Bassklarinetten von Backun

Dieses Thema im Forum "Klarinette" wurde erstellt von altoSaxo, 5.August.2025.

  1. schwabsax

    schwabsax Nicht zu schüchtern zum Reden

    Seit einiger Zeit stand bei mir die Anschaffung einer Bassklarinette an. Ich blase bislang Sopran-, Alto-, Tenor- und Baritonsaxophon sowie Bb-Klarinette (Yamaha CSG III). Die Anschaffung eines Horns über 10.000 kam nicht in Frage, aber vergangene Woche gab ich mir einen Ruck, brach von Lübeck nach Berlin auf, um mich dort im Fachhandel ein wenig kundiger zu machen durch vergleichendes Anblasen der einen oder anderen Bassklarinette und Berstung. Ich beschloss eine möglichst ergebnisoffene Haltung zu wahren und ging vor Ort eher unvoreingenommen an‘s Werk. Nach einiger Zeit blieb ich bei zwei Modellen hängen: Backun Q Cocobolo und Backun Alpha Low Eb. Nun bin ich nicht der Fachmann für Bassklarinetten, was mir bei diesen beiden Modellen jedoch sofort auffiel war die präzise Intonation, die Homogenität der Skalen über alle Register hinweg, die Ergonomie und Qualität der Mechanik. Auch der wohldosierte Widerstand (Tendenz in Richtung free-blowing). Die hier auch bereits besprochene Triple-Oktavmechanik ist wirklich ein Segen: das kurze Bb klingt rein und offen, rund, die Töne des oberen Registers sind leicht zu kontrollieren. Augenscheinlich verwendet die Alpha die selbe Mechanik wie die Q, d.h. die gleiche, denn auf der Alpha sitzt gehärtetes, geschmiedetes Messing, auf der Q hingegen Neusilber. Wenn die Qualität des Materials stimmt, ist gehärtetes Messing aus meiner Sicht kein Nachteil. Im Saxophonbau wird es überwiegend verwendet. Ich bin leider mit für einen Kerl sehr kleinen Händen ausgestattet, weswegen ich mittlerweile seit Jahren ein Yamaha Baritonsaxophon blase und nicht mehr das Keilwerth SX90, dessen Klang ich liebte, das aber für meine kleinen Flossen einfach zu wuchtig angelegt war. Die Backun Bassklarinetten schmiegten sich in meine Händchen, alle Drücker dort, wo ich sie erhoffte… Bezüglich Intonation, Homogenität kein Unterschied zwischen Alpha und Q: die Alpha verwendet Bohrung und Tonlochnetz der Q. Die Ansprache der Alpha mit ihrem äußerst robust wirkenden Kunststoff-Body sehr sehr direkt! Ich muss gestehen, dass ich doch äußerst skeptisch der Alpha begegnete u. dem, was ich über sie zuvor las, hörte und sah, doch misstrauisch gegenüber stand. Ich traue mich kaum das hier zu schreiben: aber einen gravierenden Unterschied in der Klangqualität vermochte ich nicht wirklich auszumachen. Der Ton der Alpha wirkte in allen Lagen nicht nur gut kontrollierbar, sondern stabil und das über einen sehr weiten Dynamikbereich! Er klang warm und diese spezielle „hölzerne“ Komponente, die man im Klang einer Bassklarinette sucht und schätzt, ist definitiv vorhanden. Mich beeindruckte besonders auch diese sehr große dynamische Spannweite in allen Lagen… Die Q beeindruckte mit einem weichen, sehr farbigen und reichen Ton, der mir zur eigenen Überraschung nicht besser, sondern schlichtweg anders erschien. Vergleiche hinken, aber vielleicht dieser: das Buffet Senzo in Kupfer und jenes in Messing teilen die selbe Mensur, Bohrung, das Tonlochnetz usw., sie klingen sehr ähnlich, aber nicht jeweils besser oder schlechter, ein wenig verschieden… So würde ich den klanglichen Unterschied zwischen Alpha und Q umschreiben und vielleicht verhält es sich ebenso. Es ist jedenfalls beeindruckend, welche Tonqualität mittlerweile mit modernen Kunststoff-Materialien möglich ist, Eine mir bekannte Meisterin des Holzblasinstrumentenbaues, spezialisiert auf Oboen, Fagotte u. Klarinetten, erklärte mir vor einiger Zeit, Bohrungs- und Tonlochkonzept seien maßgeblich, viel weniger das Material… Wenn sich die Alpha im Alltag als haltbar erweist, ihre Applikatur, ist sie, so scheint mir, durchaus empfehlenswert. Ich blies die verschiedenen Bassklarinetten mit Backun Vocalise G und Vandoren Classique 3 sowie Legere European Cut 3,25 und 3,0 an, wechselte zwischendurch aber auch auf Vandoren B45 und 46… ich verließ den Ort des Geschehens mit einer Alpha Low Eb und genieße es mit ihr zu arbeiten.
     
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  2. altoSaxo

    altoSaxo Strebt nach Höherem

    Hast du im Vergleich auch Q Grenadill und Alpha Low C gespielt?

    Kannst du bitte kurz erläutern, welche Aussagen oder eigenen Eindrücke (hören, sehen) dich zuvor misstrauisch machten?

    Danke u. viele Grüße
     
  3. schwabsax

    schwabsax Nicht zu schüchtern zum Reden

    Backun Q Grenadill war vor Ort leider gerade nicht verfügbar.

    Die Q gibt es nur in der Variante Low C; die Alpha Low C ließ ich links liegen, ida ich ohnehin nur bis Low Eb suchte.

    Es erregten keine besonderen Äußerungen mein Misstrauen, ich hegte wohl aus Gewohnheit, Unkenntnis oder Vorurteil gewisse Zweifel bezüglich der akustischen Qualität des Werkstoffes, obwohl ich wusste, dass es herausragende Klarinetten aus Komposit-Materialen gibt oder wirklich erstaunlich angenehm klingende aus ABS, wie etwa die Buffet Crampon Prodige.
     
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  4. altoSaxo

    altoSaxo Strebt nach Höherem

  5. Bereckis

    Bereckis Gehört zum Inventar

    Es wäre schön, wenn du zukünftig auf die Lesbarkeit des Textes (Absätze!) achtest.

    Inhaltlich finde ich deinen Text gut.

    Ich spiele seit einer Woche ebenfalls die Alpha Low Eb und hatte heute hiermit die erste Probe im Rockorchester. Top!

    Ich würde gerne die Alpha auch mal im Vergleich zur Serie Q anspielen. Besonders klanglich möchte ich mir gerne ein eigenes Urteil bilden.

    Ich habe die Alpha als tief-C und tief-Eb testen können. Für mich klingen sie gleich.

    Was Backun wirklich gut gemacht hat, ist, dass sie die gleiche Mechanik für beide Serien nutzen. Ob die Mechanik auch so nachhaltig wie von der Q sein wird, wird sich erst in einigen Jahren zeigen. Ich bin aber optimistisch!
     
    Zuletzt bearbeitet: 20.Oktober.2026
  6. Bereckis

    Bereckis Gehört zum Inventar

    Ich habe die Buffet Crampon Prodige und die Buffet Prestige Vollböhm. Beide klingen unterschiedlich gut, aber die Mechanik der Prodige "klappert" und ist weicher.
     
  7. altoSaxo

    altoSaxo Strebt nach Höherem

    Hast du beide auch direkt nebeneinander im Vergleich spielen können? Ich frage deshalb, weil ich es aus einem Video so in Erinnerung habe, dass die tief-Eb im Bass noch etwas dynamischer oder voller auf die Spielerin wirkte als die tief-C-Variante.
     
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  8. giuseppe

    giuseppe Gehört zum Inventar

    Ich glaube, dass die tief Eb häufig diesen Eindruck vermitteln, deswegen mag ich sie auch so gerne. Es kann aber zum Teil auch damit zusammenhängen, dass das Ohr näher am Trichter ist und sie insgesamt viel handlicher sind.
     
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  9. ppue

    ppue Mod Experte

    Ich hege die Unkenntnis und das Vorurteil immer noch. Ich darf aber gar nicht mitreden, weil ich von den modernen Bassklarinetten keinen Schimmer habe.

    Meine alte Buffet Crampon tief-Eb war aus Holz und irgendwann nicht mehr besonders gut spielbar. Ich hatte wenig Geld und es war preiswerter, sich das gleiche Modell in Plastik zu kaufen, als die GÜ an der alten machen zu lassen. Selber hatte ich keine Zeit, zu viele Auftritte, plötzlich Familie und soon Kram (-:

    Ich war sehr erstaunt, dass das Plastemodell dem in Holz in nichts nachstand und hatte eine gute Entscheidung getroffen. Im Laufe der Zeit aber merkte ich mehr und mehr, dass der Plastikklarinette, sagen wir mal, so ca. 1,3 % an Umami fehlten. Ist doch zu verkraften, oder?

    Dekaden später hatte ich die Mittel, die alte Holzklarinette überholen zu lassen und meine alte Liebe war sofort wieder entflammt. Mit einer Duodezimklappe spärlich ausgerüstet kommt da nichts dran, auch wenn sie immer noch die Diva beim Überblasen macht. Ich glaube nicht, dass dieser Effekt durch ein anderes Tonlochnetz erreicht werden kann.

    Aber wie gesagt, ich bin da hoffnungslos veraltet, werde auch nichts mehr ausprobieren. Vergesst einfach, was ich schrub (-;
     
  10. giuseppe

    giuseppe Gehört zum Inventar

    Ich kann das schon nachvollziehen, @ppue. Mit der kurzen Selmer Serie 9 habe ich mir einen alten Traum verwirklicht, als sie mal auf EBay aufpoppte. Sie hat einfach einen wunderschönen Klang. Sie ist nicht unbedingt einfacher zu spielen mit der zylindrischen Bohrung und der dadurch leicht verzerrten Duodezime, was moderne Klarinetten nicht haben. Aber das Umami trifft es ganz gut.
    Ob der Klang a Material oder Form hängt, wage ich nicht zu beurteilen. Auch mein alter Yamaha Plastikbass klingt sehr hölzern, nur nicht ganz so schön.
     
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  11. altoSaxo

    altoSaxo Strebt nach Höherem

    S-Bogen und Polster dürften sich ebenfalls auf den Klang auswirken.

    Bei den Polstern besteht - back to Backun BCL - auch ein weiterer Unterschied zwischen den Serien Alpha und Q.
     
  12. ppue

    ppue Mod Experte

    Welcher?
     
  13. schwabsax

    schwabsax Nicht zu schüchtern zum Reden

    Q Leder, Alpha Valentino Pro
     
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  14. altoSaxo

    altoSaxo Strebt nach Höherem

    Genau, earspasm schreibt:
    „the Model Q uses Pisoni leather pads, while the Alpha uses Valentino synthetic pads.“
     
  15. giuseppe

    giuseppe Gehört zum Inventar

    Bei Materialdiskussionen und Mutmaßungen über den Einfluss muss man ja vorsichtig sein, da für manche Leute bei ihrem Glauben diesbezüglich offenbar der Spaß aufhört. Aber da hier in der Regel nicht ganz so erbittert gekämpft wird wie z.B. auf SOTW, wage ich es einfach.

    Bei Saxophonen habe ich immer wieder Erlebnisse, die mich glauben lassen, dass Material, Materialdicke und selbst so Dinge wie Lack möglicherweise doch den Klang beeinflussen (entgegen der physikalischen Wahrscheinlichkeit, dass das viel ausmachen könnte).
    Bei Klarinetten sagen meine Erlebnisse eher das Gegenteil. Ich habe, verrückt wie ich bin, ja auch mal eine alte Metallklarinette geschossen. Und die klingt einfach nur wahnsinnig normal nach Klarinette. Genauso wie die Yamaha-ABS-Klarinette, die genauso viel (oder wenig) nach Holz klingt, wie eine Holzklarinette.

    Aber alle Klarinetten, bei denen das tiefe E im Vergleich zum überblasenen langen H zu tief ist, und das kurze E im Vergleich zum überblasenen hohen H zu hoch, klingen für meine Ohren ein wenig anders, als die modernen, polyzylindrischen Instrumente, deren Bohrung diese Verzerrrungen der einfachen zylindrischen Bohrung ausgleichen.

    Ohne es beweisen zu können ist meine Vermutung, dass hier der größte Klangunterschied bei alten und neuen Klarinetten begründet ist, mehr als im Material. Die Frage wäre natürlich, ob @ppue ‘s Buffets wirklich baugleich sind.
     
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  16. ppue

    ppue Mod Experte

    Das kann ich nur noch aus dem Gedächtnis heraus bejaen. Die Plasikklari ist ja weg. Die sind aber beide so alt, dass sie mit ziemlicher Sicherheit die gleiche Bohrung hatten. Sie waren im Handling und Überblasverhalten vollkommen identisch.
     
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  17. Otfried

    Otfried Gehört zum Inventar

    Unabhängig vom Klang.

    Ich liebe meine 3 Holzblasinstrumente. Das Grenadill fühlt sich einfach wunderbar an.

    Ich hoffe, sie halten noch mindestens so lange, wie ich noch spielen werde. Einen Ersatz könnte ich mir leider nicht mehr leisten.

    Gruß,
    Otfried
     
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  18. Bereckis

    Bereckis Gehört zum Inventar

    Nein. Grundsätzlich empfand ich beide mit Stachel klanglich gleich, aber man spielt beide alleine aufgrund Tonumgang und Göße unterschiedlich.

    Die Tief-Eb kannst du super mit Saxholder spielen und ich höre sie dann auch anders.
     
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  19. Bereckis

    Bereckis Gehört zum Inventar

    Ich freue mich auch, wenn @Toko meine Prestige tief-C von 1982 überholt hat.

    Dennoch finde ich wunderbar die Alpha tief-Eb für das Rockorchester zu haben.

    Grenadil gilt als artengeschützt.
     
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  20. altoSaxo

    altoSaxo Strebt nach Höherem

    Danke. Ja, ich höre meine BCL am Saxholder auch anders als am dem Stachel. Auf mich wirkt sie am Gurt hängend im Bass voller.
     
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