich ungenau, da der "gerade" Abschnitt sehr kurz ist.)

    Vielleicht sind auch Fehler drin, ich habe nicht alles doppelt und dreifach geprüft ;)
     
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  2. Saxoryx

    Saxoryx Strebt nach Höherem

    Das ist ja interessant, was aus meiner kleinen Weitergabe der Feststellung meines Saxdocs geworden ist. Für mich sind Messwerte letztendlich weniger interessant (obwohl ich das irgendwann noch messen werden, wenn ich Zeit habe), sondern mehr der Klang des Horns. Und da habe ich an diesem Samstag bei der ersten Bandprobe seit meiner Rückkehr mit dem Sax festgestellt, dass es sich klanglich ungeheuer gut einpasst. Deutlich hörbar besser als meine anderen Altos. Mit demselben Mundstück und Reed. So weich und warm wie ein schöner Sonnenuntergang. Es lässt sich auch ungeheuer leise spielen, ohne die Fülle zu verlieren. Was mir mit meinen anderen Altos nicht so gut gelingt. Also der Unterschied ist da, ob gemessen oder nicht. Denn dasselbe Setup, dieselbe Spielerin, aber anderes Horn, und dann dieser Effekt, da muss etwas sein.
     
  3. ppue

    ppue Mod Experte

    Kann es sein, dass deine anderen Altos nicht 100%ig dicht sind?
     
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  4. Saxoryx

    Saxoryx Strebt nach Höherem

    Nein, überhaupt nicht. Eins davon war ja jetzt auch gerade beim Saxdoc mit und ist wieder wie neu. Und das andere ist auch dicht. Es ist fast noch neu und hatte nie Probleme. Es ist einfach das Horn, das anders klingt, so weich wie keins meiner anderen Hörner. Als ich allein gespielt habe, habe ich mehr das Kraftvolle bemerkt, vor allem auch, weil meine Mikrofone teils überfordert waren, aber in der Bandprobe habe ich die "Teamfähigkeit" bemerkt, wenn man das so nennen will. Mit dem Horn habe ich wirklich ganz unbewusst etwas ganz Besonderes eingekauft.
     
  5. ppue

    ppue Mod Experte

    Danke für die Aufklärung.

    Ich will noch einmal erklären, warum mich das Volumen weniger interessiert. Mensur und Bohrung im Hauptrohr sind feste Werte. Zu diesen Werten passt genau ein Volumen in Mundstück und S-Bogen, auf dass das Instrument optimal in sich stimmig ist. Da ich das Mundstück verschieben kann, kann ich dieses Volumen auch optimal einstellen. Da es sich durch das Verschieben aber ändert, nutzt es mir nichts, das Volumen auszurechnen.
     
  6. Anna

    Anna Schaut öfter mal vorbei

    In Ordnung, verstanden. Aber andere interessiert es vielleicht :)
    Ich zum Beispiel bin nach wie vor daran interessiert, herauszufinden, warum sich meine beiden Altos bei der Intonation so unterschiedlich verhalten. Mit Mundstücken hatte ich schon experimentiert, das Kegelvolumen berechnet noch nicht. Das Ergebnis hätte ich umgekehrt erwartet bei dem was man so üblicherweise hört, daher finde ichs schon wieder spannend.
    Ich darf zitieren:
    :D

    Der Sinn dieses Themas bestand ja auch darin, einen Konsens zu finden, was und wie zu messen ist. Was ich da herausgelesen habe, habe ich versucht, einfach mal in die Tat umzusetzen. Meine Tabelle ist hier, weitere Daten kann ich gerne eintragen, allerdings nur in unregelmäßigen Zeitabständen. Auch Ergänzungs- und Korrekturvorschläge könnt Ihr gerne machen.
     
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  7. giuseppe

    giuseppe Gehört zum Inventar

    Volumen ist aber nicht gleich Volumen hier, da die Konizität jedes einzelnen Tons hier mit reinspielt. Kurzes dickes Volumen im Mundstück überbläst meines Erachtens anders als das identische lange dünne Volumen, auch wenn das bei den missing cone Diskussionen in der Regel ignoriert wird.

    Ein Beispiel: Mein Conn 10M überbläst hübsch in die Oktave mit einem großkammerigen Mundstück. Mit einer mittleren Kammer (Berg 2) funktioniert das Horn auch gut und kann auch relativ rein gestimmt werden. Allerdings ist es für mich insgesamt dann zu hoch. Ich muss mit dem Mundstück relativ weit raus und die 2. Oktave wird schräg, ich glaube unten zu hoch und oben zu tief.

    Jetzt habe ich mir für einen modernen Zweitmarktbogen beim Blechblasmeister um die Ecke für kleines Geld eine weitere Hülse drehen lassen, damit ich ihn auf dem am Bogenkorpusübergang weiteren Conn spielen kann. Der Bogen hat die moderne Form und ist länger. Die Mensur macht logischerweise eine kleine Stufe. Mit diesem Bogen stimmt das Berg ziemlich gut. Das ganze Horn klingt aber viel mehr nach modernem Horn. Es ist immer noch wuchtig, vielleicht sogar wuchtiger, aber vom Klang viel straighter, ein paar Gewürze fehlen. Spiele ich ein großkammeriges Mundstück mit diesem Bogen, muss ich weit rauf, um nicht flat zu sein. Dann geht aber alles an A2 stark nach oben weg - auch wie auf manchen modernen Hörnern.

    Ich denke, man kann die untere Oktave geradeziehen, wenn nur das Volumen passt. Für alle überblasenen Töne muss der Querschnitt entlang der Längsachse auch in einem gewissen Rahmen passen. Der Bogen ist ein relevantes, vielleicht das relevante Steuerungselement für Sound UND Intonation.

    Leider verstehe ich es zu wenig davon und würde gerne mal in die geheimen Notizen von Saxophon- und Bogenbauern schauen.
     
  8. ppue

    ppue Mod Experte

    Sicherlich spielen die Formen von Mundstück und Bogen eine gewichtige Rolle. Aber gerade deshalb klammere ich sie erst einmal aus, denn, wie man auch in deinem Beispiel sehen kann, wird mit beiden Teilen, na, eher herumexperimentiert.

    Wenn man aber grundlegende Erkenntnisse sammeln will, sollte man erst einmal herausbekommen, inwieweit die ja festgelegte Mensur bzw. Bohrung eines Instrumentes seinen Klang und Überblasverhalten beeinflusst. Es macht mir wenig Sinn, alle drei oder gar vier (incl. Becher) Bauelemente in einen Topf zu werfen.

    Es ist umgekehrt.

    Es ist eine Abhängigkeit von Volumen und Länge. Wenn du ein Mundstück, so mal rein gedanklich, einen halben Meter herausziehen würdest, dann müsstest du auch die Tonlöcher auseinanderziehen.
    Das Herausziehen des Mundstückes hat zwei Folgen:

    Zum einen verringerst du die Steigung (Konizität). Das Instrument reagiert "in Richtung" Klarinette, die überblasene Oktave wird zu hoch.
    Zum anderen wirkt sich das Herausziehen sehr stark auf die kurzen Töne (z.B. C#') aus, während es die langen Töne völlig unbeeindruckt lässt.
     
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  9. giuseppe

    giuseppe Gehört zum Inventar

    Ich werde es noch mal probieren, wenn ich wieder am Sax bin. Theoretisch bin ich komplett bei dir, in der Praxis passieren aber nochmal andere Dinge… Ich habe zum Beispiel mal bemerkt, dass bei manchen Mundstück-Horn-Kombinationen beim draufschieben des Mundstückes die Oktave relativ tiefer wird - wie Du vorhersagen würdest, weniger Mundstückvolumen, effektiv steilerer Konus, weniger hohes überblasen. Wenn man dann aber weiterschiebt, gehen die Palmkeys und vielleicht noch C/Cis wieder in Relation hoch. Da kommt das Mundstück dann offenbar zu nahe. Das mag am oben verkürzten Tonlochnetz liegen, es ist hängt aber auch von der Mundstückform ab und betrifft die 2. Oktave stärker als die 1. Oktave. Also ist es nicht nur das Netz…

    Ja, dem wollte ich gar nicht widersprechen. Halte das auch für sinnvoll für den ersten Schritt. Ich fürchte nur, ein Großteil der Musik spielt an den Enden…
     
  10. ppue

    ppue Mod Experte

    Ich denke, der Großteil der Musik spielt mit wundervoll klingenden Instrumenten, die alle ihre Eigenart haben und größtenteils in sich stimmen, weil die Hersteller mit ihren jahrelangen Erfahrungen und durch jahrelanges Ausprobieren schon nahe am Optimum gebaut haben.

    Aber ein modernes Mundstück passt halt nicht auf ein altes Horn.
     
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  11. elgitano

    elgitano Ist fast schon zuhause hier

    Genau diese Erfahrungen habe ich auch gemacht. Dazu kommt die Position und Durchmessers der Überblashülse.
    Nur ein Fazit kann ich auch noch nicht geben.
    Ferner habe ich Versuche mit Reduzierung des Durchmessers an der Mundstückaufnahme gemacht. Ein tolles, irritierendes Thema. Da glaubt man weitergekommen zu sein, am kommenden Tag passt wieder nichts.
    Aber es macht Spass
    Claus
     
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  12. elgitano

    elgitano Ist fast schon zuhause hier

    Und vergösserst das Mundstückvolumen
     
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  13. ppue

    ppue Mod Experte

    Genau, das eben verringert die Steigung.
     
  14. elgitano

    elgitano Ist fast schon zuhause hier

    Hallo ppue,
    dieses von dir beschriebene Verhalten, Richtung Klarinette, beschäftigt mich zur Zeit bei zwei historischen Instrumenten aus dem XIX Jhrh.
    Dieses Phänomen hatte ich bisher noch nicht registriert/beachtet.
    Die Oktave ist zu tief. Bei verschiedenen hist. Mundstücken zwar Unterschiedlich, aber immer zu tief.
    Was würde passieren, wenn ich den S-Bogen kürzen würde und dann das Mundstück weniger auf den Kork schiebe?
    Steigt dann die Oktave?

    Claus
     
  15. elgitano

    elgitano Ist fast schon zuhause hier

    Eventuell sogar so:

    IMG_20250925_093626907_HDR_AE.jpg IMG_20250925_094210787_HDR_AE.jpg

    Ich habe ein Stück entfernt und neu verlötet.
    Da hat es gepasst.
    Den orginalen Bogen möchte ich natürlich nicht vergewaltigen. Am Bariton zudem fest verbunden.
    Bin gespannt auf Antworten

    Claus
     
  16. giuseppe

    giuseppe Gehört zum Inventar

    Ist so Oktave zu tief, ist der Konus zu steil. Du bekommst ihn Summe auf verschiedene Arten flacher, z.B. mit einer sehr großen Mundstückkammer. Oder mit einer eher zylindrischen Bogenverlängerung. Das wäre zumindest meine Vorhersage.
     
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  17. ppue

    ppue Mod Experte

    Also ich verstehe das so, dass die Oktave flat ist? Dann hat @giuseppe recht. Je mehr in Richtung Zylinder, desto größer das Überblasintervall.

    Jetzt kommt es, gerade bei historischen Instrumenten, darauf an, für welche Stimmung die gebaut sind. Wie stimmen denn die tiefen Töne allgemein?
     
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  18. giuseppe

    giuseppe Gehört zum Inventar

    Ohne vom aktuellen Problem ablenken zu wollen, das Problem zieht sich ja ganz spannend durch den Instrumentenbau, wenn man die Augen offen hält. Bei alten, wirklich annähernd zylindrischen Klarinetten bekommt man ja auch Probleme mit der Duodezime durch den Konus, den das Mundstück erzeugt. Das bewirkt bei den meisten alten Hörnern durch den gewählten Kompromiss, dass die Duodezime der rechten Hand zu groß wird (wo der Konus in Relation weniger wirkt), während die Duodezime der linken Hand zu knapp überbläst, zu klein ist. Bei der typischen Ausrichtung des Tonlochnetz am Clarion-Register bedeutet das, dass die kurzen Töne im Chalumeau zu hoch werden (wir lassen die rechte Hand liegen) und die langen Töne im Chalmumeu zu tief (wir beißen sie hoch).

    Seit dem genialen Robert Carree wissen wir, dass man das alles durch Bohrungsvariationen ausgleichen kann. Leider ist es mir noch nicht geglückt, dies auf meinen kurzen Selmer Serie 9 Bass zu übertragen, bei dem das tiefe E und Eb flat sind, damit das lange H2 dann genau passt. Ich arbeite daran, bisher haben aber alle Putty-Versuche nicht zum gewünschten Ergebnis geführt…
     
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  19. elgitano

    elgitano Ist fast schon zuhause hier

    Es handelt sich aktuell um ein Bariton, von Claude George um 1869 wohl noch selbst hergestellt.
    Das Instrument ist auf 435 herz gestimmt, da passt die untere Oktave gut. Mit einem anderen, ebenfalls hist. Holzmundstück, krieg ich es ohne Probleme auf 440 herz in der gesamten unteren Oktave stimmig. Bei beiden Mundstücken, ebenfalls ein drittes ausprobiert, ist es in der zweiten Oktave, komplett zu tief. Die kurzen extrem, fast ein Viertelton.

    Claus
     
  20. ppue

    ppue Mod Experte

    Ist das dein Eintrag in meine Gewichtsliste, @elgitano ?

    "J.Garat Lyon tief B / Bb End XIX 1,767"

    Wenn ja, was bedeutet "tief B / Bb". Doch eher nur B bzw. in deutsch H.
     
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