IntraMic >>> Mikrofon nachbauen

Dieses Thema im Forum "Home- und Live-Recording, Tontechnik" wurde erstellt von saxop, 10.Juli.2026.

  1. ppue

    ppue Mod Experte

    Oder doch nicht?

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  2. saxop

    saxop Schaut nur mal vorbei

    Hi
    Mein Anliegen ist nicht "das Rad neu zu erfinden".
    Meine Logik sagt mir auch, dass die Position des IntraMic viel zu Nah und zu Schwingungsstörend ist.
    Zumal nach meiner Erfahrung, der S-Bogen soooo ausserordentlich deutlich Klangbeeinflussend ist.
    Tatsächlich funktioniert´s aber sehr gut beim IntraMic ... daher werde ich dieses Prinzip nicht in Frage stellen.

    Was die Zweiteilung des Mik-Vorverstärker angeht, kann ich aus Erfahrung beisteuern, dass der VV grundsätzlich unmittelbar hinter dem Mik sitzen sollte.
    Hierbei machen wenige cm (5cm statt 50cm) ein gewaltiger Unterschied bzgl. Störeinstrahlung!
    Daher versuche ich auch den VV am S-Bogen zu befestigen. Wenn der über eine 2032 gespeist werden kann, sollte das kein großes Problem dar stellen - vielleicht einwenig "fummelig".
     
  3. ppue

    ppue Mod Experte

    Ja, Moment, das scheint mir ein Denkfehler zu sein. Der Klang ist am Bogenanfang nicht anders als am Ende, denn es handelt sich um eine stehende Welle. Und in dieser Welle ist alles überall vorhanden, was zu ihrer Enstehung und Komplexität beiträgt.

    Also auch, wenn die S-Bogenform im weiteren Verlauf den Klang beeinflusst, ist der vorne im Bogen, wie auch hinten, gleich. Die Welle läuft quasi im Instrument hin und her.

    Das ist die Schwierigkeit von vielen hier, dass sie denken, am Mundstück entstünde ein Ton, der dann durch das Instrument nach vorne getragen wird.
    Es entsteht nur eine Schwingung, die zum ersten offenen Tonloch getragen wird und von dort zurückschwappt. Schwappt sie in der rechten Zeit (mit der richtigen Phase) zurück und kommt im richtigen Moment beim Blatt wieder an, entsteht eine Rückkopplung. Die Wellenberge und -täler schwingen sich auf und so erst entsteht ein Ton.
     
  4. giuseppe

    giuseppe Gehört zum Inventar

    Der S-Bogen formt nicht nur viel der Obertöne, er bestimmt konkret wie bestimmte Töne überblasen. Ich habe schon mit Holzperlen an einer Schnur, nach demselben Prinzip wie das Mic in den Bogen gehängt und mit Mundstück fixiert, unterschiedliche Töne „gestimmt“. Wenn man die virtuelle Konuslänge eines Tones halbiert und dort das Lumen ändert, ändert sich die Tonhöhe des überblasenen Tons. Verringern des Lumens, z.B. durch eine Perle oder ein Mic, verstimmt den betroffenen Ton in der 2.Oktsve nach unten. Bei meinem Tenor umfasst der Bogen so in etwa das Überblasverhalten von G1 bis E3.
     
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  5. giuseppe

    giuseppe Gehört zum Inventar

    Korrigiere G2-E3. Konkret heißt das, das ein zu dickes Mic, je nachdem wo es zu liegen kommt, einem Ton oder mehrere in der oberen zweiten Oktave flat machen könnte. (2:0 für das Konzept vom Rumberger im Mundstück)
     
  6. saxop

    saxop Schaut nur mal vorbei

    Genau so habe ich die Physik auch verstanden :)
    Am Angang der Luftsäule habe ich die Grundschwingung, den Grundton.
    Der wird durch die den Luftsäulen-Abriss (offenen Klappen) unterteilt/unterbrochen. Das wiederum Rückkoppelt über den S-Bogen ins MS, letzten Endes in den Mundraum.
    Bis hierhin wäre es egal wieweit das Mik im S-Bogen (bis zur obersten Klappe) hereinragt.

    Die Klangfarbe/Obertöne/Soundcharakter nimmt im Laufe der Luftsäule deutlich zu. Die Lautstärke verändert sich.
    Um den unverfälschten (einfachen) Grundton (bei gleichbleibender Lautstärke!) zu entnehmen, kann ich die Position nähe MS sehr gut nachvollziehen.

    ABER, sobald ich das passende Mik gefunden habe, ist es einen Versuch wert, das Mik über die Okt-Klappe hinaus cm-Weise in den S-Bogen zu schieben - und zur Reproduktion, dabei aufnehmen+besprechen.
    ________________
    PS:
    Ich werde mich heute mal mit einem befreundeten Ton-Ingenieur über Feuchtigkeit/Nässe bei Mikrokapseln unterhalten.
    Vielleicht (hoffentlich) liege ich mit meiner Befürchtung völlig falsch. DAS würde die Mechanik (ohne GoreTex etc.) wesentlich einfacher gestalten.
    Klar, Lötkontakte werden natürlich versiegelt!
     
  7. giuseppe

    giuseppe Gehört zum Inventar

    Das glaube ich nicht. Ich denke auch, wie @ppue schon schrieb, dass die stehende Welle im Horn zwar überall entlang ihrer Länge beeinflusst und geformt wird, diese spezielle Form inklusive aller Obertöne aber an jedem Ort im Horn mit sich führt.
    Das ist möglich, ich glaube aber, dass wir nicht das gleiche denken. Da die Welle hin und her schwingt im Horn, der Querschnitt im Horn sich aber nach oben verjüngt, erscheint es plausibel, dass lokale Druckunterschiede und/oder Teilchengeschwindigkeiten im S-Bogen höher sind als weiter unten im Horn. Möglicherweise kann man entsprechend höheren Schalldruck ableiten. Aber die Mathematik um das zu beweisen, kenne ich nicht mehr, das übersteigt meine Fähigkeiten.

    Aber etwas anderes beeinflusst die Lautstärke im Horn drin in unterschiedlicher Weise. Wenn du außerhalb vom Trichter die Klangabstrahlung mit einem Mikrophon aufzeichnest, hast du ein Signal, das mit zunehmendem Abstand exponentiell an Schalldruck verliert, aber letztlich bleibt es gleich.
    Wenn du die stehende Welle im Horn abnimmst, ist die Situation anders. Jeder Ton hat in dieser Welle feste Wellenberge und -täler. Das bedeutet konkret, dass es zum Beispiel für ein A2 einen Ort im S-Bogen gibt, in dem die Luftmoleküle fast auf der Stelle stehen, sich der Luftdruck mit der Schwingung aber ständig ändert. Hier kann man volle Lautstärke mit einem Mikrophon aufzeichnen. An einem anderen Ort im S-Bogen wird beim A2 der Luftdruck durch den Zyklus immer stabil bleiben, während die schwingenden Teilchen wie beim Tennis hin- und herfliegen. Ab diesem Knotenpunkt der stehenden Welle kannst du nur ein viel zu leises Signal aufzeichnen.

    Und jetzt kommt eine Krux der Methode: Die „zu leisen“ Knotenpunkte sind für jeden Ton woanders. Und wenn ich es richtig in Erinnerung habe war eben bei Rumberger einer der Gründe für den Ortswechsel ins Mundstück, dass man da für den Normalumfang weniger dieser Probleme hat.
     
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  8. giuseppe

    giuseppe Gehört zum Inventar

    Dies Vermutung ziehe ich zurück, nachdem ich nochmal darüber nachgedacht habe. :)

    Ich denke, die Teilchengeschwindigkeiten ändern sich, die Druckamplitude aber eher nicht. Damit ändert sich auch der Schalldruck in der Röhre nicht. Wie gesagt, berechnen kann ich es nicht. Die konische Röhre als Kugelsegment ist einfach kompliziert…
     
  9. ppue

    ppue Mod Experte

    Guter Einwand mit den Schwingungsknoten, @giuseppe. Beim Austesten verschiedener Positionen des Mundstücks sollte man also unbedingt die chromatische Tonleiter in möglichst gleicher Lautstarke aufnehmen, um zu eruieren, ob die Töne nicht unterschiedlich laut abgenommen werden.
     
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  10. saxop

    saxop Schaut nur mal vorbei

    Ich hatte soeben versucht die Wellenlängen einer Bassklarinette nachvollziehbar zu berechnen/dokumentieren.
    Verwarf diese Idee aber direkt wieder, da es sich bei unseren Blasinstrumenten nicht um einfache mathematsch, stehenden Wellen handelt.
    Quelle: ab Seite 18

    Dauernde "natürliche" Phasenverschiebungen, Überlagerungen, Luftdichte, Auslösungen, Reflektionen, Resonanzen, Rückkopplungen und Dämpfungen innerhalb der Luftröhre können nur mit dem komplexen Physical Modeling (=PM) berechnet/simuliert werden. PM ist mir nicht fremd, tiefere Ebenen übersteigen aktuell meine Fähigkeiten. Alles natürlich auf Luftmoleküle bezogen ;-)
    Als Fazit verstehe ich aber, dass es nie feste Frequenzgipfer und -täler gibt, um das Mikro optimal zu positionieren - besonders bei tiefen Frequenzen.
    Selbst tiefergehende PM-berechnungen sind bei dem teils caotischen Partikelverhalten nur als Annäherung zu verstehen!

    2 Quellen zum Vertiefen;
    Wellenlänge
    Phasengeschwindigkeit
     
  11. saxop

    saxop Schaut nur mal vorbei

    Hi.
    Als Mik-VV kann ich mir auch den KEMO 040 vorstellen.
    Das Teil ist super leicht, klein, einfach anzuschließen und arbeitet bereits ab 5V (USB-Power, oder 2* 2032 in Reihe).
     
  12. Nilu

    Nilu Ist fast schon zuhause hier

    Ich habe keine Lösung für die Anfrage zum Selberbauen.
    Nur einen kleinen Mikro-Soundvergleich unter Idealbedingungen.

    Mir gefällt das RE-20 mit Abstand am besten.
     
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  13. giuseppe

    giuseppe Gehört zum Inventar

    Diese Link läd mich zu einem Gespräch mit @ppue ein, welches zwar erhellend seine könnte, ich möchte aber ungern erst 18 Seiten bis zur Erleuchtung schreiben. Bei den beiden Wikipediaartikeln ist mir der Nutzen nicht klar. Die Wellenlänge sollte man natürlich überrissen haben und abschätzen können. Wofür wir die Phasengeschwindigkeit bei der Mikrofonierung in der stehenden Welle brauchen, habe ich vielleicht nicht verstanden.

    Die Wellenlänge in einer Klarinette überschlagsmäßig für verschiedene Töne zu berechnen halte ich grundsätzlich für einfacher als in einem konischen Instrument. Was mir beim Sax beim Visualisieren für verschiedene Zwecke (wie zum Beispiel Experimente mit dem Stimmen) hilft, sind die Tonlöcher für tief D bis F (Vorsicht D ist ein Gabelgriff, liegt etwas höher als der eigentliche Ort) und die Pendants in den Palmkeys. Das sind jeweils die Stellen am Korpus, bei denen die Welle in etwa halbiert ist. Den Rest kann man für praktische Zwecke meines Erachtens extrapolieren.
    Oder man probiert halt einfach aus, wo das Teil gut und schlecht aufzeichnet und wie es die Stimmung verzerrt.
     
  14. ppue

    ppue Mod Experte

    Man könnte das Mikro von unten (vielleicht durch die C#-Klappe) in das Saxophon schieben und hören, welche Positionen sich bei welchen Tönen wie auf Dynamik bzw. Intonation auswirken.
     
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